Zu Gast: Gesa Lischka
Neuromarketing, Entscheidungen und die Kunst, Menschen wirklich zu erreichen
Warum entscheiden wir uns für ein bestimmtes Produkt? Weshalb schmeckt derselbe Tee plötzlich besser, wenn die Verpackung anders aussieht? Und was passiert eigentlich in unserem Gehirn, bevor wir überhaupt bewusst merken, dass wir eine Entscheidung getroffen haben?
In Folge 31 von impact ix. sprechen Meik und Basti mit Gesa Lischka, Mitgeschäftsführerin der hannoverschen Kreativagentur Kochstraße und Expertin für Neuromarketing. Gemeinsam tauchen wir in die Welt der Entscheidungen, Emotionen und unbewussten Wahrnehmungsmuster ein.
Dabei wird schnell klar: Neuromarketing hat wenig mit Manipulation zu tun und viel mit einem besseren Verständnis dafür, wie Menschen Informationen wahrnehmen, Vertrauen aufbauen und Entscheidungen treffen.
💡 In dieser Folge geht es u. a. um:
Wie die Kreativagentur Kochstraße vor 30 Jahren auf einem Dachboden entstandWas Neuromarketing eigentlich ist – und was nichtWarum Verpackungen den Geschmack beeinflussen könnenDie Rolle von Emotionen bei EntscheidungenSystem 1 und System 2: Warum unser Gehirn Energie sparen möchteWie Farben, Formen und Sprache unsere Wahrnehmung prägenNeurowissenschaftliche Studien mit fMRT und EEG im MarketingDie Grenze zwischen Überzeugung und ManipulationKünstliche Intelligenz und die Zukunft des stationären HandelsWas Führungskräfte aus Neurowissenschaft und Verhaltensforschung lernen können🧠 Warum wir anders entscheiden, als wir denken
Viele Menschen glauben, Entscheidungen vor allem rational zu treffen.
Die Forschung zeigt jedoch ein anderes Bild: Ein großer Teil unserer Entscheidungen entsteht unbewusst. Unser Gehirn arbeitet permanent mit Abkürzungen, Heuristiken und Erfahrungswerten, um Energie zu sparen.
Gesa erklärt anschaulich, warum Menschen oft erst emotional entscheiden und anschließend rationale Begründungen dafür suchen.
Genau hier setzt Neuromarketing an: Nicht indem Menschen manipuliert werden sollen, sondern indem man versteht, welche Bedürfnisse, Erwartungen und Wahrnehmungsmuster hinter Entscheidungen stehen.
📦 Der gleiche Tee – aber ein anderer Geschmack?
Ein besonders spannendes Beispiel aus der Folge stammt aus gemeinsamen Forschungsprojekten mit Neurowissenschaftlern.
Menschen bekamen denselben Tee zu trinken – allerdings jeweils aus unterschiedlichen Verpackungskonzepten heraus präsentiert.
Das Ergebnis: Die Testpersonen beschrieben unterschiedliche Geschmackserlebnisse, obwohl sie exakt denselben Tee tranken.
Der Grund liegt nicht im Produkt selbst, sondern in den Erwartungen, die durch Verpackung, Design und Kontext entstehen.
Ein ähnlicher Effekt wurde bereits in Studien mit Wein beobachtet: Wird derselbe Wein einmal als teures Premiumprodukt und einmal als günstiger Wein präsentiert, erleben Menschen tatsächlich unterschiedliche Geschmackswahrnehmungen.
🎨 Warum Design mehr ist als Geschmackssache
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Wirkung von Gestaltung.
Farben, Formen, Typografie und Sprache sind nicht beliebig. Sie transportieren Bedeutungen und lösen unbewusste Assoziationen aus.
Ein Beispiel: Organische, abgerundete Formen werden häufig als wärmer, sicherer und vertrauenswürdiger wahrgenommen als harte, kantige Gestaltungen.
Für Unternehmen bedeutet das: Design ist nicht nur eine ästhetische Frage, sondern beeinflusst maßgeblich die Wahrnehmung einer Marke.
Dabei geht es nicht darum, möglichst laut oder auffällig zu sein. Entscheidend ist vielmehr, ob die Gestaltung zu den Bedürfnissen und Erwartungen der Zielgruppe passt.
🤖 KI, Handel und personalisierte Kundenerlebnisse
Natürlich geht es auch um Künstliche Intelligenz.
Gesa berichtet von einem spannenden Pilotprojekt, bei dem Neurowissenschaft, KI, Lichtdesign und digitale Displays zusammengeführt werden.
Die Idee: Ein stationärer Laden soll ähnlich intelligent auf Kunden reagieren können wie digitale Plattformen.
Mithilfe von Kameratechnologie, Wetterdaten und weiteren Kontextinformationen können Inhalte, Lichtstimmungen oder Produktempfehlungen situativ angepasst werden.
Nicht mit dem Ziel, Menschen zu manipulieren, sondern um relevantere und angenehmere Kundenerlebnisse zu schaffen.
Ein faszinierender Einblick in die Zukunft des stationären Handels.
👥 Was Führungskräfte von Neuromarketing lernen können
Auch für Führung und Organisationsentwicklung liefert das Gespräch viele Impulse.
Wer versteht, wie Menschen Entscheidungen treffen, Vertrauen aufbauen und Informationen verarbeiten, kann Kommunikation bewusster gestalten.
Gesa spricht unter anderem über:
die Bedeutung von Vertrauenden Einfluss von Emotionen auf EntscheidungenEntscheidungserschöpfung („Decision Fatigue“)die Rolle von Kontext und WahrnehmungGerade in Zeiten permanenter Veränderung kann dieses Wissen helfen, Menschen besser abzuholen und Veränderungsprozesse erfolgreicher zu gestalten.
🏢 Über die Kochstraße
Die Kochstraße entstand ursprünglich auf einem Dachboden in Hannover und entwickelte sich in den vergangenen 30 Jahren zu einer der bekanntesten Kreativagenturen Norddeutschlands.
Heute arbeiten dort rund 60 Mitarbeitende an Markenstrategien, Kampagnen, Designprojekten und innovativen Kommunikationslösungen.
Dabei verbindet die Agentur kreative Exzellenz mit Erkenntnissen aus Psychologie, Verhaltensforschung und Neurowissenschaft.
👤 Zu Gast: Gesa Lischka
Gesa Lischka ist Mitgeschäftsführerin der Kochstraße und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Neuromarketing, Entscheidungsforschung und Markenkommunikation.
https://www.linkedin.com/in/gesa-lischka/
https://kochstrasse.agency/team/team/gesa-lischka/
🎧 Über impact ix.
impact ix. ist der Podcast von innolethix über Wirkung in Business, Technologie und Gesellschaft.
Wir sprechen mit Menschen, die neue Perspektiven eröffnen, spannende Erfahrungen teilen und Impulse für echte Veränderung liefern.
Jetzt reinhören und erfahren, warum unser Gehirn viel mehr über unsere Entscheidungen weiß als wir selbst.