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Im „MUT“-Talk mit Tijen Onaran spricht E.ON-CEO Leo Birnbaum offen über den Stand der Energiewende in Deutschland, den Umgang mit technologischen Chancen – und die grundlegende Frage, ob das Land bereit ist, die notwendigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anstrengungen für seine Zukunft zu leisten. Onaran beschreibt ihn am Ende des Gesprächs als „Klartext-CEO“, der auch bei politischen Themen nicht ausweicht, sondern klare Positionen bezieht.
Ein zentraler Punkt ist die Kostenrealität der Energiewende. Birnbaum widerspricht der verbreiteten Annahme, dass Geld dabei keine entscheidende Rolle spiele. Der Umbau des Energiesystems erfordere enorme Investitionen und die Bereitschaft, diese auch zu tragen. Gleichzeitig sieht er die größere Herausforderung weniger in fehlenden Ressourcen als in der gesellschaftlichen Haltung. Deutschland neige dazu, sich stark auf Defizite zu konzentrieren, statt die eigenen Stärken stärker in den Fokus zu rücken – obwohl das Land im internationalen Vergleich weiterhin gut dastehe.
Wie sehr politische und regulatorische Entscheidungen den Fortschritt bremsen können, verdeutlicht Birnbaum am Beispiel der Smart-Meter-Einführung. Frühere Einschätzungen, komplexe Vorgaben und hohe Datenschutzanforderungen hätten dazu geführt, dass Deutschland beim Rollout deutlich hinterherhinkt. Vorschläge aus der Wirtschaft für einen schnelleren, flächendeckenden Ausbau seien politisch nicht aufgegriffen worden. Statt Prozesse zu vereinfachen, sei zusätzliche Komplexität entstanden – mit dem Ergebnis eines Systems, das aus seiner Sicht nur schwer effizient weiterzuentwickeln ist.
Über die Energiepolitik hinaus richtet Birnbaum den Blick auf größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Auf die Frage, welches heute selbstverständliche Gut in Zukunft zum Privileg werden könnte, nennt er eine jederzeit verfügbare Krankenhausversorgung für alle. In einer alternden Gesellschaft und unter wachsendem finanziellen Druck werde es immer schwieriger, dieses Versprechen aufrechtzuerhalten. Damit macht er deutlich, dass die Herausforderungen der Energiewende nicht isoliert betrachtet werden können, sondern eng mit den Belastungen anderer zentraler Systeme verbunden sind.
Trotz seiner kritischen Analyse verfällt Birnbaum nicht in Pessimismus. Er wirbt für mehr Realismus, aber auch für mehr Zuversicht im Umgang mit den eigenen Möglichkeiten. Deutschland verfüge weiterhin über erhebliche wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Ressourcen, auf die es aufbauen könne. Entscheidend sei, diese Potenziale konsequenter zu nutzen und schneller ins Handeln zu kommen. Sein Fazit: Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch Verdrängung oder Schönreden, sondern durch Investitionsbereitschaft, klare Entscheidungen und den Mut, bestehende Strukturen grundlegend zu hinterfragen.
By Tijen OnaranIm „MUT“-Talk mit Tijen Onaran spricht E.ON-CEO Leo Birnbaum offen über den Stand der Energiewende in Deutschland, den Umgang mit technologischen Chancen – und die grundlegende Frage, ob das Land bereit ist, die notwendigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Anstrengungen für seine Zukunft zu leisten. Onaran beschreibt ihn am Ende des Gesprächs als „Klartext-CEO“, der auch bei politischen Themen nicht ausweicht, sondern klare Positionen bezieht.
Ein zentraler Punkt ist die Kostenrealität der Energiewende. Birnbaum widerspricht der verbreiteten Annahme, dass Geld dabei keine entscheidende Rolle spiele. Der Umbau des Energiesystems erfordere enorme Investitionen und die Bereitschaft, diese auch zu tragen. Gleichzeitig sieht er die größere Herausforderung weniger in fehlenden Ressourcen als in der gesellschaftlichen Haltung. Deutschland neige dazu, sich stark auf Defizite zu konzentrieren, statt die eigenen Stärken stärker in den Fokus zu rücken – obwohl das Land im internationalen Vergleich weiterhin gut dastehe.
Wie sehr politische und regulatorische Entscheidungen den Fortschritt bremsen können, verdeutlicht Birnbaum am Beispiel der Smart-Meter-Einführung. Frühere Einschätzungen, komplexe Vorgaben und hohe Datenschutzanforderungen hätten dazu geführt, dass Deutschland beim Rollout deutlich hinterherhinkt. Vorschläge aus der Wirtschaft für einen schnelleren, flächendeckenden Ausbau seien politisch nicht aufgegriffen worden. Statt Prozesse zu vereinfachen, sei zusätzliche Komplexität entstanden – mit dem Ergebnis eines Systems, das aus seiner Sicht nur schwer effizient weiterzuentwickeln ist.
Über die Energiepolitik hinaus richtet Birnbaum den Blick auf größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Auf die Frage, welches heute selbstverständliche Gut in Zukunft zum Privileg werden könnte, nennt er eine jederzeit verfügbare Krankenhausversorgung für alle. In einer alternden Gesellschaft und unter wachsendem finanziellen Druck werde es immer schwieriger, dieses Versprechen aufrechtzuerhalten. Damit macht er deutlich, dass die Herausforderungen der Energiewende nicht isoliert betrachtet werden können, sondern eng mit den Belastungen anderer zentraler Systeme verbunden sind.
Trotz seiner kritischen Analyse verfällt Birnbaum nicht in Pessimismus. Er wirbt für mehr Realismus, aber auch für mehr Zuversicht im Umgang mit den eigenen Möglichkeiten. Deutschland verfüge weiterhin über erhebliche wirtschaftliche, technologische und gesellschaftliche Ressourcen, auf die es aufbauen könne. Entscheidend sei, diese Potenziale konsequenter zu nutzen und schneller ins Handeln zu kommen. Sein Fazit: Zukunftsfähigkeit entsteht nicht durch Verdrängung oder Schönreden, sondern durch Investitionsbereitschaft, klare Entscheidungen und den Mut, bestehende Strukturen grundlegend zu hinterfragen.