Liebe und Realität: Echo von Frida Kahlo (Teil 5 von 12)
Eine silberne Haarnadel mit Türkisstein, gekauft für Cristinas Geburtstag, liegt halb verborgen in den zerknitterten Laken von Diegos Bett. Und Frida Kahlos Hand umklammert sie so fest, dass Blut aufquillt.
Frida trägt einen Tontopf warmes Mittagessen über die Brücke zwischen den Ateliers und findet in Diegos Laken eine Haarnadel, die sie selbst ihrer Schwester geschenkt hat. Die Wut ist kalt, kalt wie die Eisenstange, die ihren Körper mit achtzehn durchbohrte. Sie schleudert das Essen gegen die Wand, Mole spritzt über Diegos Skizzen wie Blut auf einem Ex-Voto. Zurück in ihrem blauen Atelier greift ihre Hand zum Bleistift, bevor der Verstand zustimmt: eine Frau, zwanzigmal erstochen, Augen offen, und darunter die Worte, ein paar kleine Stiche. Die Haarnadel liegt am Ende auf ihrem Arbeitstisch. Sie wirft sie nicht weg, sie vergibt nicht, sie hält beides.
1934. Frida Kahlo ist 27. San Ángel, Mexiko-Stadt.
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