Ein interdisziplinäres künstlerisch-forschendes Projekt zu fotografischen Primärquellen deutsch-französischer Erinnerungskultur
Das Projekt „Verdun 1974“ untersucht anhand fotografischer Primärquellen einen bislang wenig dokumentierten deutsch-französischen Militäraustausch im Raum Verdun während des Kalten Krieges.
Im Zentrum stehen zwei zusammenhängende fotografische Bestände: drei Schwarzweiß-Mittelformat-Negativfilme sowie ein Veteranenalbum mit zusätzlichen Kleinbildabzügen, die den dreiwöchigen Aufenthalt einer Batterie des deutschen 5. Flak-Bataillons beim französischen 54e Régiment d’Artillerie (54 RA) im Mai/Juni 1974 dokumentieren.
Ergänzt wird das Material durch zeitgenössische Pressequellen, darunter ein Bericht des Républicain Lorrain (Verdun-Ausgabe vom 21./22. Mai 1974), der gemeinsame militärische Übungen, offizielle Appelle sowie deutsch-französische Gedenkzeremonien in der Region Verdun beschreibt.
Die Recherche versteht sich nicht als klassische militärhistorische Rekonstruktion, sondern als interdisziplinäre Untersuchung fotografischer, dokumentarischer und erinnerungskultureller Spuren eines historischen Ereignisses, das trotz vorhandener Quellen bislang kaum sichtbar geblieben ist.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Rolle Verduns als europäischem Erinnerungsort sowie der Frage, wie sich Prozesse deutsch-französischer Annäherung bereits vor den später ikonisch gewordenen Begegnungen von Douaumont (1977) und dem Handschlag zwischen François Mitterrand und Helmut Kohl (1984) in fotografischen Archiven und privaten Überlieferungen manifestieren.
Das Projekt bewegt sich an der Schnittstelle von künstlerischer Forschung, Visual History, Archivarbeit und europäischer Erinnerungskultur. Im Mittelpunkt steht dabei die Untersuchung fotografischer Bilder als historische Träger von Erinnerung, Überlieferung und politischer Symbolik.
Die weitere archivalische und historische Auswertung des Materials dauert derzeit an.