Junge Menschen sind heute bereit, über ihr psychisches Befinden zu sprechen. Was sie beschäftigt, welche Hilfsangebote es gibt und wozu Experten raten, erklärt unsere neue Podcast-Folge.
In der neuen Folge von „Nerds mit Auftrag“ beleuchten der Psychologe und Suchtexperte Oliver Scheibenbogen und Simon Schultze, Medical Director im Pharmaunternehmen Merck, wie es jungen Menschen in Österreich geht, wie sie psychische Gesundheit thematisieren und wo sie Unterstützung bekommen.
Mitte Juni fand in Wien der zweite European Health Talk von Merck Österreich statt, bei dem sich Fachleute und junge Erwachsene über Mental Health, also psychische Gesundheit und Wohlbefinden, austauschten. Merck hat 2024 eine europaweite Jugendstudie beauftragt. Sie ergab für Österreich, dass sich unter den 630 Befragten zwischen 20 und 37 Jahren mehr als die Hälfte häufig mental und körperlich unwohl fühlt und sich mehr Unterstützung in Bereichen wie Familiengründung sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Gesundheit wünscht.
Beim Future Health Talk des Vorjahres zeichnete sich ab, dass Mental Health besondere Aufmerksamkeit erfordert, und so wurde das Thema 2026 vertieft. Als Psychologe stand Mitte Juni auch Oliver Scheibenbogen als Experte zur Verfügung, der im Frühjahr 2026 das Dok1-Handyexperiment im ORF mit 600 Schulen wissenschaftlich begleitet hat.
Nicht alle psychischen Erkrankungen wirken gleich stigmatisierend. Während Burn-out-Diagnosen eine Tür für die breite Thematisierung von Depressionen aufgestoßen haben, ist Schizophrenie noch ein Tabu. Das Überangebot an fachlich ungeprüften Tests für komplexe Diagnosen auf TikTok ist nur bedingt hilfreich. Zudem ermöglichen die Plattformen jungen Menschen laufend, ihr eigenes mit idealisierten anderen Leben zu vergleichen. Die Algorithmen befördern das Abtauchen in ein Rabbithole, aus dem sie mit vermeintlichen Gewissheiten über Diagnosen für ihr Anderssein wieder auftauchen. Nicht hinter jeder exzessiven Handynutzung – ein Streitpunkt in vielen Familien – steckt eine Abhängigkeit, erklärt der Suchtexperte vom Anton-Proksch-Institut.
Role Models, die ein gutes Leben mit einer psychischen Erkrankung thematisieren und qualitätsgeprüfte Informationen verbreiten helfen, wären hilfreich. Der beste Zeitpunkt, um nach Hilfe zu fragen, ist, wenn ein Fragezeichen auftaucht. Aber die Kontaktpunkte könnten noch generationengerechter gestaltet werden, etwa durch Chatfunktionen oder fachlich geeichte KI-Systeme.
Der Begriff Neurodiversität trägt dem Umstand Rechnung, dass nicht jede Abweichung eine Erkrankung ist. Ob ein Verhalten oder eine Diagnose Probleme bereitet, hängt auch vom Umfeld ab. Die Trennung in körperliche und seelische Beschwerden ist einigermaßen willkürlich, da diese häufig Hand in Hand gehen und einander beeinflussen. Simon Schultze bemüht sich um die Entwicklung von Medikamenten gegen seltene und chronische Erkrankungen. Diese verschreiben zu können, ist ein wichtiger erster Schritt. Aber eine gesamthafte Betreuung der Erkrankten bedeutet, auch ihre stabile Psyche für Therapietreue und Abwehrkräfte im Blick zu haben. Patient:innen, bei denen zum Krankheitsbild zusätzlich eine Neurodivergenz kommt, wie das bei Neurofibromatose häufig der Fall ist, und deren Angehörige brauchen kurze Wege ins Versorgungssystem.
Zuletzt widmet sich diese Folge von „Nerds mit Auftrag“ dem Heiligen Gral der Gesundheitspsychologie: der Selbstwirksamkeitserfahrung, die Resilienz als Kompetenz schult. Dazu ist es wichtig, Herausforderungen in der echten Welt anzunehmen und diese zu meistern.
Hinweis: Dies ist eine entgeltliche Information von Merck Österreich. Die redaktionelle Letztverantwortung liegt bei APA-Science.
APA-Science ist Österreichs Plattform für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Wir sind das Sprachrohr für Forscherinnen und Forscher sowie Brückenbauer zu den österreichischen Medien sowie zur Öffentlichkeit. https://science.apa.at
Wortmeldungen und Kurzvideos vom 2. Future Health Talk am 16. Juni in Wien: https://go.apa.at/WBpSME4ZLink zur europaweiten MERCK Jugendstudie 2024: https://go.apa.at/kjk8ndgAWissenschaftliche Begleitung zum Dok1 Handyexperiment im Frühjahr 2026: https://go.apa.at/NXdFTZaaDas Dok1 Handyexperiment 2026 – die Reportage mit Lisa Gadenstätter auf orf.on: https://go.apa.at/RkK9hSXQLeben mit Neurofibromatose: https://go.apa.at/b0eN0beLAnton Proksch Institut: https://go.apa.at/x5rggYWRAktuelle Studie der Universität Duisburg-Essen zu Fehlinformationen auf TikTok: https://go.apa.at/exn23QmU