"Es ist die zentrale Aufgabe der Geschäftsführung das langfristige Überleben und die erfolgreiche Weiterentwicklung einer Institution zu befördern."
In der aktuellen Folge spricht Jan Nonnenkamp, Kanzler und damit kaufmännischer Geschäftsführer der Universität Witten/Herdecke, über die Symbiose aus strategischer Finanzsteuerung, Systemtheorie und moderner Führung.
Als erste private und gemeinnützige Universität Deutschlands blickt Witten/Herdecke auf eine über 40-jährige Geschichte zurück, die maßgeblich vom gesellschaftsorientierten Esprit Engagé (geprägt durch den frühen Förderer Alfred Herrhausen) geleitet wird. Heute bildet die Universität mit einem Jahresbudget von rund 75 Millionen Euro etwa 3.500 Studierende in zwei Kernbereichen aus: der Fakultät für Gesundheit sowie der Fakultät für Wirtschaft und Gesellschaft.
Jan Nonnenkamps eigener Karriereweg reicht von prägenden Finanzprojekten bei der Deutschen BP und dem Fielmann-Börsengang über die kaufmännische Gesamtverantwortung bei Kostal und Knorr-Bremse bis hin zur CFO-Rolle im DAX bei K+S. Seine zentralen Erkenntnisse daraus lauten: Ein rein fachlich orientierter Finanzbereich greift zu kurz. Unternehmen und Universitäten sind komplexe Systeme, in denen Finanzen, IT, Personal und Strategie untrennbar zusammengedacht müssen. Führung funktioniert nicht über den einsamen Zahlenkontrolleur, sondern wie auf der Brücke des Raumschiffs Enterprise – als diverses, eng verzahntes Team.
Der erfolgreiche Turnaround der Universität nach einer historischen Schieflage beweist diesen systemischen Ansatz. Statt auf reines Cost-Cutting setzte die Geschäftsführung konsequent auf Erlössteigerung und Vertrauensaufbau mit internen wie externen Stakeholdern: Die reine Landessubvention wurde in eine zukunftsfähige Public-Private-Partnership umgewandelt.
Im Finanzbereich bleibt der Faktor Mensch trotz oder wegen der KI-Entwicklung unersetzbar. KI liefert Daten, aber die Interpretation, die ethische Urteilsfähigkeit und der Umgang mit diesen Informationen erfordern menschliche Kompetenz. Erkenntnis entsteht erst im gemeinsamen Diskurs – ein Kernprinzip, das den Absolventen in Witten vermittelt wird.
Vielen Dank Jan für diesen Einblick und weiterhin viel Erfolg für die Universität Witten/Herdecke!