Beim Reha-Stammtisch vom 15. April 2026 geht es um ein Thema, das viele aus der Kindheit kennen und im Alltag oft zu kurz kommt: Spiele. Zu Gast ist Stefan Wilhelm von Inclusive Gaming, der einen Einblick gibt, was im Bereich barrierefreier Spiele heute schon möglich ist und wo die Branche noch aufholen muss.
Windows-News zum Einstieg Bevor es ins Hauptthema geht, gibt es ein aktuelles Update: Nach einem Windows-Update kann es passieren, dass beim Start von Fusion oder ZoomText der Bildschirm schwarz wird. Wer noch mit Sprachausgabe arbeiten kann, sollte das von Vispero veröffentlichte Update selbst installieren. Wer das nicht selbst schafft, kann sich an die Hotline wenden. Außerdem arbeitet Microsoft daran, Copilot tiefer in den Narrator zu integrieren, vor allem im Bereich Bildbeschreibung. Mit der Tastenkombination Strg + Umschalt + Feststelltaste + D lässt sich das ausprobieren. Auch die Texteditierung per Sprache (zum Beispiel „markiere den dritten Absatz" oder „streiche dieses Wort") wird derzeit weiterentwickelt. In den nächsten Monaten wird sich hier noch einiges tun.
Audio Games: eine eigene Welt Audio Games sind Spiele, die komplett ohne visuelle Informationen funktionieren und stattdessen über Sound, Stereo-Effekte und manchmal Vibration gespielt werden. Plattformen wie Audio Games Punkt net sind zentrale Anlaufstellen für diese Szene. Genannt werden unter anderem Topspeed (ein Autorennspiel, das nicht mehr weiterentwickelt wird, aber noch spielbar ist), Shades of Doom (eine barrierefreie Adaption von Doom durch GMA Games) und Super Tennis. Ein Teilnehmer erzählt, wie er über einen Podcast von Christian Orens, einem blinden DJ und Gamer, auf nicht-barrierefreie Retro-Spiele aufmerksam wurde, die sich rein über die Audiospuren spielen lassen. Christian Orens wird auch bei der SightCity ausstellen.
Brettspiele: selbst angepasst Mehrere Teilnehmende berichten von eigenen Anpassungen klassischer Brettspiele aus der Kindheit. Ein Beispiel: ein Monopoly-Spielfeld, bei dem die Felder in Punktschrift auf zwei Blätter übertragen wurden. Auch Kartenspiele wie Skat oder UNO mit tastbaren Markierungen kommen zur Sprache. Beim SightCity Gaming Lab werden direkt am Eingang ebenfalls barrierearm gestaltete Brettspiele ausgestellt.
Solitär, Mahjong und die Frage nach Barrierefreiheitsmodi Klassische Computerspiele wie Solitär kommen in der Diskussion auf, allerdings mit der ernüchternden Einschätzung: Ein Barrierefreiheitsmodus war zu der Zeit, als diese Spiele populär waren, nicht vorhanden. GMA Games soll vor Jahren mal eine barrierefreie Solitär-Variante veröffentlicht haben, die Erinnerung daran ist aber nicht ganz sicher.
World of Warcraft und das Schul-Addon Eine interessante Randnotiz: Es soll Community-Mods (Addons) für World of Warcraft geben, die das Spiel für blinde Nutzer zugänglicher machen, darunter ein sogenanntes Schul-Addon (SKU). Ob es aktuell noch gepflegt wird, ist unklar – aber es gibt offenbar jemanden, der gerade aktiv an neuen Versionen arbeitet. Die Hürde bleibt groß: Man muss technisch tief einsteigen und viel Zeit investieren, um sich in solche Mods einzuarbeiten.
BlindDrive, Blind Legend, Doom und Pacman Auf dem iPhone hat sich für viele die Spielerei verlagert: BlindDrive und Blind Legend werden als Beispiele für Audio Games genannt, die für iOS entwickelt wurden. Auch Shades of Doom und eine barrierefreie Pacman-Adaption von GMA Games kommen zur Sprache – beide werden als wichtige Meilensteine in Erinnerung gerufen. Eine interessante Diskussion entsteht rund um Spiele wie Blind Legend und The Whale, bei denen der Hauptcharakter explizit als blind dargestellt wird, mit einer narrativen Begründung dafür, warum man als Spieler nichts sieht. Die Meinungen dazu sind gespalten: Manche finden das clever gelöst, anderen erscheint die ständige Rechtfertigung unnötig.
Age of Empires und die Grenzen der Barrierefreiheit Eine der ehrlichsten Einschätzungen des Abends: Echtzeitstrategiespiele wie Age of Empires gelten als eines der am schwierigsten barrierefrei zu gestaltenden Genres. Der Grund: viele kleine Einheiten, umfangreiches Mikromanagement und ständige Übersicht über das gesamte Spielfeld. Eine mögliche Idee aus der Runde: taktile Karten wie das Dotpad könnten helfen, eine Übersicht über das Spielfeld haptisch zu vermitteln – aber wie genau das in der Praxis funktionieren würde, bleibt offen. Auch Online-Strategiespiele wie Tribal Wars (in der Runde als „Creepolis, die Stämme" erwähnt) kommen zur Sprache, mit dem zusätzlichen Problem, dass man jederzeit von anderen Spielern angegriffen werden kann, ohne online zu sein.
Spieleliste-Sammelaktion Karl Matthias schlägt vor, eine gemeinsame Liste spielbarer Spiele zusammenzustellen – nicht Spiele, die früher mal gespielt wurden, sondern solche, die heute tatsächlich nutzbar sind. Wer mitmachen möchte, kann seine Vorschläge an
[email protected] senden.
Mauskick und Jan Blüher Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte: Mauskick war ein für iOS entwickeltes Spiel von Jan Blüher, das leider nicht auf die 64-Bit-Architektur portiert wurde und seitdem nur noch auf älteren Geräten wie dem iPhone 5 läuft. Ein Teilnehmer kennt Jan Blüher bereits seit 2014 aus einem Projekt für Existenzgründungen im Bereich Behinderung – und will ihn jetzt fragen, warum das Spiel nicht weiter gepflegt wurde. Das Spiel war damals sehr beliebt.
Nächste Termine In vier Wochen geht es weiter, dann wieder mit Apple-Themen. Themenvorschläge, Spielelisten und Anregungen jederzeit an
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