“Mein VAU-EFF-ELL!”
Bis der Ball wieder rollt, wird aus dem Buch “Mein VAU-EFF-ELL” jeden Samstag um 13.00 Uhr bis zum Wiederanpfiff eine Geschichte in der HASEPOST erscheinen, verbunden mit einer vom jeweiligen Autor vorgetragenen Podcast-Lesung.
“Mein VAU-EFF-ELL!” ist bei Bücher Wenner in Osnabrück für nur 10,00 € als Sonderdruck erhältlich.
Hier zu allen bereits online erschienenen Folgen, inklusive Podcast.
Kalla Wefel - Meine lila-weiß durchtränkte Kindheit
Vorwort
Udo Lattek war der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer aller Zeiten. Er hat Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß, Jupp Heynkes, Gerd Müller, Paul Breitner, Lothar Matthäus, Diego Maradona und mich trainiert.
Ich weiß nicht, ob er bei den Kollegen noch Schulden hat. Mir gegenüber hat er über seinen Tod hinaus seine Schulden nie beglichen.
Noch ein Vorwort
Im Jahr 1963 wetteiferten die Beatles und Schnulzensänger Freddy Quinn um die Gunst der deutschen Radiohörer. Deutschland war erst einmal Weltmeister und die Bayern nur einmal Deutscher Meister geworden. Die Bundesliga befand sich im Gründungsjahr. Das Match Beatles gegen Freddy endete mit einem in der Geschichte unvergleichlichen Kantersieg der Liverpooler.
Die Zeiten, die Musik und der Fußball waren hart und im raschen Wandel begriffen.
Jetzt geht's los ...
Zu meinem 12. Geburtstag bekam ich Fußballschuhe und Samba-Treter geschenkt. „Die Fußballschuhe sind von uns, die Samba Schuhe von Onkel Friedel“, klärte mich mein Vater auf und fügte augenzwinkernd hinzu: „Natürlich hat er dabei einen Hintergedanken gehabt.“
„Hä, wie meinst du das, Papa?“
„Das will er dir erst morgen selbst verraten. Du brauchst die Schuhe jedenfalls für die Halle, mehr weiß ich auch nicht. Du sollst morgen Nachmittag zu ihm unten ins Büro kommen, bevor du zu Frieder hoch gehst.“
„Klingt ja spannend. Du weißt doch ganz bestimmt, worum es geht, oder? Du veräppelst mich doch nur schon wieder …“
„Keine Ahnung“, log mein Vater grinsend und winkte ab. Nachhaken hatte nun keinen Sinn mehr, das wusste ich, denn dazu kannte ich ihn seit meiner Geburt zu gut.
In der Schule wurde ich mit großem Hallo begrüßt. Von den Beatles hatte außer mir noch nie jemand etwas gehört, aber die Samba Schuhe von Adidas waren zumindest Claus und Harald ein Begriff und wurden entsprechend gewürdigt: „Arschteuer die Dinger, aber der dicke Schwarze hat’s ja!“
Mit ‚der dicke Schwarze‘ war natürlich Friedel Schwarze gemeint, der, seitdem ich sprechen konnte, mein Nennonkel Friedel und der beste Freund meines Vaters war.
Er war damals der Präsident des VfL Osnabrück und wurde aufgrund seiner Leibesfülle oft nur ‚der Dicke‘ oder aber eben in Abgrenzung zum Dicken aus Hamburg, nämlich Uwe Seeler, der dicke Schwarze genannt.
Mein Vater war Mannschaftsarzt und saß über all die Jahrzehnte auch häufig im Vorstand des Vereins. Natürlich alles ehrenamtlich. Von Freunden wurde er immer nur kurz und knapp ‚Karl‘ und von den VfL-Spielern meistens ‚Doc‘ genannt.
Tante Hilde und Onkel Friedel hatten einen Sohn namens Frieder, mit dem ich mich hin und wieder zum Spielen in der Großen Gildewart 11 verabredete. Tante Hilde war eine Seele von Mensch und verwöhnte uns Kinder nach Strich und Faden. Pünktlich um 15.30 Uhr gab es Kuchen und Blümchenkaffee und manchmal kam zu diesem Anlass auch Onkel Friedel von unten kurz hoch.
Das Gartenhaus in der Großen Gildewart 11 war gleichzeitig die Geschäf...