
Sign up to save your podcasts
Or


Im Gespräch mit Christina Beran über Aufschieberitis, zu viel Input, Strategien, sich selbst zu überlisten und die Wichtigkeit von Langeweile, wenn man kreativ arbeiten möchte.
Musik am Beginn: Adam Selzer, „Vintage News“
***
Christina auf Twitter
***
Prokrastination
gibt es schon länger
im Faust
Aber warum wird es immer aktueller und brisanter?
Astrid Lindgren: »Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.«
Wenn wir zu viele Inputs bekommen, läuft unser Gehirn auf einer Ebene, die nur Automatismen produziert.
Connectivity ist das Gegenteil.
Jedes Medium, das wir lang verwenden, verändert die Art, wie wir denken. Es wird zu einem Fortsatz unserer Selbst, Wir sind zu einem Teil der Digitalisierung geworden, nicht umgekehrt.
»Sofortness« / Geschwindigkeit der Geräte und der Technologie
Die Menschen passen sich den neuen Gegebenheiten an. Als Zeitungen kamen, waren allenur noch am Zeitung lesen, als Radios kamen, alle am Radio hören und jetzt ist es das Internet mit Smartphones, die wir nicht mehr aus der Hand legen.
Aufschreiben hat die Art, die Autoren sich an ihre Leserschaft wenden, völlig verändert! Bibliotheken waren eine Anreihung von kleinen Hütten (wie Telefonzellen), worin sich die Leser die langen Papyrusrollen – ohne Satzzeichen oder Abstände – laut vorgelesen haben. Leise lesen war die absolute Ausnahme. Als Satzzeichen erfunden wurden, wurde das laute, rhythmische Vorlesen dann überflüssig.
Jede intellektuelle Technologie verändert das Denken der Menschen, weil sich das Gehirn entlang seiner Nutzung entwickelt.
Über Christina:
»Viel machen« kennen Menschen im Kreativbereich auch. Wissenschaft ist auch kreativ!
Neurowissenschaften boomen, weil bildgebende Methoden da sind. Menschen beim Denken zusehen. Wie funktioniert denn Aufmerksamkeit, wie leichte Ablenkung und wie kann man dies direkt im Gehirn beobachten.
Ziele setzen braucht relative Ruhe, diese auch durchzuziehen und sich zu konzentrieren.
Wir haben ein Grundbedürfnis nach Verbundenheit und Potentialentfaltung – gleichzeitig.
Aufgabengebiete, die Menschen gern prokrastinieren:
Beim Bücherschreiben: Autor*innen haben sowohl die Autonomie, es ist auch nicht langweilig, schwierig ist es an sich auch nicht, aber wir Autor*innen prokrastinieren trotzdem.
Bessere und schlechtere Zeiten für verschiedene zu erledigende Aufgaben im Tagesverlauf.
In der Früh gleich die Zeit nützen und keine eMails oder Social Media lesen, das raubt die Energie!
Frisch verliebt ist auch nicht gut für die Konzentration oder Kreativität!
Tipp: Ein Ritual draus machen! Wiederholung, Gewohnheit, Bahnungen im Gehirn! Am besten abends vor’m Zuklappen des Notebooks gleich noch das Schreibprogramm starten und das Internet anschalten, dass in der Früh nichts mehr dazwischenkommen kann.
Tipp: Hyperlinks im Fließtext sind ein Absaugen von Energie von Aufmerksam und Energie, da eine Entscheidung vom Leser gefordert ist, ob er dem Link nachgehen möchte oder nicht. Fußnoten sind sinnvoller.
Das Gehirn entwickelt sich entlang seiner Nutzung und wenn man sich oft ablenken lässt und auf viele unterschiedliche, bunte Signale reagiert, wird man gut darin, sich ablenken zu lassen, aber nicht darin, sich zu konzentrieren, denn dafür wurde das Gehirn ja nicht genutzt.
Ein durchschnittlicher Mann um 1850 hatte in seinem ganzen Leben weniger Impulse zu verarbeiten als wir an einem einzigen Tag. Wir lernen dazu und das Gehirn ist gemacht, um Probleme zu lösen. Wir sind auch dazu gemacht, dass wir auf Ablenkungen reagieren. Sich zu konzentrieren oder ein Buch zu lesen ist nicht genetisch veranlagt, sondern eine Kulturleistung, die man lernen und üben muss. Und das geht verloren.
Fehlende Sinnhaftigkeit ist ein weiteres Element, die uns Dinge prokrastinieren lässt.
Tipps:
Gamification ist eine Frage der Persönlichkeitsstruktur. Wenn man ein Freund der eigenen Autonomie ist, findet man das nicht so super.
Auch Navis greifen in die eigene Autonomie ein und es gehen (Gehirn)fähigkeiten verloren. Use it or lose it! Besser vorher den Weg auf der Landkarte raussuchen, das wirkt sich auf das Gehirn positiv aus.
Motivation – Inspiration und Begeisterung kommt von innen!
Tipps:
Andere Umgebungen simulieren durch andere Geräuschkulissen mit Noisly & Co.
Unterschiedliche Areale im Hirn für Schreiben per Hand, an der Tastatur oder diktieren?
Dinge, die schon einmal funktioniert haben, macht das Gehirn wieder. Die eigene Erfolgsstruktur wird vom Gehirn immer wiederholt. Kehrseite: Wenn man schon erfolgreich prokrastiniert hat, lernt das Gehirn diese Strukturen und wiederholt sie, weil es nicht unterscheidet in positiv oder negativ. Es lernt einfach. Und die Frage ist, was man ihm füttert.
Für Ruhe sorgen, Stress, Druck, Unsicherheit vermeiden, sonst kann man keine Standortbestimmung machen und den Kompass auch nicht stellen, wohin es gehen soll.
Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem.
Mein übliches Umsetzungsproblem liegt im Überarbeiten. Wenn ich einen Text geschrieben habe, ist der für mich bereits »erledigt«, warum soll ich mich schon wieder damit beschäftigen?
Die Belohnung, etwas erledigt/abgeschlossen zu haben, ist ja auch ein Punkt.
Es ist eine Erfahrung, etwas abzuschließen und etwas zu erreichen. es werden Glückshormone ausgeschüttet. Die Erfahrung, dass man auf sich selbst vertrauen kann, hilft einem dann wieder über Durststrecken.
Umgang mit unvorhergesehenen Dingen:
Gut und veröffentlicht ist besser als perfekt. Perfekt gibt es ohnehin nicht!
Zu wissen, dass man gerade in einer anderen Gehirnregion unterwegs ist, hilft schon. Es braucht etwas Zeit und man muss in einen Zustand der Gelassenheit zurück kommen, dass man sich das wieder zutraut.
PM-Weisheit: 20% Zeitpuffer draufschlagen!
Es macht große Freunde, wenn man sieht, dass Pläne aufgehen. (»Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!« … scnr )
Sich immer wieder dran erinnern, was Erfolg für einen selbst bedeutet.
Ein Ritual daraus machen, einmal die Woche im Kalender zu schauen und zu checken, ob man auf Kurs ist. Die Psychologie des Gelingens – das ist es, was man als Motivation beschreiben kann.
Tipp: Sich selber gut zureden und höflich und freundlich zu sich selber sein! Nicht mit sich schimpfen.
Demnächst dann mit Erfolgsgeschichte!
Unterstützt den Vienna Writer’s Blog & Podcast
By Klaudia Zotzmann-KochIm Gespräch mit Christina Beran über Aufschieberitis, zu viel Input, Strategien, sich selbst zu überlisten und die Wichtigkeit von Langeweile, wenn man kreativ arbeiten möchte.
Musik am Beginn: Adam Selzer, „Vintage News“
***
Christina auf Twitter
***
Prokrastination
gibt es schon länger
im Faust
Aber warum wird es immer aktueller und brisanter?
Astrid Lindgren: »Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach da zu sitzen und vor sich hin zu schauen.«
Wenn wir zu viele Inputs bekommen, läuft unser Gehirn auf einer Ebene, die nur Automatismen produziert.
Connectivity ist das Gegenteil.
Jedes Medium, das wir lang verwenden, verändert die Art, wie wir denken. Es wird zu einem Fortsatz unserer Selbst, Wir sind zu einem Teil der Digitalisierung geworden, nicht umgekehrt.
»Sofortness« / Geschwindigkeit der Geräte und der Technologie
Die Menschen passen sich den neuen Gegebenheiten an. Als Zeitungen kamen, waren allenur noch am Zeitung lesen, als Radios kamen, alle am Radio hören und jetzt ist es das Internet mit Smartphones, die wir nicht mehr aus der Hand legen.
Aufschreiben hat die Art, die Autoren sich an ihre Leserschaft wenden, völlig verändert! Bibliotheken waren eine Anreihung von kleinen Hütten (wie Telefonzellen), worin sich die Leser die langen Papyrusrollen – ohne Satzzeichen oder Abstände – laut vorgelesen haben. Leise lesen war die absolute Ausnahme. Als Satzzeichen erfunden wurden, wurde das laute, rhythmische Vorlesen dann überflüssig.
Jede intellektuelle Technologie verändert das Denken der Menschen, weil sich das Gehirn entlang seiner Nutzung entwickelt.
Über Christina:
»Viel machen« kennen Menschen im Kreativbereich auch. Wissenschaft ist auch kreativ!
Neurowissenschaften boomen, weil bildgebende Methoden da sind. Menschen beim Denken zusehen. Wie funktioniert denn Aufmerksamkeit, wie leichte Ablenkung und wie kann man dies direkt im Gehirn beobachten.
Ziele setzen braucht relative Ruhe, diese auch durchzuziehen und sich zu konzentrieren.
Wir haben ein Grundbedürfnis nach Verbundenheit und Potentialentfaltung – gleichzeitig.
Aufgabengebiete, die Menschen gern prokrastinieren:
Beim Bücherschreiben: Autor*innen haben sowohl die Autonomie, es ist auch nicht langweilig, schwierig ist es an sich auch nicht, aber wir Autor*innen prokrastinieren trotzdem.
Bessere und schlechtere Zeiten für verschiedene zu erledigende Aufgaben im Tagesverlauf.
In der Früh gleich die Zeit nützen und keine eMails oder Social Media lesen, das raubt die Energie!
Frisch verliebt ist auch nicht gut für die Konzentration oder Kreativität!
Tipp: Ein Ritual draus machen! Wiederholung, Gewohnheit, Bahnungen im Gehirn! Am besten abends vor’m Zuklappen des Notebooks gleich noch das Schreibprogramm starten und das Internet anschalten, dass in der Früh nichts mehr dazwischenkommen kann.
Tipp: Hyperlinks im Fließtext sind ein Absaugen von Energie von Aufmerksam und Energie, da eine Entscheidung vom Leser gefordert ist, ob er dem Link nachgehen möchte oder nicht. Fußnoten sind sinnvoller.
Das Gehirn entwickelt sich entlang seiner Nutzung und wenn man sich oft ablenken lässt und auf viele unterschiedliche, bunte Signale reagiert, wird man gut darin, sich ablenken zu lassen, aber nicht darin, sich zu konzentrieren, denn dafür wurde das Gehirn ja nicht genutzt.
Ein durchschnittlicher Mann um 1850 hatte in seinem ganzen Leben weniger Impulse zu verarbeiten als wir an einem einzigen Tag. Wir lernen dazu und das Gehirn ist gemacht, um Probleme zu lösen. Wir sind auch dazu gemacht, dass wir auf Ablenkungen reagieren. Sich zu konzentrieren oder ein Buch zu lesen ist nicht genetisch veranlagt, sondern eine Kulturleistung, die man lernen und üben muss. Und das geht verloren.
Fehlende Sinnhaftigkeit ist ein weiteres Element, die uns Dinge prokrastinieren lässt.
Tipps:
Gamification ist eine Frage der Persönlichkeitsstruktur. Wenn man ein Freund der eigenen Autonomie ist, findet man das nicht so super.
Auch Navis greifen in die eigene Autonomie ein und es gehen (Gehirn)fähigkeiten verloren. Use it or lose it! Besser vorher den Weg auf der Landkarte raussuchen, das wirkt sich auf das Gehirn positiv aus.
Motivation – Inspiration und Begeisterung kommt von innen!
Tipps:
Andere Umgebungen simulieren durch andere Geräuschkulissen mit Noisly & Co.
Unterschiedliche Areale im Hirn für Schreiben per Hand, an der Tastatur oder diktieren?
Dinge, die schon einmal funktioniert haben, macht das Gehirn wieder. Die eigene Erfolgsstruktur wird vom Gehirn immer wiederholt. Kehrseite: Wenn man schon erfolgreich prokrastiniert hat, lernt das Gehirn diese Strukturen und wiederholt sie, weil es nicht unterscheidet in positiv oder negativ. Es lernt einfach. Und die Frage ist, was man ihm füttert.
Für Ruhe sorgen, Stress, Druck, Unsicherheit vermeiden, sonst kann man keine Standortbestimmung machen und den Kompass auch nicht stellen, wohin es gehen soll.
Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem.
Mein übliches Umsetzungsproblem liegt im Überarbeiten. Wenn ich einen Text geschrieben habe, ist der für mich bereits »erledigt«, warum soll ich mich schon wieder damit beschäftigen?
Die Belohnung, etwas erledigt/abgeschlossen zu haben, ist ja auch ein Punkt.
Es ist eine Erfahrung, etwas abzuschließen und etwas zu erreichen. es werden Glückshormone ausgeschüttet. Die Erfahrung, dass man auf sich selbst vertrauen kann, hilft einem dann wieder über Durststrecken.
Umgang mit unvorhergesehenen Dingen:
Gut und veröffentlicht ist besser als perfekt. Perfekt gibt es ohnehin nicht!
Zu wissen, dass man gerade in einer anderen Gehirnregion unterwegs ist, hilft schon. Es braucht etwas Zeit und man muss in einen Zustand der Gelassenheit zurück kommen, dass man sich das wieder zutraut.
PM-Weisheit: 20% Zeitpuffer draufschlagen!
Es macht große Freunde, wenn man sieht, dass Pläne aufgehen. (»Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!« … scnr )
Sich immer wieder dran erinnern, was Erfolg für einen selbst bedeutet.
Ein Ritual daraus machen, einmal die Woche im Kalender zu schauen und zu checken, ob man auf Kurs ist. Die Psychologie des Gelingens – das ist es, was man als Motivation beschreiben kann.
Tipp: Sich selber gut zureden und höflich und freundlich zu sich selber sein! Nicht mit sich schimpfen.
Demnächst dann mit Erfolgsgeschichte!
Unterstützt den Vienna Writer’s Blog & Podcast