Wir sind zurück aus der Sommerpause – und starten direkt mit den richtig wichtigen Fragen.
Ein abgesagter Badetag für Schwarze Kinder und Jugendliche in Berlin und die Schüsse auf den 14-jährigen Abdulkadir Ö. in München: Was haben diese beiden Fälle miteinander zu tun? In einer neuen Folge „Lauter Leute“ sprechen Suraj Mailitafi und Sookee über die Verschränkung von Rassismus und Adultismus.
Für den 14. August hatten die Berliner Volksbühne und die Bildungsorganisation EOTO zu einem exklusiven Freibadaufenthalt für Schwarze Kinder und Jugendliche eingeladen – wohlgemerkt für wenige Stunden. Von „Diskriminierung gegen Weiße“ war daraufhin die Rede, Rechte und Konservative empörten sich. Nach zahlreichen Gewaltandrohungen sagten die Verantwortlichen die Aktion schließlich ab.
Nur vier Tage später schoss die Polizei in München auf den 14-jährigen Abdulkadir Ö., der eine Softairpistole in der Hand hielt. In beiden Fällen gerät etwas Entscheidendes aus dem Blick: das junge Alter der Betroffenen. Dass Schwarze Kinder häufig als älter, weniger unschuldig und bedrohlicher wahrgenommen werden, ist kein Zufall. Das Phänomen hat einen Namen: rassistische Adultifizierung.
Suraj und Sookee fragen, was diese Wahrnehmung mit Rassismus zu tun hat, welche Folgen sie für junge Schwarze Menschen haben kann – und warum wir dringend darüber sprechen müssen, wie unsere Gesellschaft mit Kindern umgeht.
Die Folge wurde am 25. August 2026 aufgezeichnet.
Anm. d. Red.: Bei Minute 18 erzählt Sookee von einem Auftritt des Publizisten Henryk M. Broder bei zeit.tv. Gemeint ist allerdings der Nachrichtensender welt.tv des Axel-Springer-Verlags.
Each One Teach One (EOTO) ist eine community-basierte Bildungs- und Empowerment-Organisation. Sie organisiert unter anderem Veranstaltungen von Schwarzen für Schwarze Menschen.
Sookee zitiert zwei US-amerikanische Studien zum sogenannten Adultification Bias: „The Essence of Innocence“ von Phillip Atiba Goff und weiteren Autor*innen sowie „Girlhood Interrupted: The Erasure of Black Girls’ Childhood“ von Rebecca Epstein, Jamilia J. Blake und Thalia González.
Zum Schluss empfiehlt Sookee noch einige Personen und ihre Arbeiten:
ManuEla Ritz gilt als eine der zentralen adultismuskritischen Stimmen im deutschsprachigen Raum. Gemeinsam mit ihrer Tochter Simbi Schwarz hat sie das Buch „Adultismus und kritisches Erwachsensein: Hinter (auf-)geschlossenen Türen“ geschrieben.
Außerdem empfiehlt Sookee die Bücher „Diskriminierung geht uns alle an“ von Josephine Apraku, „Steck mal in meiner Haut!“ von Saskia Hödl, Pia Amofa-Antwi und Emily Claire Völker sowie „Gib mir mal die Hautfarbe“ von Olaolu Fajembola und Tebogo Nimindé-Dundadengar.
Für den Feed gibt es die Kanäle des Musikers und Autors David Mayonga aka Roger Rekless und des Sensitivity Readers Reezy.
Nach der Aufnahme ist Sookee außerdem noch der Begriff „Missing White Woman Syndrome“ eingefallen. Er beschreibt ein mediales Phänomen, bei dem das Verschwinden weißer Frauen und Mädchen überproportional viel Aufmerksamkeit erhält, während vergleichbare Fälle von nicht-weißen Vermissten weniger Beachtung finden. Geprägt hat den Begriff die US-amerikanische Journalistin Gwen Ifill.
Suraj empfiehlt außerdem die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Black Youth in Oldenburg und die Schwarze Kinderbibliothek in Bremen.
Redaktion: Jasper von Römer; Hosts: Sookee, Suraj Mailitafi, Gianni Jovanovic und Luna Möbius; Produktion: Benjamin Jenak; Cover: Annika Keymer; Sprecherin: Karla Schröder
Veto wird anteilig von der GLS Treuhand und der Schöpflin Stiftung gefördert – vor allem aber durch die Crowd finanziert.