Das soll von Mendelssohn sein? Dem ewig und angeblich oft ein wenig belanglos lächelnden musikalischen König des deutschen Biedermeier? Klingt doch eher wie ein verspäteter Beethoven, wenn der gerade schlechte Laune hatte.
Mendelssohns letztes vollendetes Werk, sein Streichquartett in f-Moll, posthum mit der Opusnummer 80 versehen, präsentiert ein völlig anderes Bild, als man es von Mendelssohn gewohnt ist.
Das Werk gilt als Mendelssohns musikalische Reaktion auf die persönliche Katastrophe: Im Frühjahr 1847 starb seine geliebte Schwester und musikalische Partnerin Fanny Hensel - der ausgelaugte und erschöpfte Musiker erfuhr nach einer anstrengenden England-Tournee von ihrem Tod.
Paul Bartholomäi sieht darüber hinaus das f-Moll-Streichquartett auch als ein "erstes Werk" eines neuen Mendelssohn, als einen Aufbruch, den Mendelssohns eigener Tod im Herbst 1847 jäh abbrach.