wurde in der Wiener Staatsoper „La Sonnambula“ von Vincenzo Bellini wieder ins
Repertoire aufgenommen. Es war die 54. Aufführung in der Inszenierung von Marco
Arturo Marelli. Unser Opernexperte Richard Schmitz berichtet.
Es war ein großer Opernabend.
„La Sonnambula“ entfaltete den Zauber des belcanto. Die Oper ist nicht zufällig
die meistgespielte Oper Bellinis. Brenda Rae ist als Amina wirklich eine Diva,
was sie ja am Ende bei Marelli auch sein soll. Der Aufstieg von der Küchenhilfe
zur gefeierten Sängerin wirkt durchaus glaubhaft. Die anfangs unsichere junge
Frau mit ihrer somnambulen Veranlagung singt sie zurückhaltend und steigert
sich gekonnt in die Selbstsicherheit hinein. Ihr Koloratursopran brilliert mit
außergewöhnlichen Verzierungen und sicheren Spitzentönen. Die beiden
Schlafwandelszenen sind berührend. Javier Camarena singt das einfältige
Muttersöhnchen Elvino mit einigen Spitzentönen verlässlich und entspricht damit
der Intention des Regisseurs. Imponierend in Stimme und Auftreten Roberto
Tagliavini als Graf Rodolfo. Maria Nazarova zeigt als Lisa ihre
Wandlungsfähigkeit und besteht neben den großen Stimmen achtbar; Szilvia Vöros
muss die Mutter Teresa statisch anlegen. Jack Lee als Alessio bleibt der Rolle
entsprechend unauffällig.
Giacomo Sagripanti dirigiert
einen inspirierenden Abend. Manchmal wünscht man sich etwas mehr Tempo und
Drive. Das durchdachte Bühnenkonzept von Marelli packt noch immer und gibt den
Sängern genügend Freiraum ihre Rollen zu gestalten. Die Verlegung der Handlung
in ein Schweizer Nobelsanatorium wirkt logisch.
Das Publikum reagierte mit
Sachverstand und spendete reichlich Szenenapplaus. Allgemeiner Jubel.