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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Liebe kleine Weihnachtsgemeinde,
Wahrscheinlich hättet ihr euch diesen Tag auch ganz anders vorgestellt. Heiligabend, der 24. Dezember, spielt ja in unserer Tradition eine ganz große Rolle. Das ist der Tag, an dem die Kirchen sich füllen. Das ist der Tag, an dem alles herausgeputzt wird, glänzend und geschmückt. An dem von vorne die Weihnachtskrippe strahlt und der Adventskranz an dem alle vier Kerzen brennen. Und der Christbaum mit seinen Lichtern und Kugeln. Von hinten braust die Orgel in den höchsten Tönen "O du fröhliche", dass man den Eindruck hat, das Dach der Kirche hebt gleich ab. Wir stehen dicht an dicht und singen die alten Weihnachtslieder mit einer Fröhlichkeit und Andacht, die man sonst das ganze Jahr nicht zu kennen scheint. Und am Ende machen wir die Lichter aus und ziehen hinaus, mit Kerzen in der Hand, "Stille Nacht" singend und bereit, das Kommen des Gottessohns auch zu Hause mit unseren Liebsten noch fröhlich weiterzufeiern.
Und jetzt stehen wir hier, frierend im nasskalten Sudelwetter. Ein bisschen Christbaum, ein bisschen Kerzen, ein bisschen Orgel durchs Fenster und ein ganz klein wenig von der großen Weihnachtsstimmung, die wir so lieben. Und dazu ein ganz großes bisschen Wehmut und Traurigkeit über alles, was diesmal nicht möglich ist. Früher war mehr Lametta.
Klein ist Weihnachten diesmal. Irgendwie geradezu mickrig.
Klein ist dieses Weihnachten auch für die geworden, die dieses Jahr ganz alleine feiern müssen. Weil der Ehepartner dieses Jahr gestorben ist -- an Corona oder anders. Das tut weh, das vertraute Fest ohne den geliebten Menschen.
Klein ist dieses Weihnachten für die geworden, die keinen Besuch empfangen können. Manche sind in Quarantäne. Andere sind durch Grenzen getrennt, die das Reisen schwierig machen. Manchmal sind es auch ganz andere Gründe, die die Nächsten am Kommen hindern. Und manche wurden--das ist die traurige Realität--vielleicht schlicht und einfach vergessen.
Klein ist dieses Weihnachten geworden. Für alle, die ihre Weihnachtsstimmung irgendwie reinquetschen sollen zwischen Doppelschichten auf der Intensivstation und im Rettungsdienst. Die in den wenigen Pausen eigentlich nur noch die Augen zu machen wollen und wenigstens ein paar Minuten mal die Füße hochlegen, bevor es weitergeht, im Minutentakt.
Klein ist dieses Weihnachten für viele geworden, deren Weihnachtsstimmung durch Zukunftsängste verdrängt werden. Ganz klein sieht es aus, neben den astronomischen Zahlen der vierten Welle und der fünften, die am Horizont schon zu lauern scheint.
Klein ist dieses Weihnachten für die geworden, die gar keinen Ort haben, um zu feiern. Für manche ist Weihnachten gerade mal so groß wie der Schlafplatz auf dem Deck des Rettungsschiffs im Mittelmeer, das sie aufgegabelt hat und jetzt einen sicheren Hafen sucht. Oder wie die trockene Fläche unter irgendeiner Plane am Grenzzaun zur "Festung Europa."
Klein ist Weihnachten diesmal. Irgendwie geradezu mickrig.
Ist das noch Weihnachten? Geht uns nicht gerade alles verloren, was uns wert und heilig ist?
Nein. Das ist Weihnachten!
Das war schon immer so.
Klein.
Und mickrig.
Schaut, als damals Weise aus dem Osten kamen, dem Stern nach, um den neuen König zu besuchen, da staunten sie über das, was sie fanden. Nicht im Palast. Nicht beim König. Bei den mächtigen wusste keiner Bescheid.
Irgendwo haben sie dann eine alte Schriftrolle hervorgekramt und eine alte Prophetie abgestaubt von Micha von Moreschet, aus einem längst vergangenem Jahrhundert.
Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Israeliten. Er aber wird auftreten und sie weiden in der Kraft des Herrn und in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden bis an die Enden der Erde. Und er wird der Friede sein. Wenn Assur in unser Land fällt und in unsere festen Häuser einbricht, so werden wir sieben Hirten und acht Fürsten dagegen aufstellen. (Micha 5,1-4)Bethlehem.
Heute hätten sie erst einmal Google Maps geöffnet.
Bethlehem? (Efrata, für alle, die sich wundern, ist übrigens vermutlich der Name einer noch kleineren Siedlung in der Nähe von Bethlehem.)
Bethlehem? Wieso Bethlehem?
Bethlehem ist klein und unbedeutend. Dort findet nichts interessantes statt. Dort wohnt niemand von Bedeutung. Bethlehem ist Provinz. Bethlehem ist mickrig.
Schaut, Weihnachten war schon immer klein.
Hört doch auf die Weihnachtsgeschichte.
Ein junges Paar, eine Teenagerschwangerschaft unter seltsamen Umständen, ein einfacher Bauarbeiter. Weit weg von zu Hause. Eine Geburt in prekären Verhältnissen. Nicht einmal ein Schlafplatz. Eine Futterkrippe muss reichen. Hirten zu Besuch. Stinkende Schafwächter.
Armselig. Mickrig. Klein.
Weihnachten war immer so.
Tausende Städte, tausende Menschen, tausende Situationen wären passender gewesen für ein Fest zur Ehre des kommenden Gottessohns.
Aber Weihnachten war immer so.
Mickrig und klein und garantiert nie mit Lametta.
Und genau darin steckt der Kern von Weihnachten.
Schaut, Gott macht sich klein aus Liebe zu den Menschen. Der unendliche, unbegreifliche Schöpfer des Universums zwängt sich hinein in den Körper eines kleinen, neugeborenen Windelbabys.
Gott macht sich klein und kommt nach Bethlehem.
Gott macht sich klein und kommt in mickrige Umstände.
Gott macht sich klein und kommt zu unbedeutenden Menschen.
Gott macht sich klein und kommt in das Klein-Klein unserer Welt.
So war Weihnachten immer. Nie mehr Lametta.
Und daran hat sich 2021 nichts geändert.
Gott kommt ins Kleine.
Er kommt in unsere einsamen Wohnzimmer.
Er kommt in unsere tristen Gedanken.
Er kommt in unsere Krankenstationen und Intensivstationen.
Er kommt in unsere kraftlosen Pausen.
Er kommt in Rettungsboote und Flüchtlingslager. Er sitzt auf Parkbänken und unter Brücken. Er kommt in Kälte und Armut und Not.
Er kommt in unsere Zukunftsängste.
Er kommt zu vergessenen Menschen.
Er kommt sogar in unsere nasskalten Weihnachtsgottesdienste.
Und wie er kommt!
Er kommt als der Herr von Ewigkeit. Er kommt als der Hirte in der Kraft des Herrn und in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes. Er bringt Sicherheit und Geborgenheit. "Er wird der Friede sein", sagt Micha.
"Siehe ich verkündige euch große Freude", sagt der Engel, "... und Friede auf Erden."
Gott kommt und er bringt sich selbst mit in seiner ganzen Herrlichkeit.
Er bückt sich durch deine Tür. Er zwängt sich in dein Wohnzimmer. Du brauchst nicht einmal einen geschmückten Baum, um ihn zu empfangen. Er bringt die Herrlichkeit schon mit. Freude. Frieden. Sicherheit. Geborgenheit und Liebe.
Genau dann wird es Weihnachten. Ganz klein. Fast mickrig. Und dann ganz groß, weil er es ist, der kommt.
Nie war mehr Lametta.
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Liebe kleine Weihnachtsgemeinde,
Wahrscheinlich hättet ihr euch diesen Tag auch ganz anders vorgestellt. Heiligabend, der 24. Dezember, spielt ja in unserer Tradition eine ganz große Rolle. Das ist der Tag, an dem die Kirchen sich füllen. Das ist der Tag, an dem alles herausgeputzt wird, glänzend und geschmückt. An dem von vorne die Weihnachtskrippe strahlt und der Adventskranz an dem alle vier Kerzen brennen. Und der Christbaum mit seinen Lichtern und Kugeln. Von hinten braust die Orgel in den höchsten Tönen "O du fröhliche", dass man den Eindruck hat, das Dach der Kirche hebt gleich ab. Wir stehen dicht an dicht und singen die alten Weihnachtslieder mit einer Fröhlichkeit und Andacht, die man sonst das ganze Jahr nicht zu kennen scheint. Und am Ende machen wir die Lichter aus und ziehen hinaus, mit Kerzen in der Hand, "Stille Nacht" singend und bereit, das Kommen des Gottessohns auch zu Hause mit unseren Liebsten noch fröhlich weiterzufeiern.
Und jetzt stehen wir hier, frierend im nasskalten Sudelwetter. Ein bisschen Christbaum, ein bisschen Kerzen, ein bisschen Orgel durchs Fenster und ein ganz klein wenig von der großen Weihnachtsstimmung, die wir so lieben. Und dazu ein ganz großes bisschen Wehmut und Traurigkeit über alles, was diesmal nicht möglich ist. Früher war mehr Lametta.
Klein ist Weihnachten diesmal. Irgendwie geradezu mickrig.
Klein ist dieses Weihnachten auch für die geworden, die dieses Jahr ganz alleine feiern müssen. Weil der Ehepartner dieses Jahr gestorben ist -- an Corona oder anders. Das tut weh, das vertraute Fest ohne den geliebten Menschen.
Klein ist dieses Weihnachten für die geworden, die keinen Besuch empfangen können. Manche sind in Quarantäne. Andere sind durch Grenzen getrennt, die das Reisen schwierig machen. Manchmal sind es auch ganz andere Gründe, die die Nächsten am Kommen hindern. Und manche wurden--das ist die traurige Realität--vielleicht schlicht und einfach vergessen.
Klein ist dieses Weihnachten geworden. Für alle, die ihre Weihnachtsstimmung irgendwie reinquetschen sollen zwischen Doppelschichten auf der Intensivstation und im Rettungsdienst. Die in den wenigen Pausen eigentlich nur noch die Augen zu machen wollen und wenigstens ein paar Minuten mal die Füße hochlegen, bevor es weitergeht, im Minutentakt.
Klein ist dieses Weihnachten für viele geworden, deren Weihnachtsstimmung durch Zukunftsängste verdrängt werden. Ganz klein sieht es aus, neben den astronomischen Zahlen der vierten Welle und der fünften, die am Horizont schon zu lauern scheint.
Klein ist dieses Weihnachten für die geworden, die gar keinen Ort haben, um zu feiern. Für manche ist Weihnachten gerade mal so groß wie der Schlafplatz auf dem Deck des Rettungsschiffs im Mittelmeer, das sie aufgegabelt hat und jetzt einen sicheren Hafen sucht. Oder wie die trockene Fläche unter irgendeiner Plane am Grenzzaun zur "Festung Europa."
Klein ist Weihnachten diesmal. Irgendwie geradezu mickrig.
Ist das noch Weihnachten? Geht uns nicht gerade alles verloren, was uns wert und heilig ist?
Nein. Das ist Weihnachten!
Das war schon immer so.
Klein.
Und mickrig.
Schaut, als damals Weise aus dem Osten kamen, dem Stern nach, um den neuen König zu besuchen, da staunten sie über das, was sie fanden. Nicht im Palast. Nicht beim König. Bei den mächtigen wusste keiner Bescheid.
Irgendwo haben sie dann eine alte Schriftrolle hervorgekramt und eine alte Prophetie abgestaubt von Micha von Moreschet, aus einem längst vergangenem Jahrhundert.
Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist. Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat. Da wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Israeliten. Er aber wird auftreten und sie weiden in der Kraft des Herrn und in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen; denn er wird zur selben Zeit herrlich werden bis an die Enden der Erde. Und er wird der Friede sein. Wenn Assur in unser Land fällt und in unsere festen Häuser einbricht, so werden wir sieben Hirten und acht Fürsten dagegen aufstellen. (Micha 5,1-4)Bethlehem.
Heute hätten sie erst einmal Google Maps geöffnet.
Bethlehem? (Efrata, für alle, die sich wundern, ist übrigens vermutlich der Name einer noch kleineren Siedlung in der Nähe von Bethlehem.)
Bethlehem? Wieso Bethlehem?
Bethlehem ist klein und unbedeutend. Dort findet nichts interessantes statt. Dort wohnt niemand von Bedeutung. Bethlehem ist Provinz. Bethlehem ist mickrig.
Schaut, Weihnachten war schon immer klein.
Hört doch auf die Weihnachtsgeschichte.
Ein junges Paar, eine Teenagerschwangerschaft unter seltsamen Umständen, ein einfacher Bauarbeiter. Weit weg von zu Hause. Eine Geburt in prekären Verhältnissen. Nicht einmal ein Schlafplatz. Eine Futterkrippe muss reichen. Hirten zu Besuch. Stinkende Schafwächter.
Armselig. Mickrig. Klein.
Weihnachten war immer so.
Tausende Städte, tausende Menschen, tausende Situationen wären passender gewesen für ein Fest zur Ehre des kommenden Gottessohns.
Aber Weihnachten war immer so.
Mickrig und klein und garantiert nie mit Lametta.
Und genau darin steckt der Kern von Weihnachten.
Schaut, Gott macht sich klein aus Liebe zu den Menschen. Der unendliche, unbegreifliche Schöpfer des Universums zwängt sich hinein in den Körper eines kleinen, neugeborenen Windelbabys.
Gott macht sich klein und kommt nach Bethlehem.
Gott macht sich klein und kommt in mickrige Umstände.
Gott macht sich klein und kommt zu unbedeutenden Menschen.
Gott macht sich klein und kommt in das Klein-Klein unserer Welt.
So war Weihnachten immer. Nie mehr Lametta.
Und daran hat sich 2021 nichts geändert.
Gott kommt ins Kleine.
Er kommt in unsere einsamen Wohnzimmer.
Er kommt in unsere tristen Gedanken.
Er kommt in unsere Krankenstationen und Intensivstationen.
Er kommt in unsere kraftlosen Pausen.
Er kommt in Rettungsboote und Flüchtlingslager. Er sitzt auf Parkbänken und unter Brücken. Er kommt in Kälte und Armut und Not.
Er kommt in unsere Zukunftsängste.
Er kommt zu vergessenen Menschen.
Er kommt sogar in unsere nasskalten Weihnachtsgottesdienste.
Und wie er kommt!
Er kommt als der Herr von Ewigkeit. Er kommt als der Hirte in der Kraft des Herrn und in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes. Er bringt Sicherheit und Geborgenheit. "Er wird der Friede sein", sagt Micha.
"Siehe ich verkündige euch große Freude", sagt der Engel, "... und Friede auf Erden."
Gott kommt und er bringt sich selbst mit in seiner ganzen Herrlichkeit.
Er bückt sich durch deine Tür. Er zwängt sich in dein Wohnzimmer. Du brauchst nicht einmal einen geschmückten Baum, um ihn zu empfangen. Er bringt die Herrlichkeit schon mit. Freude. Frieden. Sicherheit. Geborgenheit und Liebe.
Genau dann wird es Weihnachten. Ganz klein. Fast mickrig. Und dann ganz groß, weil er es ist, der kommt.
Nie war mehr Lametta.
Amen.

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