Der Mond ist eines der ältesten Ordnungssysteme der Menschheit. Er strukturierte Zeit lange bevor es Kalender-Apps gab: religiöse Feste, Rituale, Landwirtschaft, Ernten. Und auch heute ist er wieder erstaunlich präsent – als kulturelles Deutungsangebot, als Lifestyle-Kompass, als Hintergrundfolie für Astrologie, Manifestation und den Glauben, der Körper „laufe“ im Mondrhythmus. Aber was davon ist Erzählung – und was lässt sich wissenschaftlich tatsächlich belegen?
In Folge 4 von „GOTT & die Welt“ geht es um genau diese Reibung, die perfekt zum Claim des Podcasts passt: Dinge ernst nehmen, die viele entweder romantisieren oder reflexhaft belächeln – und sie dann unter die Lupe der Wissenschaft legen, ohne dabei die Sinn- und Kulturfrage auszublenden. Denn beim Mond prallen Weltbilder direkt aufeinander: Für die einen ist er „Hokus-Pokus“, für die anderen längst eine Art Glaubenssystem. Die eigentliche Frage ist: Was wissen wir wirklich – und warum wissen wir so wenig über etwas, das so tief in unseren Vorstellungen verankert ist?
Zu Gast ist Prof. Dr. Kristin Teßmar-Raible, Chronobiologin und Universitätsprofessorin u.a. an der Uni Wien. Sie erforscht biologische Uhren: also die inneren Zeitprogramme, nach denen Zellen, Organe und ganze Organismen funktionieren. Ihr Blick kommt aus der Molekularbiologie und der Meeresforschung – und genau das ist entscheidend für dieses Thema. Denn bei Meeresorganismen ist der Einfluss des Mondes wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen: Korallen laichen koordiniert nach Mondphasen, und auch andere Arten richten Verhalten und Fortpflanzung an Mondrhythmen aus. Und es bleibt nicht beim „Man hat da mal was beobachtet“ – es gibt inzwischen ein immer besseres Verständnis dafür, wie Organismen Lichtreize verarbeiten und Zeitinformationen überhaupt „lesen“ können.
Von dort aus stellt sich die spannendere Anschlussfrage: Was ist beim Menschen beobachtbar? Welche Studien und Daten gibt es zu möglichen Zusammenhängen – und was lässt sich daraus seriös ableiten, ohne mehr zu behaupten als die Evidenz hergibt? Hier wird schnell klar, warum die Forschung am Menschen so viel schwieriger ist als bei Tieren: Unsere Lebensrealität ist extrem variabel. Schlafenszeiten, künstliches Licht, Schichtarbeit, Bildschirmwelten, Stress, Ernährung – wir leben zunehmend entkoppelt von natürlichen Rhythmen, und genau das macht saubere Messungen und klare Vergleichbarkeit so schwer. Anders gesagt: Selbst wenn es Effekte gäbe, würden wir sie in einem Alltag, der dauerhaft „gegen die Natur“ organisiert ist, leichter überdecken als erkennen.
Und damit sind wir bei der Metaebene dieser Folge: Warum hat Mondforschung so lange wenig Beachtung bekommen? Welche Rolle spielt die westliche Prägung durch den Sonnenkalender? Und wie beeinflussen kulturelle Vorannahmen, Forschungsgelder, wirtschaftliche Interessen und die Trennung in Fachbereiche, welche Fragen überhaupt als „seriös“ gelten? Diese Folge zeigt, dass Wissenschaft nicht nur aus Daten besteht, sondern auch aus Prioritäten – und dass interdisziplinäres Denken oft dort anfängt, wo man bereit ist, vermeintlich „komische“ Fragen wieder als echte Forschungsfragen zu behandeln.
Vom Mondkalender zum Mythos: Der Hype um den Mond
Warum der Mond-Einfluss beim Menschen schwer beweisbar ist
Korallen, Krabben, Fische: Der Mond als biologischer Taktgeber
Von der Mondentstehung bis zum Menstruationszyklus
Wie die Chronobiologie unbewusste Zeitprozesse im Leben erforscht
Aktuelle Studien zu Schlaf und Menstruation im Mondrhythmus
Wie Tiere Mondlicht wahrnehmen – und was wir noch nicht wissen
Skeptizismus, Kultur und Forschungsfinanzierung im Mond-Kontext
Warum wir biologische Wesen sind und Offenheit brauchen
Zusammenfassung: Der Mond, die Wissenschaft und offene Fragen
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Frage an euch: Wenn ihr „Mond-Einfluss“ hört – denkt ihr an Aberglaube, an Biologie oder an beides?
Produktion: Wana Limar, Partner in Crime Management Redaktion: Wana Limar, Thomas B. Ibrahim, Waslat Hasrat-Nazimi
Schnitt (Audio): Thomas B. Ibrahim