DER KÖNIG DER GOLDENEN TASCHEN
Es war einmal ein König.
Nicht gewählt.
Nicht geliebt.
Aber hervorragend beraten.
Er regierte ein Land, in dem das Geld knapp war. Jedenfalls unten.
Oben war es lediglich anders verteilt.
Der König besaß goldene Taschen. Maßanfertigung. Innen gefüttert mit Steuergeld, außen bestickt mit den Worten:
VERANTWORTUNG. TRANSPARENZ. GEMEINWOHL.
Sehr hübsch.
Jeden Morgen trat Seine Majestät vor sein Volk und verkündete neue Sparmaßnahmen.
Die Armen sollten weniger arm sein.
Die Kranken weniger krank.
Die Alten weniger alt.
Und wer sich das nicht leisten konnte, sollte bitte Eigenverantwortung zeigen.
Der König selbst ging mit gutem Beispiel voran.
Er verzichtete auf nichts.
Im Palast tagte inzwischen der „Königliche Ausschuss zur Untersuchung königlicher Ausschüsse“. Nach nur achtzehn Monaten und 4.700 Seiten Abschlussbericht stand fest:
Es konnte kein Gold gefunden werden.
Man hatte allerdings auch nicht in den Taschen des Königs nachgesehen.
Das wäre unhöflich gewesen.
„Der König der goldenen Taschen“ ist ein dadaistisches Märchen über Macht, Geld und die erstaunliche Fähigkeit moderner Königreiche, Verluste zu sozialisieren und Gewinne versehentlich in Privatbesitz geraten zu lassen.
Über Hofnarren mit Beratervertrag.
Minister mit Gedächtnislücken.
Lobbyisten mit Generalschlüssel.
Und ein Volk, dem man erklärt, dass für seine Wünsche leider kein Geld vorhanden sei.
Bis eines Tages jemand fragt:
„Majestät … was klimpert da eigentlich in Ihrer Hose?“
Stille.
Der König lächelt.
Der Finanzminister tritt zurück.
Und irgendwo im Palast wird hektisch eine Akte geschreddert.
IN RE VERA präsentiert:
DER KÖNIG DER GOLDENEN TASCHEN
Ein Märchen für Erwachsene.
Denn Kinder würden so etwas niemals glauben.