Morgenimpuls

Morgenimpuls

By DOMRADIO.DEReligion & Spirituality
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Morgenimpuls episodes

  • Gegen den Strom / Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    In vielen Hallen- und Freibädern gibt es so Strömungskanäle. Da wird aus seitlichen Düsen in der Wand, Wasser unter hohem Druck in den Kanal gepresst und es entsteht eine starke, wilde Strömung. Ich liebe dieses Spiel mit den starken Strömungen und lasse mich gern umherwirbeln und immer wieder in diese Kreiselbahn drücken. Aber hast Du schon mal probiert, in so einem wilden Wirbel gegen die Strömung zu schwimmen? Ich habe es im letzten Urlaub mehrfach probiert, aber es ist mir einfach nicht gelungen. Es hat mich von den Beinen geholt und ich kam auch unter Wasser oder dicht an der Wand entlang nicht dagegen an.
    Meine Mitschwimmer waren ob meiner Experimente ein bisschen verwundert, aber das hat mich nicht gestört. Ich wollte es probieren. Mitschwimmen im allgemeinen Strudel ist ja meistens nicht das Problem, wenn alle in dieselbe Richtung gedrückt sind und es problemlos mit sich machen lassen. Mitschwimmen im allgemeinen Alltagsleben auch nicht. Wenn alle alles in gleicherweise tun, fällt man nicht auf und eckt nicht an.
    Aber Christen haben da eigentlich von Natur aus von ihrem Gründer her keine Chance, mit allen alles gleich zu tun. Jesus war schon nicht Mainstream, nicht der, der im Hauptstrom mitgeschwommen wäre. Er ist angeeckt, hat die Schriften des Alten Bundes anders ausgelegt, hat von seinem barmherzigen Vater erzählt, hat nicht die Erfüllung von hunderten Geboten und Gesetzen verlangt, sondern das Hauptgebot der Liebe betont, das eigentlich schon immer das erste und wichtigste war.
    Ein Lied, das ich sehr mag, erinnert mich immer daran: Da heißt es: "Gott ist nur Liebe, wagt für die Liebe alles zu geben, Gott ist nur Liebe, gebt euch ohne Furcht." Das klingt nicht nach Friede, Freude, Eierkuchen, sondern nach Wagnis und Einsatz und Hingabe an das, was mir wichtig ist im Glauben und im Leben.
    Und eine Dame, hat nach meinen Gegenstromversuchen im Schwimmbad gemeint: "Ja, gegen den Strom zu schwimmen ist nicht leicht, aber es ist immer jeden Versuch wert." – Sie hatte mich und meine Versuche durchschaut. Das hat mit gefallen.
    67 hr 47 min
  • Glauben ist eine Gnade, die man nicht erzwingen kann / Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Am vergangenen Sonntag im Gottesdienst hat der Priester in der Predigt einen Schlussgedanken formuliert, der mir sehr gefallen hat. Also habe ich ein bisschen recherchiert und nachgeforscht und den Hintergrund gefunden. In einem Buch über das Charakterbild des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer wird davon erzählt, dass der weltberühmte Baptistenprediger und Evangelist Billy Graham bei Adenauer zu Besuch war.
    Graham war in den fünfziger und sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts weltberühmt. Er füllte große Kirchen, Säle und ganze Stadien, wenn er kam, um zu predigen und den Menschen Gottes Wort zu erklären.
    Die beiden haben sich ausführlich und gut unterhalten und Adenauer war beeindruckt davon, dass Billy Graham auf alle Fragen des Glaubens eine fundierte Antwort hatte und in allem sicher Auskunft geben konnte. Aber zum Ende des Gesprächs kommt diese kurze Bemerkung Adenauers, der ein gläubiger Katholik ist. Er sagt zu Billy Graham: "Ich freue mich über alle, die Menschen zu Gott führen, aber nehmen sie mir bitte eine Bemerkung nicht übel: Wenn ich sehe, wie sicher Sie im Glauben sind, bin ich froh, dass ich katholisch bin. Wissen Sie, als Katholik muss man nicht so sicher sein: Da genügt es, wenn man den aufrichtigen Wunsch hat glauben zu können. Glauben ist eine Gnade, die man nicht erzwingen kann."
    "Isset nit härrlich", würde jetzt ein Kölner sagen und damit sein Gefallen ausdrücken. In den Texten der Bibel findet man dazu viele verschiedene Aussagen. "Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin", heißt es da oder auch: "Meine Gnade genügt Dir, denn meine Kraft wird in den Schwachen vollkommen." Es ist eine sehr befreiende Kraft im Alltag und eine Stärkung im täglichen Leben. Das Wissen um die Gnade Gottes befreit uns davon, uns immer wieder vor Gott und den Menschen beweisen zu müssen.
    Also kommt das Wort in den Tag für Dich heute von Konrad Adenauer: "Wissen sie, als Katholik muss man nicht so sicher sein: Da genügt es, wenn man den aufrichtigen Wunsch hat glauben zu können. Glauben ist eine Gnade, die man nicht erzwingen kann." – Sehr tröstlich.
    65 hr 34 min
  • Im Spiel Jesus verherrlicht / Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Ein kleiner Spielerkreis am Rande des Spielfelds, einige aus Curacao und zwei Deutsche. Der Reporter fragt Felix Nmecha, ob er sagen könne, was da war. Und der Spieler erklärt es freundlich und einfach: "Im Spiel sind wir Gegner aber sonst sind wir Christen und Brüder. Und wir haben mit diesem Spiel Jesus verherrlicht und ein kurzes Gebet gesprochen."
    Das ist ja mal eine Aussage die mich beeindruckt hat! "Und wir haben mit diesem Spiel Jesus verherrlicht." Er hat ganz einfach gesagt, was Christsein ausmacht: in allem was ich tue Gott verherrlichen. Und da ist es ganz gleich, ob ich den Haushalt mache, mich um die Kinder und Angehörige kümmere, ob ich meiner täglichen Arbeit nachgehe, Zeitung lese, im Netz scrolle, mich mit Freunden treffe, ob ich liebe, leide, mich freue oder traurig bin.
    Von manchen Großen früherer Tage in der Kirche kennen wir solche Worte auch. Teresa von Ávila sagt unter anderem: Gott findest Du auch zwischen den Kochtöpfen. Oder Ignatius von Loyola merkt an: Alles zur größeren Ehre Gottes. Wenn ich das in meinen Alltag hineinkriege, dann habe ich gewonnen: an Vertrauen, an Trost, an Gewissheit. Und es haben beim Gebet nach dem Spiel auch die mitgebetet, die eins zu sieben verloren haben. Also auch in Niederlagen, Blamagen, Traurigkeiten oder sogar Verzweiflung gilt es, in allem Gott zu verherrlichen.
    Na klar hat mir der Sieg der deutschen Mannschaft gefallen und die Angst vor dem frühen Ausscheiden etwas nach hinten verbannt. Aber diese schönen Worte aus dem Mund eines Spielers beflügeln mich und tun mir gut und helfen mir, daran zu denken, was auch ein Motto unserer Gemeinschaft ist: vor Gott und für die Menschen. Dafür musst Du nicht im Kloster leben oder bei der Kirche angestellt sein. Ganz einfach Christ sein und Jesus verherrlichen geht für jeden und immer. Heute auch.
    61 hr 24 min
  • Haben wir eine stabile Verbindung zu Gott? / Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Eigentlich war alles ganz einfach am Donnerstag. Weil unser Internet plötzlich schwach und das Telefon immer nur schlecht funktioniert hat, gab es eine neue Fritzbox mit der Anleitung zum Aufbau und die Installation ist ja nicht so schwierig. Aber das war es wohl doch. Nach einigem Hin und Her und vielen Versuchen funktionierte plötzlich gar nichts mehr. Kein Fernseher für den geliebten Fußball, kein Telefon und so weiter. Erst war ich ein bisschen ärgerlich, weil ich dachte, wenn das jemand übernimmt und glaubt, es zu können, dann sollte das auch gehen. Aber dann haben wir gelacht und gemerkt, dass es auch ohne Internet im Haus geht. Vorläufig. Bis es dann am nächsten Morgen repariert worden ist. 
    Für viele Menschen ist das Internet mittlerweile so extrem wichtig, dass es Krisen und Katastrophen gibt, wenn es mal ausfällt. An dieser Stelle fällt mir dann die Geschichte mit dem Spinnennetz ein. Die Spinne hatte ihr wunderschönes Netz gewoben, Runde um Runde gesponnen und gut verklebt. Von den Fliegen, die sich darin verfangen haben, konnte sie gut leben. 
    Aber eines Tages fiel ihr der Faden nach oben auf, an dem sie das Netz vor langer Zeit aufgehangen hatte, von dem sie aber jetzt nicht mehr wusste, wofür er da sein sollte. Also hat sie den Faden durchgebissen und das Netz schlägt über ihr zusammen und stürzt ab. Geht bei mir alles den Bach runter, wenn das Internet nicht geht oder habe ich sogar vergessen, wozu die Verbindung nach viel weiter oben, als zur Cloud, funktioniert?Meine Verbindung zu dem, der alles menschliche Denken, Fühlen und Verstehen übersteigt, der mein Lebensgrund und meine Hoffnung ist und den wir Gott nennen, muss ebenso gepflegt und aufrechterhalten werden wie die Internetverbindung und der Faden der Spinne - als Beispiel. Zeit zum Beten, Zeit zum Lesen in der Bibel, Zeit zum Sein vor Gott stärkt die Verbindung und lässt sie nicht schwach werden oder sogar reißen. Und selbst wenn das passiert, kann ich immer neu anfangen, diese Verbindung wieder herzustellen. 
    68 hr 20 min
  • Die kleinen Auferstehungen in unserem Leben / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac
    Nächste Woche starten bei uns die ersten Abschlussfeiern. Ein wunderschöner Tag. Die Absolventinnen und Absolventen tragen schicke Anzüge oder schöne Kleider. Aufwendige Frisuren. Und das Schönste, was alle tragen, sind ihre Gesichter. 
    Da ist so viel zu sehen: Freude. Erleichterung. Ausgelassenheit. 
    Und gleichzeitig ist da auch etwas anderes. Vielleicht Enttäuschung über eine Note. Vielleicht Tränen, die irgendwann kommen. Weil dieser Tag eben auch Abschied bedeutet. 
    Für mich steckt genau darin etwas ganz Besonderes: Dass beides gleichzeitig da sein darf. 
    Das Ende. Und der Anfang. Das, was geschafft ist. Und das, was noch kommt. 
    Und ich glaube: Gott ist genau in diesem Dazwischen. 
    Wie jemand, der seine Hand auf meine Schulter legt und leise sagt: „Es geht zu Ende – und es geht weiter.“ „Du hast es geschafft – und dein Weg geht weiter.“ 
    Gott geht mit. Nicht nur am Anfang. Nicht nur am Ziel. 
    Sondern genau in diesen Momenten dazwischen. 
    Vielleicht sind das die kleinen Auferstehungen in unserem Leben. Wenn etwas zu Ende geht – und gleichzeitig etwas Neues beginnt. 
    54 hr 44 min
  • Ein Name ist mehr als ein Wort  / Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac
    Ich stand neulich in der Gemüseabteilung im Supermarkt und wollte meinen Mann rufen, um zu fragen, was wir die nächsten Tage essen wollen. Ich rufe also seinen Namen – und ein Mitarbeiter dreht sich völlig irritiert zu mir um. 
    Ich schaue auf sein Namensschild… und merke: Ich habe einfach ihn beim Namen gerufen. 
    Wir mussten beide lachen. 
    Mit meinem eigenen Namen ist das übrigens anders. Mein Nachname wird fast immer falsch ausgesprochen. Ich bin das gewohnt und nehme es niemandem übel. Manchmal sage ich ihn einmal richtig – einfach so. Aber meistens lasse ich es auch gut sein. 
    Und trotzdem: Es macht einen Unterschied, ob jemand meinen Namen richtig sagt. 
    Weil ein Name mehr ist als ein Wort. Er gehört zu mir. Zu dem, wer ich bin. 
    Und ich glaube: Gott kennt meinen Namen. 
    Nicht nur so, wie er irgendwo steht. Sondern wirklich. 
    Gott kennt mich – so wie ich bin. Und vielleicht sogar noch besser, als ich mich selbst kenne. 
    Mit allem, was ich zeige. Und auch mit dem, was ich manchmal selbst noch gar nicht sehe. 
    Und manchmal frage ich mich: Höre ich eigentlich, wenn Gott mich ruft? 
    Zwischen all den Stimmen im Alltag, zwischen Gesprächen, Gedanken und Geräuschen. 
    Vielleicht geht es gar nicht darum, alles sofort zu verstehen. Sondern darum, immer wieder kurz stehenzubleiben und hinzuhören. 
    Weil da einer ist, der mich wirklich kennt. 
    Und der mich beim Namen ruft.
    53 hr 54 min
  • Mit dem Herzen dabei sein / Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Gestern Abend hat sie endlich begonnen, die Fußballweltmeisterschaft. Ich gebe gerne zu, dass ich ein unrettbarer Fußballfan bin und mich auch von Skandalen, Niederlagen, frühem Ausscheiden und schrecklichem Millionenwucher nicht davon abbringen lasse. Bis jetzt noch nicht, obwohl die Herren der Fifa scheinbar alles darauf anlegen. Fußball wird auf der ganzen Welt gespielt, in riesigen Stadien und am Strand, in ärmsten Favelas und im Busch, mit modernen Hightechbällen und mit Lumpenbündeln, in Spezialschuhen und barfuß, mit überteuerten Trikots und mit nacktem Oberkörper und die Begeisterung ist überall gleich. Jubel und Tränen, überschäumende Freude und tiefe Trauer sind in jedem Spiel zu finden. Und viele Menschen hängen mit ganzem Herzen an diesem Spiel und strahlen dabei eine unbändige Freude aus.
    Und heute feiern Christen auf der ganzen Welt das Herz Jesu Fest. Wieso sollte ich ein Herz verehren, ist wahrscheinlich hier eine treffende Frage. Aber in der Herz-Jesu-Verehrung wird Jesus Christus unter dem Symbol seines Herzens als die personifizierte Liebe verehrt. Wir verorten die Liebe eines Menschen am Herzen, weil wir kein treffenderes Bild dafür haben. Und wenn wir sagen, dass jemand ein gutes Herz hat, ist genau das gemeint. „Das Herz des Erlösers steht offen für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heils", heißt es in der Eröffnung zur heiligen Messe.
    In der Lesung des heutigen Morgenlobes aus dem Buch Jeremia gibt es einen wunderbaren Satz, der über die Jahrhunderte für alle Israeliten und über zwei Jahrtausende für alle Menschen gilt, die an Gott glauben und Christus nachfolgen wollen.  Da heißt es, dass Gott sagt: „Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz“. Gott gibt uns nicht eine ausformulierte schriftliche Handlungsanweisung, die genau sagt, was zu tun ist. Er macht es viel eindringlicher und schreibt es uns Menschen auf unser Herz.
    Denn Glauben heißt nicht, im Nachhinein Dinge für wahr halten, sondern Glauben heißt: für die Zukunft und ein gelingendes Leben mein ganzes Herz auf Gott setzen. Es ist ein guter Tipp für uns heute, für unser Leben als Christen mit unserer Begeisterung für den weltumspannenden Fußball.
    71 hr 24 min
  • Wenn Gottes Gnade sichtbar wird / Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Heute denken wir beim Beten und im Gottesdienst an einen der Apostel, also einen, den sich Jesus selbst in seinen engeren Mitarbeiterkreis genommen hat. Die vielen Geschichten, die wir über den Apostel Barnabas so lesen können, klingen echt spannend und er war viel unterwegs im Auftrag seiner Mitapostel. Der Gemeinde im Jerusalem kommt zu Ohren, dass es in Antiochien viele Bekehrungen und Taufen gibt. Und so schicken sie ihn dorthin, um zu schauen, was da abgeht, wie man heute sagt. Und dann kommt ein wunderbarer Satz in der Apostelgeschichte, wo es heißt: Als er ankam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte alle, dem Herrn treu zu bleiben, wie sie es sich im Herzen vorgenommen hatten. Ist das nicht ein wunderbarer Satz: Als er die Gnade Gottes sah, freute er sich. Wie geht es Dir damit? Sehen wir noch die Gnade Gottes, also sein Dasein mit uns in unserem Christsein im Alltag? Und was erfüllt uns dabei mit Freude und stärkt und ermutigt uns?Gestern gab es für mich und viele andere eine wunderbare Gelegenheit dazu, gestärkt und ermutigt zu werden. Es gab ein Gebetsfrühstück, ausgerichtet vom SKF, dem Sozialdienst katholischer Frauen. 
    Ein Gebetsfrühstück ist eine ziemlich gute Erfindung und beinhaltet einen Gebetsteil in einer Kapelle mit Musik und Gesang, einem geistlichen Impuls, einem Interview, diesmal mit einer sehr kompetenten Kriminalhauptkommissarin, einem Bericht zur Lage des SKF und Begrüßungen neuer Mitarbeitenden und Verabschiedungen. Viele Blumen, viel und herzlichen Beifall und zwischendurch ein paar Tränen der Rührung ob der Ehre.  Nach Segen und Schlusslied gibt es im Garten Kaffee und Brötchen und einen herzlich frohen und tiefen Austausch zu den vielfältigen Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft. 
    Es war beeindruckend die vielen Menschen zu sehen, die beruflich oder ehrenamtlich sich für Menschen einsetzen, die oft nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen und ihnen mit Würde und Respekt zu begegnen und Hilfe anzubieten, wenn sie es annehmen können. 
    73 hr 20 min
  • Verstehen uns heute die Menschen noch? / Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Gestern bin ich für eine Heimfahrt in den ICE gestiegen, habe es mit auf einem Fensterplatz gemütlich gemacht und hatte mehr als zwei Stunden Zeit bis zum nächsten Umstieg. Also habe ich mein Strickzeug aus der Tasche genommen und fröhlich drauflos gestrickt. 
    Und dann habe ich so nach und nach Gespräche ringsum mitbekommen. Links hinter mir hat eine junge Frau ihrer Freundin, die ihr gegenübersaß, den weiteren Verlauf ihres Studiums erklärt und welche Module sie noch machen muss für den Bachelorabschluss. Und als die Freundin gefragt hat, wozu das denn gut sein soll hat die geantwortet: Das weiß ich auch nicht so genau, aber es wird für schon für irgendetwas gut sein. Naja, habe ich gedacht, dass ist ja mal ein Vertrauen ins Nichtwissen. 
    Und dann begann der Herr vor mir mit einer Videokonferenz zur Vorbereitung eines Meetings, das in drei Stunden stattfinden sollte, und für das irgendwie die Abläufe noch nicht so klar waren. Und von all dem, was er da erzählt hat, habe ich echt nichts verstanden. Ich habe zwar die Worte verstanden, aber nicht den Inhalt. Es ging um betriebswirtschaftliche Vorgaben und Anweisungen und es fielen so viele Fremdworte, dass mir Hören und Sehen vergangen ist. 
    Und dann habe ich gedacht, dass das garantiert auch Menschen so geht, die mit unserem normalen katholischen Kirchenvokabular in Kontakt kommen und zwar Worte hören, aber nicht verstehen, worum es da echt geht. Also, zum Beispiel: Absolution oder Epistel, Pontifikat oder Offizium, Gnade oder Eucharistie. Ich denke schon, dass wir schon ein bisschen schauen können, welche Binnenkirchensprache heute noch Leute außerhalb unserer katholischen Babbel anspricht und wie wir einfacher und in heutiger Wortwahl agieren können. Und dann hat der Meetingvorbereiter vor mir mit einem Kunden telefoniert und mit ihm geklärt, dass sie die Gestaltung der Kücheninsel und der Sitzgruppe für seine Küche seinen Wünschen anpassen werden und ihm noch heute einen geänderten Plan schicken wird. Ah ja, dachte ich, da kann ich wieder verstehen, worum es geht. 
    70 hr 17 min
  • Die Herzen füreinander öffnen / Morgenimpuls mit Schwester Katharina
    Ich habe eine meiner Mitschwestern im Krankenhaus besucht und dort auch eine andere Schwester angetroffen. So haben wir eine schöne Dreierplauderei gehabt und irgendwann zwischendurch hat sie kurz erwähnt, dass sie mich schon vermisst habe. Automatisch rechtfertigt man sich und ich habe auf die Domradio-Assisifahrt verwiesen und wir hatten rasch ein schönes Thema. 
    Aber sie hat natürlich recht. Wenn Mitschwestern, wenn Angehörige krank und sogar im Krankenhaus sind, ist es eines der wichtigsten Werke der Barmherzigkeit. „Ich war krank und ihr habt mich besucht“ ist eine der zentralen Stellen aus dem Matthäusevangelium, wo es um Nächstenliebe und Barmherzigkeit geht und den Hinweis, dass alles, was wir unserem Nächsten Tun, an IHM – Jesus Christus getan ist. 
    Ich denke, Du und ich und viele andere kennen das auch. Man hat gehört, dass jemand krank ist und nimmt sich echt vor, einen Besuch zu machen. Und dann kommen all die tausend Sachen dazwischen, die den Alltag hektisch und voll machen, und schon hat man es vergessen. 
    Es ist nie böse, es ist aber schade. Eine Möglichkeit ist es, sich den Besuch echt im Kalender einzutragen und die Erinnerungsfunktion einzuschalten, damit man es nicht vergisst. Die klassischen Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstige tränken,
    Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke besuchen, Gefangene besuchen und Tote bestatten werden tatsächlich nie unmodern und sind konkrete physische Hilfe in Notlagen also praktische Nächstenliebe und Mitgefühl gegenüber Menschen. Und es geht dabei immer auch um die Förderung sozialer Verantwortung des Einzelnen in der Gesellschaft.Heute werden die Werke der Barmherzigkeit auch in zeitgemäßer Form interpretiert, z. B. durch Zuhören, Anerkennung und positive Kommunikation, um soziale Isolation und emotionale Not zu lindern. Papst Franziskus hat im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit (2016) die Bedeutung die Herzen füreinander zu öffnen und Barmherzigkeit aktiv zu leben betont, und das gefällt mir gut: die Herzen füreinander öffnen. 
    73 hr 20 min

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel…