Hugin Freiherr von Greim veröffentlichte 2010 unter diesem Titel eine knapp 40-seitige Untersuchung, die sich mit den Maßnahmen der Siegermächte nach 1945 zur Veränderung des Denkens und Fühlens der deutschen Bevölkerung beschäftigt. Greim versteht sein Werk als Bestandsaufnahme dessen, was er als planmäßige Zerstörung und Neuprogrammierung des deutschen Volksgeistes ansieht. Der Autor geht von der These aus, dass der Zweite Weltkrieg nicht mit der Kapitulation 1945 endete, sondern nahtlos in einen geistigen Krieg überging. Die totale Zerstörung deutscher Städte durch den Bombenterror (Dresden, Hamburg, Köln usw.) habe nicht nur materielle, sondern vor allem psychologische Wirkung entfaltet: Millionen Menschen wurden entrechtet, vertrieben und in eine Situation völliger metapolitischer Hilflosigkeit und Orientierungslosigkeit gebracht – ein ideales Terrain für die anschließende Umerziehung. Greim stützt sich auf originale alliierte Dokumente und Äußerungen führender Politiker und Propagandisten der Siegermächte:
- Der britische Chefpropagandist Lord Vansittart sprach offen davon, dass man den Deutschen „eine ganz neue Art der Lebenseinstellung einimpfen“ müsse.
- Der amerikanische Informationskontroll-Offizier Saul K. Padover notierte 1945, die Deutschen seien „wie leere Gefäße“, die man nun neu füllen könne.
- Der jüdische Publizist Nahum Goldmann erklärte rückblickend, man habe bewusst „alles Alte zerschlagen“ müssen, um etwas Neues aufzubauen.
Die wichtigsten Instrumente dieser geistigen Umerziehung waren nach Greim:
- Die Kontrolle über Schulen und Universitäten (Lehrpläne wurden von den Alliierten diktiert, Tausende Lehrer entlassen oder in „Umerziehungslager“ geschickt).
- Die Lizenzpresse und der Rundfunk (nur genehme Journalisten durften arbeiten, jede positive Bezugnahme auf die deutsche Vergangenheit war verboten).
- Die „Kollektivschuld-These“, die durch Filme, Ausstellungen und Schulunterricht systematisch verbreitet wurde.
- Die Zerstörung oder Umdeutung zentraler nationaler Symbole und Traditionen (z. B. Preußentum, Soldatentum, Heimatbegriff).
Besonders betont Greim die Rolle der Vertriebenen: Durch die Vertreibung von 14 Millionen Deutschen aus den Ostgebieten sei bewusst die Verbindung zur eigenen Geschichte und Kultur zerrissen worden. Die Heimatvertriebenen wurden in den Westzonen als „lästige Fremde“ behandelt und durften ihre Traditionen nicht mehr öffentlich pflegen. Die Folge dieser Maßnahmen sei, so Greim, ein bis heute anhaltender Zustand der inneren Lähmung: ein Volk, das sich selbst nicht mehr traut, stolz auf seine Geschichte und Leistungen zu sein; eine Nation, die ihre eigenen Interessen nur noch zögerlich oder gar nicht mehr vertritt. Der Autor spricht von einer „geistigen Kapitulation“, die weit über 1945 hinausreicht und sich in der Gegenwart in Selbstverleugnung und übertriebener Anpassung an fremde Vorgaben zeigt. Greim schließt mit der Feststellung, dass jede echte Erneuerung Deutschlands nur möglich sei, wenn diese Umerziehung als solche erkannt und überwunden wird. Dazu gehöre die Wiederaneignung der eigenen Geschichte ohne fremdbestimmte Deutungsvorgaben sowie die Rückgewinnung eines natürlichen Selbstbewusstseins. Die Studie ist klar, sachlich und stark quellenbasiert geschrieben. Sie richtet sich an Leser, die bereit sind, die Nachkriegszeit nicht nur aus der Perspektive der Sieger, sondern auch aus der Perspektive des besiegten Volkes zu betrachten. Innerhalb weniger Jahre erlebte sie mehrere Auflagen und wird bis heute in Kreisen gelesen, die sich mit der Frage nach der geistigen Souveränität Deutschlands beschäftigen.