Acht Minuten. So lange lud ein Vier-Minuten-Song über einen ISDN-Kanal, mit Kanalbündelung vier, über das 56k-Modem neun. Geschätzt hatten wir vierzehn. Du klickst auf Download, der Balken kriecht, und den zweiten Kanal nimmst du besser nicht, sonst gibt es Ärger. Warum haben wir das eigentlich ausgehalten?
Daraus wird ein Gang durch zwei Jahrzehnte Hören, vom Kassettendeck bis zu Spotify. Raphael hängt an dem, was dabei verloren geht. Robin hat zwei Kinder, eine Toniebox und eine Apple-ID, die er sich mit dem Kinderzimmer teilt.
Der Kern der Folge: Musik gehört uns nicht mehr. Wir zahlen jeden Monat für ein Nutzungsrecht, und wenn ein Anbieter die Lizenz verliert, fliegt ein Song einfach aus der Playlist. Wer einen Film kauft, kauft eine Lizenz. Und bei den drei ??? hat ein Rechtsstreit die alte Musik aus den Neuauflagen der frühen Folgen verdrängt. Raphael freut sich deshalb ein bisschen über die Sicherungskopien von damals. Den Einwand liefert er gleich mit: Das hat alles seine Berechtigung, es gibt Gesetze und Regeln.
Vorher aber: Tesafilm über dem Loch der Hörspielkassette, damit man sie wieder bespielen kann. Lauschgift, so oft gehört, bis das Band reißt. Der erste CD-Player und die Angst, dass der Laser die CD zerstört, wenn man sie falsch herum einlegt. Maxis für zehn Mark, der Discman ohne Antishock, die MiniDisc, die keiner hatte. Viva, MTV und Hape Kerkeling als Rapper bei Viva Interaktiv. Dann MP3 vom Fraunhofer-Institut, ein Player mit 32 Megabyte für 333 Mark, AOL-CDs mit Freistunden, Winamp mit Skins und ein Internetcafé, in dem die Charts schon auf der Festplatte lagen.
Wir haben Musik gesucht, aufgenommen, gebrannt und manchmal verloren. Die Generation danach stellt eine Figur auf eine Box. Am Ende landen wir bei Social Media und der Frage, ob ausgerechnet wir, die damals in jeder Grauzone unterwegs waren, heute Verbote fordern dürfen.
Übrigens: Zum Schluss gibt es die Single-Jahrescharts 1994 bis 2002 als Ratespiel. Wo Oasis geblieben ist, weiß keiner von uns.
ERWÄHNT IN DIESER FOLGE
Die Fantastischen Vier – Lauschgift
Der Ohrenbär, Radiogeschichten für kleine Leute, damals auf WDR 4
Whitney Houston – I Will Always Love You, aus Bodyguard
Pet Shop Boys – Go West
Members of Mayday – Sonic Empire, die Mayday 1997 in der Westfalenhalle Dortmund
Bravo Hits, erste Ausgabe im April 1992
Formel Eins und Ronnys Pop Show
Fettes Brot – Jein
The Buggles – Video Killed the Radio Star, der erste Clip bei MTV
Die Fantastischen Vier – Zu geil für diese Welt, erster und letzter Clip bei Viva
Hape Kerkeling als Rapper R.I.P. Uli bei Viva Interaktiv
Word Cup mit Tyron Ricketts, Viva Zwei mit Charlotte Roche
Jackass und Celebrity Deathmatch
Napster, Audiogalaxy, eDonkey, Kazaa, Gnutella
Winamp
The Social Network
Die drei ??? und der Super-Papagei, dazu DiE DR3i
Die Flippers – Die rote Sonne von Barbados
KPop Demon Hunters
Nena – 99 Luftballons
Single-Jahrescharts 1994 bis 2002: offiziellecharts.de
KORREKTUR
Die Knetfiguren, die im Ring gegeneinander antreten, hießen nicht American Deathmatch, sondern Celebrity Deathmatch. Zwei Euro in die Kaffeekasse.
Frank Lämmermanns Sendung bei Viva hieß Lämmermann Live, nicht Glamour. Zwei Euro in die Kaffeekasse.
Robins MP3-Player war kein Creative, sondern der Rio PMP300 von Diamond Multimedia: 32 Megabyte, Anschluss über den Druckerport, ab 1998. Creative ist ein anderer Hersteller. Zwei Euro in die Kaffeekasse.
Bei den drei ??? wurde nicht die ganze Reihe neu vertont, sondern die frühen Folgen mit der Musik von Carsten Bohn. Grund war ein Streit um Rechte und Tantiemen. Zwei Euro in die Kaffeekasse, Raphael.
Die Toniebox spielt nicht übers Internet. Beim ersten Aufstellen lädt sie den Inhalt einmal herunter, danach liegt er auf der Box und läuft auch ohne WLAN. Die Figur erkennt sie über einen Chip, der Magnet hält sie nur fest. Es ist also nicht Magic. Zwei Euro in die Kaffeekasse.
DIE KAFFEEKASSEN-REGEL
Wer hier etwas Falsches behauptet und es zugeben muss, zahlt zwei Euro. Stand nach dieser Folge: achtundzwanzig.
NACHGESCHLAGEN
Die MiniDisc war magneto-optisch. Ein Magnet hätte ihr trotzdem nichts getan: Bei normaler Temperatur ist die Schicht unempfindlich, umschreiben lässt sie sich nur, wenn der Laser sie vorher erhitzt.
Die Musikvideo-Sendung im WDR hieß Hit Clip, moderiert von Thomas Germann. Sie lief von 1993 bis 1997, und zwar nicht einmal pro Woche, sondern werktags von 14:05 bis 14:30 Uhr, ab 1995 auch im Ersten.
Die Marionetten-Agenten mit den Jets: Das dürfte Captain Scarlet gewesen sein, eine britische Marionettenserie von 1967, in Deutschland ab 1991 bei ProSieben. Oder die Thunderbirds aus derselben Werkstatt. Wer es genau weiß: schreibt uns.
MITMACHEN
Abstimmung auf Instagram: Team Viva oder Team MTV?
Und: Was war euer erster MP3-Song, wie viele Megabyte hatte euer Player – oder seid ihr bei Vinyl geblieben?
Instagram: instagram.com/pooltalk_palmsprings
NÄCHSTE WOCHE
Das erste eigene Geld – vom Taschengeld an.
Und irgendwann, nicht so bald: eine eigene Folge über Kinder und Social Media.
CREDITS
Pool Talk Palm Springs mit Raphael und Robin.
Schnitt und Mastering: machnkoppzu Production, Studio 2