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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Geliebte Gottes in Bitz/Burladingen,
Aus dem Evangelium nach Johannes, aus dem ersten Kapitel:
35 Am nächsten Tag stand Johannes abermals da und zwei seiner Jünger; 36 und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm! 37 Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach. 38 Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wirst du bleiben? 39 Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen's und blieben diesen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde. 40 Einer von den zweien, die Johannes gehört hatten und Jesus nachgefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. 41 Der findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte. 42 Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels. 43 Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa ziehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach! 44 Philippus aber war aus Betsaida, der Stadt des Andreas und des Petrus. 45 Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth. 46 Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann aus Nazareth Gutes kommen! Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh! 47 Jesus sah Nathanael kommen und sagt von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist. 48 Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, habe ich dich gesehen. 49 Nathanael antwortete ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel! 50 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, dass ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum. Du wirst noch Größeres sehen als das. 51 Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn. (Johannes 1,35-51)Komm und sieh!
Da hat einer etwas gesehen. Da hat einer etwas entdeckt. Sein umherschweifender Blick blieb plötzlich an etwas hängen, wie das manchmal eben geschieht und dann konnte er sich auf einen Schlag nicht mehr losreißen. Was er sah, verschlug ihm die Sprache. Ihm stockte der Atem. Was er entdeckte, so einfach im Vorübergehen, das veränderte in einem Augenblick alles. Die Unterhaltung mit den Freunden: vergessen. Der Gedanke, der ihn gerade noch beschäftigt hatte: wie weggeblasen. Auf einmal gab es nur noch eines. Da steht er da und stammelt mit ausgestrecktem Arm, er fuchtelt und gestikuliert, er will, dass die anderen das auf keinen Fall verpassen: "Siehe!" Schaut! Seht doch! Das müsst ihr gesehen haben! Das darf euch auf keinen Fall entgehen. "Siehe, das ist Gottes Lamm!"
Die, die bei ihm stehen, folgen seinem ausgestreckten Arm mit ihren Blicken. Sie schauen hin, ungläubig erstaunt vielleicht, neugierig, oder einfach unwillkürlich. Sie schauen hin und was er gesehen hat, zieht auch sie in seinen Bann. Sie schauen hin, sie sehen und erkennen, sie glauben -- und sie lassen alles stehen und liegen, um dem nachzufolgen, der da in ihr Sichtfeld kam. Ein einziger Augenblick -- lebensverändernd.
Sie haben Jesus gesehen.
"Siehe, das ist Gottes Lamm!"
Bei Jesus lohnt es sich hinzusehen. Bei Jesus bleibt mein Blick hängen. Bei Jesus stockt auch mir der Atem und mir fehlen die Worte. Jesus berührt mich, viel tiefer als irgendetwas sonst mich berühren könnte. Er zieht mich in seinen Bann. Er fesselt mich. Er hält mich gefangen. Jesus ist die größte Entdeckung meines Lebens.
Man kann über Gott viel reden. Viel davon ist Spekulation, weil wir ihn ja nicht sehen, nicht erfassen können. Gott ist außerhalb unserer Erfahrungswelt. Er ist größer als alles, was wir bedenken können. Er ist anders, als alles, was wir sehen können. Manches Reden über Gott ist tiefe Wahrheit. Ich liebe Theologie und die schlauen Bücher der Theologen und habe manchen Text über Gott gelesen, der tiefer und berührender war als jedes noch so schöne Lied zur Ehre Gottes.
Aber nichts, aber niemand, kommt an Jesus heran. In Jesus zeigt Gott sich uns -- auf eine Art und Weise, die wir erfassen können und... vielleicht nicht verstehen, aber zumindest bestaunen. In Jesus kommt uns Gott ganz nahe. In Jesus nimmt Gott ein menschliches Gesicht an. In Jesus schaut uns Gott in die Augen und wir schauen ihn an, ihn, aus dessen Gesicht uns die unendliche Menschenfreundlichkeit und Güte Gottes entgegenleuchtet. In Jesus überschreitet Gott die Grenzen, die uns von ihm trennen und er nimmt uns an -- liebevoll und unbedingt und jeden von uns. In Jesus zeigt Gott uns seine Liebe, die so grenzenlos ist, dass er für uns ans Kreuz geht -- für uns in den Tod. In Jesus zeigt Gott uns seine herrliche Erlöserkraft, wenn er den Tod überwindet und neues Leben beginnt. In Jesus lädt Gott uns ein, aus den Zwängen und Beschränkungen dieser machtverbissenen Welt herauszutreten und Teil zu werden einer Bewegung, eines "Reichs", dass alles konterkariert was wir kennen und das auf ganz anderen Grundlagen beruht als unsere gewohnte Lebenswelt: auf Frieden, Gerechtigkeit und durchweht von Gottes heiligem Lebensgeist.
Nichts und niemand kommt an Jesus heran. Jesus ist das attraktivste, was der christliche Glaube zu bieten hat. Jesus ist Gottes Liebe selbst in Menschengestalt. Jesus ist Gott, der in mein Leben tritt. Wer ihn gesehen hat, der kann den Blick nicht mehr losreißen. Wer ihn anschaut, der lernt mit jedem Augenblick mehr, wie Gott ist und wie sehr er uns liebt. Wer Jesus sieht, der ist nie mehr derselbe.
Deshalb, Geliebte Gottes, schaut hin! Schaut ihn euch an, diesen Jesus! Vertieft euch in ihn. Verbringt Zeit damit, auf ihn zu schauen. Wälzt euch in seiner Geschichte! Stürzt euch hinein in seine Botschaft von Gott. Lasst euch packen von seinem Evangelium und ich kann euch garantieren, ihr werdet nie mehr dieselben sein.
Komm und sieh!
Siehe, das ist Gottes Lamm!
"Komm und sieh!" Die ihn gesehen haben, die können das nicht für sich behalten. Da ist er der, "Share-Button" der damaligen Zeit. Vielen von uns ist das ja in Fleisch und Blut übergegangen. Teilen, teilen, teilen: ein neues Rezept, ein lustiges Katzenvideo, ein Meme mit einem coolen Spruch, eine peppig formulierte Lebensweisheit, eine empörende Nachricht, ein aberwitziges Gerücht, das so vieles zu erklären scheint. Teilen, teilen, teilen. Wir scrollen, wir schauen, unser Blick bleibt hängen: Das müssen meine Freunde wissen! Auf Insta und Facebook, auf WhatsApp und TikTok. Wir sind Weltmeister im Teilen von Inhalten.
Sie hatten das alles noch nicht. Teilen war damals nicht mit einem Klick oder einem Wisch über den Bildschirm erledigt. Teilen war Arbeit: Aufstehen, losgehen -- losrennen --, bis die Lunge brennt und die Füße schmerzen, rennen, eilen, außer Atem ankommen und mit letzter Kraft japsend herauspressen, was man zu teilen gekommen ist: "Komm und sieh! Wir haben den Messias gefunden!"
Wer ihn gesehen hat, dem macht das alles nichts aus. Wer ihn gesehen hat, in seinen Bann geraten ist, der weiß, dass alle anderen sehen müssen, wer er ist. Das muss die ganze Welt hören! Das ist die Aufgabe, die Eltern und Pat:innen heute bei der Taufe übernehmen. Das ist die Motivation, die Kirche seit zwei Jahrtausenden antreibt. Das ist es, was passiert, wenn man Gott in Jesus erblickt hat.
Komm und sieh! Wir haben den Messias gefunden!
Gefunden: Bis zu dem Augenblick wussten sie vielleicht gar nicht, dass sie auf der Suche waren. Es war ja einfach nur eine Begegnung, als sie mit Johannes an der Straße standen, oder für Nathanael, als er unter dem Feigenbaum saß. Sie hatten nicht konzentriert mit dem Fernglas den Horizont abgesucht, hatten nicht seit Stunden angestrengt ins Weite gestarrt, hatten nicht erwartungsvoll den Blick schweifen lassen. Sie waren am Morgen nicht aufgestanden mit dem festen Entschluss heute zu suchen, bis sie gefunden hätten. Als er sie fragt, "Was sucht ihr?" da wissen sie nicht einmal eine Antwort.
Vielleicht merkst du erst, wenn du ihn siehst, dass du auf der Suche warst, dein ganzes Leben schon, mit einem Verlangen, dass du nicht fassen konntest. Vielleicht begreifst du erst, wenn du ihn anschaust, wie viele andere Lebensmomente wirklich Versuche waren, das zu finden, was deine Suche zum Ende bringst. Aber wenn du ihn siehst und wenn er dich anschaut, genau in diesem Moment, weißt du nicht nur dass du suchst, sondern, dass du gefunden hast. Dass du gefunden bist. Am Ende der Suche.
Dass du gefunden bist: Man kann sich ja fragen, wenn man den Predigttext aufmerksam liest, wer da eigentlich wen sucht. Wer da eigentlich wen gefunden hat. Denn die, die bei Jesus ankommen, die ihn sehen und hängenbleiben und am Ende ihrer Suche sind, die merken staunend, dass er sie schon längst gesehen hat. Dass er der war, der sie suchte und fand und der sie nun in Gottes Namen mit auf seine Reise nimmt. Das ist es nämlich, was er tut -- ganz im Sinn unserer diesjährigen Jahreslosung: "Du bist ein Gott, der mich sieht." In Jesus schaut Gott hinein in diese Welt und er sieht dich und sieht mich und sieht alle. Selbst die, die sonst keiner sieht. Und die, bei denen alle wegschauen. Jesus schaut nicht weg. Er sieht nicht nur Glaubenshelden und Superfromme, moralische Überflieger und Mutter Theresa. Wir fallen ihm auch nicht erst dann auf, wenn wir besonders toll glauben oder entschieden Schritte auf ihn zu machen. Er hat uns längst gesehen. Er sieht uns immernoch. Und wer auf ihn schaut, der weiß: Ich bin gefunden.
Komm und sieh!
Siehe, das ist Gottes Lamm!
Wer ihn gesehen hat, der bleibt. Wer ihn gesehen hat, macht sich mit ihm auf den Weg in eine Zukunft, die -- wie das Zukunft eben so an sich hat -- noch unbekannt ist, aber eine Zukunft, die verspricht, das größte Abenteuer der Geschichte zu werden (vielleicht ist es genau das, was Jesus "Gottes Reich" nennt). Denn der, den du da gesehen hast; der, der dich längst gesehen hat; der, in dem Gott dich gefunden hat -- er ist es selbst, der verspricht: "Du wirst noch Größeres sehen als das."
Und da bleibt dir dann endgültig der Mund offen stehen.
Komm und sieh!
Schau auf ihn. Lass dich von Jesus begeistern und nimm andere mit, ihm nach, denn nur da wo Gott unterwegs ist, lohnt es sich wirklich zu sein.
Komm und sieh!
Siehe, das ist Gottes Lamm.
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Geliebte Gottes in Bitz/Burladingen,
Aus dem Evangelium nach Johannes, aus dem ersten Kapitel:
35 Am nächsten Tag stand Johannes abermals da und zwei seiner Jünger; 36 und als er Jesus vorübergehen sah, sprach er: Siehe, das ist Gottes Lamm! 37 Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach. 38 Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und sprach zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sprachen zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wirst du bleiben? 39 Er sprach zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen's und blieben diesen Tag bei ihm. Es war aber um die zehnte Stunde. 40 Einer von den zweien, die Johannes gehört hatten und Jesus nachgefolgt waren, war Andreas, der Bruder des Simon Petrus. 41 Der findet zuerst seinen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte. 42 Und er führte ihn zu Jesus. Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels. 43 Am nächsten Tag wollte Jesus nach Galiläa ziehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge mir nach! 44 Philippus aber war aus Betsaida, der Stadt des Andreas und des Petrus. 45 Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von dem Mose im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesus, Josefs Sohn, aus Nazareth. 46 Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann aus Nazareth Gutes kommen! Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh! 47 Jesus sah Nathanael kommen und sagt von ihm: Siehe, ein rechter Israelit, in dem kein Falsch ist. 48 Nathanael spricht zu ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Bevor Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, habe ich dich gesehen. 49 Nathanael antwortete ihm: Rabbi, du bist Gottes Sohn, du bist der König von Israel! 50 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du glaubst, weil ich dir gesagt habe, dass ich dich gesehen habe unter dem Feigenbaum. Du wirst noch Größeres sehen als das. 51 Und er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und die Engel Gottes hinauf- und herabfahren über dem Menschensohn. (Johannes 1,35-51)Komm und sieh!
Da hat einer etwas gesehen. Da hat einer etwas entdeckt. Sein umherschweifender Blick blieb plötzlich an etwas hängen, wie das manchmal eben geschieht und dann konnte er sich auf einen Schlag nicht mehr losreißen. Was er sah, verschlug ihm die Sprache. Ihm stockte der Atem. Was er entdeckte, so einfach im Vorübergehen, das veränderte in einem Augenblick alles. Die Unterhaltung mit den Freunden: vergessen. Der Gedanke, der ihn gerade noch beschäftigt hatte: wie weggeblasen. Auf einmal gab es nur noch eines. Da steht er da und stammelt mit ausgestrecktem Arm, er fuchtelt und gestikuliert, er will, dass die anderen das auf keinen Fall verpassen: "Siehe!" Schaut! Seht doch! Das müsst ihr gesehen haben! Das darf euch auf keinen Fall entgehen. "Siehe, das ist Gottes Lamm!"
Die, die bei ihm stehen, folgen seinem ausgestreckten Arm mit ihren Blicken. Sie schauen hin, ungläubig erstaunt vielleicht, neugierig, oder einfach unwillkürlich. Sie schauen hin und was er gesehen hat, zieht auch sie in seinen Bann. Sie schauen hin, sie sehen und erkennen, sie glauben -- und sie lassen alles stehen und liegen, um dem nachzufolgen, der da in ihr Sichtfeld kam. Ein einziger Augenblick -- lebensverändernd.
Sie haben Jesus gesehen.
"Siehe, das ist Gottes Lamm!"
Bei Jesus lohnt es sich hinzusehen. Bei Jesus bleibt mein Blick hängen. Bei Jesus stockt auch mir der Atem und mir fehlen die Worte. Jesus berührt mich, viel tiefer als irgendetwas sonst mich berühren könnte. Er zieht mich in seinen Bann. Er fesselt mich. Er hält mich gefangen. Jesus ist die größte Entdeckung meines Lebens.
Man kann über Gott viel reden. Viel davon ist Spekulation, weil wir ihn ja nicht sehen, nicht erfassen können. Gott ist außerhalb unserer Erfahrungswelt. Er ist größer als alles, was wir bedenken können. Er ist anders, als alles, was wir sehen können. Manches Reden über Gott ist tiefe Wahrheit. Ich liebe Theologie und die schlauen Bücher der Theologen und habe manchen Text über Gott gelesen, der tiefer und berührender war als jedes noch so schöne Lied zur Ehre Gottes.
Aber nichts, aber niemand, kommt an Jesus heran. In Jesus zeigt Gott sich uns -- auf eine Art und Weise, die wir erfassen können und... vielleicht nicht verstehen, aber zumindest bestaunen. In Jesus kommt uns Gott ganz nahe. In Jesus nimmt Gott ein menschliches Gesicht an. In Jesus schaut uns Gott in die Augen und wir schauen ihn an, ihn, aus dessen Gesicht uns die unendliche Menschenfreundlichkeit und Güte Gottes entgegenleuchtet. In Jesus überschreitet Gott die Grenzen, die uns von ihm trennen und er nimmt uns an -- liebevoll und unbedingt und jeden von uns. In Jesus zeigt Gott uns seine Liebe, die so grenzenlos ist, dass er für uns ans Kreuz geht -- für uns in den Tod. In Jesus zeigt Gott uns seine herrliche Erlöserkraft, wenn er den Tod überwindet und neues Leben beginnt. In Jesus lädt Gott uns ein, aus den Zwängen und Beschränkungen dieser machtverbissenen Welt herauszutreten und Teil zu werden einer Bewegung, eines "Reichs", dass alles konterkariert was wir kennen und das auf ganz anderen Grundlagen beruht als unsere gewohnte Lebenswelt: auf Frieden, Gerechtigkeit und durchweht von Gottes heiligem Lebensgeist.
Nichts und niemand kommt an Jesus heran. Jesus ist das attraktivste, was der christliche Glaube zu bieten hat. Jesus ist Gottes Liebe selbst in Menschengestalt. Jesus ist Gott, der in mein Leben tritt. Wer ihn gesehen hat, der kann den Blick nicht mehr losreißen. Wer ihn anschaut, der lernt mit jedem Augenblick mehr, wie Gott ist und wie sehr er uns liebt. Wer Jesus sieht, der ist nie mehr derselbe.
Deshalb, Geliebte Gottes, schaut hin! Schaut ihn euch an, diesen Jesus! Vertieft euch in ihn. Verbringt Zeit damit, auf ihn zu schauen. Wälzt euch in seiner Geschichte! Stürzt euch hinein in seine Botschaft von Gott. Lasst euch packen von seinem Evangelium und ich kann euch garantieren, ihr werdet nie mehr dieselben sein.
Komm und sieh!
Siehe, das ist Gottes Lamm!
"Komm und sieh!" Die ihn gesehen haben, die können das nicht für sich behalten. Da ist er der, "Share-Button" der damaligen Zeit. Vielen von uns ist das ja in Fleisch und Blut übergegangen. Teilen, teilen, teilen: ein neues Rezept, ein lustiges Katzenvideo, ein Meme mit einem coolen Spruch, eine peppig formulierte Lebensweisheit, eine empörende Nachricht, ein aberwitziges Gerücht, das so vieles zu erklären scheint. Teilen, teilen, teilen. Wir scrollen, wir schauen, unser Blick bleibt hängen: Das müssen meine Freunde wissen! Auf Insta und Facebook, auf WhatsApp und TikTok. Wir sind Weltmeister im Teilen von Inhalten.
Sie hatten das alles noch nicht. Teilen war damals nicht mit einem Klick oder einem Wisch über den Bildschirm erledigt. Teilen war Arbeit: Aufstehen, losgehen -- losrennen --, bis die Lunge brennt und die Füße schmerzen, rennen, eilen, außer Atem ankommen und mit letzter Kraft japsend herauspressen, was man zu teilen gekommen ist: "Komm und sieh! Wir haben den Messias gefunden!"
Wer ihn gesehen hat, dem macht das alles nichts aus. Wer ihn gesehen hat, in seinen Bann geraten ist, der weiß, dass alle anderen sehen müssen, wer er ist. Das muss die ganze Welt hören! Das ist die Aufgabe, die Eltern und Pat:innen heute bei der Taufe übernehmen. Das ist die Motivation, die Kirche seit zwei Jahrtausenden antreibt. Das ist es, was passiert, wenn man Gott in Jesus erblickt hat.
Komm und sieh! Wir haben den Messias gefunden!
Gefunden: Bis zu dem Augenblick wussten sie vielleicht gar nicht, dass sie auf der Suche waren. Es war ja einfach nur eine Begegnung, als sie mit Johannes an der Straße standen, oder für Nathanael, als er unter dem Feigenbaum saß. Sie hatten nicht konzentriert mit dem Fernglas den Horizont abgesucht, hatten nicht seit Stunden angestrengt ins Weite gestarrt, hatten nicht erwartungsvoll den Blick schweifen lassen. Sie waren am Morgen nicht aufgestanden mit dem festen Entschluss heute zu suchen, bis sie gefunden hätten. Als er sie fragt, "Was sucht ihr?" da wissen sie nicht einmal eine Antwort.
Vielleicht merkst du erst, wenn du ihn siehst, dass du auf der Suche warst, dein ganzes Leben schon, mit einem Verlangen, dass du nicht fassen konntest. Vielleicht begreifst du erst, wenn du ihn anschaust, wie viele andere Lebensmomente wirklich Versuche waren, das zu finden, was deine Suche zum Ende bringst. Aber wenn du ihn siehst und wenn er dich anschaut, genau in diesem Moment, weißt du nicht nur dass du suchst, sondern, dass du gefunden hast. Dass du gefunden bist. Am Ende der Suche.
Dass du gefunden bist: Man kann sich ja fragen, wenn man den Predigttext aufmerksam liest, wer da eigentlich wen sucht. Wer da eigentlich wen gefunden hat. Denn die, die bei Jesus ankommen, die ihn sehen und hängenbleiben und am Ende ihrer Suche sind, die merken staunend, dass er sie schon längst gesehen hat. Dass er der war, der sie suchte und fand und der sie nun in Gottes Namen mit auf seine Reise nimmt. Das ist es nämlich, was er tut -- ganz im Sinn unserer diesjährigen Jahreslosung: "Du bist ein Gott, der mich sieht." In Jesus schaut Gott hinein in diese Welt und er sieht dich und sieht mich und sieht alle. Selbst die, die sonst keiner sieht. Und die, bei denen alle wegschauen. Jesus schaut nicht weg. Er sieht nicht nur Glaubenshelden und Superfromme, moralische Überflieger und Mutter Theresa. Wir fallen ihm auch nicht erst dann auf, wenn wir besonders toll glauben oder entschieden Schritte auf ihn zu machen. Er hat uns längst gesehen. Er sieht uns immernoch. Und wer auf ihn schaut, der weiß: Ich bin gefunden.
Komm und sieh!
Siehe, das ist Gottes Lamm!
Wer ihn gesehen hat, der bleibt. Wer ihn gesehen hat, macht sich mit ihm auf den Weg in eine Zukunft, die -- wie das Zukunft eben so an sich hat -- noch unbekannt ist, aber eine Zukunft, die verspricht, das größte Abenteuer der Geschichte zu werden (vielleicht ist es genau das, was Jesus "Gottes Reich" nennt). Denn der, den du da gesehen hast; der, der dich längst gesehen hat; der, in dem Gott dich gefunden hat -- er ist es selbst, der verspricht: "Du wirst noch Größeres sehen als das."
Und da bleibt dir dann endgültig der Mund offen stehen.
Komm und sieh!
Schau auf ihn. Lass dich von Jesus begeistern und nimm andere mit, ihm nach, denn nur da wo Gott unterwegs ist, lohnt es sich wirklich zu sein.
Komm und sieh!
Siehe, das ist Gottes Lamm.
Amen.

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