Ich seh noch dein Lächeln im Flur an der Wand,
die Fotos von früher, dein Lachen in Farbe.
Du warst noch da, hast gekocht und gewaschen,
doch wenn ich dich ansah, war niemand zu Haus.
Ich war sechzehn, siebzehn, hab Türen geknallt,
hast leise geklopft – ich hab dich nicht reingelassen.
Du hast mir verziehen, bevor ich was sagte,
und ich hab gedacht: Zeit haben wir ja noch massen.
Du hast mir die Welt in den Kühlschrank gestellt,
immer ein Teller, auch wenn ich nie kam.
Ich hab’s nicht gesehen, wie du langsam verglüht bist,
wie das Licht in dir flackerte und dann ausging, ganz sacht.
Mama, du warst schon weg, lange bevor der Arzt das Wort sagte,
lange bevor dein Körper vergaß, wie man atmet.
Ich hab dich verloren in all den Jahren dazwischen,
in Schweigen und Stolz und „später, vielleicht“.
Jetzt steh ich am Grab und ich ruf dich beim Namen,
doch der Wind trägt ihn fort, und ich bleib allein.
Es tut mir leid, Mama…
du warst schon weg, und ich hab’s nicht bemerkt.
Du hast meine Kinder noch kurz in den Arm genommen,
und wusstest nicht mehr, dass sie von mir sind.
Ich hab dir die Hand gehalten, du hast sie nicht gedrückt,
dein Blick war so leer wie die Jahre davor.
Ich wollt dir noch sagen, wie dankbar ich bin,
für jedes „Iss was“ und jedes „Pass auf dich auf“.
Doch deine Augen waren schon irgendwo anders,
und meine Worte kamen viel zu spät an.
Mama, du warst schon weg, lange bevor der Arzt das Wort sagte,
lange bevor dein Körper vergaß, wie man atmet.
Ich hab dich verloren in all den Jahren dazwischen,
in Schweigen und Stolz und „später, vielleicht“.
Jetzt steh ich am Grab und ich ruf dich beim Namen,
doch der Wind trägt ihn fort, und ich bleib allein.
Es tut mir leid, Mama…
du warst schon weg, und ich hab’s nicht bemerkt.
Ich würd alles geben für einen Tag,
wo du noch die Alte bist, laut und stark.
Wo du schimpfst, weil ich wieder zu spät komm,
und ich dich anschreie – Hauptsache du antwortest.
Ich würd dir zuhören, wirklich zuhören,
jedes „Weißt du noch“ und jedes „Mein Junge“.
Aber die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen,
und Entschuldigung bringt keinen Menschen zurück.
Mama, du warst schon weg…
lange bevor dein Herz aufgehört hat zu schlagen.
Ich hab dich zweimal verloren,
einmal leise, einmal für immer.
Jetzt trag ich dein Foto ganz nah bei mir,
und flüster jeden Abend dasselbe ins Dunkel:
Es tut mir leid, Mama…
ich wollt dich nur endlich mal richtig sehen.
Ich seh dich jetzt.
Zu spät.
Mama…
du warst schon weg.