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Zur Feier des Tages möchte ich Ihnen heute von meiner alten Freundin Edith Libbert erzählen. Sie war 97 Jahre alt, als ich sie kennenlernte. Bei einem Besuch im Senioren-Pflegezentrum in Wuppertal Elberfeld. Es war bei uns beiden Liebe auf den ersten Blick.
Fünf Jahre lang habe ich Frau Libbert immer wieder mit der Kamera besucht, und die pensionierte Sekretärin hat mir aus einem Jahrhundert Lebenserfahrung erzählt, Tragödien und Komödien, von der ersten Liebe bis zum letzten Abschied. Jedes Mal, wenn ich sie in Wuppertal besuchte und die Tür zu ihrem Zimmer öffnete, schlug Frau Libbert die Hände über dem Kopf zusammen und rief: „Ach, der Herr Buuuuchholz, wie schön! Ich hab grad an Sie gedacht!“
Wer weiß, ob das wirklich stimmte, aber auf jeden Fall fühlte es sich sehr schön an. Ich finde, es tut gut, wenn Menschen uns sagen, dass wir einen Platz in ihren Gedanken haben.
Frau Libbert und ich teilten die Leidenschaft für Gedichte. Einmal erzählte sie mir, wie sie mehr als 30 Jahre zuvor mit ihrem Mann auf der Couch gelegen hatte, und zwar so, dass sich ihre nackten Füße in der Mitte berührten; und dann haben sie einander Gedichte vorgelesen. Dieses Bild begleitet mich bis heute, und manchmal frage ich mich, ob es mit unseren Gedanken vielleicht so ähnlich ist wie mit den nackten Füßen von Frau Libbert und ihrem Mann, die sich in der Mitte trafen.
Denn ich habe es schon oft erlebt, dass ich intensiv an einen lieben Menschen dachte, von dem ich lange nichts gehört hatte – und just in diesem Moment eine Nachricht von ihm erhielt, weil auch der andere gerade an mich gedacht hatte. Kennen Sie das auch? Ja gut, klar, kann natürlich alles Zufall sein, aber ich finde die Vorstellung so schön, dass unsere guten Gedanken an andere Menschen wie unsichtbare Wellen durch Zeit und Raum fliegen und sich irgendwie da draußen treffen und berühren, so wie die Füße von Frau Libbert und ihrem Mann damals auf dem Sofa.
Und vielleicht fällt Ihnen ja genau in diesem Augenblick, in dem Sie meiner kleinen Geschichte zuhören, so ein Mensch ein, an den sie lange nicht gedacht haben. Nun, in diesem Fall würde ich sagen, dass genau jetzt ein guter Moment ist, um ihre liebevollen Gedanken an diesen Menschen auf die Reise zu schicken. Jetzt ist ein guter Moment, um für einen anderen Menschen zu beten.
Autor: Martin Buchholz
Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Und würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden
By ERF - Der Sinnsender / Martin BuchholzZur Feier des Tages möchte ich Ihnen heute von meiner alten Freundin Edith Libbert erzählen. Sie war 97 Jahre alt, als ich sie kennenlernte. Bei einem Besuch im Senioren-Pflegezentrum in Wuppertal Elberfeld. Es war bei uns beiden Liebe auf den ersten Blick.
Fünf Jahre lang habe ich Frau Libbert immer wieder mit der Kamera besucht, und die pensionierte Sekretärin hat mir aus einem Jahrhundert Lebenserfahrung erzählt, Tragödien und Komödien, von der ersten Liebe bis zum letzten Abschied. Jedes Mal, wenn ich sie in Wuppertal besuchte und die Tür zu ihrem Zimmer öffnete, schlug Frau Libbert die Hände über dem Kopf zusammen und rief: „Ach, der Herr Buuuuchholz, wie schön! Ich hab grad an Sie gedacht!“
Wer weiß, ob das wirklich stimmte, aber auf jeden Fall fühlte es sich sehr schön an. Ich finde, es tut gut, wenn Menschen uns sagen, dass wir einen Platz in ihren Gedanken haben.
Frau Libbert und ich teilten die Leidenschaft für Gedichte. Einmal erzählte sie mir, wie sie mehr als 30 Jahre zuvor mit ihrem Mann auf der Couch gelegen hatte, und zwar so, dass sich ihre nackten Füße in der Mitte berührten; und dann haben sie einander Gedichte vorgelesen. Dieses Bild begleitet mich bis heute, und manchmal frage ich mich, ob es mit unseren Gedanken vielleicht so ähnlich ist wie mit den nackten Füßen von Frau Libbert und ihrem Mann, die sich in der Mitte trafen.
Denn ich habe es schon oft erlebt, dass ich intensiv an einen lieben Menschen dachte, von dem ich lange nichts gehört hatte – und just in diesem Moment eine Nachricht von ihm erhielt, weil auch der andere gerade an mich gedacht hatte. Kennen Sie das auch? Ja gut, klar, kann natürlich alles Zufall sein, aber ich finde die Vorstellung so schön, dass unsere guten Gedanken an andere Menschen wie unsichtbare Wellen durch Zeit und Raum fliegen und sich irgendwie da draußen treffen und berühren, so wie die Füße von Frau Libbert und ihrem Mann damals auf dem Sofa.
Und vielleicht fällt Ihnen ja genau in diesem Augenblick, in dem Sie meiner kleinen Geschichte zuhören, so ein Mensch ein, an den sie lange nicht gedacht haben. Nun, in diesem Fall würde ich sagen, dass genau jetzt ein guter Moment ist, um ihre liebevollen Gedanken an diesen Menschen auf die Reise zu schicken. Jetzt ist ein guter Moment, um für einen anderen Menschen zu beten.
Autor: Martin Buchholz
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