Junge Frauen kennen das leidige Thema: Harnwegsinfektionen, umgangssprachlich auch Blasenentzündungen genannt. Darüber spricht Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“.
Das Thema landet schnell beim Urologen oder beim Gynäkologen – muss es aber gar nicht.
Eine Harnwegsinfektion bedeutet, dass Bakterien in die Harnwege gelangen und sich dort vermehren. Sie wird aufgeteilt in die Zystitis, bei der die Entzündung auf die Harnblase beschränkt ist, die Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung) und die Urethritis (Harnröhreninfektion). In über 80% der Fälle sind diese Entzündungen durch E.Coli ausgelöst, also die Keime, die auch im Darm zu finden sind.
Frauen haben anatomisch bedingt ein höheres Risiko, einen Harnwegsinfekt zu erleiden, weil ihre Harnröhre kürzer ist. Ursachen können der Einsatz des Diaphragmas sein, sexuelle Aktivität, Östrogenmangel in der Menopause oder eine Schwangerschaft.
Bei Männern liegen die Gründe oft in Abflussstörungen oder einer Vorhautverengung, welche die Intimhygiene schwieriger macht.
Die männliche Harnröhre ist länger, deshalb sind Infekte seltener – aber wenn sie auftreten, dann sind sie oft schon eine Folgeerkrankung.
Eine erhöhte Gefahr für Harnwegsinfektionen besteht auch bei Immunsuppression (beispielsweise Chemotherapie oder Rheumatherapie), Dehydratation und Adipositas.
Diabetes Mellitus stellt auch eine erhöhte Gefahr dar. Denn dann scheidet man im Urin Zuckermoleküle aus, wodurch das Bakterienwachstum begünstigt wird. SGLT2-Hemmer machen die Therapie nicht einfacher, das Risiko für Pilzinfektionen wächst. Intimhygiene ist dabei besonders wichtig.
Woran erkennt man denn einen Harnwegsinfekt?
Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Unterbauchschmerzen und übelriechender Urin können Symptome sein.
Einen Arzt sollte man konsultieren, wenn man Fieber, Schüttelfrost, blutigen Urin oder Flankenschmerz hat, denn dies ist ein Hinweis auf eine Nierenbeckenentzündung.
Auch Übelkeit, Erbrechen oder wenn der Urin nachlässt (vermehrter Drang, aber keine Entleerung der Blase) sind Symptome für einen Arzt. Bei älteren Menschen kommt hinzu, wenn sie unter Verwirrtheit leiden.
Männer, Schwangere, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes sollten IMMER zum Arzt gehen.
Bei den meisten jungen Frauen helfen zunächst Hausmittelchen:
2-3 Liter am Tag trinken
Wärme (Wärmflasche, warme Sitzbäder)
D-Mannose, das bindet an die E.Coli und verhindert das Anhaften an die Blasenschleimhaut
Cranberries, diese haben vor allem einen Vorbeugungseffekt
Blasen- und Nierentee, wirkt harntreibend und spült den Urin aus
Probiotika, vor allem wenn die Vaginalflora nicht ganz intakt ist
Bärentraubenblätter (nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit) wirken kurzzeitig antibakteriell
Ibuprofen
Bei Risikogruppen oder wenn die Symptome nach 48 bis 72 Stunden nicht verschwunden sind, dann ist ein Antibiotikum sinnvoll.
Hier gibt es Einmalantibiotikum wie Pivmecillinam oder Fosfomycin, Amoxicillin mit Clavulansäure und Cephalosporine, bei rezidivierenden Harnwegsinfekten wird gerne Demanose gegeben.
Wichtig ist es, nicht standardisiert ein Antibiotikum zu geben.
In den meisten Fällen reicht es, mit einer Harnwegsinfektion zum Hausarzt zu gehen. Die Urolog:innen und Gynäkolog:innen machen einen tollen Job, doch wir haben einen Fachärztemangel – deswegen empfiehlt Andrea, dass die Spezialisten die komplexen Fälle behandeln sollten und die Hausärzt:innen die normalen Fälle.
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