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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Ihr von Gott geliebten,
Hört auf sein Wort. Das ist ja heute Thema: Hört auf sein Wort aus dem Buch des Propheten Ezechiel, aus dem 2. und 3. Kapitel:
Gott sagt zu mir: Du Mensch, steh auf. Stell dich hin. Ich will mit dir reden. Während Gott mit mir redet, kommt seine Geistkraft in mich. Sie richtet mich auf. Ich stehe da. Und ich höre ihm zu.Gott sagt zu mir: Du Mensch. Ich sende dich zu den Israeliten. Sie haben sich von mir abgewandt. Schon lange. Sie selbst und ihre Eltern bis heute. Die Menschen, zu denen ich dich sende, haben harte Köpfe. Ihre Herzen sind verschlossen. Zu ihnen sollst du sagen: So spricht Gott, der HERR. Ob sie zuhören oder nicht: Sie widersprechen mir ständig. Aber sie sollen merken: Ein Prophet war bei ihnen.Du Mensch, hör mir zu. Widersprich mir nicht, wie dieses Volk mir widerspricht. Öffne deinen Mund. Iss, was ich dir gebe.Da sehe ich: Eine Hand ist mir entgegengestreckt. In der Hand ist eine Schriftrolle. Er breitet die Schriftrolle vor mir aus. Sie ist vollgeschrieben. Vorne und hinten. Darauf stehen Worte von Klage, von Leid, von Weh.Gott sagt zu mir: Du Mensch. Iss, was vor dir liegt. Iss diese Schriftrolle. Dann geh. Rede zu den Israeliten. Ich öffne meinen Mund. Er gibt mir die Schriftrolle zu essen. Gott sagt zu mir: Fülle deinen Bauch. Fülle dein Inneres mit dieser Schriftrolle, die ich dir gebe. Ich esse sie. Und sie schmeckt in meinem Mund süß wie Honig. (Ezechiel 2,1-5.8-10;3,1-3; von mir in einfache Sprache übertragen.)Gott, lass dein Wort unsere Herzen erreichen. Lass es Wurzeln schlagen. Lass es Frucht bringen in unserem Leben.
Da braut sich etwas zusammen im Land. Überall hört man dieselben Sätze: „So kann es nicht weitergehen.“ „Wir lassen uns nicht bevormunden.“ „Unser Land zuerst.“
Das Land ist voll von sogenannten besorgten Bürgern. Sie reden über den Zustand des Landes, und ihr Urteil steht fest: runtergewirtschaftet, fehlgeleitet, fremd geworden. Zu viele Fremde. Andere Kulturen. Andere Religionen. „Da erkennt man sein eigenes Land ja nicht mehr wieder“, sagen sie. „Das ist doch nicht mehr mein Land.“
Aus dem einst großen Land ist ein drittklassiger Staat geworden, sagen sie. Unbedeutend. Abgehängt. Gedemütigt. Mitten in der Hauptstadt wird man täglich daran erinnert, dass man einem fremden Volk Tribut zahlt. Ein „Mahnmal der Schande“, das endlich verschwinden müsste. Gekränkt sind sie, die angeblich Auserwählten. Aber nicht mehr lange.
Jetzt ist ihre Zeit gekommen, heißt es. Jetzt wird aufgeräumt. Der kleine Mann gegen die Eliten. Und manche sagen das auch ganz offen: Man müsse „durchgreifen“. Man werde sie „jagen“. Raus aus dem Land. Irgendwohin. Hauptsache weg.
So spricht man heute. Und viele hören das gern.
Denn diese Worte sind honigsüß. Sie schmeicheln. Sie bestätigen. Sie geben einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Man appelliert an Stolz, an gekränkte Würde, an alte Bilder von Größe und Vergangenheit. „Früher war alles besser.“ „Da war noch Ordnung.“ „Da wussten wir, wer wir sind.“
Geschichte wird glattgezogen. Erinnerungen werden gesäubert. Schuld wird relativiert, verharmlost, kleingeredet. Die Fehler der Vergangenheit? Ein Vogelschiss. Nicht der Rede wert.
So klingt das. Und auf solche Worte hört man gern.
Haben sie denn nichts gelernt?
Einer hat das alles schon einmal erlebt. Einer kennt diese Worte, diese Stimmung, diese honigsüßen Sätze. Einer hat gesehen, wohin sie führen.
Dieser eine heißt Ezechiel. Er lebt in einer Zeit, in der das Land zerbrochen ist. Jerusalem ist gefallen. Der Tempel geplündert. Der König gefangen. Ein Teil der Menschen ist verschleppt worden, ins Exil, nach Babylon. Auch Ezechiel gehört dazu.
Aber nicht alle sind weg. Viele sind geblieben. Und genau unter ihnen werden sie wieder laut, die alten Parolen. Als hätte man nichts gelernt. „Nie wieder“, hätte man sagen müssen. Doch stattdessen hört man anderes.
Ein Gespenst geht um im Land. Wieder redet man von der Einzigartigkeit des Volkes. Von garantiertem himmlischen Beistand. Von Unverwundbarkeit. Man träumt sogar vom Endsieg über die Feinde. „Gott mit uns“, sagen sie. Was kann uns dann noch passieren?
Sie hören nicht auf die Katastrophe hinter ihnen. Sie hören lieber auf die Versprechen vor ihnen. Auf Worte, die trösten, statt zu erschrecken. Auf Worte, die Hoffnung versprechen, ohne Umkehr zu verlangen. Honigsüße Worte.
In diese Situation hinein spricht Gott. Und er spricht nicht zuerst zu allen. Er spricht zu einem. Zu Ezechiel.
Noch weiß keiner, was Ezechiel sagen wird. Noch weiß keiner, welche Worte Gott ihm in den Mund legt. Gott reicht ihm eine Schriftrolle. Ihren Inhalt erfahren wir zunächst nicht. Nur so viel wird klar: Diese Worte sollen nicht einfach weitergesagt werden. Sie sollen gegessen werden.
Nicht flüchtig gelesen. Nicht überflogen. Nicht zur Kenntnis genommen und dann beiseitegelegt. Ezechiel soll diese Worte essen. Sie sollen in ihn hinein. In seinen Bauch. In sein Inneres. Gottes Wort soll Teil von ihm werden.
Doch Gottes Wort ist harte Kost. Was auf dieser Schriftrolle steht, ist alles andere als ein Honigschlecken. Vollgeschrieben, vorne und hinten: Keine Durchhalteparolen. Keine Siegesversprechen. Keine beruhigenden Worte. Dort stehen Worte von Klage, von Leid, von Weh.
Das steht in scharfem Kontrast zu dem, was man sonst so hört. Zu den honigsüßen Worten der anderen. Zu den Worten, die trösten, ohne zu verändern. Die Hoffnung versprechen, ohne Wahrheit zu sagen. Die Stärke versprechen, ohne Schuld zu benennen.
Gottes Wort klingt anders. Es passt nicht zu den Parolen. Es bestätigt nicht. Es widerspricht. Es deckt auf. Es fordert Umkehr. Und es schützt die, die unter den honigsüßen Worten der Mächtigen leiden.
Wer hört so etwas schon gerne? Wenn wir an unsere Schuld erinnert werden, wenn unsere Versäumnisse aufgedeckt werden, wenn unsere Traumflüge hart auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, dann hat das die Tendenz, uns eher schwer im Magen zu liegen. Das stößt uns eher bitter auf.
Ihr Lieben,
Sind wir doch ehrlich: Was würdest du denn lieber hören? Honigsüße Worte, die dir schmeicheln, dich bestätigen und runtergehen wie Öl. Oder "Klage, Ach und Weh", hartes Schwarzbrot, das mich hinterfragt, mich herausfordert, meine Schuld aufdeckt und Veränderung von mir verlangt? Worauf würdest du hören? Nicht irgendwann. Sondern heute. Heute hören heißt: heute anfangen, anders zu leben.
Gottes Reden war noch nie Schonkost. Schaut nur auf Jesus, wie der immer wieder aneckt mit seiner Botschaft. Manche meinen ja, das sei alles nur weichgespültes, in Zuckerwatte gepacktes Gesäusel, nach dem Motto: "Piep, piep, piep. Wir haben uns alle lieb." Wenn du das auch denkst, dann lies einmal die Bergpredigt, im Matthäusevangelium, die Kapitel 5-7. Das wird dich schnell eines Besseren belehren. Gottes Reden war noch nie Schonkost.
Und doch: Ezechiel isst diese Worte. Er nimmt sie ganz in sich auf. Und dann geschieht etwas Unerwartetes. Diese Worte von Klage, Leid und Weh schmecken in seinem Mund süß wie Honig. Süß nicht, weil das Leid verschwindet, sondern weil Gottes Wort selbst im Leid Zukunft öffnet.
Auf einmal fühle ich mich gar nicht mehr so überlegen. Gottes Worte zu hören, zu bewahren und zu befolgen, ist keine einfache Aufgabe.
Feindesliebe. Nächstenliebe. "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes." Fremde lieben. Gastfreundlich sein. Einander dienen. Und das alles im uneingeschränkten Vertrauen auf Gott und seine Verheißungen. Wer kann wirklich von sich sagen, dass ihm das alles immer leicht fällt?
Was Gott sagt, ist kein Honigschlecken. Auch für mich nicht. Und in den Herausforderungen einer Umgebung, die auf Gottes Reden wenig Wert legt, ist das noch viel mehr so.
Wenn Gott redet, kann man immer eines von zwei Dingen tun:
Erstens: Man kann ihn ignorieren. Lieber dort zuhören, wo es angenehmer klingt. Wo ich in meinem Tun und Denken bestätigt werde. Honigsüße Worte.
Oder zweitens: Man kann auf ihn hören. Seine Worte in sich aufnehmen. Verschlingen geradezu, wie Ezechiel mit seiner Schriftrolle. "Du allein hast Worte des ewigen Lebens", sagen die Jünger. Aber keine leichte Kost. Worte, die mich herausfordern. Worte, die mich manchmal viel kosten. Worte, die mir schwer im Magen zu liegen drohen.
"Du Mensch. Iss, was vor dir liegt. ... Fülle deinen Bauch. Fülle dein Inneres mit dieser Schriftrolle, die ich dir gebe.", sagt Gott zu Ezechiel.
"Ich esse sie. Und sie schmeckt in meinem Mund süß wie Honig.", berichtet Ezechiel. Gottes Reden tut mir am Ende gut. Aber das kann man erst wissen, wenn man sich darauf einlässt. Wenn ich höre, dann beginnt sein Wort zu wirken. Es wird mir zum Segen. Und durch mich vielleicht auch Anderen.
Worte des Lebens. Wirklich honigsüße Worte.
Möge Gott unser Hören und Denken, unseren Kopf und unser Herz, unser Reden und Tun mit seinem Reden füllen.
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Ihr von Gott geliebten,
Hört auf sein Wort. Das ist ja heute Thema: Hört auf sein Wort aus dem Buch des Propheten Ezechiel, aus dem 2. und 3. Kapitel:
Gott sagt zu mir: Du Mensch, steh auf. Stell dich hin. Ich will mit dir reden. Während Gott mit mir redet, kommt seine Geistkraft in mich. Sie richtet mich auf. Ich stehe da. Und ich höre ihm zu.Gott sagt zu mir: Du Mensch. Ich sende dich zu den Israeliten. Sie haben sich von mir abgewandt. Schon lange. Sie selbst und ihre Eltern bis heute. Die Menschen, zu denen ich dich sende, haben harte Köpfe. Ihre Herzen sind verschlossen. Zu ihnen sollst du sagen: So spricht Gott, der HERR. Ob sie zuhören oder nicht: Sie widersprechen mir ständig. Aber sie sollen merken: Ein Prophet war bei ihnen.Du Mensch, hör mir zu. Widersprich mir nicht, wie dieses Volk mir widerspricht. Öffne deinen Mund. Iss, was ich dir gebe.Da sehe ich: Eine Hand ist mir entgegengestreckt. In der Hand ist eine Schriftrolle. Er breitet die Schriftrolle vor mir aus. Sie ist vollgeschrieben. Vorne und hinten. Darauf stehen Worte von Klage, von Leid, von Weh.Gott sagt zu mir: Du Mensch. Iss, was vor dir liegt. Iss diese Schriftrolle. Dann geh. Rede zu den Israeliten. Ich öffne meinen Mund. Er gibt mir die Schriftrolle zu essen. Gott sagt zu mir: Fülle deinen Bauch. Fülle dein Inneres mit dieser Schriftrolle, die ich dir gebe. Ich esse sie. Und sie schmeckt in meinem Mund süß wie Honig. (Ezechiel 2,1-5.8-10;3,1-3; von mir in einfache Sprache übertragen.)Gott, lass dein Wort unsere Herzen erreichen. Lass es Wurzeln schlagen. Lass es Frucht bringen in unserem Leben.
Da braut sich etwas zusammen im Land. Überall hört man dieselben Sätze: „So kann es nicht weitergehen.“ „Wir lassen uns nicht bevormunden.“ „Unser Land zuerst.“
Das Land ist voll von sogenannten besorgten Bürgern. Sie reden über den Zustand des Landes, und ihr Urteil steht fest: runtergewirtschaftet, fehlgeleitet, fremd geworden. Zu viele Fremde. Andere Kulturen. Andere Religionen. „Da erkennt man sein eigenes Land ja nicht mehr wieder“, sagen sie. „Das ist doch nicht mehr mein Land.“
Aus dem einst großen Land ist ein drittklassiger Staat geworden, sagen sie. Unbedeutend. Abgehängt. Gedemütigt. Mitten in der Hauptstadt wird man täglich daran erinnert, dass man einem fremden Volk Tribut zahlt. Ein „Mahnmal der Schande“, das endlich verschwinden müsste. Gekränkt sind sie, die angeblich Auserwählten. Aber nicht mehr lange.
Jetzt ist ihre Zeit gekommen, heißt es. Jetzt wird aufgeräumt. Der kleine Mann gegen die Eliten. Und manche sagen das auch ganz offen: Man müsse „durchgreifen“. Man werde sie „jagen“. Raus aus dem Land. Irgendwohin. Hauptsache weg.
So spricht man heute. Und viele hören das gern.
Denn diese Worte sind honigsüß. Sie schmeicheln. Sie bestätigen. Sie geben einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Man appelliert an Stolz, an gekränkte Würde, an alte Bilder von Größe und Vergangenheit. „Früher war alles besser.“ „Da war noch Ordnung.“ „Da wussten wir, wer wir sind.“
Geschichte wird glattgezogen. Erinnerungen werden gesäubert. Schuld wird relativiert, verharmlost, kleingeredet. Die Fehler der Vergangenheit? Ein Vogelschiss. Nicht der Rede wert.
So klingt das. Und auf solche Worte hört man gern.
Haben sie denn nichts gelernt?
Einer hat das alles schon einmal erlebt. Einer kennt diese Worte, diese Stimmung, diese honigsüßen Sätze. Einer hat gesehen, wohin sie führen.
Dieser eine heißt Ezechiel. Er lebt in einer Zeit, in der das Land zerbrochen ist. Jerusalem ist gefallen. Der Tempel geplündert. Der König gefangen. Ein Teil der Menschen ist verschleppt worden, ins Exil, nach Babylon. Auch Ezechiel gehört dazu.
Aber nicht alle sind weg. Viele sind geblieben. Und genau unter ihnen werden sie wieder laut, die alten Parolen. Als hätte man nichts gelernt. „Nie wieder“, hätte man sagen müssen. Doch stattdessen hört man anderes.
Ein Gespenst geht um im Land. Wieder redet man von der Einzigartigkeit des Volkes. Von garantiertem himmlischen Beistand. Von Unverwundbarkeit. Man träumt sogar vom Endsieg über die Feinde. „Gott mit uns“, sagen sie. Was kann uns dann noch passieren?
Sie hören nicht auf die Katastrophe hinter ihnen. Sie hören lieber auf die Versprechen vor ihnen. Auf Worte, die trösten, statt zu erschrecken. Auf Worte, die Hoffnung versprechen, ohne Umkehr zu verlangen. Honigsüße Worte.
In diese Situation hinein spricht Gott. Und er spricht nicht zuerst zu allen. Er spricht zu einem. Zu Ezechiel.
Noch weiß keiner, was Ezechiel sagen wird. Noch weiß keiner, welche Worte Gott ihm in den Mund legt. Gott reicht ihm eine Schriftrolle. Ihren Inhalt erfahren wir zunächst nicht. Nur so viel wird klar: Diese Worte sollen nicht einfach weitergesagt werden. Sie sollen gegessen werden.
Nicht flüchtig gelesen. Nicht überflogen. Nicht zur Kenntnis genommen und dann beiseitegelegt. Ezechiel soll diese Worte essen. Sie sollen in ihn hinein. In seinen Bauch. In sein Inneres. Gottes Wort soll Teil von ihm werden.
Doch Gottes Wort ist harte Kost. Was auf dieser Schriftrolle steht, ist alles andere als ein Honigschlecken. Vollgeschrieben, vorne und hinten: Keine Durchhalteparolen. Keine Siegesversprechen. Keine beruhigenden Worte. Dort stehen Worte von Klage, von Leid, von Weh.
Das steht in scharfem Kontrast zu dem, was man sonst so hört. Zu den honigsüßen Worten der anderen. Zu den Worten, die trösten, ohne zu verändern. Die Hoffnung versprechen, ohne Wahrheit zu sagen. Die Stärke versprechen, ohne Schuld zu benennen.
Gottes Wort klingt anders. Es passt nicht zu den Parolen. Es bestätigt nicht. Es widerspricht. Es deckt auf. Es fordert Umkehr. Und es schützt die, die unter den honigsüßen Worten der Mächtigen leiden.
Wer hört so etwas schon gerne? Wenn wir an unsere Schuld erinnert werden, wenn unsere Versäumnisse aufgedeckt werden, wenn unsere Traumflüge hart auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, dann hat das die Tendenz, uns eher schwer im Magen zu liegen. Das stößt uns eher bitter auf.
Ihr Lieben,
Sind wir doch ehrlich: Was würdest du denn lieber hören? Honigsüße Worte, die dir schmeicheln, dich bestätigen und runtergehen wie Öl. Oder "Klage, Ach und Weh", hartes Schwarzbrot, das mich hinterfragt, mich herausfordert, meine Schuld aufdeckt und Veränderung von mir verlangt? Worauf würdest du hören? Nicht irgendwann. Sondern heute. Heute hören heißt: heute anfangen, anders zu leben.
Gottes Reden war noch nie Schonkost. Schaut nur auf Jesus, wie der immer wieder aneckt mit seiner Botschaft. Manche meinen ja, das sei alles nur weichgespültes, in Zuckerwatte gepacktes Gesäusel, nach dem Motto: "Piep, piep, piep. Wir haben uns alle lieb." Wenn du das auch denkst, dann lies einmal die Bergpredigt, im Matthäusevangelium, die Kapitel 5-7. Das wird dich schnell eines Besseren belehren. Gottes Reden war noch nie Schonkost.
Und doch: Ezechiel isst diese Worte. Er nimmt sie ganz in sich auf. Und dann geschieht etwas Unerwartetes. Diese Worte von Klage, Leid und Weh schmecken in seinem Mund süß wie Honig. Süß nicht, weil das Leid verschwindet, sondern weil Gottes Wort selbst im Leid Zukunft öffnet.
Auf einmal fühle ich mich gar nicht mehr so überlegen. Gottes Worte zu hören, zu bewahren und zu befolgen, ist keine einfache Aufgabe.
Feindesliebe. Nächstenliebe. "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes." Fremde lieben. Gastfreundlich sein. Einander dienen. Und das alles im uneingeschränkten Vertrauen auf Gott und seine Verheißungen. Wer kann wirklich von sich sagen, dass ihm das alles immer leicht fällt?
Was Gott sagt, ist kein Honigschlecken. Auch für mich nicht. Und in den Herausforderungen einer Umgebung, die auf Gottes Reden wenig Wert legt, ist das noch viel mehr so.
Wenn Gott redet, kann man immer eines von zwei Dingen tun:
Erstens: Man kann ihn ignorieren. Lieber dort zuhören, wo es angenehmer klingt. Wo ich in meinem Tun und Denken bestätigt werde. Honigsüße Worte.
Oder zweitens: Man kann auf ihn hören. Seine Worte in sich aufnehmen. Verschlingen geradezu, wie Ezechiel mit seiner Schriftrolle. "Du allein hast Worte des ewigen Lebens", sagen die Jünger. Aber keine leichte Kost. Worte, die mich herausfordern. Worte, die mich manchmal viel kosten. Worte, die mir schwer im Magen zu liegen drohen.
"Du Mensch. Iss, was vor dir liegt. ... Fülle deinen Bauch. Fülle dein Inneres mit dieser Schriftrolle, die ich dir gebe.", sagt Gott zu Ezechiel.
"Ich esse sie. Und sie schmeckt in meinem Mund süß wie Honig.", berichtet Ezechiel. Gottes Reden tut mir am Ende gut. Aber das kann man erst wissen, wenn man sich darauf einlässt. Wenn ich höre, dann beginnt sein Wort zu wirken. Es wird mir zum Segen. Und durch mich vielleicht auch Anderen.
Worte des Lebens. Wirklich honigsüße Worte.
Möge Gott unser Hören und Denken, unseren Kopf und unser Herz, unser Reden und Tun mit seinem Reden füllen.
Amen.

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