Predigten – ERKWB Winterthur

Jesus bringt neue Freude


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Zum zweiten Mal können wir uns wegen der Krankheit, die das neue Coronavirus über die Welt verbreitet, nicht zum Gottesdienst treffen. Ich sitze alleine vor meinem Rechner und tippe die Predigt, die dann am Sonntag in den Häusern der Gemeindeglieder gelesen wird. Das ist eine seltsame Art der Verkündigung. Und es ist eigenartig, wenn die Glieder der Gemeinde am Sonntag nicht zusammenkommen können. Jeder singt und betet für sich und hört allein auf Gottes Wort. Tatsächlich gehört es zum Gottesdienst, dass Christen einander begegnen. In der Gemeinschaft wird uns klar, dass Gott in ganz unterschiedlichen Menschen wirkt. Deshalb gibt es Hoffnung für mich und Hoffnung für all jene, die mit uns zwar das Leben aber nicht den Glauben teilen. Nun zwingt uns eine Krankheit, alleine zu sein. Sie raubt uns damit den ganzen Segen, allen Trost, alle Ermutigung und alle Freude, die ein Gottesdienst am Sonntag mit sich bringt.
Unter diesen speziellen Umständen hören wir einen Text aus dem Matthäusevangelium. Der Apostel berichtet von einer guten Nachricht: Gottes Sohn kam zu den Menschen. Er zeigte ihnen, dass er ihre Sünden vergibt, die sie nicht nur voneinander, sondern ebenfalls von ihrem Schöpfer trennt. Umso erstaunlicher ist dieser Bescheid, wenn wir darauf achten, wem er gilt. Nicht nur die Frommen, die sich bereits darum bemühen, dem Heiligen zu gefallen, sind eingeladen. Selbst jene, die gar nicht an ihren Schöpfer dachten, oder sich sogar bewusst von ihm abgewandt haben, galt das Angebot der Vergebung. Das Evangelium ist die Botschaft davon, dass Gott gnädig und barmherzig ist. Muss heute, wo eine Krankheit um die Erde zieht, wir für uns alleine bleiben und viele Existenzen bedroht sind, anders vom Evangelium gesprochen werden als in Zeiten, in denen wir uns frei am Leben freuen können? Wäre es nicht angebracht, über die Not der Welt nachzudenken?
Die Jünger von Johannes dem Täufer kamen zu Jesus, der eben mit einigen bekannten Sündern ein Freudenfest der Vergebung feierte. Sie verstanden das nicht. Ihr Meister wurde ihnen genommen; er wurde vom Landesfürst gefangengesetzt. Die Schüler des Täufers befolgten immer noch die Worte ihres Lehrers. Nun kamen sie mit einer Frage zu Jesus. Dass sie sich an ihn wandten, lag vermutlich daran, dass Johannes in als den bezeichnete, der nach ihm kommt. Sich selbst nannte Johannes den Trauzeugen, der freudig den Bräutigam erwartet. Ganz offensichtlich wies auch dieser Vergleich auf Christus. Aufgrund dieser Hinweise kamen die Jünger des Täufers zu Jesus. Sie wollten erfahren, wie sie sich verhalten sollen. Deshalb fragten sie: «Warum fasten wir und die Pharisäer so viel und deine Jünger fasten nicht?»
Warum fasten wir?
Johannes der Täufer hatte seine Nachfolger zum Fasten aufgefordert. Es passte zu seiner Botschaft, die er in Israel verkündigte: «Tut Busse, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.» Wer Busse tut, bedauert seine Sünde und ist aufrichtig traurig darüber, ungerecht gehandelt zu haben. Diese Haltung wird durch das Fasten ausgedrückt.
Die Pharisäer waren Meister darin, ihre Zerknirschtheit zur Schau zu tragen. Sie zeigten ihren Mitmenschen ihre Gottesfurcht unter anderem dadurch, dass sie allen wissen liessen, wann sie auf Nahrung verzichteten. Es waren jene Tage, in denen sie mit finsterer Miene ungepflegt, zerzaust und in alten Lumpen herumliefen. Sie wollten ihren Landsleuten zum Vorbild dienen. Die Pharisäer wussten, dass Israel ein besetztes Land war, weil Gott die Sünden seines Volkes straft. Sie meinten, durch eine gemeinsame Busse, sei diese Strafe abzuwenden. Die Jünger des Johannes teilten zwar die zur Schau getragene Frömmigkeit nicht, wussten aber, dass Gott über die Ungerechtigkeit und den Unglauben der Menschen zürnt. Weil sie darauf hofften, dass Gott ein Heilmittel sendet, übten auch sie sich in der Busse und fasteten.
Es gibt durchaus guten Grund zu fasten. Gott nimmt Sünde und nicht einfach hin. Er ist tatsächlich zornig über die Ungerechtigkeit und den Unglauben der Menschen. Die Bibel offenbart uns, dass er diesen Zorn nicht für sich behalten, sondern Gericht halten wird. Wenn du mit in den Lumpen deiner zerschlissenen Gerechtigkeit vor den ewigen Richter treten wirst, wird er sich nicht an dir freuen. Der Einwand, du habest dich an die alten Kleider gewöhnt und sie gehörten inzwischen zu deiner Persönlichkeit, wird er nicht gelten lassen. Wer den heiligen Gott kennen lernt, kann nicht auf sich stolz sein. Es ist richtig, über den Zustand seiner eigenen Seele zu trauern, zu fasten und das Erbarmen seines Schöpfers zu suchen.
Warum fastet ihr nicht?
Die Jünger des Johannes sahen bekannte Sünder zusammen mit Jesus ein Festmahl halten. Statt darüber zu trauern, vor dem heiligen Gott schuldig zu sein, freuten sie sich des Lebens. Offenbar unterwies Jesus seine Jünger ungenügend in der Busse und im regelmässigen fasten. Meinen sie, sie seien gerecht? Was machte sie so sorglos?
Der Grund für dieses neuartige Verhalten lag bei Christus. Während die Menschen zur Zeit des Alten Testaments fasteten, weil sie Gottes Erbarmen suchten, hatten die Jünger Jesu es vor sich. An ihrem Meister wurde deutlich, dass sich der Schöpfer über seine Geschöpfe erbarmt, die wegen ihrer Vergehen den Zorn des Heiligen verdient hatten. Sie brauchten keine Möglichkeit zu suchen, Gott irgendwie zu gefallen, um schliesslich doch noch von ihm angenommen zu werden. Es hat Gott gefallen, Sünder zu besuchen. Der lang ersehnte Bräutigam war bei ihnen. Er ist gekommen, um seine Braut zu sich zu nehmen. Alle, die an ihn glauben, werden Gottes Kinder. Es entsteht eine neue Beziehung, ein neuer Bund. Durch die Vergebung der Sünden erhalten Gottes Kinder ein neues Gewand. Ein Festgewand, das zur Ewigkeit passt. Wer glaubt, erhält ein neues Leben, das nicht in alten Gewohnheiten besteht, sondern Kraft hat, sich von Sünden abzuwenden.
Es gibt durchaus guten Grund zur Freude. Gott nimmt Sünder an, die auf seinen Sohn vertrauen. Er ist tatsächlich barmherzig mit allen, denen ihr Unglaube leidtut. Die Bibel offenbart, dass in Christus alles zu finden ist, was uns die Sünde geraubt hat. Weil er den Tod überwunden hat, können all jene, die zu ihm gehören, ebenfalls auf ewiges Leben hoffen. Sie werden es nicht alleine verbringen, sondern in der Gegenwart des himmlischen Vaters. Dort werden sie das neue Gewand erhalten. Der Ewige wird sie von aller Ungerechtigkeit reinigen und ihnen die Gerechtigkeit seines Sohnes schenken. Der neue Glaube wirkt bereits im Leben von Gottes Kindern. Sie werden getrieben, das Gute, das ihren himmlischen Vater ehrt, von Herzen und mit Freude zu tun. Es ist richtig, sich an Christus zu freuen.
Schluss
Wir haben nun gelernt, dass es sowohl guten Grund zum Fasten als auch guten Grund zur Freude gibt. Aber was sollen wir nun konkret tun? Es ist doch unmöglich, gleichzeitig traurig und fröhlich zu sein.
Jesus hat davon gesprochen, dass seine Jünger fasten, wenn er ihnen genommen werde. Diese Ankündigung erfüllte sich, als der Herr verhaftet wurde. Er wurde nicht bloss mitten aus ihrer Gemeinschaft abgeführt, sondern auch verurteilt und hingerichtet. Die Jünger hatten ihren Herrn tatsächlich verloren. Einige Ausleger vergleichen die Lage jener Nachfolger mit dem Umstand, in der die Kirche heute ist. Sie meinen, dass Jesus weggenommen wurde, als er in den Himmel fuhr. Deshalb müsse die Christenheit heute wieder fasten. Die beiden Umstände können überhaupt nicht verglichen werden. Durch das Evangelium wird uns deutlich erklärt, dass Jesus gestorben ist, um die Strafe für die Sünden zu begleichen. Er blieb nicht im Tod, sondern ist auferstanden und lebt. Seinen Jüngern hat er versprochen, dass er ihnen seinen Geist senden werde, der sie tröstet und dass er bis ans Ende der Welt bei ihnen sein werde. Weil dieses Versprechen gilt, haben Gottes Kinder immer einen Grund zur Freude. Christus wurde uns nicht weggenommen. Sein Heil gehört allen, die glauben, dass er Gottes Sohn ist.
Trauer und Freude passen tatsächlich nicht zusammen. Dieses Prinzip verdeutlicht Jesus mit drei Vergleichen. Wenn der Bräutigam auf eine Hochzeit kam, begann das Fest. Die Gäste, die auf ihn warteten, hatten keinen Grund zu trauern. Jesus bringt das Leben, das die Menschen ersehnen. Er macht keinen Flicken auf ein zerschlissenes Kleid. Die menschliche Gerechtigkeit ist so schwach, dass sie die göttliche Vollkommenheit nicht tragen kann. Wer versucht, aus eigener Kraft genau so zu leben, wie es Christus getan hat, wird sich zerstören. Genauso wie es mit den alten Schläuchen passiert, wenn man neuen Wein in sie füllt. Jesus schenkt ein neues Kleid, eine neue Gerechtigkeit, an die sich Gottes Kinder in der Ewigkeit freuen. Sein Werk hat die Kraft, Menschen so mit dem Schöpfer zu versöhnen, dass sie immer zu ihm gehören. Christ zu sein ist etwas ganz anders, als die alte Lebensweise aufzupolieren und zu hoffen, deshalb von Gott angenommen und von den Mitmenschen geschätzt zu werden. Wenn du in Christus deinen Heiland gefunden hast, kannst du dich freuen. Er gibt dir neues Leben, vollkommene Gerechtigkeit und hat die Kraft, dich mit dem himmlischen Vater zu versöhnen.
Weil Gottes Kinder nicht mehr auf den Erlöser warten, sondern ihn in Christus bereits gefunden haben, müssen sie sich nicht mehr der Zerknirschtheit hingeben. Sie tun wohl Busse und bereuen ihre Sünden aufrichtig. Aber sie gelangen jedes Mal durch Gottes Zuspruch der Vergebung zur Freude. Das gilt selbstverständlich auch heute, wo wir eingeschränkt sind. Es ist nicht die Zeit, Trübsal zu blasen und eingeschüchtert das Ende der Welt zu erwarten. Gottes Kinder sind unter allen Umständen in der Hand ihres Heilands, der sein Leben für sie gab. Ich wünsche euch, dass ihr euch an diesem Tag, wo wir voneinander getrennt sind, an unserem Heiland und seiner Vergebung von Herzen freut und zuversichtlich in die neue Woche startet, weil Christus bei euch ist.
Amen.
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Predigten – ERKWB WinterthurBy Thomas Reiner