Mit Anfang 30 eine Biographie zu schreiben, hat etwas Übermütiges. Wenn das eigene Leben in wenigen Jahren aber so turbulent und auch beängstigend wird, wie bei Bill Kaulitz, lassen sich damit problemlos über 300 Seiten füllen – wie in seinem jetzt erschienenen Buch "Career Suicide". Als 15-Jähriger wurde der Sänger der Band Tokio Hotel in Deutschland berühmt, ein junger Teenie-Schwarm aus einer ostdeutschen Kleinstadt, der mit emotionalen Texten, auffälligen Frisuren und schwarzer Kleidung plötzlich die Aufmerksamkeit von Jugendlichen und Medien auf sich zog. In einer Phase, in der viele Gleichaltrige ihre Identität und Rolle in der Gesellschaft suchen, sollte Bill Kaulitz sich schon für seine rechtfertigen. Wegen seines androgynen Auftretens wurde oft über seine sexuelle Identität spekuliert, bis heute möchte der mittlerweile 31-Jährige nicht über dieses Thema reden. Als der Fanatismus um ihn und seinen Zwillingsbruder Tom unter anderem durch Stalking kriminell wurde, flüchteten beide in die USA – nach Los Angeles. Seitdem macht Bill Kaulitz weiter Musik, ist Model und außerdem Jurymitglied etwa bei der Fernsehsendung "Queen of Drags", einer Casting-Show nach amerikanischem Vorbild für Dragqueens. Zum Diversity-Tag am 18. Mai spricht Bill Kaulitz in der Gesprächszeit auf Bremen Zwei über sein Anderssein und falsche Erwartungen, über seinen Ruhm und Morddrohungen, die er immer noch regelmäßig erhält.