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Das 5 Städte Experiment

Mark ist aus dem Pfingsturlaub zurück, ausgeruht und braungebrannt, und er ist ohne Notebook gereist. Geblieben sind ein E-Book-Reader und die Frage, ob so ein Ding beim Digital-Detox überhaupt zählt. Jens steigt mit einem Experiment ein, über das Mark im Urlaub gestolpert war: KI-Agenten besiedeln eigene Städte, sechs Agenten pro Stadt, jede Stadt mit genau einem Modell. Claude regiert ordentlich, hält sich an die Regeln, die Stadt floriert. Grok bringt es auf 183 Verbrechen, und am zweiten Tag lebt dort niemand mehr. Richtig schräg wird es, sobald man die Modelle mischt. Dann kippt das Zusammenleben in Windeseile ins Böse, bis selbst der brave Claude anfängt, Schutzgeld zu erpressen. Dazu passt der Aufruf von Anthropic, das Tempo der Entwicklung zu drosseln, das angekündigte Modell „Mythos" und ein KI-Wurm, der sich zur Verbreitung selbst umschreibt.

Der Hauptteil dreht sich um die Keynotes der letzten Wochen. Bei NVIDIA sagt Jensen Huang, man baue jetzt Hardware für Agenten und nicht mehr für Menschen. Gleichzeitig klettern die Preise für Grafikkarten und Arbeitsspeicher, ein kleiner DGX-Würfel fürs Büro wird gezeigt, und auf einmal sollen KI-Chips zurück auf die heimischen Windows-Rechner. Mark fragt offen, ob hier die nächste Cashcow gemolken wird, den Weg zur lokalen KI findet er trotzdem gut. Wie tief die Speicherknappheit im Alltag steckt, zeigt das Steam Deck: von rund 690 auf 890 Euro. Microsoft lässt Claude-ähnliche Agenten auf Windows und sogar im Enterprise von der Leine, mit Schreib- und Löschrechten, und stellt kuriose Geräte vor, etwa einen intelligenten Badge mit generativer Oberfläche und Project Solara. Nebenbei fallen Zahlen wie OpenAIs 900 Millionen Nutzer, das Gerücht über 900 Millionen Dollar Servermiete von Google bei SpaceX und Perplexity, das vom einstigen „Google-Killer" auf eine Local-First-Strategie samt „Perplexity Computer" umschwenkt. Kurz, aber wichtig: die Font-Injection in PDFs. Was du im Dokument siehst, muss nicht das sein, was die Maschine liest. Bei Verträgen ein gutes Argument gegen blindes Vertrauen.

Dann Apple. Mark, sonst bekennender Fan, nennt die WWDC-Keynote die uninspirierendste, die er je gesehen hat und schämt sich fast für die Leute auf der Bühne. Siri AI und der Personal-Context-Ansatz klingen auf dem Papier gut, holen ihn aber nicht ab, bei aller unbestrittenen Stärke beim Datenschutz. Jens bremst die Wut freundlich aus und bringt Benedict Evans ins Spiel. Dessen These: Wir stecken im Jahr 1997. Die großen Player sind noch nicht gesetzt, die Regeln, wie Bedienung funktioniert, formen sich gerade erst. Ein Second Mover zu sein, ist in so einer Phase keine schlechte Position. Womöglich ist genau das Apples Kalkül.

Der persönlichste Teil wird konkret. Googles neues lokales Modell versteht Bilder und Audio und ersetzt bei beiden nach und nach die lokalen Agenten. Mark beschreibt seinen Wissens-Vault in Obsidian, gefüttert aus Nachrichten, wissenschaftlichen Papern, YouTube und Podcasts, dazu ein selbstgebautes KI-News-Radar, eine Identity-Datei und 19 GB Mails plus 3,9 GB Notizen, verdichtet zu einem Knowledge Tree und über MCP an seine Agenten angebunden, unter anderem an Perplexity und NotebookLM. Wie weit das trägt, zeigt ein Arztbesuch. Beim neuen Hausarzt fehlen die alten Blutwerte, zu Hause liefert der Vault sie in Sekunden, samt korrekter zeitlicher Zuordnung und passender Quelle. Aus dem Gespräch fallen gleich mehrere Folgenideen. Datensouveränität und die Frage, was lokal und was online liegen sollte. KI, Produktivität und ein neuer Druck, der fast in Richtung Sucht geht, am liebsten besprochen mit einem Gast aus dem Gesundheitsbereich. Voice als das Interface der Zukunft, samt Marks Jarvis-Wunsch und Stimmungserkennung. Das absehbare Ende von Word, Excel und PowerPoint zugunsten von Text- und Knowledge-Dateien, in denen der Inhalt zählt und nicht die Formatierung. Und der Gedanke, dass sich KI vom einzelnen Gerät löst, vom Display am Kühlschrank über das Auto bis zum smarten Ring.

Zum Schluss eine Pointe, die hängen bleibt. Mark vergleicht den heutigen Stand mit MS-DOS, kurz bevor die grafische Oberfläche kam. Und dann der Gedanke: Sind ausgerechnet wir, mit unserem heutigen KI-Wissen, in zwanzig Jahren die COBOL-Programmierer dieser Ära? Die alten Hasen, die man holt, weil niemand sonst mehr weiß, wie OpenClaw lief. Bei zwei Jahren Halbwertszeit gar kein abwegiger Gedanke. Feedback ist erwünscht, besonders aus dem Gesundheits- und Verhaltensbereich. Und Gäste? Stehen schon wieder Schlange.

In der Folge erwähnt und gern zu verlinken: die Studie zum Städte-Experiment, der Beitrag von Benedict Evans, das Anthropic-Statement zur Verlangsamung sowie Marks KI-News-Dashboard und seine Identity-Datei auf GitHub und LinkedIn.

Links zur Folge:

  • https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=BD3vLtWhT5A
  • https://de.root-nation.com/en/articles-en/analytics-en/en-emergence-ai-experiment-all-about/
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    Think Different. Think AI.By Jens Scharnetzki und Mark Zimmermann