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Hämochromatose


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🩸 Hämochromatose auf einen Blick


Häufigste genetische Eisenspeicherkrankheit, meist gut behandelbar – wenn sie früh erkannt wird. Die Kernbotschaft:

früh daran denken, richtig diagnostizieren, konsequent entleeren.


🧬 Definition und Pathophysiologie


Hämochromatose gehört zu den Siderosen, also Eisenüberladungen des Körpers. Überschüssiges Eisen wird gewebetoxisch und lagert sich in Organen ab.


Wichtig:

• primäre Siderose = angeboren, v. a. hereditäre Hämochromatose

• sekundäre Siderose = erworben, z. B. bei Transfusionen oder ineffektiver Erythropoese


Zentraler Mechanismus der HFE-Hämochromatose:

zu wenig bzw. unangemessen niedriges Hepcidin → gesteigerte intestinale Eisenaufnahme.


🧪 Genetik


Meist gemeint: HFE-Hämochromatose

• häufigste Mutation: C282Y

• weitere Variante: H63D


Klinisch am relevantesten:

• homozygote C282Y-Mutation


Wichtig:

Genetik allein reicht nicht zur Diagnose. Wegen unvollständiger Penetranz braucht es zusätzlich den laborchemischen Nachweis der Eisenüberladung.


👀 Wann daran denken?


Frühsymptome sind oft unspezifisch:

• Fatigue, Leistungsminderung

• Arthralgien

• leicht erhöhte Leberwerte


Typisch:

Beschwerden an den MCP-Gelenken II und III.


Auch denken bei:

• unklarer Hyperferritinämie

• frühem Diabetes

• Kardiomyopathie unklarer Ursache

• endokrinen Störungen wie Libidoverlust, Amenorrhö, Hypogonadismus


🧫 Diagnostik


Erster Schritt:

• Ferritin

• Transferrinsättigung


Verdächtig:

• Transferrinsättigung > 45 %

• Ferritin > 300 µg/l bei Männern und postmenopausalen Frauen

• Ferritin > 200 µg/l bei prämenopausalen Frauen


Merksatz:

Erhöhtes Ferritin allein ist keine Hämochromatose.


Spricht für Eisenüberladung:

• Ferritin erhöht

• Transferrinsättigung erhöht


Spricht eher dagegen:

• isolierte Hyperferritinämie bei normaler Transferrinsättigung


Dann an andere Ursachen denken:

Entzündung, Infektion, Alkohol, Lebererkrankung, metabolisches Syndrom, Autoimmunerkrankungen, hämatologische Erkrankungen.


🧬 Diagnosesicherung


Gesichert ist die HFE-Hämochromatose durch:

laborchemische Eisenüberladung + homozygote C282Y-Mutation


Ergänzend:

• Transaminasen

• großes Blutbild, ggf. Retikulozyten

• organspezifische Diagnostik je nach Manifestation


🧲 Organabklärung


Leber:

• MRT zur Eisenquantifizierung bevorzugt

• Sonografie, ggf. Elastografie


Weitere Abklärung:

• Nüchternglukose / Diabetesdiagnostik

• EKG, Echokardiografie, ggf. kardiale MRT

• endokrine Achsen bei klinischem Verdacht


Auch wichtig:

Screening von Verwandten ersten Grades.


💉 Therapie


Therapie der ersten Wahl: Aderlass (Phlebotomie)


Typisch:

• 400–500 ml pro Sitzung

• in der Induktionsphase meist alle 1–2 Wochen

• Ziel-Ferritin: ca. 50 µg/l


Kontrollen:

• Hämoglobin vor jedem Aderlass

• Ferritin regelmäßig zur Steuerung


🥗 Begleitmaßnahmen


Sinnvoll, aber nicht ersetzend:

• keine Eisenpräparate ohne Indikation

• Vitamin-C-Präparate meiden

• Alkohol reduzieren, v. a. bei Leberbeteiligung

• rohe Meeresfrüchte meiden

• Ernährung unterstützt, ersetzt aber nie die Entleerungstherapie


📈 Prognose und Nachsorge

Bei frühem Therapiebeginn ist eine normale Lebenserwartung möglich. Bereits entstandene Schäden – besonders Arthropathie und Zirrhose – sind oft nicht vollständig reversibel.


Nachsorge:

• Ferritin und Transferrinsättigung meist alle 6 Monate

• organbezogene Kontrollen je nach Befund

• bei Zirrhose: HCC-Screening alle 6 Monate


📝 Take-home-Messages


• Hämochromatose ist die häufigste genetische Eisenspeicherkrankheit.

• Diagnostisch entscheidend sind Transferrinsättigung + Ferritin, nicht Ferritin allein.

• Gesicherte Diagnose: Eisenüberladung im Labor plus passende HFE-Genetik.

• Therapie der Wahl ist der Aderlass.

• Nicht jedes hohe Ferritin ist eine Hämochromatose – aber ohne Transferrinsättigung wird sie leicht übersehen.

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