Heute geht es hier um den Doom. Gar nicht mal um eine wirkliche Übersicht, sondern um ein paar grundsätzliche Worte und Überlegungen, auf die wir dann immer wieder zurückkommen können, denn der Doom hat viele Gesichter. Einen spezifischen Doom-Sound gibt es nicht. Er kann von einem schnelleren Uptempo bis hin zum reinen Brodeln und Dröhnen reichen. Er kann den Hörer wie eine Dampfwalze überrollen oder ihm eine Reise anbieten, die von tief unter der Erde oder des Meeres bis in die Weiten des Weltalls oder der eigenen Psyche führt, in andere Welten oder in irgendeine Wüste, staubbedeckt und brütend heiß.
Eines hat der Doom und seine zahlreichen Subgenres aber dann doch gemeinsam: die Atmosphäre und die Leidenschaft, die durch kein anderes musikalisches Genre in dieser Form erreicht werden können. Wenn man die Sendung über den Okkult Rock dazu zählen will - und das sollte man - dann ist das hier eine Art Fundament und beileibe nicht das letzte Wort zu diesem Thema.
Zwar wird der Doom oft als ein Subgenre des Metal bezeichnet, aber seine Wurzeln hat er dort nicht. Im Grunde ist er an gar kein übergeordnetes Genre wirklich gebunden. Natürlich gibt es den Doom Metal als klassisches Konstrukt, aber es gibt ebenso den Doom Rock, den Doom Prog, Ambient Doom, Stoner Doom usw.
Klar ist eigentlich nur, dass er sich nicht in Geschwindigkeitsrekorden versucht. Doch nur langsames Dahinschleichen definiert den Doom noch lange nicht. An verschiedenen Orten kann man lesen, dass die Beatles mit ihrem Song " I Want You (She's So Heavy)" von ihrem Album Abbey Road 1969 die ersten waren, die eine Blaupause für den Doom geschaffen haben, und ganz von der Hand zu weisen ist das zwar nicht, weil der Song zu dieser Zeit ziemlich progressiv war, groovy und durchaus schwer, aber ein Gefühl des drohenden Unheils fehlt. Und das ist ein großer Markstein, den wir benötigen, um das Genre etwas besser zu verstehen. Sicher, es gibt den Doom auch in einer positiven Stimmung, aber wie könnte ein Genre nach Sonnenschein und guter Laune duften und sich gleichzeitig nach dem Untergang, dem Unheil, dem Verderben, der Verdammnis benennen? Das kann eben nur geschehen, wenn man sich rein auf die Langsamkeit eines Songs konzentriert. Natürlich wird das auch getan, aber wirklich weiter bringt uns das nicht. Die Sache ist etwas komplizierter.
Schauen wir uns dazu den zweiten Kandidaten an, der oft genannt wird. Led Zeppelins "Dazed and Confused". Geschrieben wurde der Song 1967 von dem Folksänger Jake Holmes als ein Liebeslied. Auf Zeppelins Debüt von 1969 wird daraus lyrisch gesehen zwar auch nichts anderes, aber allein der Anfang, als John Paul Jones einfach nur seinen zähen Bass rollen lässt und Jimmy Page einige psychedelische Elemente darüber legt, hat etwas von diesem drohenden Unheil, nach dem wir suchen. Die einzelnen Strophen sind natürlich völlig im Heavy Blues zu verorten, aber in dem Moment, wo die Band das Hauptthema gemeinsam aufnimmt, kriecht dieses drohende Gefühl aus allen Kabeln. Der atemberaubende Tempowechsel mit diesem bollernden Bass und Bonzos (John Bonhams) Schlagzeugwalze zeigt dann einmal mehr, was Led Zeppelin zum Heavy Metal in dieser Phase beigetragen haben.
Der Blues kennt eine langsame, drückende Stimmung schon lange, und so ist es dann auch keine große Sache, dass Proto-Metal-Bands, die sich natürlich alles aus dem Blues speisen, ebenfalls eine schweißtreibende Intensivität erreicht haben, die sich noch nie aus Geschwindigkeit formen ließ. Es müsste Johann Sebastian Bach gewesen sein, der einmal sagte, dass nicht nur die gespielten Noten von äußerster Wichtigkeit seien, sondern gerade die nicht gespielten. Nun, ein Bluesman war Bach zwar nicht, aber von Musik verstand niemand jemals mehr als er und gerade von seinen Cello-Sonaten geht durchaus eine doomige Atmosphäre aus.
Unser Intro wurde von transistor.fm erstellt.
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