In dieser Folge gibt Christina einen Überblick über das
Phänomen der Stärke „schwacher“ Beziehungen innerhalb von Netzwerken. Der
amerikanische Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler Mark Granovetter hat
sich in den 1970ern als erster Netzwerkforscher mit der Frage beschäftigt:
„Mensch, gibt’s da eigentlich nicht auch noch was anderes als enge Beziehungen
innerhalb von Netzwerken? Damit lassen sich doch neue Ideen und Innovationen
irgendwie nicht so gut erklären...“. Recht hatte er! Die Stärke einer Beziehung
hängt nach Granovetter nämlich von folgenden Punkten ab:
Zeit, die für die Beziehung aufgewendet wirdemotionale IntensitätGrad an IntimitätReziprozität bzw. BeidseitigkeitDaraus ergibt sich logischerweise, dass ein gewisses
Engagement betrieben werden muss und dass folglich nicht jede Beziehung allein
aufgrund zeitlicher Limitation eng, also stark sein kann.
Granovetter hat außerdem festgestellt, dass
eine starke/enge Beziehung zwischen Person A und
B sowie zwischen A und C sehr wahrscheinlich dazu führt, dass auch Person B und
C sich kennen bzw. Wissen übereinander haben,sich Personen innerhalb einer Gruppe, die sich
über viele „strong ties“ auszeichnet, zu Ähnlichkeit neigt.Daraus ergibt sich, dass zwischen „strong ties“ gleiche bzw.
ähnliche Informationen austauscht werden. Und hier kommt die Stärke „schwacher“
Beziehungen ins Spiel: Damit ein Netzwerk von Akteur*innen mit engen
Beziehungen neue Informationen erhält, ist zwingend eine Brücke zu einem
anderen Netzwerk bzw. einer anderen Person notwendig. Neue Informationen
gelangen somit nur ins Netzwerk über eine schwache Beziehung zwischen einem
Netzwerkmitglied und jemand anderem, der oder die nicht Teil des Netzwerks ist.
Dabei handelt es sich häufig um indirektes Wissen, sprich:
Wissen, das über die „schwache“ Beziehung über Dritte, Sachverhalte, Aspekte
ausgetauscht wird und ins jeweilige Netzwerk gelangt, dessen wir bzw. unser
Gegenüber nicht (zumindest nicht in Bezug zum thematisierten
Kommunikationsgegenstand) angehört.
Diese Erkenntnisse sind für unser konkretes Agieren in
Netzwerken total relevant: Neue Infos, seien es Empfehlungen für ein
Restaurant, einen neuen Film oder auch eine Stellenausschreibung erhalten wir
also sehr wahrscheinlich nur, wenn wir über entsprechende „weak ties“ in
bestimmten Bereichen verfügen!
Fazit: Personen, die durch „strong ties“ verbunden sind,
sind aufgrund ihrer Nähe viel motivierter sich gegenseitig zu unterstützen,
aber „weak ties“ können dies viel eher, wenn es um neue/unbekannte
Informationen geht! Das gilt für unser Gegenüber als auch für uns als zwei
Knoten an den Enden eines „weak ties“!
Viel Spaß beim Zuhören! Wir freuen uns über Feedback und
Anregungen. Lasst uns gerne auch eine Bewertung da! Eure NetNuggets Jasmin und
Christina
Song in Outro | Theory by Tracy Chapman
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