Was meine Reise nach Sansibar mir über Vertrauen, Konflikte und mich selbst gezeigt hat
Manchmal glaubst du, du reist an einen anderen Ort. Und am Ende führt dich die Reise vor allem zu dir selbst.
Genau so hat sich meine Reise nach Sansibar für mich angefühlt.
Schon bevor ich überhaupt ins Flugzeug gestiegen bin, gab es Situationen, die mich nachdenklich gemacht haben. Bei einer Craniosacral-Behandlung hatte ich eine für mich ungewöhnliche persönliche Erfahrung, und kurz vor meiner Abreise erzählte mir eine Freundin von einem unguten Gefühl bezüglich der Reise. Ich war dadurch sensibilisiert – entschied mich aber trotzdem, ins Vertrauen zu gehen und meine eigenen Erfahrungen zu machen.
Und genau dieses Vertrauen sollte mich auf dieser Reise immer wieder begleiten.
Schon bei meiner Ankunft stand ich plötzlich am Flughafen, mein Handy funktionierte nicht richtig und mein Fahrer war zunächst nicht zu finden. Irgendwann half mir ein fremder Mann mit einem Hotspot weiter – und der Fahrer stellte sich heraus, die ganze Zeit dort gewesen zu sein.
Vielleicht kennst du solche Momente:
Du weißt gerade nicht, wie es weitergeht.
Und trotzdem geht es weiter.
Doch dann kam mein Schweigetag.
Einen ganzen Tag nicht sprechen.
Für mich eine echte Herausforderung.
Aber plötzlich nahm ich viel bewusster wahr. Das Essen. Den Geschmack. Den Strand. Die Menschen. Mich selbst.
Und irgendwann wurde es still genug, dass auch all die Gedanken hochkommen konnten, die vorher keinen Platz hatten.
Warum bin ich eigentlich hier?
War diese Reise die richtige Entscheidung?
Warum lasse ich meine Familie zu Hause?
Und plötzlich war ich mitten in meiner eigenen Dramaschleife.
Wütend. Traurig. Enttäuscht.
Bis irgendwann dieser Punkt kam:
Ich konnte die Situation in diesem Moment nicht ändern. Aber ich konnte entscheiden, wie lange ich in diesen Gedanken bleiben wollte.
Ich nahm meine Gefühle wahr, hinterfragte meine Gedanken und entschied mich bewusst dafür, wieder in Richtung Freude und Leichtigkeit zu gehen.
Und genau das ist für mich heute eine wichtige Erkenntnis:
Es geht nicht darum, niemals negative Gedanken oder Gefühle zu haben. Es geht darum, sie wahrzunehmen und irgendwann zu entscheiden, ob wir darin bleiben möchten.
Auf Sansibar wurde mir außerdem noch einmal bewusst, wie selbstverständlich wir vieles in unserem Leben nehmen.
Beim Besuch einer Schule und durch die Begegnungen mit Menschen vor Ort habe ich gesehen, unter welchen Bedingungen viele Familien dort leben. Gleichzeitig leben wir hier mit unglaublich vielen Möglichkeiten – und nehmen diese Fülle manchmal kaum noch wahr.
Und dann gab es diese wunderschönen Momente:
Eine Sandbank mitten im Meer.
Delfine.
Schnorcheln.
Weißen Sand unter den Füßen.
Gerade das hat mir gezeigt, wie selten wir uns im Alltag erlauben, wirklich bei uns anzukommen.
Denn häufig kümmere ich mich um Familie, Mitarbeiter, Unternehmen und tausend andere Dinge.
Aber wann kümmere ich mich eigentlich um mich?
Auch mein Glaube war auf dieser Reise sehr präsent. Ich erlebte Gebet und die Begegnungen mit anderen Menschen auf eine Weise, die mich persönlich tief berührt hat. Für mich ging es dabei immer wieder um Fragen wie:
Warum bin ich hier? Was ist meine Aufgabe? Und wie kann ich mit meinem Leben einen Unterschied machen?
Doch mein vielleicht größtes Learning kam ganz am Ende.
Es gab einen Konflikt mit einer Person, den ich eigentlich lieber vermieden hätte. Ich wusste aber: Du musst dieses Gespräch führen.
Also habe ich meinen Mut zusammengenommen.
Und erst durch dieses Gespräch verstand ich, warum mich die Situation vorher so stark getroffen hatte.
Ich hatte mich nicht gesehen und teilweise zurückgewiesen gefühlt. Und plötzlich erkannte ich: Genau dieses Gefühl löse ich möglicherweise selbst manchmal bei einem Menschen aus, der mir nahesteht – ohne dass es mir bewusst ist.
Das war für mich eine der größten Erkenntnisse dieser Reise.
Manchmal sind es nicht die schönen Momente, die uns am meisten verändern.
Manchmal sind es genau die Situationen, die uns triggern.
Nicht, weil alles, was andere tun, automatisch richtig ist. Sondern weil wir uns fragen können:
Warum berührt mich das gerade so sehr?
Was zeigt mir diese Situation über mich?
Und was kann ich daraus mitnehmen?
Instagram zeigt vielleicht den weißen Strand, das türkisfarbene Wasser und die wunderschönen Erlebnisse.
Aber persönliche Entwicklung ist eben nicht immer nur Happy Life.
Es gibt Höhen und Tiefen. Entscheidend ist für mich die Frage: Wie schnell erkenne ich meine alten Muster – und wie lange möchte ich in meiner Dramaschleife bleiben?
💚 Dein Mutmoment aus dieser Folge
Vielleicht gibt es gerade etwas in deinem Leben, das dich ruft.
Und vielleicht weißt du noch gar nicht genau, warum.
Dann muss dein nächster Schritt nicht sein, schon alle Antworten zu kennen.
Vielleicht lautet er einfach:
Vertrau dir. Sei offen für die Menschen und Erfahrungen, die dir begegnen. Hör wieder hin, was für dich dran ist, statt nur zu funktionieren. Genau damit schließt auch diese Reisegeschichte.
Denn manchmal musst du erst losgehen, um zu verstehen, warum du gerufen wurdest.