Manchmal sind Emojis ganz anders gemeint, als erwartet. (Bildquelle: IMAGO / Depositphotos / Rene Traut / Bildbearbeitung GIGA)
Emojis wirken harmlos, doch im Netz können sie versteckte Botschaften transportieren. Warum Kontext entscheidend ist und worauf ihr achten solltet.
Warum Emojis plötzlich mehr bedeuten können
Emojis sind eigentlich dazu da, Gefühle schnell auszudrücken. Doch in bestimmten Kontexten werden sie gezielt zweckentfremdet. Extremistische Gruppen nutzen sie als Codes, um Inhalte zu verschleiern oder sich gegenseitig zu erkennen. Für Außenstehende wirken diese Zeichen oft unauffällig. Erst im richtigen Zusammenhang wird klar, dass mehr dahintersteckt.
Genau diese Mehrdeutigkeit macht Emojis für entsprechende Gruppen attraktiv. Auch strafrechtlich spielt das eine Rolle: Inhalte können angedeutet werden, ohne sie direkt auszusprechen.
Eine vergleichsweise harmlose Verschwörungstheorie ist die „Bielefeld-Verschwörung“. Mehr dazu im Video:
» Video ansehen: Bielefeld? Gibt es doch gar nicht!
Kiwi: Symbol für transfeindliche Aussagen
Das 🥝-Emoji wird in bestimmten Kontexten als Code für transfeindliche Positionen genutzt. Hintergrund ist eine Debatte, in der die Kiwi-Pflanze als vermeintlicher Beleg für eine binäre Geschlechterordnung herangezogen wurde. Seitdem wird das Emoji teilweise verwendet, um diese Sichtweise zu unterstützen oder zu verbreiten.
Schaf: Abwertung als „Mitläufer“
Das 🐑-Emoji wurde vor allem während der Corona-Pandemie verbreitet. Es steht häufig für den Begriff „Schlafschaf“. Gemeint sind damit Menschen, denen unterstellt wird, Medien oder staatlichen Institutionen unkritisch zu vertrauen.
Weitere von Rechtsextremen verwendete Tier-Emojis
Emojis wie 🐵 Affe, 🐷 Schwein oder🐀 Ratte werden in manchen Fällen genutzt, um Menschen abzuwerten oder zu entmenschlichen. Solche Vergleiche können rassistische oder diskriminierende Inhalte transportieren.
Weitere Tier-Emojis, die eine versteckte Botschaft beinhalten können:
- 🐸 Frosch: Ursprünglich ein harmloses Meme („Pepe, der Frosch“), wurde die Figur vor allem in den USA von rechtsextremen Gruppen vereinnahmt. Zwar versuchen Online-Communities, das Symbol wieder positiv zu besetzen, dennoch taucht der Frosch weiterhin in entsprechenden Kontexten auf.
- 🦅 Adler: Der Adler ist ein traditionelles Symbol für Stärke und Macht. In bestimmten Kontexten kann er jedoch auch von rechtsextremen Gruppen aufgegriffen und ideologisch aufgeladen werden.
- 🐺 Wolf: Auch der Wolf wird mit Stärke, Durchsetzungsfähigkeit und einer vermeintlich „germanischen“ Identität verbunden.
Kugelschreiber-Emoji: Zweifel an historischer Wahrheit
Das Kugelschreiber-Emoji (🖊️) taucht immer wieder unter Beiträgen zur Erinnerung an den Nationalsozialismus auf. In diesem Zusammenhang kann es auf eine bekannte Falschbehauptung anspielen.
Dabei geht es um die Echtheit der Tagebücher von Anne Frank. Obwohl mehrere Gutachten belegen, dass die Aufzeichnungen authentisch sind, kursiert in bestimmten Kreisen die Behauptung, sie seien nachträglich mit Kugelschreiber verändert worden.
Tatsächlich gehen entsprechende Hinweise auf ein Gutachten des Bundeskriminalamts aus dem Jahr 1980 zurück, das lediglich Korrekturen auf einzelnen losen Blättern beschreibt, nicht aber die Originaleinträge selbst.
Weitere antisemitische Codes
Es gibt eine Reihe weiterer Emojis, die in bestimmten Kontexten als antisemitische Codes verwendet werden können. Oft erschließt sich ihre Bedeutung erst, wenn man die dahinterstehenden Narrative kennt:
- 🚪Holztür: Das Emoji wird in manchen Kontexten mit einer Verschwörungserzählung verknüpft, die den Holocaust leugnet. Dabei wird behauptet, die Türen der Gaskammern seien aus Holz gewesen und hätten weder Gas zurückhalten noch standhalten können. Eine These, die von Experten klar als Holocaustleugnung eingeordnet wird.
- 🧛 Vampir: Das Bild des „Blutsaugers“ greift ein altes antisemitisches Stereotyp auf.
- 🧃 Saftpäckchen: Dieses Emoji wird teilweise als Ersatz für das Wort „Juden“ genutzt. Hintergrund ist die lautliche Nähe im Englischen zwischen „Juice“ und „Jews“, wodurch antisemitische Inhalte verschleiert werden können.
Winkende Person: Manchmal mehr als nur eine freundliche Geste
Auf den ersten Blick wirkt das Emoji wie eine harmlose Begrüßung. In bestimmten Kontexten kann es jedoch bewusst zweckentfremdet werden. So wird die winkende Figur vereinzelt als Anspielung auf den verbotenen Hitlergruß verwendet.
Weitere rechtsextreme Codes und Symbole
Die Bedeutung einiger Emojis erschließt sich oft erst durch den Zusammenhang, in dem sie verwendet werden:
- Schwarz-Weiß-Rot: Die Farbkombination zum Beispiel in Form von Herzen verweist auf die Flagge des Deutschen Reiches. Sie wird von rechten und rechtsextremen Gruppen als Symbol genutzt.
- Zwei Blitze: Stehen für die sogenannte Siegrune, ein Symbol der SS. Das originale Zeichen ist in Deutschland verboten, weshalb auf alternative Darstellungen ausgewichen wird.
- Rotes Kreuz: Wird teilweise als Ersatzsymbol für das verbotene Hakenkreuz genutzt, um entsprechende Inhalte zu verschleiern.
- Clown: Dient oft dazu, politische Gegner abzuwerten oder lächerlich zu machen. In entsprechenden Kontexten kann das Emoji als pauschale Herabsetzung verwendet werden.
- Milchglas: Wird in manchen Kreisen als Symbol für die Vorstellung einer angeblichen „weißen Überlegenheit“ genutzt.
- Unterstrichene 100: Kann in extremistischen Kontexten für die Idee einer „rein weißen Abstammung“ stehen.
Was tun, wenn euch solche Emojis begegnen?
Wenn euch solche Symbole in sozialen Netzwerken auffallen, könnt ihr oft nicht viel unternehmen. Direkt unter den entsprechenden Beiträgen könnt ihr andere Nutzer darauf aufmerksam machen und Stellung dazu nehmen.
Auch lohnt sich ein genauer Blick auf den Kontext. Prüft, in welchem Zusammenhang das Emoji verwendet wird und ob weitere Hinweise auf problematische Inhalte vorliegen.
Im nächsten Schritt könnt ihr den Beitrag melden – direkt bei der Plattform oder, wenn es sich um strafbare Inhalte handeln könnte, auch bei offiziellen Stellen:
- Hinweistelefon des Verfassungsschutzes
- Onlinewache der Polizei
- REspect! im Netz
Wichtig ist, vorher Beweise zu sichern, etwa durch Screenshots mit Nutzername, Datum und Kontext. So kann der Inhalt besser eingeordnet und geprüft werden.
Warum sind solche Codes problematisch?
Solche Emojis wirken auf den ersten Blick harmlos, können aber gezielt zur Täuschung eingesetzt werden. Sie verschleiern Inhalte und machen es schwer, problematische Botschaften eindeutig zu erkennen oder einzuordnen.
Gleichzeitig dienen sie oft als Einstieg: Wer die Bedeutung kennt, fühlt sich angesprochen, während Außenstehende sie übersehen. Dadurch entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit innerhalb bestimmter Gruppen.
Hinzu kommt die rechtliche und kommunikative Grauzone. Inhalte werden angedeutet, ohne klar ausgesprochen zu werden, was Konsequenzen erschweren kann. Langfristig kann das dazu führen, dass solche Codes immer häufiger auftauchen und dadurch schleichend normalisiert werden.