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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesus, du mein Leben.Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.Nimm hin, es ist mein Leib und Sinn,Herz, Seel und Mut nimm alles hinund lass dir's wohlgefallen.Geliebte Gottes in Burladingen,
Eine Anbetung.
"Ich steh an deiner Krippen hier" -- seit ich dieses Lied als Kind einmal als Solo in der Kirche singen durfte, lässt es mich nicht los. Jedes Jahr an Weihnachten denke ich neu darüber nach. Ich stehe mit den Worten des Liedes am Rand der Geschichte. Ich schaue hinein, in den Stall -- falls es wirklich das war, was wir uns unter einem Stall vorstellen -- und schaue das Kind an, das dort in der Krippe liegt. Ich frage mich: Wer ist das? Was bedeutet es für mich, dass dieses Kind geboren ist? Was macht das mit mir? Meine Antworten lege ich hinein in die Worte des Lieds. "Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesus, du mein Leben."
So stehe ich auch heute, am ersten Tag des Christfests 2022, an deiner Krippe hier und schaue hinein und sinne darüber nach -- wie man am ersten Christfesttag Zeit hat, zu tun.
Ich steh an deiner Krippen hier und frage mich, wie das wohl war, damals, für die, die tatsächlich dastanden und dich anschauten.
Ich steh an deiner Krippen hier wie so ein alter Hirte, vom Wetter gegerbt, vom Leben gehärtet. Entbehrungen gewohnt, dunkle Nächte und Kälte. Einsamkeit und stinkende, bockige Schafe. Ich frage mich, welch seltsamer Traum uns hierher gebracht hat, an die Futterkrippe mit dem Baby--denn ein Traum muss es wohl gewesen sein. In all den dunklen Nächten draußen bei den Schafen habe ich das schließlich noch nie gesehen -- dass die Nacht auf einen Schlag hell wurde, heller als der Tag. "Die Klarheit Gottes umleuchtete sie", schreibt Lukas. Dass mir da angst und bange wurde, kann wohl jeder nachvollziehen. "Fürchtet euch nicht", sagte der Engel und ich fühle mich ertappt. "Fürchtet euch nicht. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids." Das klingt für mich wie "Ich steh an deiner Krippen hier" für euch und all die anderen Weihnachtslieder dazu. Alte, vertraute Worte. Erinnerung an die Vorhersagen der Propheten, an die Verheißungen eines Messias, eines Christus, eines gesalbten Gottes, der die Welt verändern würde. Wie sehr sehnen wir uns alle danach. Und dann sind wir aufgebrochen, so schnell es die blökenden Schafe zuließen, den Worten des Engels nach, nach Betlehem: "Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend."
Ich steh an deiner Krippen hier. Da stehe ich nun. Und vor mir ein neugeborenes Baby. Rot und runzelig, noch leicht zerquetscht von den Strapazen der Geburt. Und vor allem: Winzig klein. Ich steh an deiner Krippen hier und frage mich, ob das jetzt wirklich alles ist. Ob dieses winzige, strampelnde Etwas ernsthaft Gottes Antwort sein soll auf diese Welt mit ihren Nöten. Dieses ... Baby. Hätte es nicht einen anderen gebraucht? Einen Großen, Starken. Einen Herrscher? Einen Krieger? Einen, dessen Macht völlig außer Zweifel steht? Wie soll denn ein Baby das Böse überwinden, das Leid und die Ungerechtigkeit?
Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesus du mein Leben.
Ich stehe ja auch da und frage mich, wie es weitergehen soll mit der Welt--dieser verdammten, kalten, dunklen Welt mit ihren Kriegen und ihren Viren, mit ihren Gaspreisen und Ungewissheiten, mit all der Ungerechtigkeit, mit Rassismus, mit Ausbeutung, mit Zerstörung unserer eigenen Zukunftschancen. Da muss sich doch etwas ändern. Ich steh an deiner Krippen hier und weiß erst mal nicht, was ich sagen soll... Jesus, du mein Leben?
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser, aus dem zweiten Kapitel:
3 In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. 6 Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christus Jesus, so lebt auch in ihm, 7 verwurzelt und gegründet in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit. 8 Seht zu, dass euch niemand einfange durch die Philosophie und leeren Trug, die der Überlieferung der Menschen und den Elementen der Welt folgen und nicht Christus. 9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, 10 und ihr seid erfüllt durch ihn, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist. (Kolosser 2,3.6-10)Ich steh an deiner Krippen hier wie ein Weiser des damaligen Orients -- gut, ich versuche zumindest, mich ansatzweise da hineinzudenken. Ich stehe hier, mit reichen Geschenken in der Hand und starre ungläubig auf das winzige Bündel, das da liegt. Nur das faltige Gesicht schaut heraus aus den Tüchern, in die sie dich eingewickelt haben. Windeln. Wahrlich kein Gewand für einen König, genauso wenig wie das Bett aus Heu, auf dem du liegst. Ich stehe hier, weil ich dich besuchen wollte. Dir Ehre erweisen. Ins Gespräch kommen mit einem König. Plaudern über die Weisheiten der Welt, über die tiefgründige Geheimnisse und die Erklärung aller Dinge. Politik, Philosophie, die Welt und ihre Menschen, Systeme und Zusammenhänge und das große Ganze. Voneinander lernen. Miteinander entdecken, begreifen, verstehen. Erklärungen habe ich mir erhofft. Verständnis, das meine Perspektive auf das Leben verändert. Die Welt verstehen -- wollen wir das nicht alle? Nur: Wo haben sie uns hingebracht, die ganzen großen Welterklärungen? Hegel, Marx, Feuerbach und Nietzsche und wie sie alle heißen. Und die, die versucht haben, die großen Welterklärungen in die Tat umzusetzen, haben Verwüstungen angerichtet wie nie zuvor. Allein das 20. Jahrhundert reicht mit seiner Geschichte, um das unmissverständich zu machen: Nationalismus, Nationalsozialismus, Kommunismus, ungezügelter Kapitalismus -- am Ende steht immer wieder nur ein Scherbenhaufen. Und als hätten die Menschen nichts gelernt, suchen sie heute schon wieder im Internet nach den einfachen Erklärungen, mit denen man scheinbar die Welt verstehen (und das Leben in den Griff kriegen) kann.
"Seht zu, dass euch niemand einfange durch die Philosophie und leeren Trug, die der Überlieferung der Menschen und den Elementen der Welt folgen und nicht Christus.", schreibt Paulus.
Ich, ich steh an deiner Krippen hier, und, Mann, hat meine Perspektive sich verändert. Statt in luftige Höhenflüge des Geistes bekomme ich Einblick in... warte: Windeln? Ist das, was ich da rieche... was ich da sehe... Igitt! Maria, tu das weg bitte.
"In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis", schreibt Paulus. "Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig."
Ich steh an deiner Krippen hier und ich möchte hier stehen, sagen wir, wie Maria. Wenigsten mit einer leisen Ahnung von dem, was hier passiert. Die Puzzlestücke aus den Andeutungen der Engel zusammenfügen, zu etwas, was in meinen kleinen Kopf hineinpasst. Denn, so beginne ich zu begreifen, das "fleischgewordene Wort Gottes" (Johannes), die "ganze Fülle der Gottheit selbst" (Paulus) übersteigen vermutlich die begrenzten Fähigkeiten meines Denkens.
O, dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen.Ich steh an deiner Krippen hier und werde vermutlich nie die ganze Fülle begreifen, was hier gerade passiert ist. So will ich mitnehmen, was ich verstehen kann: Das "Fürchte dich nicht" des Engels. "Immanuel" -- "Gott mit uns". Dass Gott zu uns gekommen ist, so unbegreiflich das bleiben mag. Dass seine Liebe alles Denken übersteigt und groß genug ist, dass er Mensch wird für uns. Dass, ganz anders als ich es in all den Jahren gelernt habe, das "Haupt aller Mächte und Gewalten" nicht der Stärkste ist, sondern der, der aussteigt aus dem System des Sich-gegenseitig-Übertrumpfens und der ganz klein wird und schwach. Dass Gerechtigkeit nicht da beginnt, wo man die Ungerechten niederschreit, sondern da, wo sich Gottes Liebe an die Seite der Schwachen, der Rechtlosen, der Opfer stellt. Das allein gibt mir Stoff zum Nachdenken für Jahrzehnte meines Lebens. Und viel, das ich selbst mitnehmen kann in mein eigenes Handeln hier in dieser Welt.
Ich steh an deiner Krippen hier und ich merke mehr und mehr, dass es nicht um das Verstehen geht, nicht um das Erklären dieser Welt. Dass ich hier in deiner Krippe keine Antworten und keine Denkmodelle finde, sondern einfach nur -- dich. Gott selbst. Mensch geworden. Nahe bei mir. Immanuel. Da liegst du vor mir und je mehr ich drüber nachdenke, desto weniger ist es das Nachdenken, was wichtig ist, sondern einfach nur du:
Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen. Und weil ich nun nicht weiterkann, bleib ich anbetend stehen.Ich steh an deiner Krippen hier und starre hinein. Ich sehe dich, das Kind, den Christus Gottes, meinen Heiland. "In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis." Viel zu viele, als dass ich sie je verstehen könnte. Ich will sie nicht mitnehmen und dann für mich "haben", zum eigenständigen Gebrauch, zum Leben mit mehr Weisheit und Durchblick, als die anderen es haben. Dann bräuchte ich dich ja auch gar nicht mehr.
Ich steh an deiner Krippen hier und ich will hier gar nicht weg, zurück zu einem Ort ohne dich. Wenn das Leben weitergeht, dann muss es mit dir weitergehen. Anders kann ich es mir nicht mehr vorstellen, jetzt, wo ich dich gesehen habe.
Eins aber hoff ich, wirst du mir, mein Heiland nicht versagen: Dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen."Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christus Jesus, so lebt auch in ihm, verwurzelt und gegründet in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid und voller Dankbarkeit." Ja, so soll mein Leben weiter sein: Immanuel mit mir. Lass mich in diesem Wissen leben. Die großen Welterklärungsversuche ziehen nicht mehr, denn ich weiß, auf welchem Grund mein Leben steht: Du bist zu mir gekommen. Du bist an meiner Seite. Ich bin geliebt, wert, angenommen und niemals allein. Ich habe Hoffnung. Ich muss mich nicht fürchten. Ganz einfach: Wegen dir.
So lass mich doch dein Kripplein sein. Komm, komm, und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesus, du mein Leben.Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.Nimm hin, es ist mein Leib und Sinn,Herz, Seel und Mut nimm alles hinund lass dir's wohlgefallen.Geliebte Gottes in Burladingen,
Eine Anbetung.
"Ich steh an deiner Krippen hier" -- seit ich dieses Lied als Kind einmal als Solo in der Kirche singen durfte, lässt es mich nicht los. Jedes Jahr an Weihnachten denke ich neu darüber nach. Ich stehe mit den Worten des Liedes am Rand der Geschichte. Ich schaue hinein, in den Stall -- falls es wirklich das war, was wir uns unter einem Stall vorstellen -- und schaue das Kind an, das dort in der Krippe liegt. Ich frage mich: Wer ist das? Was bedeutet es für mich, dass dieses Kind geboren ist? Was macht das mit mir? Meine Antworten lege ich hinein in die Worte des Lieds. "Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesus, du mein Leben."
So stehe ich auch heute, am ersten Tag des Christfests 2022, an deiner Krippe hier und schaue hinein und sinne darüber nach -- wie man am ersten Christfesttag Zeit hat, zu tun.
Ich steh an deiner Krippen hier und frage mich, wie das wohl war, damals, für die, die tatsächlich dastanden und dich anschauten.
Ich steh an deiner Krippen hier wie so ein alter Hirte, vom Wetter gegerbt, vom Leben gehärtet. Entbehrungen gewohnt, dunkle Nächte und Kälte. Einsamkeit und stinkende, bockige Schafe. Ich frage mich, welch seltsamer Traum uns hierher gebracht hat, an die Futterkrippe mit dem Baby--denn ein Traum muss es wohl gewesen sein. In all den dunklen Nächten draußen bei den Schafen habe ich das schließlich noch nie gesehen -- dass die Nacht auf einen Schlag hell wurde, heller als der Tag. "Die Klarheit Gottes umleuchtete sie", schreibt Lukas. Dass mir da angst und bange wurde, kann wohl jeder nachvollziehen. "Fürchtet euch nicht", sagte der Engel und ich fühle mich ertappt. "Fürchtet euch nicht. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids." Das klingt für mich wie "Ich steh an deiner Krippen hier" für euch und all die anderen Weihnachtslieder dazu. Alte, vertraute Worte. Erinnerung an die Vorhersagen der Propheten, an die Verheißungen eines Messias, eines Christus, eines gesalbten Gottes, der die Welt verändern würde. Wie sehr sehnen wir uns alle danach. Und dann sind wir aufgebrochen, so schnell es die blökenden Schafe zuließen, den Worten des Engels nach, nach Betlehem: "Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend."
Ich steh an deiner Krippen hier. Da stehe ich nun. Und vor mir ein neugeborenes Baby. Rot und runzelig, noch leicht zerquetscht von den Strapazen der Geburt. Und vor allem: Winzig klein. Ich steh an deiner Krippen hier und frage mich, ob das jetzt wirklich alles ist. Ob dieses winzige, strampelnde Etwas ernsthaft Gottes Antwort sein soll auf diese Welt mit ihren Nöten. Dieses ... Baby. Hätte es nicht einen anderen gebraucht? Einen Großen, Starken. Einen Herrscher? Einen Krieger? Einen, dessen Macht völlig außer Zweifel steht? Wie soll denn ein Baby das Böse überwinden, das Leid und die Ungerechtigkeit?
Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesus du mein Leben.
Ich stehe ja auch da und frage mich, wie es weitergehen soll mit der Welt--dieser verdammten, kalten, dunklen Welt mit ihren Kriegen und ihren Viren, mit ihren Gaspreisen und Ungewissheiten, mit all der Ungerechtigkeit, mit Rassismus, mit Ausbeutung, mit Zerstörung unserer eigenen Zukunftschancen. Da muss sich doch etwas ändern. Ich steh an deiner Krippen hier und weiß erst mal nicht, was ich sagen soll... Jesus, du mein Leben?
Aus dem Brief des Apostels Paulus an die Kolosser, aus dem zweiten Kapitel:
3 In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. 6 Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christus Jesus, so lebt auch in ihm, 7 verwurzelt und gegründet in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und voller Dankbarkeit. 8 Seht zu, dass euch niemand einfange durch die Philosophie und leeren Trug, die der Überlieferung der Menschen und den Elementen der Welt folgen und nicht Christus. 9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, 10 und ihr seid erfüllt durch ihn, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist. (Kolosser 2,3.6-10)Ich steh an deiner Krippen hier wie ein Weiser des damaligen Orients -- gut, ich versuche zumindest, mich ansatzweise da hineinzudenken. Ich stehe hier, mit reichen Geschenken in der Hand und starre ungläubig auf das winzige Bündel, das da liegt. Nur das faltige Gesicht schaut heraus aus den Tüchern, in die sie dich eingewickelt haben. Windeln. Wahrlich kein Gewand für einen König, genauso wenig wie das Bett aus Heu, auf dem du liegst. Ich stehe hier, weil ich dich besuchen wollte. Dir Ehre erweisen. Ins Gespräch kommen mit einem König. Plaudern über die Weisheiten der Welt, über die tiefgründige Geheimnisse und die Erklärung aller Dinge. Politik, Philosophie, die Welt und ihre Menschen, Systeme und Zusammenhänge und das große Ganze. Voneinander lernen. Miteinander entdecken, begreifen, verstehen. Erklärungen habe ich mir erhofft. Verständnis, das meine Perspektive auf das Leben verändert. Die Welt verstehen -- wollen wir das nicht alle? Nur: Wo haben sie uns hingebracht, die ganzen großen Welterklärungen? Hegel, Marx, Feuerbach und Nietzsche und wie sie alle heißen. Und die, die versucht haben, die großen Welterklärungen in die Tat umzusetzen, haben Verwüstungen angerichtet wie nie zuvor. Allein das 20. Jahrhundert reicht mit seiner Geschichte, um das unmissverständich zu machen: Nationalismus, Nationalsozialismus, Kommunismus, ungezügelter Kapitalismus -- am Ende steht immer wieder nur ein Scherbenhaufen. Und als hätten die Menschen nichts gelernt, suchen sie heute schon wieder im Internet nach den einfachen Erklärungen, mit denen man scheinbar die Welt verstehen (und das Leben in den Griff kriegen) kann.
"Seht zu, dass euch niemand einfange durch die Philosophie und leeren Trug, die der Überlieferung der Menschen und den Elementen der Welt folgen und nicht Christus.", schreibt Paulus.
Ich, ich steh an deiner Krippen hier, und, Mann, hat meine Perspektive sich verändert. Statt in luftige Höhenflüge des Geistes bekomme ich Einblick in... warte: Windeln? Ist das, was ich da rieche... was ich da sehe... Igitt! Maria, tu das weg bitte.
"In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis", schreibt Paulus. "Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig."
Ich steh an deiner Krippen hier und ich möchte hier stehen, sagen wir, wie Maria. Wenigsten mit einer leisen Ahnung von dem, was hier passiert. Die Puzzlestücke aus den Andeutungen der Engel zusammenfügen, zu etwas, was in meinen kleinen Kopf hineinpasst. Denn, so beginne ich zu begreifen, das "fleischgewordene Wort Gottes" (Johannes), die "ganze Fülle der Gottheit selbst" (Paulus) übersteigen vermutlich die begrenzten Fähigkeiten meines Denkens.
O, dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen.Ich steh an deiner Krippen hier und werde vermutlich nie die ganze Fülle begreifen, was hier gerade passiert ist. So will ich mitnehmen, was ich verstehen kann: Das "Fürchte dich nicht" des Engels. "Immanuel" -- "Gott mit uns". Dass Gott zu uns gekommen ist, so unbegreiflich das bleiben mag. Dass seine Liebe alles Denken übersteigt und groß genug ist, dass er Mensch wird für uns. Dass, ganz anders als ich es in all den Jahren gelernt habe, das "Haupt aller Mächte und Gewalten" nicht der Stärkste ist, sondern der, der aussteigt aus dem System des Sich-gegenseitig-Übertrumpfens und der ganz klein wird und schwach. Dass Gerechtigkeit nicht da beginnt, wo man die Ungerechten niederschreit, sondern da, wo sich Gottes Liebe an die Seite der Schwachen, der Rechtlosen, der Opfer stellt. Das allein gibt mir Stoff zum Nachdenken für Jahrzehnte meines Lebens. Und viel, das ich selbst mitnehmen kann in mein eigenes Handeln hier in dieser Welt.
Ich steh an deiner Krippen hier und ich merke mehr und mehr, dass es nicht um das Verstehen geht, nicht um das Erklären dieser Welt. Dass ich hier in deiner Krippe keine Antworten und keine Denkmodelle finde, sondern einfach nur -- dich. Gott selbst. Mensch geworden. Nahe bei mir. Immanuel. Da liegst du vor mir und je mehr ich drüber nachdenke, desto weniger ist es das Nachdenken, was wichtig ist, sondern einfach nur du:
Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen. Und weil ich nun nicht weiterkann, bleib ich anbetend stehen.Ich steh an deiner Krippen hier und starre hinein. Ich sehe dich, das Kind, den Christus Gottes, meinen Heiland. "In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis." Viel zu viele, als dass ich sie je verstehen könnte. Ich will sie nicht mitnehmen und dann für mich "haben", zum eigenständigen Gebrauch, zum Leben mit mehr Weisheit und Durchblick, als die anderen es haben. Dann bräuchte ich dich ja auch gar nicht mehr.
Ich steh an deiner Krippen hier und ich will hier gar nicht weg, zurück zu einem Ort ohne dich. Wenn das Leben weitergeht, dann muss es mit dir weitergehen. Anders kann ich es mir nicht mehr vorstellen, jetzt, wo ich dich gesehen habe.
Eins aber hoff ich, wirst du mir, mein Heiland nicht versagen: Dass ich dich möge für und für in, bei und an mir tragen."Wie ihr nun angenommen habt den Herrn Christus Jesus, so lebt auch in ihm, verwurzelt und gegründet in ihm und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid und voller Dankbarkeit." Ja, so soll mein Leben weiter sein: Immanuel mit mir. Lass mich in diesem Wissen leben. Die großen Welterklärungsversuche ziehen nicht mehr, denn ich weiß, auf welchem Grund mein Leben steht: Du bist zu mir gekommen. Du bist an meiner Seite. Ich bin geliebt, wert, angenommen und niemals allein. Ich habe Hoffnung. Ich muss mich nicht fürchten. Ganz einfach: Wegen dir.
So lass mich doch dein Kripplein sein. Komm, komm, und lege bei mir ein dich und all deine Freuden.Amen.

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