(Bildquelle: Disney / Bearbeitung GIGA)
Der Imperial March ist mehr als nur Musik – er ist das akustische Symbol für das Böse im Star-Wars-Universum. Sobald die ersten stampfenden Takte erklingen, wisst ihr sofort: Darth Vader oder das Imperium sind im Anmarsch. Doch was, wenn wir euch sagen, dass die Wurzeln dieser ikonischen Melodie viel tiefer und älter sind, als ihr vielleicht denkt? Wir gehen der Frage auf den Grund: Ist Darth Vaders Theme nur genial geklaut?
Die erste Spur: Chopins Trauermarsch
Das bedrohliche Orchesterstück taucht erstmals in „Das Imperium schlägt zurück“ auf und dient seitdem als Leitmotiv für Darth Vader. Komponist John Williams hat damit einen unwiderstehlichen Ohrwurm geschaffen, der längst Teil der Popkultur ist – selbst von Hunden wird er interpretiert.
Doch war diese Melodie wirklich ein reiner Geistesblitz? Wer in der Musikgeschichte gräbt, stößt auf eine verblüffende Ähnlichkeit: den „Marche Funèbre“ (Trauermarsch) des Komponisten Frédéric Chopin aus dem Jahr 1839. Hört selbst und achtet besonders auf den Anfang:
Die ersten Takte mit dem düsteren Grundmotiv klingen fast wie eine 1:1-Vorlage für das Darth-Vader-Thema. Natürlich ist Chopins Stück wesentlich langsamer und entwickelt sich in eine ganz andere, melodischere Richtung. Die Ähnlichkeit des Kernmotivs ist jedoch nicht von der Hand zu weisen.
Inspiration oder Plagiat?
Hat John Williams hier also einfach kopiert? Um das zu beurteilen, muss man wissen, wer Williams ist. Er ist kein einfacher Hollywood-Komponist, sondern ein an der renommierten Juilliard School klassisch ausgebildeter Musiker, der die Werke von Wagner, Holst und Strawinsky in- und auswendig kennt.
Er bedient sich der Technik des Leitmotivs, die schon Richard Wagner für seine Opern perfektionierte: Eine kurze, prägnante Melodie, die für eine Person, einen Ort oder eine Idee steht. Darth Vaders Leitmotiv sollte bedrohlich, unaufhaltsam und militärisch klingen – und dafür griff Williams tief in die Trickkiste der Musikgeschichte.
Der wahre „Kriegsgott“ hinter Star Wars
Obwohl die Chopin-Ähnlichkeit unüberhörbar ist – die größte einzelne Inspiration für den gesamten Star-Wars-Soundtrack woanders liegt: bei Gustav Holsts Orchesterwerk „Die Planeten“.
Hört euch den Satz „Mars, the Bringer of War“ an. Der stampfende, unaufhaltsame Rhythmus, die Wucht der Blechbläser und die düstere, kriegerische Atmosphäre – das ist der klangliche Bauplan für das Galaktische Imperium. Hier findet sich die DNA des Imperial March noch deutlicher wieder als bei Chopin.
Kein Einzelfall: Wo Williams sich sonst noch inspirieren ließ
Dieses Vorgehen ist in der Filmmusik absolut üblich und ein Zeichen von Kennerschaft, nicht von Faulheit. Große Komponisten stehen immer auf den Schultern von Giganten. Hier sind weitere Beispiele, bei denen sich Williams offensichtlich bei den Meistern bedient hat:
- Das „Der Weiße Hai“-Thema erinnert an den Beginn von Igor Strawinskys „Le sacre du printemps“ (Das Frühlingsopfer).
- Das majestätische „Jurassic Park“-Thema hat deutliche Anleihen bei der 1. Symphonie von Johannes Brahms.
- Der Star-Wars-Haupttitel selbst ist eine Hommage an den Stil von Erich Korngold und seine Musik zum Film „Kings Row“ von 1942.
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Ist der Imperial March also geklaut? Die Antwort ist ein klares Jein. John Williams hat nicht einfach abgeschrieben. Er hat bekannte musikalische Bausteine von Chopin, Holst und anderen genommen, sie neu arrangiert und zu etwas Eigenem und Ikonischem zusammengesetzt.
Er steht damit in einer langen Tradition von Komponisten wie Beethoven, die ebenfalls Melodien ihrer Zeit aufgriffen und weiterentwickelten. Sein Soundtrack für „Das Imperium schlägt zurück“ brachte ihm völlig zu Recht eine Oscar-Nominierung ein – ein Beweis dafür, dass auch die Fachwelt hier ein Meisterwerk und kein Plagiat erkannte. Frei nach dem Motto: Wenn ihr euch schon inspirieren lasst, dann nur von den Allerbesten