(Bildquelle: Bildquelle: Screenshot GIGA)
Aktuell tauchen viele Berichte über die Zahlungsaufforderung einer Firma namens „International Inkasso GmbH“ aus Hamburg auf. Es geht um mehrere Tausend Euro für ein angebliches Lotto-Abonnement aus dem Jahr 2023. Nicht nur die Verbraucherzentrale warnt vor diesen Schreiben.
Auf den ersten Blick wirkt der Brief authentisch, aber viele kleine Einzelheiten verraten, dass es sich hier offensichtlich um eine Fälschung handelt. Das Inkassounternehmen „International Inkasso GmbH“ steht auf der „Schwarzliste Inkasso“ der Verbraucherzentrale Brandenburg. Dort wird geraten, keinen Kontakt aufzunehmen und vor allem kein Geld zu senden oder eine Einzugsermächtigung zu geben.
Was stimmt nicht mit der International Inkasso GmbH?
- Ein auffälliges Logo ziert den Briefkopf, aber dann geht es schon mit viel unseriösem Unsinn weiter:
- Als Adresse wird der Steindamm 71 in Hamburg genannt. Dort befindet sich eine echte Inkassofirma, die allerdings mit diesen Briefen nichts zu tun hat.
- Die Firma nutzt keine eigene E-Mail-Domain, sondern die Adresse [email protected].
- Als Webseite wird die nicht existente Domain www.international-serviceportal.de genannt.
- Es werden 3 Telefonnummern genannt – allesamt Handynummern.
- Laut Brief ist die Firma Mitglied im Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen (BDIU), aber in deren Mitgliederliste sind sie nicht zu finden.
- Angeblich habt ihr laut § 145 BGB ff. telefonisch einem Vertragsabschluss zugestimmt und nach einer Mindestlaufzeit von 3 Monaten den Vertrag nicht gekündigt. Hierzu muss gesagt werden, dass die Beweislast für solche Verträge Nach $ 145 BGB beim Anbieter des Vertrags liegt.
- Im Fuß des Briefes befinden sich weitere Unstimmigkeiten. Dort werden weitere ungültige Domains genannt. Außerdem befinden sich dort 2 IBAN-Angaben, bei denen alle Zahlen durch ein „x“ unkenntlich gemacht wurden.
- Auf der Rückseite folgen die Forderungen, die sich aus verschiedenen Positionen zusammensetzen und sich zu einer Gesamtsumme in Höhe mehrerer Tausend Euro summieren. Allerdings stimmt auch da einiges nicht. So werden zum Beispiel fast 700 Euro Gerichtskosten geltend gemacht, ohne dass es je zu einem Gerichtsverfahren gekommen wäre.
Anschließend wird Druck aufgebaut: Wenn nicht innerhalb weniger Tage gezahlt wird, wollen sie „Vollstreckungsmaßnahmen einleiten“ und das Konto, Gehalt, Rente und Arbeitslosengeld pfänden lassen.
Dann bieten sie einen Preisnachlass für jene an, die leichtgläubig genug sind, die deutlich geringeren „Hauptforderungen“ via MoneyGram, Ria Money Transfer, Western Union oder WorldRemit zu bezahlen.
Mittendrin ist in einer rot gedruckten Überschrift plötzlich die Rede von einer türkischen Anwaltskanzlei, die aber nicht näher ausgeführt wird.
Alternativ wird den Opfern angeboten, den Betrag zu überweisen. Da die Kontonummern im Brief unkenntlich gemacht wurden, wird hier die Lüge verbreitet, dass man die Kontonummer erst nach vorheriger Rücksprache genannt bekommt. Es ist davon auszugehen, dass es sich dann um ausländische (möglicherweise türkische) Kontonummern handelt.
Wie soll man auf den Brief von International Inkasso GmbH reagieren?
Die Antwort lässt sich in einem kurzen Satz zusammenfassen: Ignoriert das Schreiben!
Die längere Erklärung lautet: Das Unternehmen existiert überhaupt nicht. Alle Angaben in dem Brief sind gefälscht und euch kann kein Vertragsabschluss nachgewiesen werden. Eine Anzeige ist zwecklos, weil sich niemand die Mühe machen wird, den Tätern eine Falle zustellen und dann im Ausland zu ermitteln.
Ihr könnt vielleicht dem BDIU – dem die Fake-Firma angeblich angehört – noch einen Hinweis schicken, damit sie diese Firma in ihre Liste der häufigsten Fake-Absender aufnehmen.
Danach wird vielleicht noch ein weiteres Drohschreiben kommen, aber vermutlich machen sich die Hintermänner dieser Masche nicht die Mühe, noch einmal nachzuhaken. Je öfter sie aktiv werden, desto eher wirken sie unglaubwürdig.