(Bildquelle: IMAGO / Jan Huebner / Bearbeitung: GIGA)
Eine deutsche Firma hat ein neues Konzept vorgestellt, das für Passagiere teuer werden könnte.
Bei Billigfluglinien wie Ryanair, easyJet oder Wizz Air gehört es längst zum Standard, dass der günstige Ticketpreis nur das Nötigste abdeckt. Leistungen, die früher selbstverständlich waren, kosten heute extra. Dazu zählen unter anderem Aufgabegepäck, größeres Handgepäck, die Sitzplatzreservierung oder Verpflegung an Bord.
Dieses Geschäftsmodell nennt sich „Unbundling“. Gemeint ist damit das gezielte Aufsplitten von Leistungen in einzelne, kostenpflichtige Bestandteile. Die Idee dahinter ist simpel: Ein niedriger Einstiegspreis soll möglichst viele Kundinnen und Kunden anziehen, die im Laufe des Buchungsprozesses dann doch zusätzliche Optionen dazubuchen.
Deutscher Hersteller denkt Flugzeug-Sitze ohne festen Tisch
Der deutsche Sitzhersteller Recaro treibt dieses Prinzip nun auf die Spitze. Vorgestellt wurde ein neues Sitzkonzept, das auf einen festen Klapptisch komplett verzichtet. Dabei geht es um die Tische, die in der Economy-Class normalerweise an jedem Sitz vorhanden sind. Zwar sind sie oft klein oder etwas instabil, bieten aber zumindest Platz für Essen, Getränke oder elektronische Geräte.
Bei den neuen Sitzen von Recaro fehlt dieser Tisch von Anfang an. Stattdessen verfügen sie über einen speziellen Schlitz, wie das Online-Portal Aerotelegraph berichtet.
In diesen Schlitz lassen sich unterschiedliche Module einsetzen, etwa Halterungen für Flaschen, Smartphones oder Tablets. Auch eine kleine Ablagefläche – eine Art Mini-Tisch – soll optional angebracht werden können. Präsentiert wurde das Konzept laut Aerotelegraph auf der Kabinenmesse AIX in Hamburg.
Aus Sicht von Recaro ergeben sich für Airlines zwei entscheidende Vorteile: Der Verzicht auf fest verbaute Tische reduziert das Gewicht der Sitze und senkt damit den Treibstoffverbrauch. Gleichzeitig eröffnet das Modell neue Einnahmequellen, da die einzelnen Elemente kostenpflichtig angeboten werden könnten (Quelle: Aerotelegraph).
Tisch nur gegen Aufpreis – ein realistisches Zukunftsszenario?
Künftig könnte es also darauf hinauslaufen, dass Passagier:innen für einen Tisch extra zahlen müssen. Schon bei der Buchung wäre dann zu entscheiden, ob man während des Flugs eine Ablagefläche oder Halterung benötigt – oder ob man diese gegebenenfalls an Bord gegen Aufpreis erwirbt.
Bislang hat Recaro allerdings noch keine Airline überzeugen können. „Die Airlines haben noch Respekt davor, den Tisch wegzulassen“, sagt ein Unternehmenssprecher gegenüber Aerotelegraph. Angesichts der derzeit hohen Treibstoffkosten könne sich diese Haltung jedoch künftig ändern.
Doch wie reagieren die Fluggesellschaften selbst?
Ryanair ließ eine Anfrage bis zur Veröffentlichung des Artikels unbeantwortet. Easyjet hingegen erteilt der Idee eine klare Absage. Ein Sprecher erklärt: „Wir haben keine Pläne, Sitze ohne integrierte Klapptische einzuführen oder Klapptische als kostenpflichtige Zusatzoption anzubieten.“
Gleichzeitig räumt die britische Airline ein, dass eine Gewichtsreduzierung ein bewährter Hebel zur Verbesserung der Treibstoffeffizienz sei. Deshalb plant Easyjet, in den Flugzeugtypen A320neo und A321neo neue Sitze einzubauen. Diese stammen vom britischen Hersteller Mirus Aircraft Seating und sollen laut Unternehmenssprecher mehr als 20 Prozent leichter sein als herkömmliche Modelle.
Man erwarte, „dass sie erhebliche Kraftstoff- und CO2-Einsparungen liefern, während sie gleichzeitig den Komfort durch zusätzliche Beinfreiheit verbessern“. Zumindest vorerst scheint der Klapptisch im Flugzeug also nicht vom Aussterben bedroht zu sein.