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In dieser Folge geht Gerhard Schweppenhäuser wesentlichen Grundlagen und dem Anspruch der Kritischen Theorie nach. Zunächst geht es darum, was Kritische Theorie von traditioneller Theorie unterscheidet und worin ihr eigener theoretischer und praktischer Anspruch besteht. Wir sprechen über die Bedeutung der Psychoanalyse für das Verständnis von Herrschaft, Anpassung und gesellschaftlicher Prägung des Individuums sowie über den Zusammenhang von Ideologie, Wahrheit und Objektivität. Anschließend geht es um die Kritik am Positivismus und die Frage, wie gesellschaftliche Verhältnisse überhaupt kritisch erkannt und begrifflich erfasst werden können. Zum Schluss wenden wir uns dem Verständnis des Kapitalismus in der Kritischen Theorie zu: Wie werden Ware, Wert, gesellschaftliche Herrschaft und die daraus entstehenden Formen von Unfreiheit und Leiden theoretisch bestimmt?
Im zweiten Teil des Gesprächs mit Alex Feuerherdt geht es unter anderem um die heutige Rolle der UNO im israelisch-palästinensischen "Konflikt". Wir sprechen über die auffällige Häufigkeit und Ausrichtung von UN-Resolutionen zu Israel im Vergleich zu anderen Staaten, über den Begriff „Lawfare“ und die Bedeutung internationaler Gerichte und Organisationen. Weitere Themen sind die UNRWA, andere UN-Unterorganisationen und NGOs sowie deren Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung des Konflikts. Abschließend geht es um die Frage, wie das Handeln der UNO gegenüber Israel im Lichte unterschiedlicher Antisemitismusdefinitionen – insbesondere der IHRA-Arbeitsdefinition und der Jerusalemer Erklärung – einzuordnen ist.
In dieser Folge verweist Alex Feuerherdt auf die auffällige Überfokussierung des Staates Israel in den Resolutionen der Vereinten Nationen. Die besondere Bezugnahme auf den jüdischen Staat wurde durch einige entscheidende Wegmarken und Wendepunkte bestimmt, deren Analyse auch Aufschluss über die heutige Wahrnehmung Israels in anderen Staaten und Milieus geben.
In dieser Folge führt Volker Weiß die Analyse des rechten Denkens in Deutschland weiter aus. Im Mittelpunkt stehen die heutige Rechte, ihre internationalen Verbindungen und ihr Verhältnis zu Russland, der Ukraine und dem Westen. Dabei geht es um die Frage, wie sich Antiliberalismus, Antieuropäismus und autoritäres Denken miteinander verbinden.
Außerdem sprechen wir über Geschichtsrevisionismus, die AfD und die Frage, wohin sich die Rechte entwickeln könnte. Einen besonderen Schwerpunkt bildet auch die politische Theologie: Was bedeutet der Begriff des „Katechon“, woher kommt die Vorstellung vom „Antichristen“ und welche Bedeutung haben solche eschatologischen Denkfiguren für das heutige rechte Denken?
In dieser Folge zeichnet Volker Weiß den Weg des rechten Denkens in Deutschland nach – von der völkischen Romantik und dem Sozialdarwinismus über die Konservative Revolution und den Nationalsozialismus bis zur Neuen Rechten der Bundesrepublik und ihren heutigen Erscheinungsformen. Dabei geht es um die Frage, was „rechts“ überhaupt bedeutet und in welchem Verhältnis rechtes Denken zur Moderne steht. Zur Sprache kommen Motive wie Nationalismus, Antiliberalismus, Antiegalitarismus und Antimoderne, die Bedeutung von Carl Schmitt, Arthur Moeller van den Bruck und Oswald Spengler sowie die ideengeschichtlichen Bezugnahmen der heutigen Neuen Rechten auf die Konservative Revolution. Außerdem geht es um die Frage, wie sich rechtes Denken nach 1945 neu formierte, welche Strategien es entwickelte, um nach dem Nationalsozialismus wieder gesellschaftlich anschlussfähig zu werden, und wie sich diese Entwicklung schließlich in Bewegungen und Parteien wie den Identitären, PEGIDA und der AfD niederschlägt. Weitere wichtige Fragen zur heutigen Zeit werden in Teil 2 zum Thema geklärt.
In dieser Folge berichtet Nina Rabuza vom weitgehend unwissenschaftlichen Umgang der deutschen Gesellschaft mit der Geschichte des Holocaust und der Gegenwart des Antisemitismus. Die Schuld und Mitschuld der Mehrheit der deutschen Bevölkerung an den gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen des Antisemitismus und der nationalsozialistischen Judenverfolgung wurden nach 1945 nicht nur verdrängt, sondern vielfach auch aktiv verleugnet und verschwiegen. Auch in der sogenannten „Erinnerungskultur“ und „Erinnerungspolitik“, die im Laufe der Nachkriegsgeschichte erheblichen Wandlungen unterlag, finden sich bis heute Verdrehungen, Auslassungen und Umdeutungen, die darauf hinauslaufen, die deutsche Vergangenheit zu entschuldigen oder zu relativieren und bestimmte Deutungen dieser Vergangenheit für gegenwärtige und zukünftige politische Ziele nutzbar zu machen. Dieses Vorgehen ist dabei keineswegs ausschließlich im politisch rechten Spektrum zu beobachten.
Verwendete und weiterführende Literatur:
Adorno, Theodor W.: Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit?
Bajohr, Frank; Pohl, Dieter: Der Holocaust als offenes Geheimnis. Die Deutschen, die NS-Führung und die Alliierten.
Gerber, Jan: Blockierte Wahrnehmung. Zur Gedächtnisgeschichte des Holocaust, in: Stephan Grigat u. a. (Hg.): Erinnern als höchste Form des Vergessens. Um-Deutungen des Holocaust und der Historikerstreit 2.0, Berlin 2023.
Habermas, Jürgen: Der neue Streit über den Holocaust, in: Saul Friedländer u. a. (Hg.): Ein Verbrechen ohne Namen. Anmerkungen zum neuen Streit über den Holocaust, München 2022.
Haury, Thomas: Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR, Hamburg 2002.
Küntzel, Matthias: Goldhagen und die gewöhnliche deutsche Linke.
Mitscherlich, Alexander; Mitscherlich, Margarete: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens.
Rabuza, Nina: Verräumlichte Erinnerung. Die Grenzen der Darstellung nationalsozialistischer Gewalt am Modell der KZ-Gedenkstätte Dachau.
Salzborn, Samuel: Kollektive Unschuld. Die Abwehr der Shoah im deutschen Erinnern.
Salzborn, Samuel: Schuldabwehr und Erinnerungsverweigerung, in: Stephan Grigat u. a. (Hg.): Erinnern als höchste Form des Vergessens. Um-Deutungen des Holocaust und der Historikerstreit 2.0, Berlin 2023.
Weiß, Volker: Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes.
In dieser Folge betrachtet Christoph David Piorkowski Leben und Werk der Schriftsteller und Holocaustüberlebenden Jean Améry und Primo Levi. Die beiden Autoren beschäftigten sich in ihren Büchern mit ihren Erfahrungen als Opfer des Holocaust und zogen daraus mehrere Schlüsse, unter anderem die Gewissheit, dass sie für die nationalsozialistischen Deutschen nicht für einen langen Aufenthalt im Lager und auch nicht zum Überleben bestimmt waren, sondern dass die Hauptsituation des Holocaust die Vernichtung war. Insbesondere Jean Améry verweist in seiner schriftstellerischen Laufbahn nicht nur auf die Spezifik des Holocaust, sondern auch auf die heutigen Gefahren für Jüdinnen und Juden im Antizionismus.
In dieser Folge kritisiert Jan Eufinger die seit einigen Jahren zunehmend einflussreiche postmoderne linke Identitätspolitik. In ihrer Betonung des Partikularen und Gruppenbezogenen sowie ihrer ausdrücklichen Abkehr vom Universellen weist sie Parallelen zum rechten Denken auf. Auch die psychosozialen Entstehungsfaktoren dieser Denkweise könnten dem rechten Denken näherstehen, als ihren Vertretern lieb sein dürfte.
In dieser Folge beantwortet Miriam Mettler Fragen zum Verhältnis von islamischer Lehre, Kultur und Frauenbildern. Dabei wird deutlich, dass in großen Teilen einer nicht reformierten islamischen Kultur ein erheblicher sozialer Druck auf den Geschlechterrollen sowie auf denjenigen lastet, die diese Rollen erfüllen müssen – wovon insbesondere Frauen betroffen sind.
Durch ihre Analyse bedeutender kultureller Konzepte wie der „Familienehre“ oder der Rolle der Mutter ermöglicht Mettler eine wissenschaftliche Annäherung an das Thema, fernab von rassistischen oder stereotypisierenden Zuschreibungen, wie sie sowohl von politisch rechter als auch – unter emanzipativen Vorzeichen – von linker Seite häufig vorgenommen werden.
In dieser Folge kritisieren Patrick Viol und Sebastian Gräber die in unserer Gesellschaft vorherrschende Halbbildung, die sich unter anderem durch ein "verdinglichtes Bewusstsein" auszeichnet. Die Kritik an dieser unvollständigen Bildungsform kann die gesellschaftlichen Bedingungen der "Kälte", unter denen sie enststeht, aufzeigen, jedoch nicht wiederum selbst als vollständige Bildung gelten. Ein Ziel kritischer Bildung ist es hingegen, sowohl der "Kälte" wie auch der "falschen Wärme" zu misstrauen und ein autonomes "Ich" zu stärken.
Das Gespräch fand im Herbst 2025 statt.
An Bildung interessierte Hörer und Hörerinnen sind dazu eingeladen, diese Folge öfter abzuspielen.
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