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Jetzt sei „der Zauber gebrochen“, heißt es einmal in dieser Geschichte, „die letzte Spur der Geliebten war verschwunden“. Bitter. Auch, weil all das Erzählte in Strindbergs „Herbst“ paarpsychologisch vollkommen nachvollziehbar ist. Hier wird nicht gewertet, geurteilt, es wird dargestellt, schonungslos. Zum Ende hin wird es immer härter, unbarmherzig, aber: nicht ganz ohne Hoffnung. Und ja! Die gab es zuvor auch schon: Als der Mann aus beruflichen Gründen einige Wochen von zu Hause weg ist, beginnt er, seiner Frau Briefe zu schreiben, in Worten, die sie lange nicht oder noch nie von ihm gehört, gelesen hatte. Die Eheleute begegnen sich nun auf einer neuen Ebene, etliche Liebesbriefe fliegen hin und her. Doch die Annäherung verharrt im Schriftlichen. Als sie sich wiedersehen, ohne die Kinder und in großer Hoffnung auf eine Erneuerung der Liebe, schaffen sie es nicht, herauszukommen aus dem Gewohnten, hinzukommen zu dem anderen, wegzukommen von den eigenen Hemmungen. Kein Aufeinander-Zugehen, keine verständnisvolle, empathische Kommunikation – alles nicht mehr möglich. Nur im Streit wirken sie hemmungslos, da geht es ordentlich zur Sache. Eine Beziehung im Herbst. (Die Jahreszeiten symbolisieren in der Beziehungsbeschreibung durchweg die Lage der beiden.)
Diese in ihrer desillusionierenden Darstellung ungewöhnliche Paar-Geschichte ist in weiten Teilen vom männlichen Blick geprägt. Doch es gibt auch die weibliche Perspektive. Wenige Worte und nonverbale Zeichen reichen aus, um das Unwohlsein und die Weitsicht der Frau auszudrücken. Als der Mann sich selbst einmal einen „alten Narr“ nennt, schweigt sie dazu. Doch ihre Augen nehmen einen „zerschmetternden Ausdruck von Würde an“. Puuh!
„Herbst“ von August Strindberg stammt aus dem Jahr 1884 und wird hier vorgetragen von Georg Lippert.
By Volker DrükeJetzt sei „der Zauber gebrochen“, heißt es einmal in dieser Geschichte, „die letzte Spur der Geliebten war verschwunden“. Bitter. Auch, weil all das Erzählte in Strindbergs „Herbst“ paarpsychologisch vollkommen nachvollziehbar ist. Hier wird nicht gewertet, geurteilt, es wird dargestellt, schonungslos. Zum Ende hin wird es immer härter, unbarmherzig, aber: nicht ganz ohne Hoffnung. Und ja! Die gab es zuvor auch schon: Als der Mann aus beruflichen Gründen einige Wochen von zu Hause weg ist, beginnt er, seiner Frau Briefe zu schreiben, in Worten, die sie lange nicht oder noch nie von ihm gehört, gelesen hatte. Die Eheleute begegnen sich nun auf einer neuen Ebene, etliche Liebesbriefe fliegen hin und her. Doch die Annäherung verharrt im Schriftlichen. Als sie sich wiedersehen, ohne die Kinder und in großer Hoffnung auf eine Erneuerung der Liebe, schaffen sie es nicht, herauszukommen aus dem Gewohnten, hinzukommen zu dem anderen, wegzukommen von den eigenen Hemmungen. Kein Aufeinander-Zugehen, keine verständnisvolle, empathische Kommunikation – alles nicht mehr möglich. Nur im Streit wirken sie hemmungslos, da geht es ordentlich zur Sache. Eine Beziehung im Herbst. (Die Jahreszeiten symbolisieren in der Beziehungsbeschreibung durchweg die Lage der beiden.)
Diese in ihrer desillusionierenden Darstellung ungewöhnliche Paar-Geschichte ist in weiten Teilen vom männlichen Blick geprägt. Doch es gibt auch die weibliche Perspektive. Wenige Worte und nonverbale Zeichen reichen aus, um das Unwohlsein und die Weitsicht der Frau auszudrücken. Als der Mann sich selbst einmal einen „alten Narr“ nennt, schweigt sie dazu. Doch ihre Augen nehmen einen „zerschmetternden Ausdruck von Würde an“. Puuh!
„Herbst“ von August Strindberg stammt aus dem Jahr 1884 und wird hier vorgetragen von Georg Lippert.