Inside Alltag

Inside Alltag

By Museum der Alltagskultur, Dr. Markus SpeidelSociety & CultureEducationHistoryHow To
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Inside Alltag episodes

  • Wer ist Familie?
    Familienforschung und -förderung

    Von Mai 2024 bis April 2025 läuft im Museum der Alltagskultur die Sonderausstellung "We are family". Raffaela Sulzner hat sich deswegen intensiv mit Familie und wie Familie "erlernt" wird auseinandergesetzt. Oft geschieht das über Puppenstuben, und so starten wir unser Gespräch, indem wir uns über die Funktion von Puppenstuben unterhalten, wer von uns eine besessen hat, und wer nicht!

    Im Gespräch mit den beiden Expertinnen geht es vor allem darum, wie man Familien erforschen kann, und was mit den Forschungsergebnissen dann geschieht. Die Forschung belegt nämlich, dass sich unsere Vorstellungen von Familie in den letzten Jahren massiv verändert haben und sich entsprechend auch die Rollenbilder ändern. Diese Erkenntnis fließt nun in die Politik zurück, und kann im besten Falle zu einer Veränderung von Gesetzen und Maßnahmen führen, so dass am Ende real existierende Familienmodelle davon profitieren.
    Die Forschung zeigt aber auch, dass viele Veränderungen doch länger brauchen als gedacht und ein neues Rollenmodell, wie der moderne, engagierte Vater, nicht von gestern auf heute plötzlich da ist.
    Aber auch das "Erlernen" von Familie, und das Leben dieser Vorstellungen und Ideale, also das "Doing family" wird von der Forschung beobachtet und zeigt, dass dies immer anstrengender wird, weil die Erwartungen, die viele an sich selber stellen, fast nicht zu erreichen sind. Und auch hier sind die Politik und die Sozialträger gefragt, um die Familie zu stützen und zu unterstützen, damit sie nicht scheitern und letztlich auch, um mehr Gleichberechtigung in der Elternschaft herzustellen.

    53 min
  • Eine Bierdeckelsammlung
    Das Angebot, das man nicht ausschlagen kann?

    Bierdeckel sind wohl auf dem Rückzug. Das ist kaum vorstellbar, da sie doch noch immer zum Einsatz kommen. Denn sie haben ja deutlich mehr Funktionen als nur einen Untersatz für ein Glas oder eine Flasche zu sein: Häuschen, Spiele, Steuererklärung – all dafür dient der Bierdeckel (manchmal auch nur theoretisch).

    Liane hat ihr Faible für Bierdeckel entdeckt, aber was steckt hinter ihrer Sammelleidenschaft? Warum erweitert sie die Sammlung immer mehr?
    Wie wird ihre Sammlung aufbewahrt? Wird sie verzeichnet, katalogisiert? Könnte sie überhaupt aufhören zu Sammeln?
    Wir reden mit Liane viel über den Wert von Sammlungen, und damit vom Wert den wir den Dingen beimessen. Das kann etwas anderes sein als ein monetärer Wert. Was genau? Auch da hat Liane ihre eigene Sicht.
    Wer die Sammlung haben möchte, darf sich gerne bei uns melden.

    39 min
  • Die Welt der Orangenpapiere
    Von Knisterpapierchen, die mehr als nur Verpackung sind.

    Gestartet sind Orangenpapierchen einfach nur als Schutz vor Beschädigung von Orangen und um zu vermeiden, dass sich Schimmel in Kisten weiterverbreitet. Dann wurden sie aber als Werbeträger entdeckt und das ist der Beginn der bunten Welt der Orangenpapiere.

    Dadurch entstand auch eine kleine Sammlerszene zu der auch unser Gast in der Sendung gehört. Der wichtigste Sammler im deutschsprachigen Raum ist jedoch Dr. Dirik von Oettingen, dessen Sammlung onlineangeschaut werden kann.
    Das Sammeln von Papieren gestaltet sich jedoch immer schwieriger, da die Papiere zunehmend verschwinden und nicht mehr genutzt werden. Gleichwohl gibt es Stücke, die alle haben wollen und Motive mit individuellen Vorlieben.
    Und am Ende steht die Frage, ob das Museum die Sammlung übernommen hat.

    32 min
  • Das Poesiealbum
    Oder: Was aus einem Poesiealbum entstehen kann.

    In unserer aktuellen Sammlungswerkstatt Familie und Migration im Museum der Alltagskultur in Waldenbuch stellen wir ein Poesiealbum mit Migrationsgeschichte aus. Zu dieser Sammlungswerkstatt fand das Projekt Neues Sammeln statt, in dem wir uns gemeinsam mit Community Kurator*innen die Frage stellten, wie Familie und Migration gesammelt werden können. Kristína Janačková arbeitete als Community Kuratorin mit.

    Sie studiert Literatur- und Kulturtheorie an der Uni Tübingen und ist an den Forschungsbereichen Disability und Mad Studies interessiert. Als Aktivistin engagiert sie sich in der Behindertenbewegung und Bewegung von Psychatrieerfahrenen. Sie schreibt Poesie auf Deutsch und Slowakisch. 2023 war sie "Writer in residence" im norwegischen Stavanger. Viele Jahre war sie Stipendiatin der Slowakischen Plattform für junge Literatur, die literarischen Nachwuchs fördert.

    Nicht nur wurde Kristína von unserem Poesiealbum inspiriert, sondern auch von den Poet*innen Robin Coste Lewis und Alan Pelaez Lopez u.a.: Robin Coste Lewis hat mit Fotopoetry als Genre in To the Realization of Perfect Helplessness ihre eigene Migrationserfahrung verarbeitet. Und in Intergalactic Travels: poems from a fugitive alien setzt sich Alan Pelaez Lopez literarisch mit their Migrationsbiografie auseinander.

    45 min
  • Eine Familie und ihr Fleischwolf
    Was Häckerle zum besonderen Gericht einer Familie macht

    Warum streiten sich Menschen darüber, ob bspw. Spätzle gehobelt oder gepresst werden? Warum ist es manchmal wichtig für uns, wie ein bestimmtes Gericht zubereitet wird? - Wir sprechen über Essen als ein soziales und kulturelles Phänomen, das mehr als nur Nahrungsaufnahme ist. Vielmehr sind Emotionen, Identität(en) und 'Heimat(en)' mit Essen verbunden. Essen und ganz besonders der Geschmack unserer Kindheit prägt uns also. Über die Art und Weise wie etwas gegessen wird, entstehen so Gemeinsamkeiten und Barrieren zwischen Menschen. Insbesondere bei Migration nimmt Essen oftmals eine wichtige Rolle ein: Essen kann eine Verbindung zur Vergangenheit herstellen und wird so zum 'Erinnerungsvehikel'.

    Um Essen aber auf ganz bestimmte Art und Weise zuzubereiten, brauchen wir ein paar Dinge: Wir brauchen ein Rezept, die passenden Zutaten und eventuell ganz spezifische Geräte oder Hilfsmittel. Davon haben wir auch einiges in unserer Museumssammlung: Von Spätzlepressen, über Schnellkochtöpfe, bis hin zu Fleischwölfen haben wir eine große Auswahl an Küchengeräten.

    Und genau so ein Fleischwolf hat uns im Rahmen unserer Sammlungswerkstatt Familie und Migration Sylvia Stieler angeboten. Im Gespräch mit uns erzählt sie, was es mit ihrem Fleischwolf auf sich hat, warum sie nur Häckerle damit zubereitet und welche Migrationsgeschichte damit in Verbindung steht. Das Rezept brachte ihre Großmutter nach dem Zweiten Weltkrieg als Vertriebene aus Schlesien mit. Das Gericht gibt es bei ihrer Familie an Neujahr mit Pellkartoffeln. Für sie und ihre Familie hat der Fleischwolf und Häckerle eine besondere Bedeutung.

    Frau Stieler hat uns auch verraten, wie Häckerle in ihrer Familie zubereitet wird: Salzhering, Zwiebeln, saure Gurken, Speck (oder Schinken) und Eier werden mit dem Fleischwolf „gewolft“ – heraus kommt eine sehr würzige Masse.

    Wer sich den Fleischwolf einmal aus nächster Nähe anschauen möchte: Im Museum der Alltagskultur in Waldenbuch ist er noch bis Ende 2025 in der Sammlungswerkstatt Familie und Migration zu sehen.

    30 min
  • Die neue Staffel!
    Renoviert, überarbeitet und noch besser.

    Ein Jahr Pause ist seit der letzten Folge vergangen, und wir haben die Zeit genutzt alles auf den Prüfstein und infrage zu stellen. Herausgekommen ist, dass der Podcast jetzt Teamarbeit ist von Markus Speidel, Raffaela Sulzner und Antonia Schnell, die alle beim Museum der Alltagskultur tätig sind.

    Gemeinsam widmen sie sich einem Alltagsding (und manchmal auch einem Thema), erzählen seine Geschichte, wie es entstanden und verwendet wurde und ob es davon welche in der Sammlung des Museums der Alltagskultur gibt, oder auch nicht.
    Im Podcast unterhalten sich die drei mit Expert*innen des Alltags, mit Sammler*innen oder Menschen, die dem Museum ein Sammlungsstück angeboten haben. Zusammen tauchen sie in jeder Folge in eine neue Welt ein. Denn hinter Bierdeckeln, Poesiealben oder Fleischwölfen öffnen sich meist Türen zu neuen bisher unbekannten Welten.

    Wer Interesse an diesen Welten hat, sollte den Podcast abonnieren und sich alle zwei Wochen immer freitags bereit für eine Reise in den Alltag machen! Viel Spaß beim Hören!

    7 min
  • Geht doch! oder wie eine Ausstellung entsteht.
    Markus Speidel im Gespräch mit Gitti Scherer

    Ausstellung entwerfen ist wie erfinden! Man braucht kreativ, aber auch harte Arbeit. Doch in so einem Projekt sind viele verschiedene Menschen beteiligt und blicken ganz unterschiedlich auf die Ausstellung.

    Während am Anfang noch Markus Speidel die Fragen zum kreativen Prozess stellt, dreht sich auf einmal das Gespräch und Gitti Scherer stellt die Fragen. Wie kommen eigentlich die Kurator*innen auf ihre Ideen?
    In dem Gespräch entsteht der Austausch, der eigentlich genau dafür gebraucht wird, um eine erfolgreiche Ausstellung zu erschaffen.

    57 min
  • Geht doch! oder wer scheitert schon gerne?
    Markus Speidel im Gespräch mit Reinhold Bauer

    Wir starten mit der Frage, warum sich Reinhold Bauer mit dem Scheitern beschäftigt hat und er erklärt die Typologien des Scheiterns, die er dabei entdeckt hat.

    Hier geht es zu der Habilitation, die er dazu verfasst hat.
    Schnell sind wir jedoch bei der Frage, ob Scheitern wirklich so sexy ist, und nicht auch heute noch als Tabu betrachtet wird, und wenn Geschichten vom Scheitern erzählt werden, diese trotzdem Erfolgsgeschichten sind.
    Als Historiker kann Reinhold Bauer zwar im Rückblick erklären warum manche Erfindung gescheitert ist, aber nicht voraussagen, was zum Scheitern führen wird, auch wenn das viele von ihm wissen wollten, wie hier der Spiegel.
    Insgesamt lässt sich sagen, dass die Historiker, insbesondere die Technikhistoriker früher lediglich Erfolgsgeschichten geschrieben haben. Das hat sich inzwischen verändert. Zusammenhängen dürfte das Ganze mit der Vorstellung des ewigen andauernden Fortschritts in der westlichen, europäischen Welt. Ein Paradigma das sehr stark wirkt.
    Reinhold Bauer ist übrigens der Meinung, dass uns diese Fortschrittsgeschichten auch überhaupt nicht weiterbringen, sondern anderes gesellschaftliche Vorankommen betrachtet und untersucht werden müsste: also wie können wir es schaffen, dass Gegenstände viel länger in Benutzung bleiben, das sie haltbar sind und weiterverwendet werden können. So müsste eigentlich Erfolg und Fortschritt definiert werden.
    Am Schluss stelle ich Reinhold Bauer natürlich die Frage danach, wann er selbst einmal gescheitert ist. Aber hört selbst…

    40 min
  • Geht Doch! oder: das strahlende Pedoskop
    Markus Speidel im Gespräch mit Uwe Busch

    Wilhelm Conrad Roentgen wurde am 27.März 1845 geboren und starb von 100 Jahren am 10. Februar 1923. Er war Physiker und hat 1901 den Nobelpreis für die von ihm entdeckten und beschriebenen Roentgen-Strahlen bekommen. Allerdings heißen diese Strahlen nur in Deutschland so. Auch Roentgen selbst hat sie immer nur X-Strahlung genannt. Entsprechend ist dies eigentlich der korrekte technische Fachausdruck.

    Mein Interviewpartner Dr. Uwe Busch ist Direktor des Roentgenmuseums in Remscheid und hat sich nicht nur mit der Lebensgeschichte von Wilhelm Conrad Roentgen beschäftigt, sondern auch mit den Anwendungs- und Nutzungsformen der Strahlung.
    Jedoch waren die Anwendungen auch in der Frühzeit genau dieselben, die sich bis heute durchgesetzt haben: Medizin und Materialprüfung.
    Das Pedoskop, das wir in der Ausstellung zeigen, kommt aus dem Bereich der Medizin. Das Roentgen von Füßen ohne die Schuhe ausziehen zu müssen, spielte zunächst im Ersten Weltkrieg eine Rolle, um Verletzungen zu erkennen ohne dass schmerzhaft die Schuhe ausgezogen werden mussten. Eine zentrale Person war dafür auch Marie Curie, die einen transportablen Roentgenwagen entwickelt hatte.
    In Friedenszeiten gewann die Idee des Roentgens von Füßen zunächst in den USA großen Zulauf. Später setzten sich die Pedoskope auch in Europa durch und erlebten ihren Höhepunkt in den 1950er Jahren. Zeitweise wurde in Schweizer Schuhläden häufiger geroentgt als in Schweizer Kliniken. In den 1970er Jahren müssen die Geräte aus den Schuhläden verschwinden. Der Strahlenschutz verbietet eine Verwendung.
    Letztendlich war das Pedoskop ein Marketing-Instrument, dass potentielle Kund*innen davon überzeugen sollte ihre Schuhe mit High-tech auszuwählen. Gleichzeitig ist es aber auch ein Beispiel dafür, wie neue Technologien in den verschiedenen Anwendungsfeldern ausgetestet werden, bis sich die passenden Anwendungen herausgeschält haben, bzw. die Gesetzgebung die Anwendungen reglementiert.

    35 min
  • Geht doch! oder die Erfindung der Hausfrau
    Markus Speidel im Gespräch mit Evke Rulffes

    Ausgangpunkt für das Buch ist die sogenannte Hausväter-Literatur. Eine Anleitung zur Führung eines Haushaltes bzw. Gutes, in welchen klar die Aufgaben erklärt und definiert werden, wie Geschäfte erledigt und Personal geführt wird.

    Es gibt aber auch Rückblicke bis ins Mittelalter und das Zunftwesen in denen Frauen auch mal bedeutendere Rollen gespielt haben.
    Spätestens im 19. Jahrhundert wird der weiße Mann jedoch zur Norm, und jede*r der/die davon abweicht durch Geschlecht oder Hautfarbe ist dadurch die Ausnahme.
    Und als die Liebe als Motivationsgrund für die Ehe noch dazukommt, gerät das Gefüge endgültig in die Schieflage. Aus Liebe heiraten bedeutet Aufgabe der eigenen wirtschaftlichen Interessen, Care-Arbeit als Liebesbeweis und ohne Bezahlung.
    Ende des 19. Jahrhunderts wird diese Forme der Ehe dann zum Gesetz, die "Hausfrauenehe", bei der die Frau verpflichtet ist den Haushalt unentgeltlich zu führen. Eine Gesetzgebung, die in der BRD bis in die 1970er bestehen bleibt. In der DDR wird diese Ehe mit der Gründung des Staates abgeschafft.
    Fatal ist, dass viele Historiker (ohne *innen, ganz bewusst) im 19. Jahrhundert diese Vorstellung von Partnerschaft bis in die Steinzeit zurück verlängern und somit als Ideal in jeder Zeit konstruieren.

    44 min

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Arbeiten, Wohnen, Kochen, Glauben, Lieben, ... Alltag prägt uns Menschen und wir prägen ihn. Früher wie heute. Die vielfältige Kultur und Lebensweisen unserer Gesellschaft spiegelt sich in den Sammlungen und Themen des Museums der Alltagskultur. Denn obwohl unser eigener Alltag für uns ganz unspektakulär scheint, unterscheidet sich unser Alltag erheblich von jedem anderen. Und Alltag verändert sich: was früher normal war ist heute außergewöhnlich.