Folge 98. Also zurück ins Jahr 1998.
Britney Spears taucht auf, Buffalo Plateauschuhe werden plötzlich gesellschaftsfähig, das Nokia 5110 wird zum Telefon der Stunde und eine SMS ist noch so teuer, dass man sich vor dem Absenden tatsächlich überlegen muss, was man sagen möchte.
Google wird gegründet, aber kaum jemand weiß, wofür man das eigentlich brauchen soll.
Der Audi TT erscheint. Der Smart auch. Ford bringt den Focus, Opel den Astra G und Deutschland erlebt einen politischen und automobilen Generationenwechsel: Helmut Kohl geht, Gerhard Schröder kommt. Der W140 verlässt die Bühne und plötzlich fährt der Kanzler Audi A8.
1998 fühlte sich ohnehin nach Veränderung an.
Sascha macht seinen Führerschein und erlebt einen dieser Momente, die man offenbar auch nach fast 30 Jahren noch exakt im Kopf hat. Ein kleiner Fehler bei Gelb, der Prüfer könnte ihn durchfallen lassen und entscheidet sich stattdessen für Menschlichkeit.
Bestanden.
Und plötzlich gehört die Welt dir.
Auto nehmen. Fenster runter. Musik an. Einfach losfahren. Ohne Standortfreigabe, ohne WhatsApp und ohne dass nach drei Minuten jemand fragt, wo man eigentlich bleibt.
Man fuhr einfach durch den Ort, schaute, wer irgendwo herumstand, hielt an der Tankstelle und hoffte, zufällig jemanden zu treffen.
So funktionierte Social Media damals.
Hannes erinnert sich derweil an seinen ersten Golf und eine Zeit, in der man mit selbst gedruckten Clubaufklebern, Riffelblech aus dem Baumarkt und einem Schaltsack aus einem Opel Tigra das Gefühl hatte, gerade Rennsportgeschichte zu schreiben.
Dann kommen wir zur Gegenwart und zu Saschas neuestem Ärgernis: privaten Parkplatzwächtern, die offenbar hinter Bäumen darauf warten, dass jemand drei Minuten ohne Parkscheibe zur Post geht.
40 Euro später entsteht spontan die Idee für eine neue Rubrik:
Frag den Hortanwalt.
Nebenbei sprechen wir über Auto Influencer, Einladungen, Meinung und die Frage, wie glaubwürdig zehn Videos über dasselbe Auto eigentlich noch sind, wenn alle zehn Leute exakt dasselbe daran großartig finden.
Und dann kommt Hannes' Auto der Woche.
Oder besser gesagt: seine dritte Steilheck Eskalation.
Ein Polo 86C. Jadegrün. Schiebedach. 500 Euro. Standort Bochum. Entfernung nach Leipzig: ungefähr 500 Kilometer.
Der Verkäufer versichert: Er läuft.
Was er nicht erwähnt: Er hat am Vorabend bei minus 12 Grad noch schnell normales Wasser bis oben in den Kühlmittelbehälter gekippt.
Das Kühlsystem ist einfach komplett eingefroren.
Jeder vernünftige Mensch hätte spätestens jetzt gesagt: Vielen Dank, schönen Tag noch.
Hannes sagt:
Die Karre kommt mit.
Irgendwann läuft der Polo tatsächlich.
Mehr oder weniger.
Er schafft 80. Bergauf 60. Die Heizung funktioniert nicht. Die Batterie lädt offenbar nicht und Hannes fährt in Winterjacke und Mütze Richtung Leipzig, während seine Freunde im warmen Skoda hinterherfahren.
Zwischendurch Halt bei Big Boost Burger.
Natürlich springt der Polo danach wieder nicht an.
Weitere 300 Kilometer später folgt schließlich die Erkenntnis:
Die Batterie war völlig in Ordnung.
Die Pole waren einfach nicht festgeschraubt.
Festziehen.
Motor an.
Heizung an.
Polo fährt.
Manchmal liegen zwischen einem kompletten Desaster und einem funktionierenden Auto zwei lose Schrauben.
Am Ende bekommt auch dieser Polo sein Happy End. Er wird gepflegt, technisch wieder auf die Beine gestellt und landet schließlich bei Hannes' Freund Tim, der ihn bis heute fährt.
Damit ist die Steilheck Trilogie abgeschlossen.
Vorerst.
Denn natürlich gibt es noch einen vierten.
Dazu gibt es 1998, Tamagotchis, Furby, erste Führerscheine, Audi TT, Smart, Titanic, Modern Talking, Falco, Big Lebowski, Onkelz, Parkplatztickets, Fasten Hannes und ziemlich viel von dem Zeug, das damals vollkommen normal war und heute wie eine andere Welt wirkt.
Eine Stunde Maschinenhort zwischen Nokia 5110, Riffelblech Tuning und minus 12 Grad im Polo.
Viel Spaß beim Hören.