Der Podcast #KInote mit Philosoph Prof. Dr. Tobias Schlicht, Lichtenberg-Professor für die Philosophie des Bewusstseins und der Kognition an der Ruhr-Universität Bochum.
- Was Bewusstsein von Kognition und Intelligenz unterscheidet
- Warum überzeugendes Verhalten noch kein subjektives Erleben beweist
- Über künstliches Bewusstsein und die Bedeutung des Körpers
KInote erscheint auf Amazon Music, Apple Podcasts, Audible, RTL+, Spotify, YouTube und weiteren Podcast-Plattformen.
„Es tut mir leid Dave, aber das kann ich nicht tun“. Mit diesem Satz wird der Bordcomputer „HAL 9000“ in Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum vom technischen Assistenzsystem zum Gegenspieler. HAL spricht, urteilt und scheint eigene Absichten zu verfolgen. Gerade dadurch fällt es schwer, ihn weiterhin als bloße Maschine zu betrachten. Doch besitzt HAL tatsächlich ein Bewusstsein oder schreiben wir ihm dieses lediglich aufgrund seines Verhaltens zu?
In dieser Folge mit Prof. Dr. Tobias Schlicht geht es um Bewusstsein, Kognition und Künstliche Intelligenz. Tobias Schlicht ist Lichtenberg-Professor für Philosophie des Bewusstseins und der Kognition an der Ruhr-Universität Bochum. Kognition bezeichnet dabei die geistigen Prozesse, mit denen wir unsere Umwelt wahrnehmen, Informationen verarbeiten, erinnern und Probleme lösen.
In seinen Forschungsarbeiten beschäftigt sich Schlicht mit subjektivem Erleben, sozialer und situierter Kognition und der Frage, unter welchen Bedingungen wir Menschen, also unserer eigenen Art, aber auch Tieren und (neuerdings) technologischen Systemen Bewusstsein zusprechen wollen bzw. können.
Vertraut und zugleich ein Rätsel
Bewusstsein erscheint uns zunächst vollkommen selbstverständlich und alltäglich. Wir empfinden Schmerzen, sehen Farben, schmecken einen guten Wein oder Kaffee, verspüren Hunger und Durst, Freude und Leid. Diese Erfahrungen sind uns unmittelbar zugänglich. Gleichwohl bleibt schwer erklärbar, wie ein solches subjektives Erleben aus körperlichen und biologischen Prozessen hervorgehen kann.
Tobias Schlicht stellt daher die Subjektivität ins Zentrum des Bewusstseinsbegriffs. Sich einer Sache oder Situation bewusst zu sein, heißt demnach nicht nur, Informationen aufzunehmen oder auf Reize zu reagieren. Es bedeutet auch, dass es für ein Wesen auf eine ganz bestimmte Weise erlebbar wird, eine individuelle, ja geradezu intime Erfahrung zu machen. Hier kommt auch die Beschreibung des Persönlichen und Personenhaften ins Spiel. Genau dieses einmalige Erleben unterscheidet unser Bewusstsein möglicherweise von vielen Formen der Informationsverarbeitung, die auch unbewusst bzw. in technologischen Apparaturen realisiert werden können.
Verstehen Maschinen selbst, was sie uns sagen?
Die neuen Sprachmodelle produzieren Texte, die menschlich wirken, für Menschen annehmbar und nützlich erscheinen. Sie können all unsere Fragen beantworten und, so scheint es bald, über sich nachdenken. Daraus erwächst der Eindruck, sie würden Sprache selbst verstehen oder sogar über ihr Wissen und eigene Absichten verfügen können. Tobias Schlicht warnt jedoch davor, von überzeugenden sprachlichen Ergebnissen unmittelbar auf innere Zustände zu schließen.
KI-Systeme erkennen Muster in sehr großen Datenmengen und erzeugen daraus plausible Vorhersagen. Ob sie dabei zukünftig tatsächlich „höchstselbst“ etwas verstehen oder erleben, bleibt bis auf Weiteres offen. Möglicherweise verändern wir Menschen Begriffe wie Wissen, Denken oder Verstehen lediglich so weit, dass die Leistungen dieser Systeme, die sich ganz und gar in unsere soziale Welt einfügen, selbstverständlich darunterfallen. Daher stellt sich nicht allein die Frage, was eine KI für unser Leben leisten kann, sondern ob ihre Leistungen mit denselben Phänomenen verbunden sind, die wir bei Menschen als Bewusstsein oder Geist bezeichnen.
Mit Tobias Schlicht spricht Prof. Dr. Marcel Schütz von der Forschungsgruppe KIWIT