Innovation einfach machen.

Hinter den Kulissen der Innovation: Ein Gespräch mit Dirk Wirth


Listen Later

Bianca Prommer [00:00:05]:

Sehr schön, dann lass uns gleich direkt losstarten. Hallo und herzlich willkommen Dirk, schön, dass du heute in meinem Podcast bist.

Dirk [00:00:14]:

Hallo Bianca, ganz lieben Dank für die Einladung. Ich freue mich riesig und ich bin sehr gespannt, über welche Themen wir uns gleich mal so ein bisschen austauschen können.

Bianca Prommer [00:00:22]:

Wir haben uns ja tatsächlich über LinkedIn kennengelernt, ja, über den lieben Bernhard, der uns vernetzt hat und gemeint hat, es wäre auch spannend, wenn ihr mal zusammen eine Podcast-Folge macht. Und in der Einleitung habe ich dich ja auch schon ein bisschen vorgestellt. Du hast da einen Begriff, den du verwendest.

Dirk [00:00:40]:

Und

Bianca Prommer [00:00:41]:

den finde ich total spannend, was da nämlich auch dahinter steckt und was da so der kern dahinter ist und da würde mich jetzt tatsächlich interessieren also alle die es sich nach der einleitung denken was heißt denn eigentlich innovatorik und warum. Gibt es den begriff überhaupt was steckt hinter dir dirk

Dirk [00:01:00]:

ja sehr gerne also warum gibt es den begriff weil tatsächlich ich irgendwann mal vor ein paar Jahren so frei war, diesen Begriff einfach mal aufzuschreiben. Ich hab ihn während meiner Arbeit im Bereich Innovation mal, ja, entwickelt, generiert. Er fiel mir so in den Schoß, wie das häufig bei Innovationen so ist. Das passiert plötzlich und irgendwann ist es da. Also Innovatorik ist für mich die Kombination aus Innovation und Rhetorik. Ähm, und ich bin halt darüber gestolpert, dass ich gesagt hab, erfolgreiche Innovationsmenschen, Erfolgreiche Innovatoren sind nicht nur Menschen, die total coole Ideen haben und die auch noch umsetzen, sondern die halt auch in der Lage sind, Menschen dafür zu begeistern, diesen Weg überhaupt mitzugehen. Und dieses neue Produkt-Service-Geschäftsmodell, Innovation, reden wir bestimmt auch noch mal gleich drüber, was ist eigentlich eine Innovation? Aber da Menschen halt für zu begeistern und mitzugehen auf diesem Weg. Also gar nicht nur dieses neue Produkt zu kaufen, sondern es überhaupt zu entwickeln.

Dirk [00:02:00]:

Und ich bin dann bei der Rhetorik kennengeblieben, weil wenn man Rhetorik im Lehrbuch liest, was das eigentlich ist, dann wird das beschrieben als, die Rhetorik ist etwas, wo man mit verschiedenen Methoden und Stilmitteln Menschen zu Handlungen bewegt. Und das war halt so ein Punkt, wo ich dachte, das ist doch in der Innovation genau das Gleiche. Ich mach's doch nicht alleine. Von daher hab ich dann die Innovatorik ins Leben gerufen. Und das ist dann halt für mich etwas, wo man durch verschiedene methoden und tools menschen zu innovativen behandlungen handlungen bewegt so und das ist für mich die innovatorik und ich glaube es gibt ein paar menschen die sind innovatoriker die wissen es noch gar nicht dass sie das sind Und dementsprechend habe ich diesen Begriff einfach mal ins Leben geworfen und rede ganz gerne mal drüber.

Bianca Prommer [00:02:52]:

Ich finde es deswegen auch so spannend, weil ja gerade hinter Innovation ja oftmals auch eine bestimmte Erwartung, eine bestimmte Interpretation steckt. Und was es davon braucht, da gibt es, also Ich erlebe das immer wieder, da gibt es den Einzelnen, der viele Ideen hat, der hoch kreativ ist, der Innovator ist. Aber einer allein schafft es ja selten, diese Innovation, gerade wenn es größere Unternehmen sind, voranzubringen. Du brauchst ja diese Menschen, die mit dir gemeinsam diese Innovation oder diese Idee umsetzen, damit es überhaupt so eine Innovation werden kann. Und das finde ich so spannend, dass du da die Rhetorik aufgreifst und auch diese Definition sagt dir schon, ja, es geht darum, Menschen zu einer Handlung zu bewegen.

Dirk [00:03:38]:

Genau. Ja, total. Also letztendlich, ich bin über das Rhetorik-Thema dann gestolpert. Ich habe ja vor einiger Zeit mit ein paar Kollegen zusammen ein Innovationsbuch geschrieben, wo wir 555 Innovationsmethoden in ein Buch gepackt haben, alles, was wir auf der Welt gesammelt haben dazu, ins Buch gepackt haben. Dann haben wir irgendwann angefangen, versucht, über 600 Methoden waren's dann am Ende sogar, die wir gefunden haben, versuchen, in eine Reihenfolge zu bringen und zu sortieren. Und haben dann halt gemerkt, wir könnten es von A nach Z durchmachen, aber irgendwie auch komisch, weil wir dann auch gemerkt haben, die Methoden haben ja auch verschiedene Hebel, wo sie so reingehen. Also, wofür ist eine Methode da? Und dann haben wir geguckt, wo gibt's denn noch viele Methoden? Und wie sind die sortiert? Und dann sind wir über die Rhetorik gekommen. Weil in der Rhetorik auch ganz viele Methoden und Stilmittel beschrieben werden, die man einsetzt.

Dirk [00:04:31]:

Und ja, so ist es dann gekommen, dass ich gesagt hab, Mensch, das ist doch spannend. Und ja, so hab ich das gemacht oder bin darauf gekommen. Und wie du sagst, letztendlich geht's ja tatsächlich darum, es geht darum, Menschen zu bewegen. Und grade im Innovationsbereich ist es halt genau der Punkt, wo man Menschen, Kolleginnen, Kollegen irgendwie bewegen muss, sich zu öffnen, den Mut zu haben, diesen Mindset zu haben, mal wirklich anders zu denken, dann mal in Richtung Innovation überhaupt zu kommen.

Bianca Prommer [00:05:00]:

Jetzt haben wir die Rhetorik schon definiert. Jetzt möchte ich natürlich auch noch wissen, was du in der Innovation verstehst, weil da sind ja so, so viele Begrifflichkeiten und Interpretationen. Was ist denn Innovation für dich?

Dirk [00:05:14]:

Ja, also ich versuche es mal ganz, ganz einfach und greifbar zu machen. Ich hab da auch verschiedenste Definitionen für mich. Die wächseln auch alle halbe Jahr immer mal. Aber ich versuch mal, die einfachste zu nehmen und das in einer Formel zu verpacken. Das ist vielleicht greifbar auch für die Menschen, die uns nur hören hier. Also für mich ist es Erwünschtheit mal Machbarkeit mal Wirtschaftlichkeit. Mhm.

Bianca Prommer [00:05:39]:

Das möchte ich näher wissen, natürlich.

Dirk [00:05:41]:

Das hab ich befürchtet. Ähm Also tatsächlich, diese drei Oberbegriffe, das Ganze halt auch wirklich als Malaufgabe, ja? Weil wenn einer dieser Faktoren, dieser drei Punkte nicht erfüllt ist, kommt das Ergebnis auch automatisch auf null. Das heißt, ich muss schon alle drei bedienen. Und, ähm, Ja, Erwünschtheit mal Machbarkeit mal Wirtschaftlichkeit heißt für mich, ähm, dass vorne dieses große Wort Erwünschtheit steht, nämlich, ähm, will das überhaupt irgendein Mensch? Ja? Also, ist diese Zielgruppe, die ich da angehe für ein Produkt-Service-Geschäftsmodell, was auch immer, Was will die eigentlich? Will die überhaupt irgendwas? Beziehungsweise meistens hoffentlich weiß sie gar nicht, was sie eigentlich wollen. Und das kriegt man heraus und konstruiert dann etwas, was wirklich am Markt, an der Zielgruppe gewollt ist, hilfreich ist. Ja, also Innovationen sind ja auch sehr, sehr häufig lebenserleichterer. Ähm Also dieses Haben-Wollen-Gehen, ja, muss da irgendwie drin sein. Das ist so dieser Punkt Erwünschtheit.

Dirk [00:06:45]:

Und Der steht auch definitiv an erster Stelle. Und wenn der nicht erfüllt ist, brauch ich auch bei den anderen beiden Sachen gar nicht weitermachen. Ich bin ja hier aktuell im Innovationsbereich der Atruvia. Wir sind IT-Dienstleister der Genossenschaftlichen Finanzgruppe. Ganz, ganz viele Techniker sind hier. Die fangen gerne mit dem zweiten Punkt an, nämlich mit dem Punkt Machbarkeit. Geht das überhaupt? Was geht überhaupt alles? Und sommen nicht mal, weil es geht. Das ist immer so der Punkt, wo ich reingrätsche und sage, nee, lass uns erst mal auf den ersten Punkt bitte schauen.

Dirk [00:07:18]:

Und wenn der erfüllt ist, machbar ist heutzutage fast alles. Aber es muss natürlich machbar sein. Also auch diese, ja, wir, keine Ahnung, wollen nächste Woche auf den Mars fliegen, ist halt im Moment noch nicht machbar. Irgendwann vielleicht mal, aber jetzt noch nicht. Deshalb dieses Machbarkeitsthema muss beachtet werden. Aber bitte erst nach Erfüllenszeit, dann Machbarkeit und auch bitte dann erst Wirtschaftlichkeit. Ja, also auch da, wir sind ein großes Unternehmen, es gibt viele große Unternehmen, sehr sehr gerne sind sehr schnell in Innovationsprojekten- Controller mit dabei, die, wenn der erste Postezettel geschrieben ist, sofort sagen, rechnet sich das und wann habe ich den Return on Invest? Und das ist der nächste Punkt, wo man dann die Bremse ziehen muss und sagen muss, wir haben erst mal die Erwünschtheit, dann machen wir die Machbarkeit und dann gucken wir auf die Wirtschaftlichkeit in der Reihenfolge. Aber die drei sind es in der Reihenfolge mit den Punkten und dann ist die Chance für mich relativ groß, ist keine Garantie, aber die Chance ist relativ groß, dass am Ende ein innovatives neues Produkt-Service-Geschäftsmodell herauskommt.

Bianca Prommer [00:08:20]:

Du hast es schon gesagt, Techniker sind sehr gerne gleich im Bereich Machbarkeit, die Controller sind gleich einmal in der Wirtschaftlichkeit. Gibt es da so aus deiner Erfahrung in den Teams, mit denen du arbeitest, so wirklich den einen Aspekt, der sehr häufig vergessen, übersprungen wird? Oder ist es wirklich je nach Unternehmen, je nach Team unterschiedlich?

Dirk [00:08:46]:

Von den drei Aspekten jetzt? Genau. Also

Bianca Prommer [00:08:48]:

siehst du da wirklich irgendwo so der eine ist, der eine Aspekt ist derjenige, der sehr häufig übersprungen oder vergessen oder unzureichend gemacht wird.

Dirk [00:08:58]:

Erwünschtheit.

Bianca Prommer [00:08:59]:

Erwünschtheit, ja. Definitiv.

Dirk [00:09:02]:

Definitiv. Ja, also den Kunden fragen, ne komm, ne, Also allein dieses Glauben, zu wissen, was der Kunde will. Ja, und je mehr Menschen und je länger diese Menschen in einem Unternehmen, in einem Bereich sind, desto mehr glauben sie ja zu wissen, was der Kunde will. Mhm. Und den Menschen zu sagen, du machst das zwar schon 20 Jahre, aber lass trotzdem noch mal gucken, das fällt vielen sehr, sehr schwer. Ja? Also, ist so, ach komm, lass doch mal. Ich hab auch grad Ressourcen frei, zu programmieren. Können wir nicht schon mal anfangen? Also, dieses Thema Erwünschtheit ist eins, was, keine Ahnung, vielleicht wahrscheinlich auch so ein bisschen kulturell bedingt hier so in Europa so ist.

Dirk [00:09:47]:

Ja, ich weiß nicht, ich hab immer das Gefühl, in Asien und Amerika sehen die Leute das ein bisschen anders oder sind da schon länger aktiv unterwegs. Aber dieses Thema Erwünschtheit ist das Thema, was am liebsten weggeschoben wird.

Bianca Prommer [00:10:01]:

Kann ich nur bestätigen, ich hör das ja auch immer wieder von meinen Kunden, wenn wir mit Design Thinking dann beginnen zu arbeiten. Ja, aber wir wissen ja was der Kunde möchte. Wir sprechen ja regelmäßig sogar mit dem Kunden, gerade zu Vertrieb, Produktmanagement. Und wenn man es dann wirklich systematisch strukturiert, dann angeht, wie viele Aha-Momente dann da sind. Und dann kommt, vielleicht ist das doch schlauer, wenn man es öfter anwenden

Dirk [00:10:26]:

und

Bianca Prommer [00:10:27]:

vielleicht müssen wir doch einmal verstehen, worum es wirklich geht und was diese Erwünschbarkeit oder diese Erwünschtheit quasi überhaupt ist. Was steckt denn, was möchte der Kunde wirklich? Ja, ohne dass er vielleicht schon weiß, dass er es möchte. Im besten Fall.

Dirk [00:10:41]:

Ja, absolut. Absolut. Und da bin ich bei dir. Also das sind wirklich diese Aha-Momente, die dann auch die eigenen Kolleginnen und Kollegen haben, wenn man es geschafft hat, sie einmal wirklich an den Kunden heranzubringen und sie selber mal diese Erfahrung gemacht hat. Ach, der will ja eigentlich was ganz anderes. Das ist ja mal spannend. Mensch, warum haben wir das nämlich früher schon mal gemacht? Das ist so, definitiv, ja.

Bianca Prommer [00:11:04]:

Es ist ja auch schön, wenn man dann sieht, dass sich dieses Denken dann ja auch in den Teams dann auch, wenn du jetzt mal nicht dabei bist und das dann auch erzählst und sagst, warum das wichtig ist, wenn man merkt, das wird jetzt in den Alltag übernommen

Dirk [00:11:19]:

Und wenn

Bianca Prommer [00:11:19]:

man dann sieht, dass Teams plötzlich beginnen, viel öfter mit dem Kunden zu sprechen, viel öfter Feedback einzuholen. Das finde ich dann immer so schön, wenn man merkt, ah, da hat sich jetzt was wirklich getan. Also nicht nur im Verhalten, sondern auch im Denken. Erlebst du das auch so?

Dirk [00:11:36]:

Ja, total. Total. Und das ist ja genau der Punkt, den ich auch immer wieder sage, wo wir dafür, ja, arbeiten, kämpfen. Mensch, macht doch mal ein Innovationsprojekt mit uns. Probiert's mal aus. Ihr müsst es mal erlebt haben. Das ist ja auch so ein Punkt, wo ich gerne drüber spreche, dieser Unterschied zwischen Theorie und Praxis in der Innovationsarbeit. Ja, also, in der Theorie kann ich viele, viele Bücher lesen, das ist alles super beschrieben.

Dirk [00:12:04]:

Das haben auch viele Kollegen mit Sicherheit und waren auch auf vielen Design-Thinking-Workshops. Theoretisch ist das alles klar. Aber in der Praxis ist es so schwierig, und es ist häufig so schwierig, weil die Menschen es nicht wirklich erleben. Dann ist wirklich in der Praxis zu tun. Und das macht's so schwierig, find ich. Beziehungsweise dann sind genau diese Momente, wo man sagt, Mensch, jetzt haben wir nur in Anführungsstrichen mal drei, vier, fünf, sechs, sieben Tage mit dir was zusammen gemacht. Und es sind uns ja die Schuppen von den Augen gefallen. Das ist ja unglaublich.

Dirk [00:12:36]:

Das hätten wir doch schon viel früher mal machen können. Und das ist ja der Punkt, es ist ja keine Rocket Science, diese Innovationsarbeit. Auch deshalb gibt's so viele Bücher darüber und können so viele Menschen Bücher darüber schreiben, weil es nicht so kompliziert ist. Es geht halt nicht das, was Herr Einstein uns so geschrieben hat. Ja, mach das einfach, geh so durch und mach es aber. Das ist halt der wichtige Punkt an der Stelle. Und dementsprechend gibt es wirklich viele, viele Menschen, die mit uns und mir arbeiten und gearbeitet haben, die sagen, Mensch, das war echt super gut, dass wir das mal gemacht haben.

Bianca Prommer [00:13:10]:

Lass mich da auf den nächsten Punkt kommen, weil ich glaube, das passt ganz gut. Also so dieses eine ist, ich erlebe viele Teams, die sehr schnell eben in die Lösungsfindung gehen, in die Ideenentwicklung gehen, statt sich eben wirklich mal mit dem Kunden zu beschäftigen, mit den Bedürfnissen zu beschäftigen, was ja oftmals ein Missverständnis auch ist, weil man eben glaubt, diese Annahme hat, Ich kenne den Kunden ohnehin. Auf welche weiteren Missverständnisse triffst du denn im Unternehmen bzw. In den Teams, mit denen du arbeitest, rund Innovation?

Dirk [00:13:42]:

Wie viel Zeit hatten wir?

Bianca Prommer [00:13:44]:

Da gibt es einige.

Dirk [00:13:47]:

Ich versuche es mal vielleicht, auf drei zu fokussieren, die, glaub ich, sehr, sehr häufig beziehungsweise auch sehr extrem als Missverständnis häufig dazwischenstehen. Ich glaube, das Erste ist wirklich dieses Thema Oder dieser Glaube in den Unternehmen, Innovation entstehen in einem Workshop. Und Betonung auf einem Workshop. Also du bist doch der Innovationsexperte, mach doch mal mit uns einen Workshop, wir brauchen ein neues Produkt. So fangen häufig ja so Auftragsgespräche an. Und mit Workshop ist gemeint so zwei Stunden.

Bianca Prommer [00:14:27]:

Wenn über, also zwei Stunden, ja, Maximal einen Tag, aber bitte nicht länger.

Dirk [00:14:32]:

Nicht länger. Da muss auch noch Teamentwicklung dabei sein. Also das auf jeden Fall. Weil ja dann auch als Nächstes kommt, wenn man sagt, es müsste mehr als zwei Stunden sein. Wo dann viele sagen, ich komm aber auch mit sechs Leuten. Weißt du, was das für Ressourcen sind? Ja, also sechs mal zwei sind schon zwölf Stunden. Nein, also, das ist, glaub ich, einer der großen Punkte, so ein Missverständnis, dass Innovation mal eben so passiert. Dann nimmt man halt so eine Methode, dann macht man mal ein bisschen Design Thinking, Und dann haben wir's doch.

Dirk [00:15:02]:

Ja, und das ist, glaub ich, ein großes Missverständnis. Das dauert halt ein bisschen. Es sind ein paar Wochen, vielleicht auch mal Monate, je nachdem, was ich mach, vielleicht auch mal ein paar Jahre. Und das muss einfach klar sein. Also Punkt eins. Punkt zwei, Ähm, dann genau der Punkt, der da so ein bisschen reinläuft, ist für mich so diese, dann auch wieder so eine Überschriftaussage in Unternehmen. Also Innovation macht bei uns ja jeder. Mhm.

Dirk [00:15:28]:

Na klar. Auch jeder, der im Krankenhaus ist, ist Chirurg. Logisch, ja? Also, jeder Mensch ist sowieso Lehrer. Also, so dieses Gefühl, ja, das kann doch jeder. So macht auch bei uns jeder. Wir wollen, ja, jetzt nehmen wir wieder eine Analogie, wir wollen Champions League spielen, wir wollen ein komplett neues, innovatives Produkt generieren und haben den Glauben, dass alle Kolleginnen und Kollegen, die bei uns rumlaufen, das können. Die haben auch zwei Beine, deshalb können die auch alle Marathon in Weltrekordzeit laufen. Also, solche Glorpsensätze sind ja da.

Dirk [00:16:03]:

Und Das ist etwas, wo man viel erklären muss. Nee, da müssen wir schon Menschen haben, die das auch können. Wenn die's noch nicht können, kriegen wir's denen beigebracht. Das ist nicht das Problem. Aber wir müssen ein bisschen trainieren. Ja, dann geht's wieder nach oben und sagt ja aber wir haben doch schon zwei stunden wirtschaft geplant jetzt willst du noch trainieren wie soll man das denn noch hinkriegen. Also ja also punkt zwei dieses punkt eins mal eben schnell. Punkt zwei kann sowieso jeder fragezeichen und der dritte punkt.

Dirk [00:16:35]:

Der der häufig bei oder der häufig über den weg läuft ist dieses, dass die Menschen aneinander vorbeireden. Also, dass es nicht diese einheitliche Innovationssprache gibt. Fängt an mit der Definition. Was ist eigentlich eine Innovation? Oder zumindest, was ist eine Innovation dann in dem jeweiligen Unternehmen? Ich will ja nicht sagen, dass dann die Menschen, wissen wir auch nicht, wenn wir beide uns jetzt wahrscheinlich noch weiter unterhalten würden, Hättest du eine ganz andere Definition zur Innovation als ich. Alle sind irgendwie richtig und auch irgendwie nicht. Aber Unternehmen sollten eine Innovationssprache haben. Die sollten mindestens klar haben, wenn wir in dem Unternehmen über Innovation sprechen, dann meinen wir das. So.

Dirk [00:17:16]:

Und das ist sehr selten der Fall. Und dementsprechend sprechen da ganz, ganz viele Menschen auch ziemlich lange über Innovationsprojekte oder in Innovationsprojekten und reden viel Zeit aneinander vorbei. Ja? Der eine meint ein neues Produkt, Der eine meint nur eine Verbesserung, der eine meint einen Gamechanger. Und irgendwie kommen die nicht aufeinander, oh Wunder. Das sind, glaub ich, für mich die drei größten Missverständnisse in Unternehmen zu dieser großen Überschrift Innovation.

Bianca Prommer [00:17:43]:

Auf die du wahrscheinlich auch regelmäßig triffst, wenn Teams auf dich zukommen. Jetzt sprichst du ja auch, also ihr habt ja einen Podcast, du bist der Chorus von einem Podcast unter dem Titel Innovation ohne Make-up.

Dirk [00:17:57]:

Und

Bianca Prommer [00:17:57]:

das finde ich ja auch spannend, also meine Interpretation, so quasi der Blick hinter die Kulissen der Innovation. Ja, genau. Also es geht nicht innerhalb von einem Workshop und schon gar nicht innerhalb von zwei Stunden. Ja, das bedeutet Ressourcen aufzubauen, Wissen aufzubauen, Know-how aufzubauen, Dinge erlebbar zu machen und auch einmal Zeit, sich Zeit zu nehmen, Dinge zu definieren, wie den Begriff der Innovation, des Verständnis von Innovation. Was steckt denn unter Innovation ohne Make-up noch dahinter? Also lass uns ein bisschen hinter die Kulissen schauen von Innovation.

Dirk [00:18:31]:

Hinter die Kulissen der Kulissen. Ja, also du hast es auf jeden Fall genau richtig verstanden. Es ist genauso der Punkt, der Jean-Philippe Harkmann aus der Schweiz und ich, wir haben uns da vor langer Zeit mal kennengelernt. Und, ähm, es fing ja auch Oder es fing damit an, dass Jean-Philippe ein Buch geschrieben hat, was heißt, er hört auf mit dem Innovationstheater. Und darüber sind wir in die Gespräche gekommen, und dann haben wir irgendwann gesagt, komm, lass uns doch mal einen Podcast zusammen machen. So ein bisschen unter dieser Überschrift. Also wirklich mal die Innovation ohne Make-up sich anzuschauen, also mal zur Besuch zu fahren, zur Innovation mal zu gucken, ins wahre Gesicht der Innovation zu schauen. Und genau halt diesen Punkt, was ist eigentlich der Unterschied zwischen Theorie und Praxis? Weil es gibt halt diese angesprochenen vielen Bücher, es gibt viele Weisheiten, es gibt viel Erfahrung in diesem Kontext Innovation.

Dirk [00:19:21]:

Aber warum funktioniert's nicht so richtig in den Unternehmen? Und das schauen wir uns da halt an und haben dann immer noch einen zusätzlichen Gast dabei. Also, das machen nicht wir beiden alleine, sondern wir haben immer einen Gast dabei, der uns dann halt gerne aus seiner Praxis berichtet und sagt, ja, stimmt, das Buch hab ich auch gelesen, aber funktioniert gar nicht, weil Oder bei uns geht's nicht, ja? Und häufig fangen die Gespräche tatsächlich an mit, ja, ja, also Innovationsarbeit macht man ja normalerweise so, Aber bei uns ist das ganz anders. Also, das ist ganz anders bei uns. Und das schauen wir uns an. Auf der einen Seite, was da der Unterschied ist, und auf der anderen Seite halt wirklich immer wieder auch mit dem wir sagen selber, wir sind ein Surface-Podcast, immer wieder ein paar Tipps zu geben, wie man das auch vermeiden kann, dass man schnell in diese vielleicht auch Falle tappt, dieses Innovationstheater, dieses Make-up aufzutragen. So sagen wir, Wir pinseln das mal ein bisschen über und dann wird es schon gut sein. Da heben wir mit guter Laune gerne mal den Finger und erzählen so aus Erfahrung.

Bianca Prommer [00:20:26]:

Finde ich auch deswegen spannend, was du gerade sagst. Ich erlebe auch immer wieder Unternehmen, die sagen zu mir immer, bei uns funktioniert das nicht, wir sind ja ganz anders. Und trotzdem suchen sie dann aber nach diesem Blueprint, nach irgendwas, nach einem Kochrezept quasi, an dem sie sich festhalten können, sei es aus einem Buch, sei es aus einem Podcast, völlig egal. Und dann zu sagen, bei uns funktioniert das nicht.

Dirk [00:20:50]:

Ja, genau. Bei denen geht das, aber bei uns ja nicht. Wir sind ja eine ganz andere Branche, ganz anders. Wir sind ja 150 Jahre alt. Und, und, und, ja, absolut. Genau, genau.

Bianca Prommer [00:21:01]:

Und trotzdem sucht man aber danach. Und dann probiert man aus, statt sich immer diese Zeit zu nehmen und sich immer zu fragen, was brauchen wir denn eigentlich? Und was brauchen wir auch nicht?

Dirk [00:21:12]:

Ja, genau. Absolut. Und plus der Punkt, Und das ist immer so eine Einstiegsfrage, die ich gerne nehme, wo es dann häufig still wird auf der anderen Seite. Warum überhaupt? Ja. Warum willst du das? Warum willst du Innovation in deinem Unternehmen denn überhaupt haben? Es ist schön, dass wir jetzt miteinander darüber sprechen, aber warum? Und die Antwort fällt vielen sehr, sehr schwer.

Bianca Prommer [00:21:33]:

Erlebe ich auch so. Ich begleite auch Unternehmen in Richtung Agilität, weil sie für mich auch für Innovation einfach erforderlich ist. Und einer meiner ersten Fragen ist, warum? Wenn jemand sagt, machen wir uns agil oder wir wollen agiler, innovativer werden. Ja, warum? Und so wie du sagst, da ist mal lange Zeit Schweigen, weil die sich gar nicht wirklich Gedanken darüber gemacht haben, warum. Also bis auf diese oberflächlichen Argumente, warum denn? Na ja, weil es gerade notwendig ist, weil unsere Kunden danach rufen, was auch immer jetzt. Aber warum möchtest auch du das haben? Und warum euer Unternehmen? Warum ist das jetzt grad wichtig für euch?

Dirk [00:22:09]:

Ja, genau. Und dann direkt diese Anschlussfrage, und was bist du dann bereit dafür zu investieren

Bianca Prommer [00:22:15]:

und zu tun? Mhm.

Dirk [00:22:17]:

Also, was ist deine wirkliche Ambition?

Bianca Prommer [00:22:19]:

Mhm.

Dirk [00:22:20]:

Also, dieses Warum kann ja wirklich vielfältig beantwortet werden, wenn es wirklich ein bisschen tiefgreifender ist als, na ja, macht man halt so. Also so wie Nachhaltigkeit, Das macht man halt so. Muss man jetzt halt mitgehen, diesen Weg. Aber da weiß man auch, was man dann als Innovationsarbeiter darunter anbieten kann. Aber auf der anderen Seite ist dann halt der Punkt, wenn man dann wirklich sagt, ja, wir wollen wirklich neue Produkte entwickeln, wir wollen neue Geschäftsmodelle entwickeln, Wir wollen unser Image aufbauen. Wir wollen, also auch eine häufige Antwort im Moment, ist tatsächlich, na ja, wir müssen innovativer werden, damit wir neue Mitarbeitende finden. Mhm. Auch, ja, Total spannend.

Dirk [00:23:00]:

Find ich auch einen guten Ansatz. Wenn das so ist, dann ist das so, okay. Aber dann ist ja wirklich die Frage, was bist du dann wirklich bereit dafür zu tun? Was ist deine wirkliche Ambition? Nicht nur ein Wort, sondern zeig mir wirklich, wo hast du geschrieben, dass du jetzt was

Bianca Prommer [00:23:15]:

tust, oder

Dirk [00:23:15]:

wo schreibst du's auf? Und dann wird's noch ruhiger. Dann wird's noch ruhiger, aber so, ja, wir fangen ja erst mal an. Aber ist das in Ihrer Strategie verankert? Sollen wir das mal in die Strategie verankern? Wo ist Ihr Zukunftsbild? Und so. Dann wird es ganz, ganz, ganz, ganz dünn.

Bianca Prommer [00:23:31]:

Wie weit sind sie bereit zu gehen? Also ich stelle immer die Frage nach dem Preis. Also welchen Preis bist du bereit zu bezahlen? Also im Sinne nicht von Euro, sondern wirklich wie weit gehst du dann auch? Ja genau. Jetzt Bist du ja jemand, der Teams begleitet?

Dirk [00:23:50]:

Wir

Bianca Prommer [00:23:50]:

haben im Vorgespräch über Innovation ermöglichen bzw. Dieses Innovation Enabler auch gesprochen. Und das finde ich einfach so spannend, weil ich ja gerade diese Podcast-Reihe rund Entrepreneurship habe, in dem Zuge auch unsere Podcast-Folge jetzt veröffentlicht wird, weil ich denke, dass es eben wirklich diese Menschen innerhalb der Organisation braucht, die diese Bewegung vorantreiben, die Ideen haben, die Ideen umsetzen wollen, die Dinge hinter Fragen beginnen. Inwieweit ermöglichst du denn Innovation? Also wie kann ich mir das vorstellen? Wie schaut denn so deine Arbeit aus?

Dirk [00:24:31]:

Schön! Also ich mach die immer total gerne. Ähm, also Ja, wie sieht die aus? Also genau wie du sagst, meine Rolle hier bei der Arthruva nennt sich, ähm, Business Enabler, also Innovationsmanager, dann quasi nur in Klammern dahinter, was ich aber auch gut finde. Also der Fokus bei uns ist wirklich, wir begleiten oder ich begleite Teams dabei, Innovationsarbeit zu machen. Ähm, Heißt, neue Produkte, Services, Geschäftsmodelle entwickeln, mal so im Kern. Und das als Begleiter, weil wir die Erfahrung gesammelt haben, weil wir der Meinung sind, dass es halt wesentlich besser ist, den Menschen das beizubringen, also sie zu begleiten auf diesem Weg, wie das eigentlich geht, damit man am Ende des Tages sich selber überflüssig macht. Also irgendwann soll das schon das Ziel sein, dass wir mit Teams zusammenarbeiten, das Ganze auch zwei, drei oder vier Mal machen, aber beim fünften Mal, die eigentlich soweit sind, dass ich sage, wir haben es verstanden. Also wenn es jetzt nochmal richtig kritisch heikel oder wir nochmal eine andere Inspirationsquelle brauchen, würden wir uns gerne melden. Aber wir laufen alleine weiter, wir haben das verstanden.

Dirk [00:25:46]:

Das ist so dieser Grundansatz. Und wir machen das Ganze aber halt nicht nur in reiner Projektform, sondern wir versuchen dabei dann wirklich das Ganze als System zu denken. Also wir sagen, wir arbeiten gerne tatsächlich am System und nicht im System. Das heißt, wir schauen uns auch an, wie ist ein Team insgesamt aufgestellt, kann dieses Team überhaupt Innovationen. Also operative Innovationsarbeit. Weißt du, wie man Zielgruppen analysiert? Weißt du, wie man Ideen findet? Weißt du, wie man Ideen bewertet? Weißt du, wie man Ideen umsetzt? Operative Werkstandarbeit. So, das Ganze aber in der Verbindung operativer Zweig, Zweitblickwinkel, strategisch. Diese Warum-Frage.

Dirk [00:26:35]:

Warum machst du das eigentlich? Was ist dein Ziel? Hast du überhaupt ein Ziel? Wo willst du hin? Hast du dafür auch einen Prozess? Weil Innovationsarbeit sollte kontinuierlich laufen und nicht einmal im Jahr im Workshop, sondern kontinuierlich. Wie sieht ein Prozess für dich aus, dass du ihn leben kannst tatsächlich? Welche Ziele verfolgst du? Hast du Erfolgsmessungskennzahlen? Was auch immer. Also strategische Verankerung sich anzuschauen. Und der dritte wichtige Block ist dann Die kulturelle Ebene. Hast du den kulturellen Boden dafür? Also wie sieht es bei dir insgesamt aus mit dem Thema Fehlertoleranz? Wie sieht es aus mit Kreativräumen? Was auch immer Raum ist, Zeit oder haptisch, was auch immer. Wie sieht das mit multidisziplinärer Zusammenarbeit aus? Wie sieht es mit dem Thema, was wir angesprochen haben, Trainings aus? Können die Menschen das eigentlich alle, die du da hast? Wie ist das kulturell verankert? Und diese Komponenten schauen wir uns halt an und machen darauf dann halt auch wirklich Handlungsempfehlungen. Dass wir sagen, okay, wir können so einen Workshop zusammen machen über x oder mehrere, ja? Aber wir empfehlen dir auch, wie kriegen wir das kontinuierlich bei dir rein? Und Wir gucken auch erst mal, hast du überhaupt ein Zukunftsbild? Also dieses Thema Ziel, wo du überhaupt hin willst. Und entwickeln das mit dir.

Dirk [00:27:52]:

Und das sind so die Punkte, wie wir arbeiten. Und dann begleiten wir die Teams da rein und fangen dann direkt an zu sagen, okay, noch mal meine Rolle. Ich bin der Enabler. Heißt, ihr braucht Menschen, ihr braucht Ressourcen. Wir sind keine Factory, die Menschen bringt ihr mit rein. Die brauchen wir jetzt für Und dann wird's auch immer spannend, wir brauchen keine Ahnung. Wir planen jetzt mal so eine Projektreihe. Wir nennen das gerne Business-Design-Sprint.

Dirk [00:28:19]:

Den machen wir mal. Sprint zehn Wochen. Über einen Zeitraum von zehn Wochen brauchen wir drei, vier, fünf Leute zu 30 bis 40 Prozent Arbeitszeit. Und dann werden die Augen oft groß. Ja, das denk ich mir. Dann werden die Augen oft groß. Und dann halt, das hab ich mir anders vorgestellt. Wie soll ich das machen? Gut, wenn du Du willst ein neues Produkt an den Markt bringen, was am Ende des Tages vielleicht, jetzt bleiben wir mal hier bei der Atruvia, vielleicht, wahrscheinlich für Millionen von Kunden einen Mehrwert bringt.

Dirk [00:28:55]:

Da hast du jetzt keine zehn Wochen Zeit, beziehungsweise drei Leute von dir zu 30 Prozent haben keine zehn Wochen Zeit dafür. Okay, dann gucken wir, was die andere Seite macht und kopieren einfach. Dann wird es schneller, aber dann haben wir da nichts Neues. Für uns neu, aber nicht für den Markt. Aber Das ist so mal ganz grob beschrieben, wie wir hier arbeiten.

Bianca Prommer [00:29:19]:

Und innerhalb dieses Projektes ist dann sehr individuell, ob das jetzt Workshops sind oder Workshops und Trainings, auch Coachings möglicherweise. Also was es einfach gerade braucht.

Dirk [00:29:31]:

Genau, was es einfach braucht für das Projekt und für das Projektteam. Also Wenn wir mit einem Team arbeiten, mit dem wir noch nie gearbeitet haben, stehen, bevor so ein Sprint anfängt, auf jeden Fall ein, zwei Tage Training. Ja. Mhm. Dann starten wir, wenn wir schon mal zusammengearbeitet haben, und sagen, okay, wir können das Projekt machen mit den Methoden, die wir vorher ausgesprochen haben, brauchen wir kein Training. Und dann sind das Workshop-Sessions letztendlich in irgendeiner Art und Weise, häufig auch virtuell. Und dann gibt's Hausaufgaben. Und dann gibt's, ne, im Rahmen dieses Projektes gibt's dann halt so Fixtermine, immer fest, wo man dann drauf schaut, was haben wir erreicht, was haben wir gemacht, was steht als nächstes an und dann sagt man, okay, wir müssen dann aber mal wieder irgendwie einen Workshop zusammen planen, dann gibt es einen Workshop, Hausaufgabe und und und.

Bianca Prommer [00:30:19]:

Wenn du über diese Projekte schaust, was denkst du brauchen denn es die Mitarbeitenden, damit sie da gut mitwirken können, da wirklich in diese Bewegung reinkommen, Was sind denn so Voraussetzungen?

Dirk [00:30:34]:

Ja, also Training haben wir jetzt darüber gesprochen. Die müssen das schon können. Dementsprechend brauchen sie diese Trainings, schrittschrittige Begleitung im Rahmen dieses Projektes. Und sie brauchen definitiv diese Zeit. Also, du hast grade auch so 30, 40 Prozent, zehn Wochen, uiuiui. Ja, also A, die brauchen sie, und die brauchen sie dann halt auch wirklich. Also, das sollen bitte, und das ist halt ein schwieriger Punkt, das sollen bitte nicht 30, 40 Prozent obendrauf sein. Sondern in den 30 bis 40 Prozent, wenn Sie Innovationsprojektarbeit machen, muss jemand anders die liegen gebliebene Arbeit in der eigentlichen Linie auffangen.

Dirk [00:31:14]:

Das muss garantiert sein. Weil auch das, Erfahrung ist da. Dann irgendwann brechen dir die Leute nämlich weg und sagen, ja, pfu, das ist zwar schön, aber ich bin auch total gerne hier, aber die Arbeit bleibt liegen und ich mach das jetzt immer am Wochenende und jetzt hab ich da auch keine Lust mehr drauf. Also das heißt, da muss dann wirklich Commitment da sein, dass dann diese Ressource wirklich da ist beziehungsweise die andere, ich sag jetzt mal, Regeltätigkeit aufgefangen wird. Ganz, ganz wichtiger Punkt. Dementsprechend halt auch die Motivation. Ja, warum machen wir das überhaupt? Logisch, ich glaub, müssen wir nicht groß drüber reden. Und wir haben ganz am Anfang über das Thema Erwünschtheit gesprochen.

Dirk [00:31:52]:

Das Thema Kundenzugang ist ein wichtiger Punkt. Das müssen Menschen sein, die irgendwo einen Kundenzugang haben und die das dann auch tun. Es gibt Menschen, die können das nicht wirklich. Das kann man auch dann zig trainieren. Aber grundsätzlich sollte für diese Mitarbeitenden oder für dieses Projektteam ein Kundenzugang da sein. Mhm. Ja, und ein Unternehmen muss auch erlauben, auf Kunden zuzugehen. Es gibt auch Unternehmen, die dann sagen, ja, nee, aber jetzt nicht, jetzt gehen wir aber nicht an die Kunden, weil dann erinnern wir die, dass die ihren Vertrag bei uns kündigen wollten.

Dirk [00:32:25]:

Das machen wir mal lieber nicht. Also das muss halt schon auch garantiert sein. Also das sind so, glaube ich, wichtige Punkte an der Stelle.

Bianca Prommer [00:32:33]:

Und dass man auch offen mit den Kunden sprechen darf darüber. Oder auch bereit ist, mit einer noch nicht so perfekten Lösung an den Kunden heranzutreten. Das höre ich dann auch immer wieder, ja, aber es ist noch nicht perfekt genug. Wir können ja nicht mit einem Prototypen, der gebastelt ist vielleicht, oder nur grob visualisiert ist, nicht an Kunden herantreten.

Dirk [00:32:53]:

Ja, absolut. Total. Was ich gerade gesagt habe, diese zehn Wochen, da gehören genau das, was du da gerade sagst, da mit rein. Da machen wir wirklich, Wir nennen es dann halt Experimente, da machen wir wirklich Experimente. Also halt nicht auf dieser Design-Thinking-Papkarton-Lego-Baustein-Prototyp Art und Weise, sondern wirklich schon ein Prototyp, der sich so anfühlt, als wenn er echt wäre.

Bianca Prommer [00:33:17]:

Okay.

Dirk [00:33:18]:

Dass der Kunde wirklich das Gefühl hat, so sieht das dann aus. Das ist ja schon mal schön. Aber noch nicht wirklich fest verankert. Aber letztendlich auf der einen Seite ja, an den Kunden ranzutreten und denen auch mal zu zeigen, wir haben was vor, und das sieht auch anders aus als vorher. Der andere Punkt ist aber auch der Blick andersrum. Auch da haben Führungskräfte als auch Teams es eigentlich gar nicht gerne, dass dann Kunden da noch mal gegentreten. Weil so ein Team ist ja dann, wenn sie so einen Prototyp haben, das ist ja mein Baby, ne? Ist ja super, das Ding, guck mal, was wir geschaffen haben. Lass mal machen.

Dirk [00:33:55]:

Na ja, jetzt lassen wir erst mal den Kunden noch dran. Nee, wenn der jetzt sagt, das findet der nicht gut, was machen wir denn dann? Ja, dann machen wir's nicht. Nee, das können wir nicht machen. Doch. Das ist halt genau der Punkt, noch mal wirklich diese Zeit, als auch diesen Mut zu haben, eine Idee als Prototyp verpackt an den Kunden zu bringen. Und der darf das rein theoretisch zerstören. Mhm. Das tut vielen Teams,

Bianca Prommer [00:34:18]:

die's noch

Dirk [00:34:18]:

nicht erlebt haben, sehr weh. Aber das muss man halt machen, weil sonst macht man es nicht. Dann geht man damit an den Markt, investiert richtig viel Geld für ein Produkt, das dann wahrscheinlich, sehr sehr wahrscheinlich sogar nicht funktioniert bzw. Profit abwirft.

Bianca Prommer [00:34:36]:

Und diese Lernerfahrung ist ja wahnsinnig wertvoll. Also ich habe das vor kurzem bei dem Team erlebt, wo dann wirklich auf dem Prototypen, der ist wirklich zerstört worden von Kunden. Und das hat wahnsinnig wehgetan. Also dieses Team war wirklich komplett am Boden zerstört, weil eben das eigene Baby und wie wir es dann aufgearbeitet haben, sind die dann wirklich drauf gekommen, was sie jetzt eigentlich sich erspart haben. Also wenn die jetzt weitergemacht hätten, eben jetzt in einen richtigen Prototypen reinzugehen, in die Entwicklung reinzugehen, das ist ja wahnsinnig viel Aufwand, was dahinter steckt. Und dann draufzukommen, der Kunde will das gar nicht, Der braucht das gar nicht. Und die Frage war wirklich, wenn ihr euch mit solchen Ideen beschäftigt, haben wir keine größeren Probleme. Also komplett am Problem vorbei.

Dirk [00:35:26]:

Und

Bianca Prommer [00:35:26]:

das hätte ja sogar vielleicht den Image-Schaden ein bisschen nach sich gezogen, wenn diese Frage auftaucht.

Dirk [00:35:32]:

Allein der Punkt, das ist ja mal so eine Frage, auch da kommen wir zum Thema Wirtschaftlichkeit und diese Controller, die irgendwann halt dann doch in so ein Projekt reinkommen, und dieses Thema Wirtschaftlichkeit. Allein, wenn man denen klarmacht, dass, wenn man so arbeitet, dass man sehr sehr schnell unter Umständen siebenstellige Eurosummen einspart, weil man etwas nicht an den Markt bringt. Wie wertvoll es sein kann, etwas nicht an den Markt zu bringen. Imageschaden noch mal oben drauf. Es gibt bei Innovationsarbeit halt keine Garantie. Wir können halt kein Projekt starten, egal wie lange es ist, und sagen, das wird am Ende eine Innovation. Das funktioniert nicht. Aber man kann sagen, die Wahrscheinlichkeit, dass wir hinten raus viel Geld nicht verbrennen, die ist relativ hoch.

Dirk [00:36:17]:

Und wenn das Controller oder die Menschen, die, sag ich mal, die Controllingbrille aufhaben, klar haben, das ist viel Wert in einem Unternehmen, dass man sagt, okay, dann macht es Sinn, dass wir dieses Projekt machen. Und das, was du auch grade da angesprochen hast, noch mal aufzugreifen, auch in unseren Trainings, gibt es eine Session zu Beginn, die nennen wir die emotionale Achterbahnfahrt, wo wir direkt aufzeigen, was passiert sehr sehr wahrscheinlich im Rahmen dieses Innovationsprojektes auf dieser emotionalen Achterbahnfahrt. Wir werden total weit nach oben schießen und sagen, Mensch, das ist die beste Idee der Welt, und jetzt werden wir alle reich zu, oh Gott, oh Gott, oh Gott, genau das, was du gerade beschrieben hast, jetzt haben die uns die Idee kaputtgemacht, und unser Baby wird hier begraben, Also ich höre auf hier. Und das passiert halt mehrfach über 10 bis 12 Wochen. Und auch das gehen wir direkt am Anfang rein. Achtung, Achtung, es wird passieren. Guckt, so wird es aussehen. Wir können es nicht ändern, es wird passieren.

Dirk [00:37:13]:

Aber wir sagen es euch schon mal.

Bianca Prommer [00:37:15]:

Es nimmt ja auch ein bisschen Schrecken, wenn ich weiß, das ist jetzt der Punkt, von dem man da im Training gesprochen hat.

Dirk [00:37:21]:

Ja, und dann haben wir auch wirklich so ein großes Chart, wo wir dann immer wieder drauf zeigen können, hier, PowerPoint-Seite XY, da ist es, da sind wir jetzt gerade an der Stelle. Da sind

Bianca Prommer [00:37:32]:

wir mitten in diesem Erleben am Auftrinnen. Ich möchte jetzt auch schon in den Abschluss kommen, obwohl wir könnten über jedes dieser Themen noch einmal tiefer einsteigen. Wenn du eine Regel für alle Innovationsabteilungen dieser Welt aufstellen könntest? Welche wäre das denn? Die schwierigste Frage zum Schluss, oder?

Dirk [00:37:55]:

Kann ich mich mal richtig austoben? Also, ich bin tatsächlich oder ich wäre tatsächlich bei dieser Regel zu sagen, wenn ihr wirklich erfolgreiche Innovationsarbeit machen wollt, schaut euch und arbeitet bitte und schaut auch immer in diesem 360-Grad-Blick. Da, was ich vorhin so gesagt habe, schaut euch bitte an die operative Ebene in der Innovationsarbeit, die strategische Ebene und die kulturelle. Und alle drei müssen bitte bedient werden. Alle drei haben dann nochmal eigene Felder und schaut in allen dreien bitte immer nach. Ihr müsst an allen dreien arbeiten. Es reicht nicht aus, auch alle Mitarbeitenden in Design Thinking Workshops zu schicken und wieder zu kommen und alle selbst zu Innovations- oder Design Thinking Profis zu machen, wenn das Ganze nicht strategisch verankert ist. Und es bringt auch nichts, die Menschen dahin operativ ausgebildet zu haben und strategisch zu verankern, wenn die kulturelle Ebene nicht da ist. Das heißt, das muss wirklich Diese Blickwinkel müssen da sein, und das ganze halt wirklich zu hinterlegen mit wollen wir es wirklich, wir hatten das Ambitionen genannt, also wollen wir das wirklich, dieses Bewusstsein im Unternehmen, auch im Unternehmen zu haben, wollen wir das wirklich, weil am Ende hat Innovation, wenn wir wirklich über Innovation sprechen, ja auch mit wirklicher Veränderung und Wandel zu tun.

Dirk [00:39:20]:

Und das muss sich einem Unternehmen ja auch klar sein. Will ich das überhaupt? Weil eigentlich wollen wir Menschen das nicht so gerne. Veränderungen haben wir mal nicht so gerne. Das ist anstrengend. Das ist schon anstrengend. Das muss klar sein. Das wäre eine Regel, die ich gerne setzen würde.

Bianca Prommer [00:39:44]:

Meine vorletzte Frage an dich ist, Was möchtest du den Unternehmen oder den Zuhörern jetzt noch mitgeben, was ich jetzt noch nicht gefragt habe? Was wäre vielleicht noch wichtig?

Dirk [00:39:57]:

Ich glaube, wir sind durch, oder?

Bianca Prommer [00:39:59]:

Ja, haben wir alles mit? Also wir haben die drei Aspekte der Innovation. Wir haben diese drei Ebenen, die du jetzt noch einmal zusammengefasst hast. Ja, bitte.

Dirk [00:40:11]:

Ja, jetzt wo wir so nochmal so ein bisschen plaudern. Vielleicht ist wirklich so ein Punkt noch mal ein Tipp an Menschen, die vielleicht zuhören oder an Unternehmen auch, was immer wieder ein Risiko ist, was ich feststelle in den Unternehmen, ist, dass Innovation, Innovationswille, Innovationsambition sehr, sehr häufig tatsächlich an einer Person hängt. Da mein ich gar nicht so einen Innovationsmanager oder Managerinnen oder was auch immer, sondern der, die Vorständin, die da grade oben sitzt. Die will das oder der will das. Und wenn diese Person nicht mehr da ist, bricht das gern wieder direkt ein. Gott sei Dank, der ist weg, jetzt können wir dieses Post-it-Zettelkleben aufhören. Das ist etwas, was ich als großes Risiko sehe. Ähm, und wenn man so einen Tipp vielleicht dann so in so ein Unternehmen reingeht, dass man versucht, das nicht von einer Person abhängig zu machen.

Dirk [00:41:08]:

Jetzt bin ich grade kurz selber still, das ist aber auch schwierig. Da erzähl ich jetzt wieder irgendein Zeug. Aber ich glaube, A, find ich das ein Risiko, B, ja, denk ich, dass dieses Risiko vermeiden, indem man es schafft, wirklich Innovationssprache zu etablieren, wirklich ein System zu etablieren, wo Man sagt, wir sind hier als Unternehmen nicht abhängig von dieser Person, die das will, sondern wir haben das wirklich systemisch verankert hier. Wir sprechen diese Sprache alle miteinander. Und es ist uns wichtig, das zu tun, dass es wirklich so in dieses, dass Innovation wirklich eine normale Handlung wird. Ja, nicht ein Projekt und nicht ein Oh, jetzt hab ich einen Daumen gezeigt. Nicht ein Projekt ist, sondern wirklich, ähm, ja, ein normales, ein normaler täglicher Ablauf quasi ist. Das ist so ein Tipp, der glaube ich sehr schwer umzusetzen ist, aber so ein Tipp, da haben wir noch nicht drüber gesprochen.

Bianca Prommer [00:42:15]:

Sehr schön, vielen, vielen Dank. Dirk, meine letzte Frage jetzt. Wenn die Zuhörer und Zuhörerinnen über dich, deine Arbeit, deine Gedanken mehr wissen möchten, wo und wie können sie denn da mit dir in Kontakt treten? Wir haben den Podcast ja auch schon angesprochen, wir haben dein Buch auch angesprochen. Was sind denn so Möglichkeiten?

Dirk [00:42:35]:

Ja, absolut. Also gerne Podcast, also Innovation ohne Make-up. Jo-Philipp Hackmann, Dirk Wirth, überall wo man so Podcasts hören kann, sind wir da zu finden. Und ja, gerne reinhören, gerne Kontakt aufnehmen, wenn Fragen sind, gerne melden. Also immer gerne, wenn ich irgendwo was beisteuern kann, mal Gedanken äußern kann oder Inspiration setzen kann, bin ich gerne dabei. Also von daher freue ich mich.

Bianca Prommer [00:43:04]:

Sehr schön. Dirk, vielen Dank, dass du dir heute Zeit genommen hast und auch ganz offen über Innovationen gesprochen hast.

Dirk [00:43:15]:

Danke.

...more
View all episodesView all episodes
Download on the App Store

Innovation einfach machen.By Bianca Prommer