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Aus dem ersten Timotheusbrief im Neuen Testament, aus dem vierten Kapitel.
Geliebte Gottes,
Ganz so reich wie bei uns heute war der Tisch nicht gedeckt, an diesem 9. März 1522 am Wyngarten in Zürich. Aber ärmlich ging es trotzdem nicht zu: Christoph Froschauer, ein respektabler Bürger, der es durch den Betrieb einer Druckerpresse zu einer wohlhabenden Position in der Stadt gebracht hatte, hatte einige seiner Freunde zum Vesper eingeladen. Züricher Fasnetsküchle gab es schon vor dem Essen. Und das eigentliche Vesper hatte besonders Leckeres zu bieten: Geräucherte Wurst, scharf gewürzt und ein Jahr abgehangen, in hauchdünne Scheiben geschnitten zum Brot. Ein Leckerbissen. Einer, der nicht ohne Folgen blieb. Durch die "sozialen Medien" seiner Zeit verbreitete sich die Neuigkeit von Froschauers Würsten wie ein Lauffeuer. Hatte er sie seinen Freunden doch am ersten Sonntag der Fastenzeit serviert. Was durchaus als Provokation geplant war, zog seine Kreise. Zwei Wochen später hielt der Stadtprediger Huldrych Zwingli seine Predigt "Von Auswahl und Freiheit der Speisen". Die Schweizer Reformation hatte begonnen.
Alles, was Gott geschaffen hat ist gut.
Für Zwingli war es selbstverständlich, dass man sich Gottes Zuwendung nicht durch das Einhalten irgendwelcher Speisevorschriften verdienen musste--oder überhaupt konnte. Dass das nicht immer so gesehen wurde, davon zeugt schon der biblische Text. In den vorhergehenden Versen ist dort von Menschen die Rede, die davon ausgehen, dass "richtiger" Glaube, "richtige" Nachfolge Jesu Christi, "richtiges" Leben als Christ sich ganz praktisch an so Fragen ablesen lässt, wie das, was man isst, oder eben nicht. Schon der Timotheusbrief widerspricht dem. Zwingli und viele andere haben sich angeschlossen. Da geht es um Freiheit, und Gnade, und vor allem: Um das Beschenktsein von Gott. Wir dürfen uns nämlich wahrnehmen als Menschen, die umgeben sind von der Fülle dessen, was Gott uns in seiner Schöpfung gibt. Die Äpfel auf den Bäumen, die Ähren auf dem Feld, die Tomaten im Garten und alles, was ihr hier sonst heute sehen könnt, ist ja nur ein winziger Bruchteil davon. Wer pausiert, Luft holt, ruhig wird und sich bewusst macht, was uns umgibt, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Von der Kühle der Nacht und dem ersten Sonnenstrahl am Morgen, von den Tautropfen, die im Garten glitzern und dem Regen, der der Natur Wasser gibt. Die Sterne, die uns bei Nacht leuchten, die Bienen, die um uns herumsummen, Schmetterlinge, und leuchtende Blüten: Das alles hat Gott gemacht. Karotten und Zwiebeln, Möhren und Kraut, Zucchini, Kürbis, Paprika, Bohnen, Birnen, Bananen, Kirschen und Zwetschgen. Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren und was weiß ich noch was für Beeren alle. Weizen, Gerste, Roggen und Hafer. Pfirsiche, Mirabellen, Quitten. Und Honig. Ein extravaganter Luxus umgibt uns. Und wir sind Beschenkte: Wir dürfen zugreifen.
Alles, was Gott geschaffen hat ist gut.
Zugreifen. Sich beschenken lassen. Staunen. Grund zum Lob Gottes.
"Gelobt seist du, Herr, mit allen deinen Geschöpfen", singt vor 800 Jahren schon Franz von Assisi. "Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern." "Gelobt seist du" -- "laudato si" auf Italienisch, beginnt sein Sonnengesang, der in einer Neuvertonung zu einem der Kirchen-Hits der letzten Jahrzehnte geworden ist. Heute erstirbt das schmissige Lied vielen auf den Lippen, seit gegen den Verfasser der neuen Melodie umfangreiche Missbrauchsvorwürfe bekannt wurden. Sie bringen einen Missklang in das fröhliche Schwelgen in Gottes guter Schöpfung.
Alles, was Gott geschaffen hat ist gut.
Nicht nur an dieser Stelle wird uns bewusst, dass der Satz so allein nicht stehen bleiben kann. Denn auch wenn das, womit Gott uns beschenkt, wunderbar und gut ist, kommt es wohl doch auf die richtige Haltung, den richtigen Umgang damit an. "Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird", heißt es dazu im Timotheusbrief. Und leider ist die Menschheit Meister darin geworden, Gottes gute Geschenke an vielen Stellen mit den Füßen zu treten. Dabei muss man gar nicht erst an Mord und Missbrauch denken. Auch anderes wiegt da schwer. Die Frage nach Gerechtigkeit zum Beispiel: Nach der Tatsache, dass viele Menschen auf dieser Welt Hunger leiden, während andere im unbegrenzten Luxus leben (und damit meine ich nicht irgendwelche Milliardäre, sondern fast alle Menschen hier in unserem Land.) Wir werfen Essen weg in Hülle und Fülle. Wunderbare Früchte mit ein paar Runzeln kommen gar nicht erst in unsere Läden, weil sie niemand kaufen würde. Wir greifen zum billigsten Angebot und es ist uns egal, wie viel noch bei denen ankommt, die hier gepflanzt und geerntet haben. Wir fahren Gemüse außerhalb der Saison um die halbe Welt, ohne an die Folgen für die Umwelt zu denken. Wir stopfen billigsten Industriefraß aus Fruktose-Glukose-Sirup und Glutamaten in uns hinein, ohne daran zu denken, was das mit uns selbst macht.
Und da sind wir erst beim Essen. Wir reden noch gar nicht davon, was wir sonst mit der Erde, die Gott uns gegeben hat machen. Mit der Schöpfung. Mit unseren Mitgeschöpfen. Mit unseren Mitmenschen. Und letztlich mit dem Schöpfer selbst, den wir mit dem, was wir haben, selten einmal in Verbindung bringen. Wenn, dann meistens dann, wenn uns etwas fehlt.
Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.
Ich würde vorschlagen, einmal Pause zu machen in all dem Wahnsinn. Anzuhalten und sich neu bewusst zu werden, wie sehr wir alle Beschenkte sind. Wie viel Gutes Gott über uns ausschüttet, auch jetzt, in einer Zeit, wo wir so viel von Defizit und Mangel hören. Ich würde vorschlagen, in den nächsten Tagen und Wochen bewusster zu durchdenken, wie wir mit all dem und mit unseren Mit-Beschenkten umgehen. Denken ist da die Devise. In Bezug auf das Essen heißt das schon, über Mengen und Lieferketten, über faire Preise und Bioprodukte, über regionalen und saisonalen Einkauf, über tatsächliche Bedarfe und über meine Mitmenschen nachzudenken. Bewusster damit umzugehen. Mögliche Konsequenzen für mein eigenes Verhalten in Betracht zu ziehen. Wir tun das in dem Wissen, dass niemand von uns allein die Ungerechtigkeiten dieser Welt ändern kann. Aber auch, dass es niemals nichts gibt, das wir tun können. Wir tun das -- das sollte euch nicht überraschen -- mit Hoffnung. Die haben wir ja.
Ich würde euch gerne vorschlagen, hier heute dankbarer rauszugehen, als wir vielleicht reingekommen sind. Aber ich weiß, dass man Dankbarkeit nicht befehlen kann--weder anderen, noch sich selbst. Dankbarkeit ist eine Haltung, die man aber einüben kann. Zum Beispiel, indem man bewusster mit den Dingen umgeht. Zum Beispiel auch, indem man sucht, wo sich das eigene Verhalten ändern könnte. Kleine Schritte, auch mit der Bereitschaft, mal an den eigenen Vorsätzen zu scheitern.
Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.
"Lasst uns den Weg der Gerechtigkeit gehn", heißt es in einem unserer Lieder. Jesus Christus selbst lädt uns immer wieder dazu ein. Auch diese Predigt heute soll eine Einladung sein, vielleicht den nächsten Schritt (und sei es ein kleiner) auf diesem Weg zu tun. Dabei müssen wir aufpassen, dass wir nicht stattdessen auf den "Weg der Selbstgerechtigkeit" geraten. Der biblische Text warnt uns ja gerade vor menschengemachten Gesetzen und Regeln, auch in Bezug auf Essen und Trinken. Er betont unsere Freiheit, Gottes großzügige Geschenke zu genießen. Aus diesem Text kann man eben gerade nicht ablesen, dass jede:r Christ:in Veganer:in sein müsste, dass Christ:innen nur noch bio einkaufen, auf dem Markt oder direkt beim Bauern, mit dem Lastenrad natürlich, und ihre Reste beim Foodsharing mit anderen teilen. Wenn du trotzdem zu dem Schluss kommst, dass eine dieser Verhaltensweisen für dich ein guter Schritt sein könnte, ist das eine tolle Sache. Tu das!
Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.
Es ist an uns, zu überlegen, wie unser Dank aussehen wird. Mit dem Ende des Erntedankgottesdienstes ist er hoffentlich nicht für dieses Jahr abgehakt. Ich habe diese kurzen Sätze aus dem Timotheusbrief heute ganz bewusst aus der Lutherübersetzung gelesen und nicht aus der Basisbibel, wie sonst in den letzten Monaten immer. Die Lutherübersetzung bringt nämlich gut die Doppeldeutigkeit eines der Worte im griechischen Original zum Ausdruck: Wo viele andere Übersetzungen nur von "Dankbarkeit" reden, ist hier von "Danksagung" die Rede. Ich finde das gut. Es geht nämlich am Ende tatsächlich um mehr als nur ein tief im Inneren verborgenes Gefühl der Ergriffenheit über den Reichtum von Gottes Geschenken an uns. Es geht um eine Haltung, die nach außen ihren Ausdruck findet. Dank-sagung. In Wort und Tat. Vielleicht in einem veränderten Verhalten. Ganz sicher aber mindestens in den Worten meines Lobs an Gott:
Höchster, allmächtiger, guter Herr,dein ist das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.Dir allein, Höchster, gebühren sieund kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.
By Christoph FischerAus dem ersten Timotheusbrief im Neuen Testament, aus dem vierten Kapitel.
Geliebte Gottes,
Ganz so reich wie bei uns heute war der Tisch nicht gedeckt, an diesem 9. März 1522 am Wyngarten in Zürich. Aber ärmlich ging es trotzdem nicht zu: Christoph Froschauer, ein respektabler Bürger, der es durch den Betrieb einer Druckerpresse zu einer wohlhabenden Position in der Stadt gebracht hatte, hatte einige seiner Freunde zum Vesper eingeladen. Züricher Fasnetsküchle gab es schon vor dem Essen. Und das eigentliche Vesper hatte besonders Leckeres zu bieten: Geräucherte Wurst, scharf gewürzt und ein Jahr abgehangen, in hauchdünne Scheiben geschnitten zum Brot. Ein Leckerbissen. Einer, der nicht ohne Folgen blieb. Durch die "sozialen Medien" seiner Zeit verbreitete sich die Neuigkeit von Froschauers Würsten wie ein Lauffeuer. Hatte er sie seinen Freunden doch am ersten Sonntag der Fastenzeit serviert. Was durchaus als Provokation geplant war, zog seine Kreise. Zwei Wochen später hielt der Stadtprediger Huldrych Zwingli seine Predigt "Von Auswahl und Freiheit der Speisen". Die Schweizer Reformation hatte begonnen.
Alles, was Gott geschaffen hat ist gut.
Für Zwingli war es selbstverständlich, dass man sich Gottes Zuwendung nicht durch das Einhalten irgendwelcher Speisevorschriften verdienen musste--oder überhaupt konnte. Dass das nicht immer so gesehen wurde, davon zeugt schon der biblische Text. In den vorhergehenden Versen ist dort von Menschen die Rede, die davon ausgehen, dass "richtiger" Glaube, "richtige" Nachfolge Jesu Christi, "richtiges" Leben als Christ sich ganz praktisch an so Fragen ablesen lässt, wie das, was man isst, oder eben nicht. Schon der Timotheusbrief widerspricht dem. Zwingli und viele andere haben sich angeschlossen. Da geht es um Freiheit, und Gnade, und vor allem: Um das Beschenktsein von Gott. Wir dürfen uns nämlich wahrnehmen als Menschen, die umgeben sind von der Fülle dessen, was Gott uns in seiner Schöpfung gibt. Die Äpfel auf den Bäumen, die Ähren auf dem Feld, die Tomaten im Garten und alles, was ihr hier sonst heute sehen könnt, ist ja nur ein winziger Bruchteil davon. Wer pausiert, Luft holt, ruhig wird und sich bewusst macht, was uns umgibt, der kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Von der Kühle der Nacht und dem ersten Sonnenstrahl am Morgen, von den Tautropfen, die im Garten glitzern und dem Regen, der der Natur Wasser gibt. Die Sterne, die uns bei Nacht leuchten, die Bienen, die um uns herumsummen, Schmetterlinge, und leuchtende Blüten: Das alles hat Gott gemacht. Karotten und Zwiebeln, Möhren und Kraut, Zucchini, Kürbis, Paprika, Bohnen, Birnen, Bananen, Kirschen und Zwetschgen. Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren, Heidelbeeren und was weiß ich noch was für Beeren alle. Weizen, Gerste, Roggen und Hafer. Pfirsiche, Mirabellen, Quitten. Und Honig. Ein extravaganter Luxus umgibt uns. Und wir sind Beschenkte: Wir dürfen zugreifen.
Alles, was Gott geschaffen hat ist gut.
Zugreifen. Sich beschenken lassen. Staunen. Grund zum Lob Gottes.
"Gelobt seist du, Herr, mit allen deinen Geschöpfen", singt vor 800 Jahren schon Franz von Assisi. "Gelobt seist du, mein Herr, für unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt, mit bunten Blumen und Kräutern." "Gelobt seist du" -- "laudato si" auf Italienisch, beginnt sein Sonnengesang, der in einer Neuvertonung zu einem der Kirchen-Hits der letzten Jahrzehnte geworden ist. Heute erstirbt das schmissige Lied vielen auf den Lippen, seit gegen den Verfasser der neuen Melodie umfangreiche Missbrauchsvorwürfe bekannt wurden. Sie bringen einen Missklang in das fröhliche Schwelgen in Gottes guter Schöpfung.
Alles, was Gott geschaffen hat ist gut.
Nicht nur an dieser Stelle wird uns bewusst, dass der Satz so allein nicht stehen bleiben kann. Denn auch wenn das, womit Gott uns beschenkt, wunderbar und gut ist, kommt es wohl doch auf die richtige Haltung, den richtigen Umgang damit an. "Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird", heißt es dazu im Timotheusbrief. Und leider ist die Menschheit Meister darin geworden, Gottes gute Geschenke an vielen Stellen mit den Füßen zu treten. Dabei muss man gar nicht erst an Mord und Missbrauch denken. Auch anderes wiegt da schwer. Die Frage nach Gerechtigkeit zum Beispiel: Nach der Tatsache, dass viele Menschen auf dieser Welt Hunger leiden, während andere im unbegrenzten Luxus leben (und damit meine ich nicht irgendwelche Milliardäre, sondern fast alle Menschen hier in unserem Land.) Wir werfen Essen weg in Hülle und Fülle. Wunderbare Früchte mit ein paar Runzeln kommen gar nicht erst in unsere Läden, weil sie niemand kaufen würde. Wir greifen zum billigsten Angebot und es ist uns egal, wie viel noch bei denen ankommt, die hier gepflanzt und geerntet haben. Wir fahren Gemüse außerhalb der Saison um die halbe Welt, ohne an die Folgen für die Umwelt zu denken. Wir stopfen billigsten Industriefraß aus Fruktose-Glukose-Sirup und Glutamaten in uns hinein, ohne daran zu denken, was das mit uns selbst macht.
Und da sind wir erst beim Essen. Wir reden noch gar nicht davon, was wir sonst mit der Erde, die Gott uns gegeben hat machen. Mit der Schöpfung. Mit unseren Mitgeschöpfen. Mit unseren Mitmenschen. Und letztlich mit dem Schöpfer selbst, den wir mit dem, was wir haben, selten einmal in Verbindung bringen. Wenn, dann meistens dann, wenn uns etwas fehlt.
Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.
Ich würde vorschlagen, einmal Pause zu machen in all dem Wahnsinn. Anzuhalten und sich neu bewusst zu werden, wie sehr wir alle Beschenkte sind. Wie viel Gutes Gott über uns ausschüttet, auch jetzt, in einer Zeit, wo wir so viel von Defizit und Mangel hören. Ich würde vorschlagen, in den nächsten Tagen und Wochen bewusster zu durchdenken, wie wir mit all dem und mit unseren Mit-Beschenkten umgehen. Denken ist da die Devise. In Bezug auf das Essen heißt das schon, über Mengen und Lieferketten, über faire Preise und Bioprodukte, über regionalen und saisonalen Einkauf, über tatsächliche Bedarfe und über meine Mitmenschen nachzudenken. Bewusster damit umzugehen. Mögliche Konsequenzen für mein eigenes Verhalten in Betracht zu ziehen. Wir tun das in dem Wissen, dass niemand von uns allein die Ungerechtigkeiten dieser Welt ändern kann. Aber auch, dass es niemals nichts gibt, das wir tun können. Wir tun das -- das sollte euch nicht überraschen -- mit Hoffnung. Die haben wir ja.
Ich würde euch gerne vorschlagen, hier heute dankbarer rauszugehen, als wir vielleicht reingekommen sind. Aber ich weiß, dass man Dankbarkeit nicht befehlen kann--weder anderen, noch sich selbst. Dankbarkeit ist eine Haltung, die man aber einüben kann. Zum Beispiel, indem man bewusster mit den Dingen umgeht. Zum Beispiel auch, indem man sucht, wo sich das eigene Verhalten ändern könnte. Kleine Schritte, auch mit der Bereitschaft, mal an den eigenen Vorsätzen zu scheitern.
Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.
"Lasst uns den Weg der Gerechtigkeit gehn", heißt es in einem unserer Lieder. Jesus Christus selbst lädt uns immer wieder dazu ein. Auch diese Predigt heute soll eine Einladung sein, vielleicht den nächsten Schritt (und sei es ein kleiner) auf diesem Weg zu tun. Dabei müssen wir aufpassen, dass wir nicht stattdessen auf den "Weg der Selbstgerechtigkeit" geraten. Der biblische Text warnt uns ja gerade vor menschengemachten Gesetzen und Regeln, auch in Bezug auf Essen und Trinken. Er betont unsere Freiheit, Gottes großzügige Geschenke zu genießen. Aus diesem Text kann man eben gerade nicht ablesen, dass jede:r Christ:in Veganer:in sein müsste, dass Christ:innen nur noch bio einkaufen, auf dem Markt oder direkt beim Bauern, mit dem Lastenrad natürlich, und ihre Reste beim Foodsharing mit anderen teilen. Wenn du trotzdem zu dem Schluss kommst, dass eine dieser Verhaltensweisen für dich ein guter Schritt sein könnte, ist das eine tolle Sache. Tu das!
Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.
Es ist an uns, zu überlegen, wie unser Dank aussehen wird. Mit dem Ende des Erntedankgottesdienstes ist er hoffentlich nicht für dieses Jahr abgehakt. Ich habe diese kurzen Sätze aus dem Timotheusbrief heute ganz bewusst aus der Lutherübersetzung gelesen und nicht aus der Basisbibel, wie sonst in den letzten Monaten immer. Die Lutherübersetzung bringt nämlich gut die Doppeldeutigkeit eines der Worte im griechischen Original zum Ausdruck: Wo viele andere Übersetzungen nur von "Dankbarkeit" reden, ist hier von "Danksagung" die Rede. Ich finde das gut. Es geht nämlich am Ende tatsächlich um mehr als nur ein tief im Inneren verborgenes Gefühl der Ergriffenheit über den Reichtum von Gottes Geschenken an uns. Es geht um eine Haltung, die nach außen ihren Ausdruck findet. Dank-sagung. In Wort und Tat. Vielleicht in einem veränderten Verhalten. Ganz sicher aber mindestens in den Worten meines Lobs an Gott:
Höchster, allmächtiger, guter Herr,dein ist das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.Dir allein, Höchster, gebühren sieund kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.
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