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🧬 Morbus Wilson auf einen Blick
Seltene, autosomal-rezessive Störung des Kupferstoffwechsels durch Mutationen im ATP7B-Gen. Entscheidend: behandelbar – aber nur, wenn früh daran gedacht wird.
👀 Wann daran denken?
Morbus Wilson immer mitdenken bei:
• jungen Patientinnen und Patienten mit unklar erhöhter Transaminase
• unklarer Hepatitis, Zirrhose oder akutem Leberversagen
• extrapyramidalen Bewegungsstörungen vor dem 45. Lebensjahr
• Tremor, Dysarthrie, Dystonie, Ataxie oder Dysphagie
• psychiatrischen Auffälligkeiten plus Leberwertveränderungen oder neurologischen Symptomen
🔬 Pathophysiologie
Gestörte biliäre Kupferausscheidung und verminderter Einbau in Coeruloplasmin führen zu Anstieg von freiem Kupfer. Ablagerung v. a. in:
• Leber
• Hornhaut
• ZNS, besonders Basalganglien
• Erythrozyten
• weiteren Organen
➡️ Multisystemerkrankung mit oft unscharfem klinischem Bild
🫀 Klinik
Hepatisch:
• asymptomatische Transaminasenerhöhung
• Hepatomegalie, Splenomegalie, Fettleber
• akute, chronische oder fulminante Hepatitis
• Leberzirrhose
• Ikterus, Aszites, Pruritus
• hepatische Enzephalopathie, Asterixis
Neurologisch:
• akinetisch-rigides Parkinson-Syndrom
• Tremor
• Chorea, Dystonien
• Dysarthrie, Dysphagie
• Ataxie, Nystagmus
• Feinmotorik- und Gangstörungen
Psychiatrisch:
• Reizbarkeit, Impulsivität, affektive Labilität
• Depression, Psychose
• kognitive Defizite bis Demenz
👁️ Typische Befunde
• Kayser-Fleischer-Kornealring: stark hinweisend, aber nicht obligat
• selten Sonnenblumenkatarakt
🧪 Diagnostik
Die Diagnose ergibt sich aus der Gesamtkonstellation, nicht aus einem Einzelwert.
Wichtige Bausteine:
• Anamnese inkl. Familienanamnese
• klinische Untersuchung
• Spaltlampenuntersuchung
• Leberwerte, Gerinnung, Albumin, Blutbild, Kreatinin
• Serum-Coeruloplasmin: oft erniedrigt, aber nicht beweisend
• 24-Stunden-Urin-Kupfer: bei Erwachsenen >100 µg/24 h pathologisch
• relatives austauschbares Kupfer (REC): >15 % pathologisch, >18,5 % stark verdächtig
• Molekulargenetik: ATP7B
• cMRT bei neurologischer Symptomatik
• Sonographie Abdomen
• ggf. Leberbiopsie mit hepatischer Kupferbestimmung
⚠️ Wichtige Stolpersteine
• Coeruloplasmin kann trotz Wilson normal sein
• falsch gesammelter 24-Stunden-Urin verfälscht Ergebnisse
• fehlender Kayser-Fleischer-Ring schließt die Diagnose nicht aus
💊 Therapie
Drei Säulen:
• kupferarme Ernährung
• medikamentöse Therapie
• Lebertransplantation im Extremfall
Chelattherapie:
• D-Penicillamin: wirksam, aber nebenwirkungsreich
• langsam einschleichend über Monate, um neurologische Verschlechterung zu vermeiden
• Pyridoxin-Substitution beachten
• Trientine als Alternative, oft besser verträglich
Zink:
• vermindert intestinale Kupferresorption
• besonders bei asymptomatischen Verläufen, Schwangerschaft, Erhaltungstherapie
Ernährung:
• kupferreiche Lebensmittel meiden: Innereien, Schalentiere, Nüsse, Kakao, Schokolade, Pilze, manche Trockenfrüchte
• auf kupferhaltiges Trinkwasser achten
🔄 Monitoring
Regelmäßig kontrollieren:
• Klinik und Adhärenz
• Blutbild
• Leberwerte
• Nierenfunktion
• Urinstatus
• Kupferstoffwechselparameter, v. a. 24-Stunden-Urin-Kupfer
Therapie ist lebenslang. Absetzen kann zu schwerer Verschlechterung führen.
🚨 Take-home
• Junge Menschen mit Leber + Neuro/Psyche: immer an Morbus Wilson denken
• Nie auf einen Einzelwert verlassen
• Früh behandeln, konsequent kontrollieren
• Selten, aber hochrelevant – weil behandelbar
By DocYouUp🧬 Morbus Wilson auf einen Blick
Seltene, autosomal-rezessive Störung des Kupferstoffwechsels durch Mutationen im ATP7B-Gen. Entscheidend: behandelbar – aber nur, wenn früh daran gedacht wird.
👀 Wann daran denken?
Morbus Wilson immer mitdenken bei:
• jungen Patientinnen und Patienten mit unklar erhöhter Transaminase
• unklarer Hepatitis, Zirrhose oder akutem Leberversagen
• extrapyramidalen Bewegungsstörungen vor dem 45. Lebensjahr
• Tremor, Dysarthrie, Dystonie, Ataxie oder Dysphagie
• psychiatrischen Auffälligkeiten plus Leberwertveränderungen oder neurologischen Symptomen
🔬 Pathophysiologie
Gestörte biliäre Kupferausscheidung und verminderter Einbau in Coeruloplasmin führen zu Anstieg von freiem Kupfer. Ablagerung v. a. in:
• Leber
• Hornhaut
• ZNS, besonders Basalganglien
• Erythrozyten
• weiteren Organen
➡️ Multisystemerkrankung mit oft unscharfem klinischem Bild
🫀 Klinik
Hepatisch:
• asymptomatische Transaminasenerhöhung
• Hepatomegalie, Splenomegalie, Fettleber
• akute, chronische oder fulminante Hepatitis
• Leberzirrhose
• Ikterus, Aszites, Pruritus
• hepatische Enzephalopathie, Asterixis
Neurologisch:
• akinetisch-rigides Parkinson-Syndrom
• Tremor
• Chorea, Dystonien
• Dysarthrie, Dysphagie
• Ataxie, Nystagmus
• Feinmotorik- und Gangstörungen
Psychiatrisch:
• Reizbarkeit, Impulsivität, affektive Labilität
• Depression, Psychose
• kognitive Defizite bis Demenz
👁️ Typische Befunde
• Kayser-Fleischer-Kornealring: stark hinweisend, aber nicht obligat
• selten Sonnenblumenkatarakt
🧪 Diagnostik
Die Diagnose ergibt sich aus der Gesamtkonstellation, nicht aus einem Einzelwert.
Wichtige Bausteine:
• Anamnese inkl. Familienanamnese
• klinische Untersuchung
• Spaltlampenuntersuchung
• Leberwerte, Gerinnung, Albumin, Blutbild, Kreatinin
• Serum-Coeruloplasmin: oft erniedrigt, aber nicht beweisend
• 24-Stunden-Urin-Kupfer: bei Erwachsenen >100 µg/24 h pathologisch
• relatives austauschbares Kupfer (REC): >15 % pathologisch, >18,5 % stark verdächtig
• Molekulargenetik: ATP7B
• cMRT bei neurologischer Symptomatik
• Sonographie Abdomen
• ggf. Leberbiopsie mit hepatischer Kupferbestimmung
⚠️ Wichtige Stolpersteine
• Coeruloplasmin kann trotz Wilson normal sein
• falsch gesammelter 24-Stunden-Urin verfälscht Ergebnisse
• fehlender Kayser-Fleischer-Ring schließt die Diagnose nicht aus
💊 Therapie
Drei Säulen:
• kupferarme Ernährung
• medikamentöse Therapie
• Lebertransplantation im Extremfall
Chelattherapie:
• D-Penicillamin: wirksam, aber nebenwirkungsreich
• langsam einschleichend über Monate, um neurologische Verschlechterung zu vermeiden
• Pyridoxin-Substitution beachten
• Trientine als Alternative, oft besser verträglich
Zink:
• vermindert intestinale Kupferresorption
• besonders bei asymptomatischen Verläufen, Schwangerschaft, Erhaltungstherapie
Ernährung:
• kupferreiche Lebensmittel meiden: Innereien, Schalentiere, Nüsse, Kakao, Schokolade, Pilze, manche Trockenfrüchte
• auf kupferhaltiges Trinkwasser achten
🔄 Monitoring
Regelmäßig kontrollieren:
• Klinik und Adhärenz
• Blutbild
• Leberwerte
• Nierenfunktion
• Urinstatus
• Kupferstoffwechselparameter, v. a. 24-Stunden-Urin-Kupfer
Therapie ist lebenslang. Absetzen kann zu schwerer Verschlechterung führen.
🚨 Take-home
• Junge Menschen mit Leber + Neuro/Psyche: immer an Morbus Wilson denken
• Nie auf einen Einzelwert verlassen
• Früh behandeln, konsequent kontrollieren
• Selten, aber hochrelevant – weil behandelbar