Interpreten: Víkingur Ólafsson
Der isländische Pianist Víkingur Ólafsson
kehrt auf seinem neuen Album zurück zu Johann Sebastian Bach. Nach 2018 ist es
nun mit den Goldberg-Variationen sein zweites reines Bach Album und das erste,
das einen kompletten zusammenhängenden Zyklus präsentiert. Ein Album, auf das
man gewartet hat, findet zumindest Michael Gmasz.
Kennen Sie das nicht auch? Sie lernen
einen Künstler oder eine Künstlerin kennen, hören die ersten Aufnahmen und
denken sich, wow, der oder diejenige sollte unbedingt einmal dies oder das
aufnehmen. Normalerweise geht es mir persönlich vor allem bei Sängerinnen und
Sängern so, aber im heutigen Fall ist es tatsächlich ein Pianist, bei dem ich
seit einigen Jahren auf das nun veröffentlichte Album warte. Die Aria mit 30
Variationen und Aria dacapo, besser bekannt als Goldberg-Variationen von Johann
Sebastian Bach in der Aufnahme des Pianisten Víkingur Ólafsson. Und ich kann es
gleich sagen, meine Erwartungen wurden in keinster Weise enttäuscht.
Ólafsson legt den Beginn mit der Aria
noch bewusst unterkühlt, streng im Rhythmus und immer dem Metrum verhaftet an,
nur um dann in ein umso organischeres, mit so vielen unterschiedlichen Facetten
in Sachen Tempo, Klangfarben, Anschlag etc. ausgestattetes, Variationenwerk zu
gehen. Dynamisch abwechslungsreich, immer mit einem leichten Zug nach vorne und
doch nie gehetzt, klingt Bachs Musik unter den Händen dieses Ausnahmepianisten.
Rasant sausen die Finger der rechten Hand über die Klaviatur, während die Linke
die Basslinien mal wie einen gezupften Walking Bass, und dann wieder schön
breit und klangvoll im Legato anlegt. Hoch virtuos die perlenden Kaskaden der
fünften Variation, klanglich wiederum komplett anders das Cembalohafte der
Siebenten oder irrwitzig die Sprünge in der Variation Nummer 20. Und das sind
nur einige Beispiele aus einem ganzen Kosmos, den wir in knapp 75 Minuten
gemeinsam mit Víkingur Ólafsson durchfliegen. In dieser Saison wird er ausschließlich
mit den Goldberg-Variationen in Konzerten zu erleben sein, in Wien übrigens
schon in wenigen Tagen, nämlich am 4. November. (mg)