Pflege ist mehr als das Ausführen einzelner Tätigkeiten. Waschen, Essen anreichen, Medikamente geben oder mobilisieren gehören dazu – aber professionelle Pflege beginnt dort, wo wir den ganzen Menschen sehen.
In dieser Folge des Pflegelehrlings geht es um Monika Krohwinkel und ihr Modell der Fördernden Prozesspflege mit integrierten ABEDLs.
🎧 Darum geht es in dieser Folge:
Wer ist Monika Krohwinkel?
Was bedeutet Fördernde Prozesspflege?
Wofür steht die Abkürzung ABEDL?
Warum sind die ABEDLs mehr als eine Checkliste?
Was unterscheidet versorgende von fördernder Pflege?
Welche Bedeutung haben Fähigkeiten, Bedürfnisse und Beziehungen?
Wie lässt sich das Modell im Pflegeprozess anwenden?
Warum ist die Biografie des Menschen wichtig?
ABEDL steht für:
Aktivitäten, Beziehungen und existenzielle Erfahrungen des Lebens.
Das Strukturmodell umfasst 13 miteinander verbundene Lebensbereiche. Dazu gehören unter anderem kommunizieren, sich bewegen, vitale Funktionen aufrechterhalten, sich pflegen, essen und trinken, ausscheiden, ruhen und schlafen, sich beschäftigen, soziale Beziehungen gestalten sowie mit existenziellen Erfahrungen umgehen.
Doch Krohwinkels Modell ist keine Liste, die einfach Punkt für Punkt abgearbeitet wird.
Im Mittelpunkt steht ein einzigartiger Mensch mit individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten, Gewohnheiten, Beziehungen und Lebenserfahrungen. Pflege soll nicht nur Probleme und Defizite erfassen, sondern vorhandene Ressourcen erkennen, erhalten und fördern.
Der entscheidende Perspektivwechsel lautet:
Nicht nur fragen:
„Was muss ich für diesen Menschen erledigen?“
Sondern auch:
„Was kann dieser Mensch selbst, wobei benötigt er Unterstützung und was ist ihm persönlich wichtig?“
Ein Pflegeempfänger kann beispielsweise Unterstützung beim Waschen benötigen und trotzdem selbst entscheiden, welche Körperbereiche er übernimmt, welche Produkte er verwendet und in welcher Reihenfolge die Pflege erfolgt.
Fördernde Pflege bedeutet deshalb nicht, einem Menschen jede Aufgabe abzunehmen. Sie schafft Bedingungen, unter denen er seine Fähigkeiten möglichst erhalten, wiedererlangen oder weiterentwickeln kann.
Auch Beziehungen gehören ausdrücklich zum Modell. Ob ein Mensch sich sicher fühlt, Vertrauen entwickelt oder Unterstützung annehmen kann, hängt nicht nur von der korrekten Durchführung einer Maßnahme ab. Haltung, Kommunikation, Verlässlichkeit und Beziehungsgestaltung beeinflussen den gesamten Pflegeprozess.
Für die Praxis bedeutet das:
Fähigkeiten ebenso erfassen wie Probleme
Selbstständigkeit ermöglichen statt vorschnell zu übernehmen
Wünsche und Gewohnheiten berücksichtigen
Biografie und soziale Beziehungen einbeziehen
Pflegeziele gemeinsam und individuell formulieren
Maßnahmen begründen, durchführen und auswerten
Veränderungen beobachten und die Planung anpassen
Monika Krohwinkel macht deutlich: Pflegefachpersonen sind nicht bloß „Mechaniker“, die einzelne körperliche Funktionen bearbeiten. Sie begleiten Menschen in komplexen Lebenssituationen und unterstützen sie dabei, möglichst viel Selbstständigkeit, Sicherheit und Lebensqualität zu bewahren.
Der wichtigste Gedanke dieser Folge:
Professionelle Pflege erledigt nicht einfach Aufgaben am Menschen. Sie plant und gestaltet Unterstützung mit ihm.
💭 Reflexionsfrage:
Bei welcher Pflegemaßnahme übernimmst du manchmal mehr, als tatsächlich notwendig wäre? Wie könntest du den Pflegeempfänger so unterstützen, dass seine Fähigkeiten stärker einbezogen und gefördert werden?
🎓 Pflegelehrling – der Lernpodcast für die generalistische Pflegeausbildung.
Neue Folgen erscheinen montags, mittwochs und freitags um 6 Uhr.
📍 Hörbar auf Spotify, Apple Podcasts und Amazon Music.
⚠️ Diese Podcastfolge dient der Aus- und Weiterbildung und ersetzt keine einrichtungsinternen Vorgaben oder eine individuelle pflegefachliche Einschätzung.
#Pflegelehrling #Pflegeausbildung #MonikaKrohwinkel #ABEDL #FörderndeProzesspflege #Pflegeprozess #Pflegeplanung #Pflegewissenschaft #Ressourcenorientierung