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Folge 16: Menschlichkeit braucht Mut, Mitgefühl und offene Herzen – Carsten Bremer und Irene Löwenthal-Morgan
insan … Mensch sein – MitMENSCHsein | Auf dem Weg zur Bremer Menschlichkeitsverfassung
Was bedeutet Menschlichkeit, wenn aus Mitgefühl konkretes Handeln wird? Wie verändert sich unser Blick auf andere Menschen, wenn wir ihre Lebensgeschichten kennenlernen, ihnen helfen und selbst Unterstützung erfahren?
In Folge 16 begegnen wir zwei Menschen, deren Erfahrungen zeigen, wie viel Menschlichkeit im alltäglichen Miteinander entstehen kann.
Carsten Bremer wurde 1967 in Bremen geboren und bezeichnet sich selbst als Kosmopolit. Seine Reisen haben ihn gelehrt, anderen Kulturen mit Offenheit, Respekt und Neugier zu begegnen. Für ihn gehören zur Menschlichkeit nicht nur Empathie und Toleranz gegenüber Menschen, sondern auch die Achtung vor Tieren und der Natur.
Besonders prägend ist seine Freundschaft mit einer jungen Frau aus Uganda, die er 2018 auf einer Reise über den Viktoriasee kennenlernte. Als sie 2024 nach Deutschland kam und hier einen Neuanfang suchte, entschied er sich, sie zu unterstützen. Er erzählt von Behördengängen, Sprachbarrieren und den Herausforderungen des Ankommens – aber auch davon, wie sehr diese Erfahrungen sein eigenes Leben bereichert haben.
Seine Überzeugung: Menschlichkeit braucht Mut. Mut, Verantwortung zu übernehmen, bei Hass und Ausgrenzung nicht wegzuschauen und anderen Menschen ohne Erwartung einer Gegenleistung beizustehen. Als Symbol wählt er die liegende Acht, das Zeichen der Unendlichkeit. Denn Mitmenschlichkeit hat für ihn weder Anfang noch Ende.
Im zweiten Teil lernen wir Irene Löwenthal-Morgan kennen. Sie wurde 1949 auf einer Farm in Cinta in Liberia geboren und kam Anfang der 1990er-Jahre während des Bürgerkriegs mit ihren Kindern nach Deutschland. Die Aufnahme durch Freunde und die Unterstützung, die sie damals erfuhr, sind für sie bis heute eindrückliche Beispiele gelebter Menschlichkeit.
Heute engagiert sie sich ehrenamtlich in der Bremer Zionsgemeinde. Einmal im Monat kocht sie für Menschen, die gemeinsam an einem liebevoll gedeckten Tisch essen können – unabhängig davon, ob sie etwas bezahlen können. Auch die Begleitung älterer Menschen, ihre frühere Arbeit im Kindergarten und die Sorge um ihre Familie gehören zu ihrem Verständnis von Mitmenschlichkeit.
Irene Löwenthal-Morgan erinnert daran, wie wichtig Zuhören, Mitgefühl und ein bewusster Umgang mit unseren Ressourcen sind. Ihr Vorschlag für die Bremer Menschlichkeitsverfassung lautet:
„Wir sind Menschen, wir sollen einander achten, respektieren, tolerieren und voneinander lernen, um miteinander in Frieden leben zu können.“
Als Symbol der Menschlichkeit wählt sie einen Baum: fest verwurzelt, lebendig und Schutz spendend für Menschen und Tiere.
Eine Sendung über Hilfsbereitschaft ohne Eigennutz, über Flucht und Ankommen, über die Kraft kleiner Gesten und über den Ubuntu-Gedanken: „Ich bin Mensch, weil du bist.“
Moderation und Redaktion am Mikrofon: Claudius Jöcke. Klanggestaltung, technische Umsetzung und Sendeverantwortung: Norbert Ellrich.
Eine Produktion der Medienwerkstatt Huchting in Zusammenarbeit mit dem Kulturladen Huchting.
Folge 15: Menschlichkeit heißt, füreinander da zu sein – Ida Büsing und Hans-Günther Sanders
insan … Mensch sein – MitMENSCHsein | Auf dem Weg zur Bremer Menschlichkeitsverfassung
Was bedeutet es, anderen Menschen mit Achtung, Respekt und Liebe zu begegnen? Wie können Kultur, freiwilliges Engagement und persönliche Zuwendung dazu beitragen, dass sich Menschen willkommen und angenommen fühlen?
In Folge 15 erzählen zwei Menschen von ihren Erfahrungen und davon, wie Menschlichkeit für sie zu einer gelebten Haltung geworden ist.
Ida Büsing hat gemeinsam mit ihrem Mann die Villa Sponte in Bremen zu einem lebendigen Ort für Kunst, Kultur und Begegnung entwickelt. Konzerte, Lesungen und Ausstellungen stehen dort grundsätzlich allen Menschen offen – unabhängig davon, wie viel Geld sie besitzen. Wer mehr bezahlen kann, gibt mehr; wer wenig oder nichts hat, darf trotzdem teilnehmen. Rund 40 Ehrenamtliche unterstützen die Arbeit und tragen zu einer Gemeinschaft bei, in der Geben und Nehmen selbstverständlich geworden sind.
Für Ida Büsing gehören Empathie, Toleranz und Respekt untrennbar zur Menschlichkeit. Ihre Erfahrungen als Pflegemutter von vier Kindern und die Begegnungen in der Villa Sponte haben diese Überzeugung geprägt. Ihr Vorschlag für die Bremer Menschlichkeitsverfassung lautet: „Jeder Mensch sollte einmal am Tag etwas für einen anderen Menschen tun, was dem Menschen gut tut.“
Im zweiten Teil begegnen wir Hans-Günther Sanders, der über 32 Jahre Pastor der evangelischen Zionsgemeinde in der Bremer Neustadt war. Für ihn lässt sich Menschlichkeit nicht ohne den Mitmenschen denken. Der Ubuntu-Gedanke – dass wir nur in Verbundenheit mit anderen Mensch sein können – ist für ihn von zentraler Bedeutung.
Er erzählt von der bedingungslosen Liebe seiner Mutter, von persönlichen Verlusten, von seinen Enkelkindern und von Menschen, denen er als Pastor begegnet ist. Gerade bei Menschen, die gesellschaftlich ausgegrenzt werden, möchte er nicht allein auf ihre Fehler schauen, sondern auf ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten.
Seine Überzeugung: Liebe bedeutet auch, die Rechte anderer anzuerkennen, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und Menschen immer wieder eine neue Chance zu geben.
Besonders eindrücklich ist sein Bild vom Gemeindehaus als „Gewächshaus Gottes“: ein Ort, an dem jeder Mensch willkommen ist, Unterstützung erfährt und sich entwickeln kann.
Eine Sendung über gelebte Solidarität, kulturelle Teilhabe, die Kraft der Liebe und die Verantwortung, einander mit Würde zu begegnen.
Moderation und Redaktion am Mikrofon: Claudius Jöcke. Klanggestaltung, technische Umsetzung und Redaktion: Norbert Ellrich.
Eine Produktion der Medienwerkstatt Huchting in Zusammenarbeit mit dem Kulturladen Huchting.
Folge 14: „Ich sehe dich“ – Menschlichkeit beginnt mit Begegnung
insan … Mensch sein – MitMENSCHsein | Auf dem Weg zur Bremer Menschlichkeitsverfassung
Was braucht es, damit Menschen sich gesehen, angenommen und miteinander verbunden fühlen? Manchmal genügt ein Lächeln, ein freundlicher Blick oder die Bereitschaft, einem anderen Menschen zuzuhören.
In Folge 14 begegnen wir zwei Menschen, deren unterschiedliche Lebenswege zeigen, wie Menschlichkeit im Alltag entstehen und wachsen kann.
Inka Helmke wurde in Bremen-Huchting geboren und ist Geschäftsführerin des Mütter- und Familienzentrums Huchting. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich im Bremer Rat für Teilhabe und Diversität in der Migrationsgesellschaft.
Für sie bedeutet Menschlichkeit, Menschen nicht vorschnell nach Herkunft, Geschlecht oder Aussehen einzuordnen. Ihr Leitgedanke lautet: „Ich sehe dich.“ Sie erzählt von ihrer früheren Tätigkeit in der internationalen Raumfahrt, von der Offenheit ihres Elternhauses und von kleinen Begegnungen, die große Wirkung entfalten können.
Besonders wichtig sind ihr öffentliche Räume, in denen Menschen ungezwungen zusammenkommen. Eine Bank, ein freundlicher Platz oder gemeinsame Aktivitäten können Verbundenheit schaffen und das Zusammenleben im Stadtteil bereichern.
Im zweiten Teil lernen wir Khadim Fall kennen. Er wurde 1979 in Dakar im Senegal geboren. Seine Lebensgeschichte führt von einer zunächst wohlhabenden Kindheit über Armut, Gewalt und persönliche Krisen bis zu einer tiefgreifenden Veränderung seiner Lebenseinstellung.
Er berichtet, wie Begegnungen mit anderen Menschen, der Boxsport und die spirituelle Gemeinschaft der Baye Fall ihm halfen, Hass und Gewalt hinter sich zu lassen. Die Baye Fall gehören zu einer sufischen Tradition des Islam im Senegal. Für Khadim Fall stehen Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft, Gewaltlosigkeit und die Verantwortung gegenüber anderen Menschen im Mittelpunkt.
Seine Überzeugung: Menschlichkeit bedeutet, das eigene Ego zurückzustellen, die Freiheit anderer zu achten und niemanden auszugrenzen. Gerade Menschen, die neu in einem Land ankommen, brauchen offene Türen und Unterstützung.
Musikalisch begleiten uns unter anderem Paul McCartneys „Ebony and Ivory“ sowie westafrikanische Klänge von Ali Farka Touré und Ry Cooder.
Eine Sendung über das Gesehenwerden, die Kraft persönlicher Veränderung und die Erkenntnis, dass wir nur miteinander wirklich Mensch sein können.
Moderation: Claudius Jöcke. Klanggestaltung und Sendeverantwortung: Norbert Ellrich.
Eine Produktion der Medienwerkstatt Huchting in Zusammenarbeit mit dem Kulturladen Huchting.
Folge 13: Menschlichkeit braucht Verbundenheit und Mitgefühl – Christel Fangmann und Dr. Mustafa Aydogdu
insan … Mensch sein – MitMENSCHsein | Auf dem Weg zur Bremer Menschlichkeitsverfassung
Was bedeutet Menschlichkeit in einer Zeit, in der Digitalisierung, gesellschaftliche Veränderungen und politische Spannungen unser Zusammenleben prägen? Wie können wir Verbundenheit schaffen und Mitgefühl im Alltag leben?
In Folge 13 begegnen wir zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Lebensgeschichten heraus Antworten auf diese Fragen suchen.
Christel Fangmann, interkulturelle Trainerin und seit vielen Jahren in Bremen engagiert, versteht Menschlichkeit als unmittelbare Begegnung. Menschen mit allen Sinnen wahrzunehmen, ihnen zuzuhören und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, ist für sie entscheidend. Dabei spielt auch die Gestaltung unserer Lebensräume eine wichtige Rolle: Wohnungen, Architektur und öffentliche Plätze sollten den unterschiedlichen Bedürfnissen der Menschen gerecht werden.
Sie erzählt von ihrer Freude daran, Menschen miteinander zu verbinden, von ihrem freiwilligen Engagement und davon, wie die Geburt ihres Enkelkindes ihr Verständnis von Verbundenheit verändert hat. Eine Begegnung mit hilfsbereiten Frauen in Marrakesch zeigt ihr, wie Menschlichkeit auch ohne gemeinsame Herkunft unmittelbar erfahrbar wird.
Für die Bremer Menschlichkeitsverfassung wünscht sie sich das Recht jedes Menschen, seine Fähigkeiten und Wünsche entfalten zu können – und ein Leben, das von Respekt, Geborgenheit und Lebensfreude geprägt ist.
Im zweiten Teil berichtet Dr. Mustafa Aydogdu von seinem Lebensweg. In Istanbul geboren, kam er als Achtjähriger nach Deutschland. Seine Eltern vermittelten ihm eine Haltung, in der Hass und die Abwertung anderer Menschen keinen Platz hatten.
Als Arzt erlebt er täglich, wie wichtig echtes Mitgefühl ist. Fachliche Kompetenz allein genügt ihm nicht: Patientinnen und Patienten müssen spüren, dass sie ernst genommen werden. Eine eigene Erfahrung als Patient hat ihm gezeigt, wie viel eine kleine menschliche Geste bewirken kann.
Mit Sorge betrachtet er gesellschaftliche Entwicklungen, bei denen Macht und Eigennutz die Menschlichkeit verdrängen. Sein Vorschlag für die Bremer Menschlichkeitsverfassung: Minderheiten sowie sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen brauchen besonderen Schutz.
Eine Sendung über Begegnungen, Vertrauen, freiwilliges Engagement und die Verantwortung, Menschlichkeit nicht nur einzufordern, sondern selbst zu leben.
Musikalisch begleitet uns unter anderem Louis Armstrong mit „What a Wonderful World“.
Moderation: Claudius Jöcke. Klanggestaltung und Sendeverantwortung: Norbert Ellrich.
Eine Produktion der Medienwerkstatt Huchting in Zusammenarbeit mit dem Kulturladen Huchting.
Folge 12: Menschlichkeit leben – Zwei Frauen, zwei Lebenswege
insan … Mensch sein – MitMENSCHsein | Auf dem Weg zur Bremer Menschlichkeitsverfassung
Was macht uns stark, wenn das Leben uns vor große Herausforderungen stellt? Woher kommen Mitgefühl, Solidarität und die Bereitschaft, sich für andere Menschen einzusetzen?
In der zwölften Folge begegnen wir zwei Frauen, deren unterschiedliche Lebenswege von persönlichen Erfahrungen, gesellschaftlichen Herausforderungen und dem Wunsch geprägt sind, Menschlichkeit im Alltag zu leben.
Sandra Oviahon wurde in Benin City in Nigeria geboren und zog als Zwölfjährige nach Italien. Im Gespräch erzählt sie von ihrer Kindheit, ihren Schulerfahrungen in Nigeria und dem großen Unterschied zum italienischen Bildungssystem. Ohne Italienischkenntnisse musste sie sich in einer fremden Schulklasse zurechtfinden. Mit Ausdauer und Entschlossenheit gelang ihr der Bildungsweg bis zum Masterabschluss in Marketing und Kommunikation.
Heute lebt Sandra in Deutschland und trägt als Mutter große Verantwortung. Sie beschreibt, wie ihre Lebenserfahrungen sie stark gemacht haben und warum Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Verständnis für andere Menschen zu ihren wichtigsten Werten gehören. Ihr eigener Vorname steht für sie sinnbildlich für den Schutz anderer Menschen.
Im zweiten Teil lernen wir Carmen Hutj kennen. Die Sozialarbeiterin engagiert sich im Vorstand des Bremer Rates für Teilhabe und Diversität in der Migrationsgesellschaft. Eigene Rassismuserfahrungen während ihrer Schulzeit haben sie dazu bewegt, sichere Räume für Mädchen und Frauen zu schaffen.
Mit ihrer Empowerment-Plattform „Lafam“ unterstützt sie Menschen dabei, selbstbewusst mit Diskriminierung umzugehen und gesellschaftliche Teilhabe zu gestalten. Sie spricht über freiwilliges Engagement, Solidarität, die Bedeutung von Familie und Natur sowie über einen achtsamen Umgang mit sich selbst und anderen.
Ihr Vorschlag für die Bremer Menschlichkeitsverfassung lautet: „Jeder Mensch hat das Recht zu lieben und geliebt zu werden.“
Den musikalischen Abschluss bildet „Baraye“ des iranischen Musikers Shervin Hajipour – ein Lied über Freiheit, Menschenrechte und die Hoffnung auf eine menschlichere Welt.
Eine Sendung über persönliche Stärke, gelebte Vielfalt und die Kraft der Liebe als Grundlage des Mitmenschseins.
Moderation: Claudius Jöcke. Schnitt und Sendeverantwortung: Norbert Ellrich.
Eine Produktion der Medienwerkstatt Huchting in Zusammenarbeit mit dem Kulturladen Huchting.
Folge 11: „Ich will, dass du siehst, was ich sehe“ – Begegnungen, die verbinden (Teil 2)
insan … Mensch sein – MitMENSCHsein | Auf dem Weg zur Bremer Menschlichkeitsverfassung
Wann fühlen wir uns arm? Was gibt uns das Gefühl, dazuzugehören? Und was macht einen Stadtteil lebenswert?
In Folge 11 setzen wir die Berichterstattung über das interaktive Begegnungsformat „Ich will, dass du siehst, was ich sehe“ fort. Im Bürger- und Sozialzentrum Huchting kamen Menschen aus unterschiedlichen Bremer Stadtteilen, Generationen und Lebenswirklichkeiten zusammen. Auf 100 gelben Stühlen, beschriftet mit den Worten „Würde“ und „Menschlichkeit“ in verschiedenen Sprachen, entstanden persönliche Gespräche, die zum Nachdenken anregen.
Die Geschichte des Jugendlichen David zeigt, wie unterschiedlich Menschen Armut wahrnehmen. Während für manche der Verzicht auf Urlaub oder ein eigenes Auto bereits Armut bedeutet, geht es für andere darum, am Monatsende noch genügend Lebensmittel zu haben. David erkennt, dass Armut auch bedeuten kann, keine Freunde zu haben oder anderen Menschen mit Verachtung zu begegnen.
Barbara Hofmann berichtet von ihren Erfahrungen während der Begegnungsveranstaltung. Besonders berührt haben sie Gespräche zwischen den Generationen, über familiäre Verantwortung und das Gefühl, dazuzugehören. Seit über 30 Jahren freiwillig engagiert, erzählt sie, wie das Helfen ihr eigenes Leben bereichert, Selbstvertrauen stärkt und neue Verbindungen schafft.
Was macht einen lebenswerten Stadtteil aus? Gedanken von Jane Goodall und Ingolf Dietrich eröffnen den Austausch über Gerechtigkeit, Menschenrechte und die Verantwortung jedes Einzelnen.
In weiteren Interviews berichten Şahanim Görgü-Philipp über ihre ehrenamtliche Unterstützung geflüchteter Menschen und Inka Helmke, Geschäftsführerin des Mütter- und Familienzentrums Huchting, über ihr Engagement im Bürger- und Sozialzentrum und im Bremer Rat für Teilhabe und Diversität.
Beide ermutigen dazu, auf andere zuzugehen und Verantwortung für ein menschliches Zusammenleben zu übernehmen.
Eine Sendung über soziale Unterschiede, gegenseitiges Verständnis und die Erfahrung, dass freiwilliges Engagement nicht nur anderen hilft, sondern auch das eigene Leben bereichert.
Moderation: Claudius Jöcke. Musik, Klanggestaltung und Sendeverantwortung: Norbert Ellrich.
Eine Produktion der Medienwerkstatt Huchting in Zusammenarbeit mit dem Kulturladen Huchting.
Folge 10: „Ich will, dass du siehst, was ich sehe“
insan … Mensch sein – MitMENSCHsein | Auf dem Weg zur Bremer Menschlichkeitsverfassung
Wie fühlt es sich an, in einem Stadtteil zu leben, in dem soziale und wirtschaftliche Herausforderungen den Alltag vieler Menschen bestimmen? Welche Sorgen beschäftigen die Menschen, und wie können andere ihre Lebenswirklichkeit besser verstehen?
Die zehnte Folge der Radiosendereihe führt nach Bremen-Huchting. Im Bürger- und Sozialzentrum wurde das interaktive Begegnungsformat „Ich will, dass du siehst, was ich sehe“ erprobt. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generationen und Lebensumstände begegneten sich, hörten persönliche Geschichten und tauschten eigene Erfahrungen aus.
Eine eindringliche Lebensgeschichte erzählt vom Alltag einer alleinerziehenden Mutter aus Nigeria, die zwischen Kinderbetreuung, Erwerbsarbeit, finanzieller Unsicherheit und behördlichen Anforderungen ihren Weg sucht. Sandra, die dieser Geschichte ihre Stimme leiht, berichtet anschließend über ihr freiwilliges Engagement im Sprachcafé des KULA BI im Roland-Center, wo Frauen unterschiedlicher Herkunft einander unterstützen.
Ein weiterer Hörbeitrag aus dem Buch „Mama, bitte lern Deutsch“ von Tahsim Durgun thematisiert die besondere Verantwortung von Kindern, die für ihre Eltern übersetzen müssen – selbst dann, wenn es um schwerwiegende medizinische Nachrichten geht.
Besonders eindrucksvoll sind die Originalstimmen von Kindern und Jugendlichen aus Huchting. Sie sprechen über Rassismus, schulischen Leistungsdruck, Gewalt, Drogen, fehlende Barrierefreiheit und Zukunftsängste. Zugleich formulieren sie den Wunsch nach Anerkennung, Mitbestimmung und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
Ein Gespräch mit einem Vertreter des Bremer Rates für Teilhabe und Diversität beleuchtet die Bedeutung freiwilligen Engagements und kultureller Verständigung.
Den künstlerischen Abschluss bilden das persische Gedicht „Ihr dort“ von Nima Juschidsch und Gedanken zu Bremen als offener, menschenfreundlicher Stadt.
Eine Sendung über das Zuhören, das Verstehen und die Frage, wie aus Menschsein gelebtes Mitmenschsein werden kann.
Moderation: Claudius Jöcke. Musik, Klanggestaltung und Sendeverantwortung: Norbert Ellrich.
Eine Produktion der Medienwerkstatt Huchting in Zusammenarbeit mit dem Kulturladen Huchting.
Im Podcast-Gespräch sprechen Isabella (Bella) und Margarite über ihre Herkunft, Sprache, ihren Glauben und ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement.
Herkunft und Sprachen: Isabella (Bella) kommt aus Kampala (Uganda) und spricht Englisch, Lusoga und Luganda. Margarite stammt ursprünglich aus Kamerun (geboren in Dschang, aufgewachsen im Südwesten) und spricht neben Englisch die Sprachen Bamana, Bafang, Bangante sowie Sprachkenntnisse in Nigerianisch.
Ankunft und Alltag in Deutschland: Margarite kam im April 2013 nach Deutschland, lernte schnell Deutsch bis B1 und begann bereits nach zwei Monaten in der Autoteile-Produktion zu arbeiten. Bella schildert die ersten Kontakte mit der deutschen Sprache anfänglich als beängstigend und herausfordernd, erlebte die Menschen jedoch als sehr freundlich und aufnehmend.
Glaube und Kirche: Margarite engagiert sich gemeinsam mit ihrem Mann in der Deeper Life Bible Church (u. a. in Vechta und Bremen) und betreibt Straßen-Evangelisation. Bella betet bevorzugt für sich zu Hause, da sie in einer Kirche negative Erfahrungen mit erzwungenem Geldabgeben gemacht hat. Beide betonen, dass echter Glaube aus dem Herzen kommt und Nächstenliebe im Alltag gelebt werden muss.
Engagement & Initiativen: Beide Frauen engagieren sich im Kulabi (Kulturladen & Bibliothek im Roland-Center Huchting). Margarite organisiert Catering-Projekte und Kochkurse, um afrikanische Frauen aus ihrer Komfortzone zu holen, ihnen deutsche und afrikanische Küche beizubringen und ihnen beim Einstieg in den Arbeitsmarkt zu helfen. Bella engagiert sich u. a. in Flüchtlingsunterkünften (z. B. Kunst- und Selbstbewusstseinsprojekte für Kinder und Frauen) und unterstützt Margarite bei der Event-Dekoration.
Verständnis von Menschlichkeit: Für Bella bedeutet Menschlichkeit, gut zu anderen zu sein, ein offenes Herz zu haben, Unterstützung in schwierigen Zeiten zu bieten und anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Margarite versteht darunter Nächstenliebe, das Teilen des eigenen Wohlstands, das Aufnehmen von Hilfesuchenden sowie das fürsorgliche Miteinander in der Gemeinschaft.
Im Podcast-Gespräch spricht Harald Hohmann über seinen Lebensweg, seine Werte und sein vielfältiges Engagement für die Gemeinschaft.
Herkunft und Werdegang: Geboren in Bremen, wuchs Hohmann im ländlichen Stuhr (Heiligenrode und Brinkum) auf, was sein Verständnis von Nachbarschaft und Zusammenhalt nachhaltig prägte. Nach der Realschule absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Bäcker in einer Bio-Bäckerei und im Anschluss zum Konditor. Später arbeitete er unter anderem im Einzelhandel (u. a. als Filialleiter eines Spielwarengeschäfts im Weserpark), veranstaltete Spielzeugpartys mit Fokus auf pädagogisch wertvolles Holzspielzeug und war 15 Jahre lang im Vertriebsaußendienst in Norddeutschland tätig.
Aktuelle Tätigkeit & Engagement: Heute ist er als Stadtteilassistent im Ortsamt Huchting beschäftigt. Er betreibt seit der Corona-Zeit aktiv Foodsharing, um Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten, und initiierte unter anderem einen öffentlich zugänglichen Verteiler-Kühlschrank im Ortsamt. Zudem ist er Redakteur des wöchentlichen Huchting-Newsletters und engagiert sich im Verein Wir für Huchting, welcher Kultur- und Nachbarschaftsevents wie Konzerte oder den örtlichen Weihnachtsmarkt organisiert.
Werte & Sicht auf das Menschsein: Seine zentralen Werte sind Menschlichkeit, ein freundliches Miteinander und Respekt. Menschsein bedeutet für ihn, offen und diskussionsbereit zu sein, anderen zuzuhören, das Gute nach außen zu tragen und sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen.
Im Podcast-Gespräch beschreibt Lucie Horn ihren Lebensweg, ihre Werte und ihr politisches Engagement, das stark durch ihre eigene Kindheit geprägt wurde. Sie ist in Prag geboren, erlebte die Folgen des Prager Frühlings durch die Berichte ihrer Eltern mit und floh im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie aus Tschechien über London nach Deutschland. Die teils extrem schlechten, unhygienischen Zustände in den Unterkünften für Geflüchtete im ländlichen Niedersachsen empfand sie als entwürdigend. Diese Erfahrungen weckten in ihr schon früh ein ausgeprägtes Helfersyndrom sowie ein starkes Bewusstsein für soziale Ungerechtigkeit.
Ihr Weg führte sie vom Studium der Kulturgeschichte Osteuropas zur Pädagogik und Psychologie sowie in den aktiven politischen Einsatz. Sie engagierte sich zunächst außerparlamentarisch und kommunalpolitisch im Bremer Stadtteil Huchting, wurde Mitglied der PDS bzw. Die Linke und arbeitete schließlich 14 Jahre lang in der Landesgeschäftsstelle der Partei. Heute leitet die Diplompädagogin das Quartiersbildungszentrum in Huchting. Sie betont, wie essenziell freiwilliges und politisches Engagement ist, um Ungerechtigkeiten abzubauen und für Grundwerte einzustehen. Für eine künftige Menschlichkeitsverfassung fordert sie vor allem die Überwindung von finanzieller Armut, die Gewährleistung menschenwürdigen Wohnraums und die uneingeschränkte Gleichberechtigung aller Menschen.
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