Holladihiti!
Der britische Erstbesteiger des Mount Everest, Edmund Hillary, soll auf die Frage, warum er auf Berge steigt, geantwortet haben: « Weil sie da sind. » . Bergwelten faszinieren auch abseits von Rekordjagden. Viele Menschen sind gerne auf Bergen unterwegs, weil sie ein besonderes Naturerlebnis suchen. Wer's lieber risikofrei im eigenen Wohnzimmer mag, kann mit einer VR-Brille Kletter-Feeling erleben. Wer Urlaub in Zermatt macht, darf nicht ohne Selfie mit Matterhorn zurückkommen. Und die österreischischen Alpen dienen als dekorativer Hintergrund für dramatisch-romantische Vorabend-Serien. Berge haben also auch reichlich Popkultur-Potential. Mit Stefan Tihanyi, Wander-Fan und Teilzeit-Comedian mit Bergdoktor-Expertise.
Gast: Stefan Tihanyi a.k.a. Schrotthähnchen - im Netz zu finden auf Instagram, auf YouTube und bei TikTok.
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Die wichtigsten Links zu Folge 57:
Reinhold Messner: An ihm kommen wir nicht vorbei, denn er ist wahrscheinlich bis heute der bekannteste unter den Bergsteiger*innen. Messner hat das Höhenbergsteigen stilistisch wie kein anderer verändert und geprägt: Bis in die 1980er Jahre hinein hat man die Gipfel nämlich regelrecht belagert und das wochen- oder monatelang, mit großen Expeditionen, zahlreichen Höhenlagern und Materialschlacht. Messner macht das im sog. Alpinstil. Das bedeutet, man ist als kleine Seilschaft unterwegs, ohne vorab präparierte Routen, und ersteigt die Gipfel mit leichtem Gepäck, in einem Rutsch vom Basislager bis oben. Messners offizielle Webseite.
Maciej Berbeka (*1954, Polen). Polen hatte ich als Land mit Bergsteiger-Tradition tatsächlich nicht auf dem Schirm. Tatsächlich gab es in den 1980er Jahren eine Gruppe polnischer Bergsteiger, die sich besonders die Winterbesteigungen vorgenommen hatten. Berbeka war Teil dieser sog. "Eiskrieger". Der Film "Broad Peak" erzählt die spannende Geschichte von der ersten Winterbesteigung des Broad Peak (8051 Meter) aus dem Karakorum-Gebirgszug. Aktuell bei Netflix im Streaming: Broad Peak.
Gerlinde Kaltenbrunner (*1970, Österreich): Die gelernte Krankenschwester ist die erste Frau, die alle Achttausendergipfel ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff und ohne Unterstützung von Hochträgern erreicht hat.
Interview mit Kaltenbrunner
Kristin Harila (*1986, Norwegen): Extrembergsteigerin und ehemalige Skilangläuferin. Sie hält aktuell den Rekord für das Besteigen aller 14 Achttausender in kürzester Zeit, nämlich in 92 Tagen. Messner hat dafür in 16 Jahren gebraucht. Fairerweise muss man dazu aber sagen, dass er auch nicht auf diesen Rekord aus war. Auch die Kletterstile und der Aufwand drumherum sind nicht vergleichbar. Der britisch-nepalesische Bergsteiger Nims Purja hat das Ganze vor Kristin Harila in 6 Monaten und 6 Tagen geschafft.
Offizielle Webseite von Kristin Harila.
Die Extrembergsteigerin wurde für ihre Leistungen nicht nur gelobt
Wichtiger Zwischenruf zum Thema Frauen am Berg: Die gab es schon immer, aber sie bekamen deutlich weniger Sichtbarkeit. Generell wurde Frauen - ähnlich wie in anderen Bereichen - schlicht die Eignung zum Bergsteigen abgesprochen. In den ersten Alpenverein der Welt (1857 im schweizerischen Interlaken gegründet) durften sie nicht eintreten and the list goes on.
Hier eine historische Übersicht - vom Alpenverein, in dem Frauen selbstverständlich Mitglieder sind: Frauen am Berg
Berühmte Berge, Pt. 1 - der Mount Everest: Der höchste Berg der Welt, 8848 Meter hoch. Erstmals erreichten im Mai 1957 der Neuseeländer Edmund Hillary und der nepalesisch-indische Bergsteiger Tenzing Norgay den Gipfel.
Das wichtigste über den Everest bei Planet Wissen
Das berühmt gewordene Foto von der Schlange auf dem Mount Everest (nicht am K2, im Talk haben wir's verwechselt) könnt ihr in diesem GEO-Artikel sehen.
Berühmte Berge, Pt. 2 - der K2: Mit 8611 Metern der zweithöchste Berg der Welt, nach dem Mount Everest. Der K2 gilt als noch schwieriger zu besteigen, weil er abgelegener ist, alle bekannten Routen durchgehend steil sind, es ein höheres Lawinen- & Steinschlagrisiko gibt, extreme Winde und langanhaltende Stürme, weniger Rückzugsmöglichkeiten bei gleichzeitig häufigeren Wetterwechseln, etc.
Fun Fact: Es gab mal ein extrem kurzlebiges Duo namens K2, dass hatte seinen einzigen Hit 1995 mit der Single « Der Berg ruft ». Der Refrain basiert auf der Melodie von « I was made for loving you » von KISS und kombiniert Eurodance mit Schlager-Bums: Anhören
Berühmte Berge, Pt 3 - das Matterhorn: Mit 4478 Meter ü. M. einer der höchsten Berge der Alpen. Und wegen seiner markanten Form und der dramatischen Besteigungsgeschichte einer der bekanntesten Berge der Welt. Der Engländer Edward Whymper scheiterte 7 Mal und überlebte einen Sturz über 60 Meter. Im Juli 1865 hat es Whymper mit einer 7er-Seilschaft dann geschafft, aber beim Abstieg kamen 4 Menschen aus seinem Team ums Leben. Nur 6 Jahre später hat die erste Frau auf dem Gipfel gestanden: die britische Alpinistin Lucy Walker. Alles zum Nachlesen.
Wie der Tourismus Zermatt erreichte und das Matterhorn "instagramable" wurde: SRF-Bericht.
Berühmte Berge, Pt 4 - der Mount Fuji:
3776 Meter hoch ist der Mount Fuji. Der ist tatsächlich ein aktiver Vulkan - mit einer Einstufung für ein geringes Ausbruchsrisiko. Die letzte Eruption datiert aus 1707. Der Berg hat eine äußerst symmetrische und wiedererkennbare Kegelform und ist ein beliebtes Motiv in der Kunst - er hat sogar ein eigenes Emoji und findet sich im Hintergrund des berühmten Bildes « Die große Welle vor Kanagawa ». Zur Bedeutung des Berges für Japan könnt ihr hier nachlesen.
Mit genaueren Messmethoden werden Rekorde immer mal wieder überprüft und dann ist so mancher davon weg. Zwei sehr prominente Beispiele: Reinhold Messner ist offenbar am Annapurna zu früh umgekehrt, damit ist strenggenommen die Erstbesteigung aller 8000er weg. Gleiches gilt für Gerlinde Kaltenbrunner, der das als erster Frau gelungen ist. Dass der Rekord-Streit Quatsch, finden sie (zu Recht) auch drüben bei GEO.
Doku-Tipp, zu Nims Purjas Rekord-Trip auf alle 14 Achttausender bei Netflix.
Ein psychologischer Blick auf Bergsteigen und Rekordjagd.
Yeti: Diese Fabelwesen aus der tibetischen Kultur inspirierte reichlich Popkultur, taucht in Tim & Struppi als mitfühlendes Wesen auf und in jeder Menge Animationsfilmen. Gleichzeitig auch Valentinas Empfehlung: Der Film Mister Link.
Die Heidi-Bücher von Johanna Spyri kreierten ein bis heute verbreitetes romantisches Bild der Schweiz. Die originalen Romane von 1880 im Netz zum Nachlesen
Der Bergdoktor (seit 2008) im ZDF: Die Serie im Streaming.
Stefans Empfehlung: Ab in die Ramsau zu einer Wanderung zu den Original-Drehorten der ZDF-Serie
Die Ursprünge des Bergdoktors liegen hier beim Bastei Lübbe Verlag und seinen Romanheften.
Jodeln: Ursprünglich ein Hirtenruf in den Alpen hat das Jodeln inzwischen auch Popkultur-Status. Schuld unter anderem: Loriots Jodelschule und Ottos Jodel-Konservatorium 👉
Hier jodelt Otto und hier Loriot.
Auch Videospiele machen Bergsteigerei zum Thema. Kleine Auswahl:
Gerade erst erschienen (Jan. 2026) ist das Indie-Game und Überraschungshit Cairn: Das Spiel entstand aus der Faszination heraus, dafür, welchen Strapazen und Risiken sich Bergsteiger:innen aussetzen.
Mein alter Podcast-Mitstreiter Christian Schiffer rezensiert das Spiel hier.
Die offizielle Website von Cairn.
VR-Klettersimulation von Crytek, The Climb 2: Hat im ersten Teil 2016 für Eindruck gesorgt, weil es super gut aussah und auch genreseitig so ein bisschen herausstach aus der Riege der VR-Games. 2022 erschien dann der zweite Teil.
Das Indie-Game namens Getting over it with Bennett Foddy (2017) ist herrlich schräg, mit Absicht absurd schwierig, aber genau deshalb erwähnenswert. Du sitzt als Diogenes in einem eisernen Kessel und musst dich mit nichts als einem Hammer als einzigem Tool einen Berg hochackern. Offizielle Website.