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Im 19. Jahrhundert entwickelten sich enge Verbindungen zwischen Österreich und dem sogenannten Orient, die heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Über Venedig und vor allem Triest entstanden Handels-, Reise- und Wirtschaftsverbindungen nach Ägypten und in den östlichen Mittelmeerraum, die durch den Bau des Suezkanals zusätzlich an Bedeutung gewannen. Österreichisches Kapital und österreichische Ingenieurskunst spielten beim Suezkanal ebenso eine Rolle wie die Schifffahrtsverbindungen zwischen Triest und Alexandria. Der wirtschaftliche Austausch wurde durch den Baumwollhandel, den Postverkehr und den zunehmenden Tourismus nach Ägypten und Jerusalem geprägt. Auch das Kaiserhaus und der österreichische Adel reisten nach Ägypten, während Künstler den Orient zum Gegenstand ihrer Malerei machten und dabei häufig ein idealisiertes und von europäischen Vorstellungen geprägtes Bild schufen. Die Wiener Weltausstellung von 1873 verstärkte das Interesse am Orient und hinterließ unter anderem Spuren in den ägyptischen Sammlungen Wiener Museen. Eine Giraffe, die 1828 aus Ägypten nach Wien gebracht wurde, und die Produktion des Fez in Südböhmen erzählen auf kuriose Weise von diesen Verbindungen, aber auch von den wirtschaftlichen Machtverhältnissen zwischen Europa und Nordafrika. Außerdem geht es um österreichische Architekten in Kairo, um die persönlichen Beziehungen zwischen dem ägyptischen Herrscherhaus und Wien sowie um die Frage, warum diese gemeinsame Geschichte nach dem Ende der Habsburgermonarchie weitgehend aus dem österreichischen Gedächtnis verschwunden ist.
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
Karim El-Gawhary spricht in seinem Plädoyer bei der Republica Vienna über die Bedeutung öffentlich-rechtlicher Medien für Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Kontrolle politischer Macht. Aus seiner langjährigen Erfahrung als Korrespondent in Kairo kennt er zugleich die Folgen staatlich gelenkter Medien und zieht eine klare Grenze zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und echtem Staatsfunk. El-Gawhary kritisiert die politische Einflussnahme auf den ORF und fordert eine Entpolitisierung sowie Reformen, ohne den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kaputtzusparen. Ein besonderes Problem sieht er im sinkenden Vertrauen in die Medien und vor allem in der Berichterstattung über Gaza und Israel, bei der er ein Ungleichgewicht bei Quellen und Perspektiven feststellt. Medien dürften ihr Publikum nicht bevormunden, sondern sollten Menschen dazu bringen, selbst kritisch zu denken und auch die Medien zu hinterfragen. Gerade angesichts von Social Media müsse der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen Mehrwert schaffen, etwa durch unabhängige Recherche, Berichterstattung vor Ort und journalistische Einordnung. Mit Blick auf Künstliche Intelligenz erwartet El-Gawhary, dass vor allem jener Journalismus Bestand haben wird, der auf persönlicher Erfahrung, Kreativität, Analyse und Berichterstattung aus erster Hand beruht. Sein Plädoyer lautet deshalb, öffentlich-rechtliche Medien zu reformieren und ihre Unabhängigkeit zu verteidigen und sie auch immer kritisch zu verfolgen und zu hinterfragen.
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
Im zweiten Teil des öffentlichen Gesprächs mit dem Völkerrechtler Ralph Janik steht zunächst der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen den israelischen Premier Benjamin Netanjahu im Mittelpunkt. Ein weiterer Schwerpunkt sind die US-Sanktionen gegen Richterinnen und Richter des Internationalen Strafgerichtshofs und deren Folgen. Janik erläutert außerdem das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs von 2024 zur israelischen Besatzung des Westjordanlands, Ostjerusalems und Gazas sowie die rechtliche Bedeutung des israelischen Siedlungsbaus. Danach geht es um die völkerrechtliche Bewertung des israelisch-amerikanischen Angriffs auf den Iran und um die Grenzen des Arguments der präventiven Selbstverteidigung. Zum Schluss sprechen El-Gawhary und Janik über die Zukunft des Völkerrechts und darüber, ob sich Staaten, die an einer regelbasierten internationalen Ordnung festhalten, angesichts der zunehmenden Machtpolitik neu zusammenschließen müssen.
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
Völkerrechtler Ralph Janik erklärt, warum das Völkerrecht gerade in Kriegen besonders unter Druck steht und weshalb die Frage seiner Durchsetzung ebenso wichtig ist wie die Frage seiner Regeln. Im Mittelpunkt des ersten Teils des Gesprächs steht das Verfahren Südafrikas gegen Israel. Janik erklärt, was die vorläufigen Maßnahmen des Gerichts bezwecken, warum sie verbindlich sind und welche Folgen es hat, wenn ein Staat sie nicht ausreichend umsetzt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die juristische Definition von Völkermord, bei der es nicht primär um die Zahl der Getöteten, sondern um die Absicht geht, eine geschützte Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören. Dabei sprechen El-Gawhary und Janik auch über öffentliche Aussagen israelischer Politiker und die Frage, wie daraus ein möglicher Völkermordvorsatz juristisch abgeleitet werden könnte. Außerdem geht es um Deutschlands Nebenintervention im Verfahren auf Seiten Israels und warum sich Deutschland inzwischen aus dem Verfahren zurückgezogen hat.
Behandelt wird auch ein weiteres Verfahren beim IGH, in dem Nicaragua gegen Deutschland vor dem Internationalen Gerichtshof klagt, wegen der mutmaßlichen Beihilfe zum Völkermord an den Palästinensern. Janik erläutert, unter welchen Voraussetzungen der Internationale Gerichtshof überhaupt für einen Streit zwischen Staaten zuständig ist und welche Rolle dabei die Völkermordkonvention spielt.
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
Die Houthis haben ihre Angriffe auf Saudi-Arabien ausgeweitet und dabei auch die Hauptstadt Riad angegriffen Außerdem wurde die strategisch wichtigen Ost-West-Ölpipeline ins Visier genommen. Besonders brisant ist die Kontrolle der jemenitischen Houthis über große Teile der Rotmeerküste und vor allem der Meerenge Bab al-Mandab, durch die 12 Prozent des weltweiten Schiffsverkehrs führt.
Damit sieht sich Saudi-Arabien zunehmend mit einer Bedrohung von Süden durch die Huthi und von Norden durch schiitische Milizen im Irak konfrontiert. Die Angriffe stehen zugleich im größeren Zusammenhang mit der Konfrontation zwischen Iran und den USA sowie dem regionalen Einfluss der iranischen Revolutionsgarden.
Saudi-Arabien steht deshalb vor der schwierigen Frage, ob eine militärische Reaktion die Huthi tatsächlich zurückdrängen kann, nachdem der Konflikt seit 2015 trotz der saudischen militärischen Überlegenheit weitgehend festgefahren war. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf diplomatische Bemühungen über Oman und Gespräche zwischen den USA und Vertretern der Huthi.
Auch die USA, die Türkei, Pakistan und Ägypten werden von Saudi-Arabien um Unterstützung gebeten, bislang zeichnet sich jedoch keine direkte militärische Beteiligung dieser Staaten ab. Für Washington stellt sich dabei insbesondere die Frage, ob ein militärischer Einsatz gegen die Huthi tatsächlich deren Strategie verändern würde oder lediglich eine weitere Eskalation mit dem Iran auslösen könnte.
Die Kontrolle von Bab al-Mandab macht den Konflikt zugleich zu einer internationalen Frage, weil die Meerenge für den globalen Handel und die Energieversorgung von großer Bedeutung ist. Eine weitere Eskalation könnte deshalb Auswirkungen weit über den Jemen und Saudi-Arabien hinaus haben und die internationalen Energiemärkte treffen.
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
Krieg und Folter hinterlassen nicht nur sichtbare Zerstörungen, sondern können die Psyche von Menschen über Jahre und sogar über Generationen hinweg prägen. Karim El-Gawhary spricht mit Tadeja Lackner und Nora Ramirez über die Arbeit des Wiener Betreuungszentrums Hemayat, das Überlebende von Krieg und Folter psychologisch, psychotherapeutisch und psychiatrisch betreut. Hemayat leistet jährlich rund 26.000 Betreuungsstunden und versorgte zuletzt mehr als 2.000 Menschen, während gleichzeitig 637 schwer traumatisierte Personen auf einen Behandlungsplatz warten. Besonders schwierig ist für viele Betroffene der Verlust von Vertrauen, das Gefühl ständiger Bedrohung sowie Flashbacks, Dissoziation, Scham und die Unfähigkeit, über das Erlebte zu sprechen. In der Therapie geht es deshalb zunächst um Sicherheit, Vertrauen und darum, den Menschen ihre Würde zurückzugeben, bevor traumatische Erlebnisse überhaupt vorsichtig aufgearbeitet werden können. Lackner und Ramirez erklären, dass vollständige Heilung nicht immer möglich ist, es aber häufig gelingen kann, Menschen dabei zu unterstützen, mit ihrer Geschichte und den Folgen des Traumas wieder ein lebenswertes Leben zu führen. Gleichzeitig sprechen die Gäste über die enorme Versorgungslücke, die langen Wartezeiten und die finanziellen Unsicherheiten von Hemayat, dessen Angebote teilweise durch öffentliche Förderungen und einen Krankenkassenvertrag finanziert werden.
Wer spenden möchte: www.hemayat.org
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
Seit mehr als drei Jahren herrscht im Sudan Krieg zwischen der sudanesischen Armee (SAF) und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF), während Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen und auf der Flucht oder innerhalb des Landes vertrieben sind. Die Sudan-Expertin Saskia Jaschek erklärt, warum der Konflikt nicht auf einen Machtkampf zwischen zwei Generälen reduziert werden kann und welche zahlreichen bewaffneten Gruppen und wechselnden Bündnisse ihn zusätzlich kompliziert machen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Internationalisierung des Krieges und der Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate, die laut Jaschek die RSF unter anderem mit Waffen, Geld und einem internationalen Versorgungsnetzwerk unterstützen. Auch wirtschaftliche Interessen spielen eine zentrale Rolle, etwa der Handel mit Gold, der Zugriff auf landwirtschaftliche Flächen und die Bedeutung von Gummi Arabicum, von dem rund 90 Prozent der weltweiten Produktion aus dem Sudan stammen. Jaschek kritisiert zudem eine Berichterstattung, die den Sudan vor allem als humanitäre Katastrophe darstellt und dabei die politischen und internationalen Strukturen hinter dem Krieg ausblendet. Besonders dramatisch ist die Lage der Zivilbevölkerung, denn neben den unmittelbaren Kriegsfolgen führen der Zusammenbruch des Gesundheitssystems, Krankheiten, fehlendes Trinkwasser, Vertreibung und sexualisierte Gewalt zu weiteren Opfern. Gleichzeitig dokumentiert die sudanesische Zivilgesellschaft die Kriegsverbrechen und leistet vor Ort humanitäre Hilfe. Für einen dauerhaften Frieden, so Jaschek, müssten neben gezieltem internationalen Druck und Sanktionen auch die sudanesische Zivilgesellschaft und die betroffene Bevölkerung in politische Prozesse einbezogen werden, statt eine Lösung über ihre Köpfe hinweg auszuhandeln.
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
Zum 25. Jahrestag von 9/11 hat die ORF-Sendung "Weltweit" Karim El-Gawhary in den Irak geschickt. Denn die Irak-Invasion wurde vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush als Teil des Kampfes gegen den Terror verkauft, obwohl Saddam Hussein damals nichts mit den Anschlägen des 11. Septembers zu tun hatte. Die Reportsage sollte darstellten, welche Folgen dieser Kreig bis heute im Irak hat.
Nach seinen Vertragsende als Korrespondent des ORF in Kairo war ausgemacht, dass El-Gawhary,abseits von den täglichen Newssendungen, gelegentlich noch als freier Mitarbeiter für den ORF für längere Magazin-Reportagen in der Region zur Verfügung steht. Eine Irak Reportage für die Sendung Weltweit ist das erste Produkt dieser neuen punktuellen Mitarbeit.
In dieser Folge nimmt euch El-Gawhary mit, damit ihr erleben könnt, wie eine solche Reportage entsteht.. Es ist eine Art „ Making-of“-Hör-Kollage. Ein Eindruck. Die eigentliche Sendung könnte ihr dann am 11. September im Magazin Weltweit um 21:20 in ORF2 oder on demand auf ORF on sehen.
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
Migration wird in Europa emotional und politisch aufgeladen diskutiert, während sich politische Entscheidungen laut Judith Kohlenberger zunehmend von den Erkenntnissen der Migrationsforschung entfernen. Im Gespräch mit El-Gawhary geht es zunächst um Ceuta und die Frage, warum gerade Länder mit mittlerem Einkommen besonders hohe Migrationsraten aufweisen und weshalb Migration nicht nur eine Frage von Flucht und Armut ist. Kohlenberger erklärt, dass weltweit nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Menschen migriert und dass Migrantinnen und Migranten häufig über mehr Bildung, Einkommen und Netzwerke verfügen als der Durchschnitt ihrer Herkunftsgesellschaft. Sie beschreibt außerdem, warum sinkende Asylzahlen und eine gleichzeitig immer aufgeheiztere Debatte auseinanderfallen und warum Migration in Deutschland und Österreich längst Teil einer Migrationsgesellschaft ist. Abschottung und Abschreckung hält sie für keine nachhaltige Lösung, weil Menschen bei fehlenden regulären Wegen auf irreguläre Routen ausweichen und Europa zugleich auf migrantische Arbeitskräfte angewiesen ist. Anhand des „Asylparadoxons“, des „Flüchtlingsparadoxons“ und des „Integrationsparadoxons“ zeigt sie, welche Widersprüche das europäische Migrations- und Asylsystem prägen. Als mögliche Alternativen nennt sie unter anderem reguläre und temporäre Arbeitsmigration, humanitäre Aufnahmeprogramme sowie eine stärkere Europäisierung des Asylrechts mit gemeinsamen Verfahren und einer kommunalen Organisation der Aufnahme.
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
Karim El-Gawhary meldet sich aus Al-Wattar-Haus, einem historischen Gebäude im historischen Zentrum Bagdads, am Ufer des Tigris. Er ist zu Gast bei der deutsch-irakische Filmemacherin, Künstlerin und Journalistin Fourad El-Jamil, die auch am ersten irakischen Pavillon auf der Biennale in Venedig 2013 mit einer Installation vertreten war. El-Jamil erzählt von ihrer Kindheit zwischen Deutschland und Irak, ihren Erfahrungen als Doppelstaatlerin und einer gefährlichen Rettungsaktion für Deutsche in vom Irak besetzten Kuwait während des Zweiten Golfkriegs, für die sie später das Bundesverdienstkreuz erhielt. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die irakische Kunstszene und die Frage, wie Künstlerinnen und Künstler mit den Traumata von Krieg, Gewalt und gesellschaftlicher Unsicherheit umgehen. El-Jamil beschreibt ihre Arbeiten zu Heilung und Wiederaufbau. Außerdem geht es um die Veränderungen in Bagdad, den Abbau von Betonbarrieren, die Restaurierung historischer Häuser, neuen Hochhausprojekte und die Folgen von Korruption und Investitionsprojekten. El-Gawhary und El-Jamil sprechen auch über Umweltzerstörung, abgeholzte Palmenhaine, Sandstürme, Müll und die Verschmutzung von Tigris und Euphrat. Weitere Themen sind die gescheiterten Oktoberproteste der Jugendlichen 2019 und wie schwierig es ist, den Irak aus dem Griff Gruppen auf Basis von Religionszugehörigkeit zu befreien. Al-Jamil erklärt, warum Kunst für sie nicht nur Ausdruck von Verlust, sondern auch ein Weg zu Heilung und Hoffnung ist.
Produktion: Martin Druml
Musik: Nour Ashour
Grafic Design des Logos: Mona Henry
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