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Kaum zu glauben: Diese Smartphone-Technik ist über 200 Jahre alt


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Manches im Smartphone ist älter als gedacht. (Bildquelle: IMAGO / Zoonar / GRANGER Historical Picture Archive / Bildbearbeitung GIGA)

Ihr tippt eine Nachricht, macht schnell ein Foto, schickt es in den Chat – und denkt vermutlich keine Sekunde darüber nach, dass ihr eine Technik nutzt, die fast so alt ist wie die Eisenbahn.

Ein Fensterblick, der alles verändert hat

Stellt euch vor, ihr schaut einfach nur aus dem Fenster. Genau das hat Joseph Nicéphore Niépce 1826 getan: Er wollte diesen Blick dauerhaft festhalten, ohne Pinsel, ohne Stift, nur mit Licht. Das Ergebnis kennt die Geschichte als „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“ – die älteste erhaltene Fotografie der Welt. Zu sehen sind Dächer, ein Taubenhaus, ein kleines Gebäude und ein Kamin im Hof.

Das Foto „Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras“. (Bildquelle: IMAGO / GRANGER Historical Picture Archive)

Damit ihr ein Foto auf eurem Handy mit einer Verschlusszeit von 1/1000 Sekunde knipsen könnt, musste Niépce seine Aufnahme mehrere Tage lang belichten – das Licht schrieb sich buchstäblich in Echtzeit und Zeitlupe in das Material ein. Eure Smartphone-Kamera basiert demnach auf einem Prinzip, das vor rund 200 Jahren seinen ersten großen Durchbruch hatte – in einem unscheinbaren Arbeitszimmer in Frankreich.

Von der dunklen Kammer zum Sensor

Die Idee, ein Bild durch ein kleines Loch auf eine Fläche zu projizieren, ist deutlich älter als das Foto selbst. Schon in der Antike wurde das Prinzip der Camera obscura beschrieben, einer „dunklen Kammer“, in der das Außenbild kopfüber auf einer Fläche erscheint. Im 15. und 17. Jahrhundert machten Gelehrte und Künstler daraus transportable Kästen mit Linsen, um die Projektion zu schärfen und besser nutzbar zu machen.

Niépces Leistung bestand darin, diese flüchtige Projektion festzuhalten: Er beschichtete eine Platte mit einem lichtempfindlichen Material und ließ das Bild durch eine Optik auf diese Fläche fallen, bis es sich dauerhaft eingebrannt hatte.

Alte Idee, neue Technik

Im Kern passierte damit genau das, was auch eure Smartphone-Kamera heute macht:

  • Licht trifft durch eine Linse auf eine Fläche – nur dass diese Fläche inzwischen kein chemisch beschichtetes Metall mehr ist, sondern ein elektronischer Sensor.
  • Mehrere Linsen-Systeme (Weitwinkel, Tele, Ultraweitwinkel) bauen auf der gleichen optischen Basis auf wie die einfachen Linsen der frühen Kameras.
  • KI-gestützte Bildbearbeitung optimiert Schärfe, Farben und Rauschen, korrigiert aber letztlich nur ein Bild, das immer noch über Licht, Linse und Sensor entsteht – genau wie früher Licht, Linse und Platte zusammenspielten.

Selbst Porträtmodus und Bokeh-Effekte greifen Effekte auf, die schon in der analogen Fotografie eine Rolle spielten, nur dass sie heute algorithmisch simuliert oder verstärkt werden.

Mehr spannende Fakten über eure Smartphone-Kamera erfahrt ihr im Video.

» Video ansehen: Smartphone-Kameras: Wie sind sie eigentlich so gut geworden? – TECHfacts

Vom Pixel-Bild zur High-End-Kamera im Handy

Bis eine Kamera ins Handy wanderte, vergingen nach Niépces Fensterblick viele Generationen von Kameras – von Glasplatten über Rollfilm bis zur digitalen Fotografie. Erst Ende der 1990er Jahre kamen die ersten Mobiltelefone mit integrierter Kamera auf den Markt, damals mit extrem niedriger Auflösung von rund 0,1 Megapixel. In den frühen Smartphone-Jahren lagen Hauptkameras noch bei rund 5 Megapixeln.

Heute sind Kameras mit 50 MP, 108 MP oder 200 MP, mehreren Objektiven und ausgefeilter Software-Optimierung in Spitzenmodellen Standard geworden. Funktionen wie Nachtmodus, optische Bildstabilisierung oder KI-Bildverbesserung sorgen dafür, dass ihr mit einem Gerät in der Hosentasche Ergebnisse erzielt, für die früher professionelle Ausrüstung nötig war. Wir stellen euch weitere Erfindungen vor, die älter sind als gedacht.

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