Kassenbons sind aus einem besonderen Material. (Bildquelle: GettyImages / M Stock / Bildbearbeitung GIGA)
Den Kassenbon ins Altpapier werfen? Klingt logisch – ist aber leider falsch! Warum er dort nicht hingehört und was das Umweltbundesamt stattdessen empfiehlt, erfahrt ihr hier.
Ältere Kassenbons nicht im Altpapier entsorgen
Kassenbons bestehen nicht aus normalem Papier, sondern aus Thermopapier. Dieses enthält kleine Mengen Farbentwickler, die bei Hitze im Kassen-Drucker chemisch reagieren und die schwarze Schrift auf dem Bon sichtbar machen.
Früher wurde in Thermopapier vor allem der Farbentwickler Bisphenol A (BPA) eingesetzt, der inzwischen aus gutem Grund verboten ist. Die Europäische Kommission bewertet BPA als reproduktionstoxisch, da es die Fruchtbarkeit und Sexualfunktion von Männern und Frauen beeinträchtigen kann (Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung, BfR).
Aufgrund seiner Wirkung als endokriner Disruptor – also einer Substanz, die das Hormonsystem stört und gesundheitliche Schäden verursachen kann – wurde BPA nach der Europäischen Chemikalienverordnung REACH als besonders besorgniserregender Stoff (SVHC, Substance of Very High Concern) eingestuft.
Zudem stellt Bispenol A ein erhebliches Risko für die Tierwelt und Umwelt dar. Schon geringe Mengen können bei Fischen, Amphibien und anderen Organismen die Fortpflanzung und Entwicklung ganzer Populationen stören.
Deshalb ist Thermopapier mit einem BPA-Gehalt von 0,02 % oder mehr seit dem 2. Januar 2020 in der EU verboten. Eure alten Kassenbons in Aktenordnern, auf dem Dachboden, im Keller oder in der Kramschublade enthalten aber sehr wahrscheinlich noch Bisphenol A und sollten daher nicht ins Altpapier geworfen werden.
Nicht alle Kassenbons enthalten schädliche Farbentwickler
Ein Ersatz für Bisphenol A wurde schnell gefunden: Bisphenol S (BPS) und andere Phenole. Doch auch diese Stoffe stehen im Verdacht, Mensch und Umwelt zu schädigen. Viele Hersteller haben das erkannt und bereits auf bisphenol- und phenolfreie Produkte umgestellt.
Mit bloßem Auge lässt sich nicht erkennen, ob das Thermopapier problematische Farbentwickler enthält. Phenole und Bisphenole können sich im Altpapier verteilen und über Recyclingprodukte wie Toilettenpapier wieder zum Verbraucher und in die Umwelt gelangen. Deshalb solltet ihr Kassenbons nicht ins Altpapier werfen.
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Kassenbons richtig entsorgen
Der Kassenbon gehört nicht ins Altpapier – aber wohin dann? Das Umweltbundesamt empfiehlt, Thermopapier und weiße Kassenbons grundsätzlich über den Restmüll zu entsorgen, da viele Hersteller weiterhin phenol- und bisphenolhaltige Farbentwickler verwenden.
Und wie sieht es mit den blauen Öko-Bons aus? Phenolfreie Kassenbons (Blue4est®-Thermopapiere) aus normalen Haushalten können ins Altpapier. Nur für größere Betriebe, die sehr umfangreiche Mengen der Bons entsorgen müssen, empfiehlt sich die Entsorgung über den Restmüll, da die Rußschicht aus den Bons sonst die Qualität von recyceltem Papier mindern kann.